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„Wollen verhindern, dass dieses Szenario eintritt“

30.08.2017 || 12:09 Uhr von:
Martin Geissler (Geschäftsführer des Mitteldeutschen Basketball Clubs) steht basketball.de Rede und Antwort für sportliche/wirtschaftliche Fragen in Bezug auf die Saison 2017/18.

Sportliche Fragen

basketball.de: Der Kader des Mitteldeutschen BC für die kommende Saison ist komplett. Die ersten Trainingseinheiten sind absolviert. Wie schätzt du die Mannschaft ein?

Martin Geissler: Ich denke, wir haben auf dem Papier eine sehr gute Mannschaft zusammen. Nach meiner Wahrnehmung haben wir das Beste, was unser Budget hergegeben hat, verpflichten können. Wenn man die Mischung aus Erfahrung und Talent/Qualität sieht, sind wir gut aufgestellt. Für unsere Möglichkeiten können wir wirklich zufrieden sein mit dem, was wir in der Halle stehen haben.

Wenn ich mir die Mannschaft so ansehe, dann fällt auf, dass nur ein Spieler [Cleveland „Pancake“ Thomas, Anmerkung der Redaktion] verpflichtet wurde, der vom College kommt. Der Rest der Mannschaft geht mindestens in seine zweite Profi-Station. War das so gewollt oder hat sich das mehr oder weniger ergeben.

Wir wollten einen jungen Spieler haben, der vom College kommt und von dem wir glauben, dass bei ihm Potential dahinter steckt und sich der Spieler entwickeln kann, vielleicht sogar überraschen kann. Wir hatten das Ziel, dass es nur bei einem Rookie bleiben wird und wir den Rest der Mannschaft mit erfahrenen Spielern aufbauen, die aus der europäischen ersten Liga kommen, oder dass es Top-Spieler sind, die in der ProA überzeugt hatten und von denen wir selbst ein klares Bild hatten. Es war schon geplant, dass ein junger Spieler dabei ist und der Rest eher erfahren und wir ein bisschen auch absehen können, was die Spieler zu leisten im Stande sind.

Ich glaube, dass diese Erfahrung, die wir dieses Jahr haben, vor allem auch mit den Spielern, die wir gehalten haben, wichtig ist. Mit Marcus, Pante und Malte haben wir drei Spieler dabei, die alle mindestens vier Jahre dann beim MBC spielen. Es ist etwas Besonderes. Das soll aus unserer Sicht sicherlich auch dazu beitragen, dass das Thema Identifikation der Fans mit dem MBC größer wird. Da sind wir sehr zufrieden. Das Thema Erfahrung ist am Ende auch entscheidend, ob wir unser Ziel Klassenerhalt erreichen oder nicht.

[Anmerkung der Redaktion: Der Tryout-Vertrag mit Cleveland „Pancake“ Thomas wurde nicht verlängert. Für ihn wurde Jordan Sibert verpflichtet (basketball.de berichtete). Begründet wurde die Personalentscheidung damit, dass der MBC in der aktuellen Situation (Erkrankung Kerusch und Verletzung Schwarz) ein erfahrenen Spieler benötigt.]

Du hast es gerade selbst angesprochen: Das Ziel lautet Klassenerhalt. Die Kader der Konkurrenz sind so gut wie alle komplett. Es sind noch Mannschaften offen, die nicht so viel mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden. Wie schätzt du die Kader der Konkurrenz ein? Hast du da schon einmal geschaut oder wird sich das erst ergeben?

