Anmelden oder registrieren

Adam RIESE und Bambergs Beat

18.05.2018 || 16:20 Uhr von:
Ludwigsburg sweept sich ohne Center ins Halbfinale, Bamberg findet wieder seinen Beat, Paulding und Grigonis liefern sich das Duell des Viertelfinals und Isaac Bonga gibt den Blue Magic.

Zehn Dinge, die der Autor mag und nicht mag an den BBL Playoffs. Inspiriert von ESPNs Zach Lowe. Die erste Ausgabe behandelte unter anderem Pauldingburgs Stärke und Bayerns Schwäche.

Die Gleichung scheint einfach: Fehlen zwei deiner Center, hast du ein großes Problem. Doch nach Adam RIESE geht diese Rechnung nicht auf. Die MHP RIESEN Ludwigsburg haben den Verletzungen von Johannes Thiemann und Justin Sears getrotzt, medi bayreuth per Sweep aus den Playoffs gefegt und vor allem dank ihrer Intensität in kleinen Formationen überzeugt. The Last Big Man Standing: Adam Waleskowski.

Der 2,03 Meter große und 109 Kilogramm schwere Waleskowski war der letzte verbliebene Spieler in Ludwigsburger Reihen (sieht man von Jacob Wiley ab), der das Etikett Big Man wirklich am Trikot tragen kann. Mit ihm auf der Fünf sorgte Waleskowski für noch mehr Spacing. Denn entgegen Thiemann und Sears beherrscht Waleskowski den Distanzwurf. Seine häufigste Abschlussart war die des Abrollers im Pick-and-Roll, meist hinter die Dreierlinie. Über die Serie netzte der Big Man sechs seiner zehn Dreier ein; über die Hauptrunde hatte Waleskowski mit 39-prozentiger Quote geglänzt.

Defensiv ist er mit seinen 35 Jahren im Pick-and-Roll keine allzu große Schwachstelle, er rotiert intelligent, putzte gegen Bayreuth das eigene Brett und hält die Mannschaft als Glue-Guy zusammen. Eben ein Rollenspieler, der gegen Bayreuth dank Effizienz aus dem Feld mit 15 Punkten fast zum Offensivmittelpunkt explodierte. Die Aufmerksamkeit erhalten dennoch andere – was auch an seinem Dagger in Bayreuth ersichtlich wurde:

Waleskowski stellt in der Schlussminute einen Pin-Down für Thomas Walkup. Die Bayreuther Verteidigung erwartet, dass eben jener Walkup eine Aktion forcieren wird. Dementsprechend verteidigt James Robinson im „Deny“, dementsprechend sinkt Assem Marei erstmal ab. Doch nach dem Block tritt Waleskowski nach außen und versenkt den Dreier zur Fünf-Punkte-Führung.

Vor fünf Jahren lief Waleskowski noch bei Düsseldorf in der zweiten Liga auf. In seiner Anfangszeit in Ludwigsburg war der gebürtige US-Amerikaner einer von mehreren Spielern, die nicht in Deutschland ausgebildet wurden, aber die deutsche Staatsbürgerschaft hatten. Viele sahen darin nicht den Sinn der Quote erfüllt. Dies hat sich in Ludwigsburg mittlerweile geändert, unter anderem Johannes Thiemann avancierte zum gestandenen Nationalspieler – der nun wieder genesen scheint. Beim Blowout im entscheidenden dritten Spiel schickte „JP“ „JT“ für die Schlussphase aufs Parkett – ein Zeichen an die Konkurrenz, dass da noch mehr kommt.

Doch auch ohne Thiemann schlug sich Ludwigsburg stark, was neben Waleskowski vor allem an der physisch starken und vielseitigen Forward-Riege lag: Walkup, Elgin Cook und Dwayne Evans wollten von Mismatches ob des vermeintlichen Bayreuther Big Ball nichts wissen. Wie in der Playoff-Vorschau angeschnitten, können die Ludwigsburger in solch kleinen Formationen fast noch stärker ihre intensive Verteidigung aufs Hartholz bringen. Wenn nicht übers ganze Feld, so auch im Halbfeld (siehe der nächste Punkt).

Mitunter ließ John Patrick so klein spielen, dass Thomas Walkup auf der Vier und Dwayne Evans auf der Fünf aufliefen. Vor allem im dritten Spiel war dies ein entscheidender Schachzug, mit dem die Schwaben im dritten Viertel davonzogen.

