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Abstimmungsprobleme

19.02.2018 || 11:59 Uhr von:
Die BBL-Vereine entscheiden über Bauermann als U20-Trainer, in Athen liegt das Schicksal des Vereins fast in den Händen der Fans: Abstimmungen sind auf dem Vormarsch. Die Klatschpappe stellt fest, dass das nicht funktioniert.

In den letzten Wochen schob sich im europäischen Basketball ein Thema vorsichtig in den Vordergrund: die Abstimmung. Alles begann Anfang Februar mit dem DBB, der sich für die Heim-Europameisterschaft der U20 Dirk Bauermann als Trainer wünschte. Da dieser aktuell aber auch s.Oliver Würzburg in der Bundesliga trainiert, ist das mit dem DBB-Cheftrainerposten nicht so einfach. Seit 2008 verbieten die BBL-Statuten eine Doppelfunktion als Vereins- und Bundestrainer. Im Falle der Betreuung der U20-Nationalmannschaft hätte aber wohl ein positives Abstimmungsergebnis der Bundesliga-Clubs Bauermanns Einsatz im Sommer möglich gemacht. Der 60-Jährige errang in seiner Karriere bereits neun deutsche Meisterschaften und vier Pokalsiege; im Jahr 2005 gewann er mit der Nationalmannschaft die Silbermedaille bei der EM in Serbien und Montenegro. Darüber hinaus zählt Bauermann zu den wenigen prominenten Personen des deutschen Basketballs und könnte daher im Rahmen der Heim-EM als Zugpferd wirken. Kurzum: Dirk Bauermann ist ein erfahrener und erfolgreicher Trainer, der mehrmals bewiesen hat, eine Mannschaft gut durch ein Turnier führen zu können.

Fast alle Vereine stimmten für das Festhalten am Statut des Verbotes der Doppelfunktion und damit gegen seinen Einsatz.

Das Schicksal in den Händen der Fans

Auch in Griechenland sollte eine Abstimmung stattfinden, diesmal waren aber die Fans gefragt. Dimitris Giannakopoulos, der Vereinspräsident von Panathinaikos Athen, war nämlich mächtig wütend. Nachdem er auf Instagram einige Fans von Fenerbahce Istanbul böse beleidigte und sich zudem mehrfach kritisch gegenüber der Euroleague und deren Schiedsrichtern äußerte, schloss ihn die Euroleague Anfang Februar für zwölf Monate von all ihren Veranstaltungen aus. Der Grieche drohte daraufhin mit sofortigem Rückzug aus dem laufenden Spielbetrieb und ordnete ein Referendum an, in dem die Panathinaikos-Fans per SMS darüber abstimmen sollten. Die europäische Saison zu Ende spielen oder nicht? Das Schicksal des Vereins lag in den Händen der eigenen Anhänger.

Letztendlich blies Giannakopoulos die Abstimmung wieder ab, Panathinaikos bleibt erstmal dabei. Ein Rückzug im Anschluss an diese Saison steht aber weiterhin im Raum.

Jetzt könnte man fragen, ob aus den Abstimmungen in Zukunft tatsächlich ein Trend werden könnte. Vielleicht hält diese basisdemokratische Idee tatsächlich Einzug in den Alltag der europäischen Basketballlandschaft? Stellen wir uns das einfach mal vor. Fans können ihre manchmal harten Urteile und Einschätzungen jetzt schon jederzeit im Internet mit einer breiten Masse teilen und diskutieren – was aber, wenn sie beispielsweise über die Zukunft des momentan erfolglosen Trainers abstimmen dürften? Wie würden sie mit dieser Macht umgehen? Hätten die Fans in Athen für den Rückzug aus der Euroleague gestimmt, müssten sie fortan auf die hochklassigen europäischen Spiele verzichten; bei anderer Entscheidung hätten sie aber möglicherweise den Präsidenten vergrault. Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Und mit jeder getroffenen Entscheidung wird man angreifbar.

Harmonie

Deshalb hat Giannakopoulos mit der Absage der Abstimmung wohl alles richtig gemacht. Fans und Entscheidungsträger verbindet vor allem das gleiche Ziel. Beide wünschen sich bestmögliche Ergebnisse. Die Fans bilden dabei das Fundament, durch sie lebt der Verein, sie geben ihm einen Charakter. Die Entscheidungsträger sind das Gehirn, sie tragen die Last, stehen bei Erfolgen im Fokus und bei Niederlagen in der Kritik. Der eine kann dabei nicht ohne den anderen. Im schlimmsten Fall wäre in Athen der Präsident mit den Fans verkracht gewesen und die Fans untereinander verstritten ob des Ergebnisses. Durch die Absage der Abstimmung bleibt alles beim Alten. Die einen jubeln, schimpfen, meckern, trauern, feiern – dann gehen sie nach Hause, machen sich einen Kaffee und können an etwas Anderes denken. Die anderen zerbrechen sich auch zu Hause den Kopf, werden mal bejubelt, mal kritisiert und behalten die Entscheidungsmacht. Harmonischer geht es nicht.

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