Jeder Kader der Mannschaften, die in der BBL spielen, ist für uns gefährlich und auch schwer zu schlagen. Das muss man ehrlich sagen – auch wenn wir mit unserer Mannschaftsaufstellung zufrieden sind. Die Mannschaft muss erst einmal zusammen wachsen. Die Spieler müssen in den Spielen zeigen, dass die Mischung, die wir haben, auch passt. Genauso ist es auch bei den Gegnern. Es hat noch kein Team ein Testspiel gemacht [Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde am 16.08.2017 geführt]. Ich glaube am Samstag sind die ersten Testspiele von BBL-Teams. Diese Spiele drücken meistens dann auch nicht so viel aus, aber es gibt dann schon einen Fingerzeig auch für uns. Wir spielen gegen Jena, sicher einen direkten Konkurrenten, wenn es darum geht in der Liga zu bleiben.

Wir müssen jeden Gegner sehr ernst nehmen und dürfen keine Mannschaft, auch wenn sie jetzt vielleicht noch nicht komplett ist, auf die leichte Schulter nehmen. Neben Qualität ist auch das Thema Chemie und Stimmung in der Mannschaft ganz entscheidend, wie Mannschaften performen. Nehmen wir als Beispiel Gotha. Wenn darüber gesprochen wird, dass Gotha Abstiegskandidat Nr. 1 ist: Bei denen fehlen mindestens noch ein oder zwei Leistungsträger. Ich bin mir sicher, dass die auch eine Qualität haben werden. Es ist eine Mannschaft, die absolut ernst zu nehmen ist. Entsprechend kann ich jetzt noch nicht sagen, wo die Reise hingeht. Ich denke, wir sind mit vier/fünf Mannschaften mindestens auf Augenhöhe und haben – wenn sich keiner verletzt und unsere Planung aufgeht – eine gute Chance, gut in der Liga mitspielen zu können.

Wirtschaftliche Fragen

Wir hatten beim letzten Mal über rückläufige Zuschauerzahlen gesprochen, auch in Bezug auf die Ligazugehörigkeit und die damit verbundene Attraktivität. Wie ist Stand zum Dauerkartenverkauf zur kommenden Saison?

Zahlenmäßig auf jeden Fall mit Zuwächsen im Vergleich zur ProA. Man merkt, dass die Leute BBL-Basketball sehen wollen und es ist ein großes Interesse vorhanden, zu sehen, wie sich die Mannschaft präsentiert. Das trägt sicherlich dazu bei, dass wir so viele bekannte Gesichter in der Mannschaft haben und die Fans das auch sehen wollen. Die Gegner sind hoch attraktiv, die wir in Weißenfels haben werden.

Wir starten mit dem Derby gegen Gotha. Damit wird das Meisterschaftsfinale hier wiederholt, es ist zum dritten Mal in Folge Heimspiel gegen Gotha. Dann gegen Alba Berlin gleich das nächste Spiel zuhause. Das sind Spiele, auf die wir alle ein Jahr lang hingearbeitet haben. Wir sind heiß darauf, dass BBL in Weißenfels wieder ganz schnell zurück ist. Ich bin sicher, dass die Zuschauerzahlen das auch wiederspiegeln werden, wenn wir attraktiven Basketball spielen werden – wofür die Mannschaft stehen wird, so wie sie aufgebaut ist.

Der MBC muss den Etat steigern. Diese Saison gilt einmalig eine Ausnahme. Nun habt ihr vor der Saison ein Schreckensszenario aufgemacht, in dem ihr euch gefragt habt, ob ihr überhaupt in der BBL starten solltet. Kannst du die Hintergründe etwas erläutern? Den Etat für diese Saison hattet ihr ja zusammen.

Auch den Etat muss man erst einmal zusammen haben. Das haben wir natürlich geschafft. Wir hatten in der letzten Saison auch schon etwas mehr als das, was in der BBL jetzt gefordert wäre. Aber wir haben ganz klar gesagt: Wir müssen wissen, welche Zukunft soll das Thema MBC und 1. Basketball Bundesliga hier in der Region haben. Da müssen wir ganz klar innerhalb dieser Saison weiter wachsen, wenn wir in der BBL spielen wollen. Selbst mit zwei Millionen Euro ist es eigentlich nicht realistisch das Thema Klassenerhalt anzugehen. Unser klares Ziel muss es sein, halbwegs verlässlich planen zu können, das heißt, dass wir nicht nur von Jahr zu Jahr schauen, sondern auch Spieler und auch unser eigenes Programm weiter entwickeln wollen.

