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Gothas Erfolg hat einen Namen: Chris Ensminger

28.01.2015 || 12:31 Uhr von:
Als der am 08.12.1973 in Cincinnati geborene Chris Ensminger 2013 als Head Coach bei den Oettinger Rockets Gotha verpflichtet wurde, war das für die Verantwortlichen und Fans zweifellos mit großer Hoffnung verbunden. D...

Als der am 08.12.1973 in Cincinnati geborene Chris Ensminger 2013 als Head Coach bei den Oettinger Rockets Gotha verpflichtet wurde, war das für die Verantwortlichen und Fans zweifellos mit großer Hoffnung verbunden. Dass Ensminger allerdings in der Lage sein würde, innerhalb von nur zwei Jahren aus einem Abstiegskandidaten eine Spitzenmannschaft zu formen, hätten viele wohl nicht für möglich gehalten, zumal es sich um seine erste Trainerstation handelt…


„Bad Guy“ und Spieler der Superlative

Ganz zufällig scheint der Erfolg allerdings nicht. Nur wenige verfügen aufgrund einer langen Karriere in der BBL über solch enormes Wissen und hervorragende Kontakte im deutschen Basketball, wie der ehemalige Profispieler. Seine Karriere begann Ensminger 1994 als aktiver Spieler an der Valparaiso University, bevor er über Tours in Frankreich, den FC Porto in Portugal und die North Harbour Kings in Neuseeland nach Deutschland kam und in der BBL seine zweite Heimat fand. Begonnen hat der 2,08m große Center seine Bundesliga-Laufbahn damals in Weißenfels beim Mitteldeutschen BC, wo er sich innerhalb von zwei Jahren einen Namen machte – unter anderem mit einer Hausmarke von 22 Rebounds im Spiel gegen ratiopharm Ulm im März 2001. Nach einer starken Saison wechselte er schließlich nach Bamberg, wo mit Dirk Bauermann gleichzeitig der Erfolgstrainer jener Zeit das Amt des Headcoaches übernahm. Die Zeit in Bamberg war für Ensminger, nach anfänglicher Eingewöhnungszeit, die erfolgreichste seiner Karriere, in der man unter anderem 2005 und 2007 Deutscher Meister wurde und 2007 den BBL Champions Cup gewann.

EnsmingerNachdem der Vertrag des US-Amerikaners in Bamberg 2008 nicht verlängert wurde, wechselte er für ein Jahr zu den Paderborn Baskets, die kurzum mit seiner Hilfe überraschend die Playoffs erreichten und nur knapp mit 2:3 gegen ALBA Berlin ausschieden.

Zum Abschluss seiner Karriere wechselte Ensminger 2009 zu den Telekom Baskets Bonn, mit denen er bis zu seinem Karriereende 2013 regelmäßiger Gast in der Postseason war. Der kantige Big Man wurde während seiner Zeit in der BBL des Öfteren auch als „Bad Guy“ betitelt, denn seine Zielstrebigkeit und uneingeschränkter Ehrgeiz waren schon immer die primär ausgeprägten Eigenschaften. Dementsprechend galt seine Spielweise als mitunter sehr rustikal, was ihm in den vielen Jahren nicht nur Freunde einbrachte. So kam es durchaus vor, dass „Ensminger raus“-Rufe durch die Hallen klangen oder das Holzmichl-Lied der Randfichten auf „Holzt denn der alte Ensminger noch…?“ umgedichtet wurde. Rückblickend betrachtet wich diese Kritik doch dann eher dem überwiegend großen Respekt. Ensminger war ein Spieler, wie es wohl so schnell keinen zweiten in der BBL geben wird: Neben seiner allgemein hohen Spielintelligenz, hatte er vor allem ein einzigartiges Auge für Spielsituationen,  das ihm auch zu aktiver Zeit meist einen Vorteil gegenüber seinem Gegenspieler einbrachte.

Neben den zahlreichen Mannschaftserfolgen seiner Karriere heimste Chris Ensminger auch einige persönliche Erfolge ein. So war er beispielsweise 7mal beim BBL All-Star Game dabei und wurde 2010 obendrein zum MVP der Liga gewählt. Im  Jahr 2005 war Ensminger außerdem mit 10.7 Rebounds pro Spiel bester Rebounder im ULEB Cup (heute Eurocup) und zeigte somit auch auf internationalem Parkett seine Qualität unter den Brettern.