In folgendem Video sind die Vorzüge einer solchen Formation gezeigt: Als Big-Man-Verteidiger kann Walkup das Pick-and-Roll aggressiv verteidigen, so kommen die RIESEN fast zum Ballgewinn – forcieren durch Malik Müllers gezogenes Offensiv-Foul letztlich doch noch den Bayreuther Ballverlust. Offensiv kann Walkup größere Gegenspieler locker im Drive schlagen. In dieser Sequenz muss De’Mon Brooks aushelfen, womit Evans offen für den Tip-In bereitsteht. Evans zeigte sich überhaupt stark bei seinen Putbacks.

Über die gesamte Serie nutzte Patrick für 10:12 Minuten das Big-Men-Duo Walkup/Evans. Das Resultat: Ludwigsburg bei +13!

2. Ludwigsburgs Defense: Deflections

LuBu Clan ain’t nuttin ta fuck wit. Nicht nur das schwarz-gelbe Design erinnert an den Wu-Tang Clan, die Ludwigsburger stechen mit ihrer ausschwärmenden Verteidigung zu: Killa Bees, The Swarm. In der Erstrundenserie gegen Bayreuth rückten die Schwaben aber gar nicht so sehr ihre Ganzfeldverteidigung in den Fokus, vielmehr war es ihre Defense im Halbfeld. Dort nahmen sie zum einen durch Doppeln den Rhythmus der beiden Center Assem Marei und Andi Seiferth. Zum anderen überzeugte Ludwigsburg mit sogenannten „Deflections“.

Damit werden Aktionen bezeichnet, in denen der Verteidiger seine Finger an den Ball bekommt und gegnerische Anspiele verhindert. Die NBA führt seit einiger Zeit bei den Hustle-Statistiken sogar „Deflections“ auf ihrer Homepage. In der BBL sind solche Stats nicht erfasst, doch die Ludwigsburger dürften ganz vorne stehen. Folgendes Video zeigt Beispiele aus der zweiten und dritten Partie gegen Bayreuth, in denen Ludwigsburg die Bayreuther Offensive zum Stocken bringt.

Beim Auswärtsspiel gelingen den Ludwigsburgern Mitte des ersten Viertels in drei von vier Bayreuthern Angriffen hintereinander solche Deflections. Elgin Cook beweist, dass er auf der Vier kein Mismatch ist, sondern mit seiner Beweglichkeit die Verteidigung stärkt. Die Sequenz aus dem Heimspiel zeigt David McCray mit Deflections aus guter Help-Defense und Rotation.

3. Bambergs Defense: „Catch up“ mit Mayo

Ihre Verteidigung verbessert hat auch Brose Bamberg. Luca Banchi hat zweieinhalb Monate Zeit gehabt, sein System zu implementieren – seit eineinhalb Monaten ist die Doppelbelastung der EuroLeague weggefallen. Dieses Mehr an Zeit, auch für das Training, macht sich bezahlt. Was Banchi auch gefunden hat: die gewünschte Rotationen. Zwar wechselt er (noch) bei den ausländischen Spots (Luka Mitrovic oder Dejan Musli; Ricky Hickmann oder Ali Nikolic), – diese Umstellungen könnten aus Matchup-Sicht noch hilfreich sein –, doch vor allem seine Big Men in Augustine Rubit und Leon Radosevic scheint er gefunden zu haben.

Einer der beiden in Kombination mit Daniel Hackett ergeben ein starkes Pick-and-Roll-Verteidigungsduo – was auch Bonns Josh Mayo erleben musste. Wie auch immer der Wirbelwind im Pick-and-Roll agierte, die Bamberger holten ihn ein – „Catch up“ mit Mayo. Hackett ist ein starker Guard-Verteidiger, während Radosevic und Rubit schnell genug sind, um den Ballhandler vor sich zu halten oder nach dessen Drive Schritt zu halten. In der gesamten Serie schloss Mayo nur elfmal als Pick-and-Roll Ballhandler ab: Dabei traf Mayo nur zwei seiner neun Würfe und zeigte sich mit 0,55 Punkte pro Possession ineffizient. Drei Aktionen sind im folgenden Video zu sehen.

Eine starke Pick-and-Roll-Verteidigung wird auch im Halbfinale gegen den FC Bayern München entscheidend sein: Denn bei den Bayern präsentiert sich Stefan Jovic in der Offensive wertvoller denn je. Hackett gegen Jovic, ein Schlüssel-Matchup der Serie.

Die Bayern wiederum haben in Jared Cunningham einen potentiell starker Verteidiger im Pick-and-Roll. Er machte Phil Scrubb das Leben schwer und war verantwortlich dafür, dass der Liga-Topscorer in der Serie nur 37,3 Prozent seiner Feldwürfe verwandelte. Cunningham mag es an der konstant konsequenten Verteidigung mangeln, doch solche flinken Füße sind in der Defense Gold wert.

Adam RIESE und Bambergs Beat
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.