Dafür brauchen wir das Vertrauen und die Unterstützung, auch von großen Unternehmen der Region. Diese Unterstützung ist nach wie vor nicht riesig, das heißt: unser Programm/Projekt „Mitteldeutscher Basketball Club“ wird auch in Zukunft vorwiegend durch mittelständige Unternehmen getragen. Das gibt uns zwar eine enorme Stabilität und Sicherheit, aber jetzt sind wir auch an einer Wachstumsgrenze angelangt. Unser Budget steigt jedes Jahr um ein paar Prozent. Aber ganz viele Unternehmen, die uns unterstützen, sind an ihrer Leistungsgrenze angelangt und unterstützen uns, vor allem gemessen an ihrer Unternehmensgröße, zum Teil so umfangreich, dass es nicht zu glauben ist, wie sehr oftmals auch das Herz am MBC und an der Region hängt, dass die Lebensqualität der Menschen hier wächst.

Wenn wir es aber nicht schaffen, auch größere Unternehmen für den MBC zu begeistern, dann ist entweder in Frage zu stellen, ob MBC in der BBL in Zukunft spielen wird beziehungsweise kann oder ob der Standort Weißenfels der Richtige ist, um das zu tun. Wir wollen natürlich auf jeden Fall verhindern, dass dieses Szenario eintritt. Wir werden aber die Letzten sein, die mit irgendwelchen finanziellen Harakiri-Aktionen diesen Klub aufs Spiel setzten, nur um in der 1. Basketball Bundesliga zu spielen.

Vielleicht gibt es irgendwann die schwere Entscheidung, dass wir dauerhaft ProA spielen. Manche sagen: Lasst uns dauerhaft ProA spielen, da spielen wir immer vorne mit. Das ist aber am Ende ein Teufelskreis. Du kannst nicht ProA spielen und immer Meister werden und steigst nie auf. Die Attraktivität für Sponsoren und Spieler ist ganz schnell ganz klein und du spielst irgendwann darum in die Playoffs einzuziehen. Dann ist die Ambition „Erste Liga“ irgendwann dauerhaft sehr klein. Deshalb kämpfen wir intensiv darum, das Thema BBL stabil am Leben zu erhalten.

Neben dem Mindestetat wird auch das Mindeststammkapital auf 250.000 Euro steigen. Wie schwierig ist das für einen Klub wie den MBC?

Das ist auch ein ernstzunehmendes Thema. Unser Stammkapital beträgt zurzeit 100.000 Euro, was dem aktuellen Standard entspricht. Wir haben vier Gesellschafter, die dieses Stammkapital tragen. Entweder erhöhen diese Gesellschafter ihre Einlagen deutlich oder wir öffnen uns neuen Investoren. Diesbezüglich sind wir gerade in Gesprächen und beratschlagen, wie wir das erreichen können. Aber viel wichtiger als das Stammkapital zu erhöhen, ist, dass wir unser Sponsoring-Budget nach oben schrauben. Die Erhöhung des Stammkapitals ist sicher ein kleineres Problem, was man einmalig lösen muss. Unser Budget müssen wir jedes Jahr aufs Neue auf die Beine stellen.

Nun war in der Regionalzeitung (Mitteldeutsche Zeitung) zu lesen, dass ein Namenssponsor im Gespräch ist. Das ist schon einige Jahre Thema. Kam das nur zufällig ins Gespräch oder war dies auch als gezielter Aufruf zu werten?