Ensminger war ein unheimlich mannschaftsdienlicher Spieler dessen große Stärke die Verteidigung war. Vor allem in den Jahren bei den Brose Baskets galt er als überragender Rim Protecter und räumte die Zonen der BBL ordentlich auf. In den Jahren 2001 bis 2005 heimste er jeweils die meisten Rebounds der gesamten Liga ein und pflückte im Oktober 2004 gegen die WALTER Tigers sensationelle 17 Defensivrebounds. Auch offensiv konnte Ensminger hin und wieder glänzen, so zum Beispiel in der Saison 2012, als er im Trikot der Telekom Baskets gegen Würzburg 29 Punkte erzielte.

Nichts dem Zufall überlassen

Chris EnsmingerIn der vergangenen Saison 2013/14 nahm Chris Ensminger dann seine neue Rolle als Trainer der Oettinger Rockets Gotha ein und formt seitdem eine stetig besser werdende Mannschaft. Das Geheimnis des Erfolges überträgt er dabei aus seiner Spielerkarriere auf sein Team: Die Defense! Nicht umsonst gelten die Gothaer als eines der besten Defense-Teams der ProA und führen die Liga in Rebounds pro Partie (39.2) an.

Als Ensminger die Mannschaft im Sommer 2013 übernahm, konnte man in der Vorsaison dem Abstieg gerade noch so verhindern, indem man u.a. im letzten Spiel gegen Chemnitz siegte. Coach Chris begann seinen neuen Job also bei einem Abstiegskandidaten, für den er die Weichen allerdings sehr schnell auf Erfolg zu stellen wusste. Ein Ensminger überlässt eben nichts dem Zufall, sein Wirken ist jederzeit kalkuliert und geplant: Von Anfang an begann er gewohnt zielstrebig, jederzeit gut vorbereitet und immer professionell seine Arbeit auszuführen und mit der Unterstützung von BiG und seinen Kontakten einen Kader aufzubauen, der an Qualität Stück für Stück zunahm.

Mit diesem Team gelang es dann auch sich bis auf Platz 7 und somit in die Playoffs  der ProA zu kämpfen, wo man jedoch am späteren Vizemeister den Crailsheim Merlins mit 1:3 scheiterte.  Dennoch hatte Ensminger mit der ersten Playoff-Teilnahme der Rockets bereits im ersten Jahr einiges bewegt. Ihm ist es zu verdanken, dass mit zunehmenden Erfolg, die Euphorie einer ganzen Stadt immer weiter steigt und der Basketball zum sportlichen Zugpferd der ganzen Region avanciert.

2014 – das Jahr der Rockets

Für Ensminger ist eine starke Verteidigung das A und O eines erfolgreichen Basketballspiels. Insbesondere in dieser Saison lassen die Rockets nur sehr wenige gegnerische Punkte (68.7) zu und entwickelten sich somit allmählich zur Spitzenmannschaft. Aktuell spielen nur die Gießen 46ers, gemessen an den Punkten der Gegner im Schnitt, eine noch bessere Defense.

Dabei hatte die Saison 2014/15 für den ganzen Club sehr schwer begonnen. Im Mai musste man den Tod von Oettinger-Chef und Vereinspräsident Dirk Kollmar verkraften. Auch für Ensminger war Dirk Kollmar immer eine wichtige Person, war er es doch gewesen, der ihm den Schritt zur Trainerkarriere ermöglicht und ihn letztlich nach Gotha geholt hatte. Die Arbeit der Oettinger Rockets Gotha wurde in seinem Sinne weitergeführt und musste während des Sommers bei der Kaderzusammenstellung vor allem einen der Top Performer der Liga ersetzen. Chase Griffin, absoluter Publikumsliebling und Aufstiegsheld, hatte es nach Vechta gezogen.

Carlton Guyton Oettinger RocketsAuch mit der Verpflichtung seines neuen Assistenten Steven Esterkamp ist Ensminger ein guter Griff gelungen, um auch das Trainerteam weiter zu verbessern. Bereits früh in der Saison wurde deutlich, dass den beiden beim Scouting der ein oder andere Glücksgriff gelungen ist. Ein Beispiel dafür ist der Amerikaner Will Reinke, der aktuell einen der Top-Center der kompletten Liga darstellt. In seinem Spiel und mit seiner großen Reboundstärke erinnert er sehr an die Spielweise seines Trainers. Neben Reinke, konnten einige weitere Neuzugänge ihre Erwartungen an sie mehr als erfüllen. So zum Beispiel Lösing, Völler oder auch Guyton. Dazu kommen junge Spieler wie Fülle und Hoffmann, die von Ensminger integriert werden uns sich stetig weiter entwickeln. Aber auch Gothaer Alteingesessene wie Albert Kuppe wachsen gelegentlich unter seiner Hand über sich hinaus und spielen eine starke Saison. Die Teamchemie ist so gut wie noch nie. Ein Grund hierfür dürfte noch eine weitere Priorität des Trainergespanns sein: neben der defensiv-orientierten Spieltaktik, legen Ensminger und Esterkamp großen Wert auf die Charaktere der einzelnen Spieler. Da verwundert es nicht, dass auf dem Feld ein Rad ins andere greift und Neuzugänge bestens integriert werden können.

Ein Grund für den Erfolg ist folglich ein verbessertes Scouting, das einen optimalen Mix im Kader der Rockets ermöglichte. Ein weiterer Faktor ist das Teamplay, was ebenfalls wieder eine Parallele zum Spieler Ensminger darstellt. Genau so mannschaftsdienlich wie er einst war, verlangt er es nun auch von seinen Spielern. Diese schätzen wiederum die Konstanz an ihrem Trainer. Die intensive und bestmögliche Vorbereitung bzw. Einstellung im Training per Videoanalyse auf die jeweiligen Gegner sowie seine Motivationsfähigkeit, sind die Geheimnisse des Coaches verriet uns Gothas Dmitrij Kreis nach dem Spiel in Gießen.

Der Erfolgscoach im Interview

Court Review: Vor kurzem haben Sie den Vertrag bei den Rockets bis 2017 verlängert. Was macht Gotha für Sie so besonders? Warum wollen sie langfristig hier bleiben?

Chris Ensminger: Ich freue mich über die aktuelle Situation. Ich denke wir sind auf einem guten Weg, sowohl mit der ersten Mannschaft als auch mit der Nachwuchsarbeit. Die letzten fünf Heimspiele warne zudem alle ausverkauft und die Stimmung ist einfach immer super. Auch meine Familie fühlt sich sehr wohl in Gotha. Mit Dirk Kollmar habe ich 2013 darüber gesprochen eine eigene Identität hier aufzubauen – das ist uns teilweise bereits gelungen und wir werden Schritt für Schritt weiter daran arbeiten, sei es in Sachen neue Halle oder sonstige Weiterentwicklungen im Verein.

Court Review: Werden Ihnen demnächst auch einige Spieler folgen und den Vertrag ebenfalls verlängern?

Chris Ensminger: Derzeit ist das kein Thema. Wir werden zunächst die Saison in aller Konsequenz zu Ende spielen und in den nächsten zwei, drei Monaten beginnen Gespräche zu führen.

Court Review: Einen Neuzugang haben Sie bereits jetzt nach Gotha holen können. Wie zufrieden waren Sie mit dem ersten Auftritt von Christopher Razis?

Chris Ensminger: Christopher ist ein guter Spieler und passt zudem charakterlich bestens in die Mannschaft. Er wird uns weiterhelfen.

Court Review: Apropos Neuzugang. Wie funktioniert eigentlich das Scouting bei den Oettinger Rockets? Wie werden Sie auf solche Spieler wie eben Christopher Razis aufmerksam?

Chris Ensminger: Nun zunächst bekommen wir erste Informationen von einem Agenten, ehe wir uns Spieler meist per Videoanalyse anschauen. Christopher habe ich zudem während des Sommers in Griechenland selbst spielen sehen.

Court Review: Die bisherige Saison verläuft durchaus vielversprechend. Könnten sie sich vorstellen, sofern die Voraussetzungen geschaffen sind, mit Gotha den Weg in die BBL zu gehen?

Chris Ensminger: In aller erster Linie brauchen wir eine neue Halle. Danach muss einfach alles zusammenpassen. Ich denke zum jetzigen Zeitpunkt sind wir noch nicht bereit für die Bundesliga. Wir müssen weiter kontinuierlich arbeiten und dann vielleicht nächstes Jahr oder in zwei Jahren neu analysieren. Ich möchte nicht in die BBL aufsteigen, ehe nicht alle Voraussetzungen geschaffen sind. Das Budget, der Kader, auch die Nachwuchsarbeit – NBBL und JBBL – müssen stimmen, um dann nicht nur 3 oder 4 Siege zu holen, sondern langfristig in der Bundesliga zu verbleiben.


Im Resümee bleibt festzustellen, dass Gotha genau die richtige erste Trainerstation für solch einen Typ zu sein scheint und Ensminger gleichermaßen genau den richtigen Headcoach für das Team der Oettinger Rockets bildet. Gotha ist dankbar für ihren Trainer und will noch viele weitere Erfolge mit ihm feiern. Vielleicht auch in der BBL. Irgendwann…

Gothas Erfolg hat einen Namen: Chris Ensminger
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