Sicherlich wollen die Medien auch wissen, was ist passiert und wie die Entwicklung gewesen ist, wenn wir sagen „entweder wird das Budget gesteigert oder wir spielen vielleicht gar nicht BBL“. Da das Thema „Namensrechte“ seit 1999/2000 beim MBC keine Rolle mehr gespielt hat und nicht mehr vergeben war, ist das sicherlich eine Frage, die aufgekommen ist. Es gibt aber aktuell keine heißen Partner, wo wir nur darauf warten, dass vielleicht zu Saisonbeginn der Name geändert wird. Wir sind da offen. Das ist auch wichtig für die Gespräche, die wir mit größeren Unternehmen führen.

Diese Unternehmen wollen natürlich auch attraktive Werberechte haben. Wenn man in so einer Liga wie der easycreditBBL das Namensrecht von einem Klub erwirbt, dann hat man natürlich auch automatisch eine riesengroße Kontaktzahl. Dieses Recht schätzen wir schon als sehr wertvoll ein. Es wäre verrückt, wenn wir sagen, dass der Name „Mitteldeutscher Basketball Club“ so viel wert ist, das wir vielleicht das mögliche Wachstum damit ausschließen.

Das große Ganze: Verkleinerung der Liga?

Letze Frage: Es gibt jetzt einen neuen Rekord von neun Mannschaften in der BBL, die auch international spielen werden. Der Ruf nach einer Verkleinerung der Liga ist auch immer mal wieder da. Wie ist da aus deiner Sicht der aktuelle Stand? Es gibt ja regelmäßig Treffen der 18 Bundesligavereine.

Aus meiner Sicht kommt der Ruf nach einer Verkleinerung der Liga von einer sehr geringen Zahl an BBL-Klubs. Das sind nach meiner Wahrnehmung auch immer die gleichen Klubs; mal kommuniziert durch den Klub, mal durch einen anderen Klub. Ich glaube, dass noch nicht einmal eine Handvoll Klubs die Verkleinerung der Liga momentan möchte. Ich glaube jeder Klub in der BBL ist sich einig, dass die Standards, die die Liga gesetzt hat, verfolgt werden und da auch bei Aufsteigern kein Auge zugedrückt werden; dass es ein „Financial Fairplay“ in der Liga gibt, d. h. dass sich keine Klubs durch wacklige Budgetzusammensetzungen Vorteile verschaffen, wie es in der Vergangenheit leider immer wieder vorgefallen ist.

Ich bin überzeugt davon, dass die BBL sehr davon profitiert, wenn es 18 Klubs gibt, die diese Standards erreichen können. Denn am Ende spielen wir, die 18 Klubs, in erster Linie in der deutschen 1. Basketball Bundesliga und nicht in vier verschiedenen europäischen Wettbewerben. Ich denke, der nationale Wettbewerb ist für alle der Allerwichtigste und da geht es darum, dass unsere Liga so attraktiv wie möglich sein muss und wir sind glücklich da im zwölften Jahr Bestandteil der BBL zu sein – am Ende auch eine unglaubliche Zahl, dass man hier in Weißenfels zum zwölften Mal 1. Basketball Bundesliga sehen darf. Ich bin auch gegen eine restriktive Verkleinerung der Liga.

Ich könnte vielleicht mit einem Vorschlag ganz gut leben, der mal von Oldenburg kam: Wenn man verkleinert, dann nicht um zwei Mannschaften, sondern nur um eine Mannschaft. Dann gibt es in jedem Jahr auch nur noch einen Auf- und einen Absteiger und für alle Klubs ist eine gewisse Planungssicherheit gegeben. Für jedes Team würde es zwei Spiele weniger geben, d. h. der Spielplan wird schon ein bisschen entzerrt. So wie die Mannschaften aktuell in der 2. Basketball Bundesliga aufgestellt sind, ist allerdings aktuell kein Bedarf die BBL um zwei Mannschaften zu kürzen und dafür die ProA zu verstärken.

„Wollen verhindern, dass dieses Szenario eintritt“
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