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Von Pawtucket nach Bamberg – Rakim Sanders im Interview

11.02.2014 || 11:15 Uhr von:
Name: Rakim Sanders Position: Small Forward Nation: USA Geboren: 08.07.1989 Größe/Gewicht: 1,93 Meter/102 KG Team: Brose Baskets Bamberg Stationen: 2006-2007  St.Andrew Highschool (RI) 2007-2010 B...

Name: Rakim Sanders
Position: Small Forward
Nation: USA
Geboren: 08.07.1989
Größe/Gewicht: 1,93 Meter/102 KG
Team: Brose Baskets Bamberg
Stationen:

  • 2006-2007  St.Andrew Highschool (RI)
  • 2007-2010 Boston College
  • 2011/2012 Fairfield College
  • 2012/13 Hapoel Gilboa Galil
  • 2013-aktuell Brose Baskets Bamberg

Viele Fans hatten ihn schon vor der Saison mit großen Fußstapfen versehen. In den Foren wurde Rakim Sanders wegen seiner Athletik und seiner Anlagen mit P.J Tucker verglichen. Auch Court Review hatte im Juli 2013 über einen  möglichen X-Faktor für Bamberg gesprochen. Mit so vielen Vorschusslorbeeren versehen, war es für Rakim nicht leicht, seine Rolle innerhalb des Teams zu finden. Sanders scheint nun Mitte der Saison seine Leistungen stabilisieren zu können. Besonders seine Defense hat sich in einigen engen Spielen bewährt, egal ob gegen Guards oder Power Forwards. Wir haben Rakim im Trainingscenter in Strullendorf nach dem Training getroffen.

 

Court Review: Hi Rakim. Schön, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast. Wie fühlst Du Dich nach dem Sieg in der Pokalqualifikation gegen Oldenburg?

Rakim Sanders: Wir hatten einen guten Lauf, wir haben gekämpft, weil uns dieser Sieg sehr wichtig war. Wir wollten zum Final Four und wir haben es geschafft. Ich war Teil des Teams, und darum fühle ich mich wirklich gut.

 

Pawtucket, Rhode Island, 71.000 Einwohner, Projects

 

Rakim Sanders_Brose Baskets_4Court Review: Wir möchten über Dich sprechen. Die Basketballfans in Deutschland würden gerne mehr von Dir erfahren. Du hast auf der St. Andrew Highschool mit dem Basketball begonnen. Wie kamst Du zum Basketball?

Ich bin in einer Familie mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Wir lebten in den Projects (Sozialbauten Anm. d. Red.) von Pawtucket, einer kleinen Stadt in Rhode Island. Das war eine harte Zeit. Meine Mutter starb plötzlich, als ich zwölf Jahre alt war. Es gab manchmal nicht genug zu essen, die Familie war auf Hilfe angewiesen. Ich hatte Probleme in der Schule, und ein paar  falsche Freunde. Und ich wollte bei meinen Freunden auf der Straße natürlich der coolste Junge von allen sein! Es gab einfach zu viele Ablenkungen, die mich damals vom rechten Weg abbrachten. Mein größtes Glück in meinem Leben ist meine große Schwester Nyisha. Sie hat mir damals geholfen ein besserer Junge zu werden. Sie war so stark und ich wollte so sein wie sie. Sie hat mich immer und immer wieder beim Sport an der Highschool unterstützt und angetrieben, auch, weil sie selbst Basketball gespielt hat. Und Joan Doyle, die Frau des damaligen Bürgermeisters kümmerte sich um uns und mich, sie hat Essen gebracht, zugehört, war immer da. Also habe ich irgendwann versucht, auf dem Court für die beiden Frauen der coolste Junge zu sein, und nicht mehr auf der Straße. Hat geklappt! (lacht).

Court Review: Dein Highschool Coach Mike Hart hat 2007 über Dich gesagt, dass Du einmal einer der „all-time greats“ von Rhode Island werden wirst. Wie siehst Du Deine eigene Entwicklung seit dieser Zeit?

Rakim Sanders: Hat er, echt? Mein größtes Ziel war immer, das Spiel jeden Tag besser zu verstehen. Da haben Mike und die anderen Coaches einen großen Anteil. Am College konnte ich auf dem Court und abseits nicht mehr viel lernen. Darum brauchte ich dringend den nächsten Schritt, um mich weiter entwickeln zu können. Es gibt eine Menge Dinge, die sich seitdem für mich verändert haben. Ich achte intensiver auf meinen Körper, auf der Bank konzentriere ich mich darauf, das Spiel zu lesen. Ich studiere Spielwiederholungen im TV, und ich trainiere noch härter als früher. Das Wichtigste sind aber die Coaches, und dass ich mein Spiel spiele. Ob ich Mikes Erwartungen erfüllen kann? Ich arbeite daran!

 

„Meine Trainer haben mir Vertrauen gegeben, immer an mich geglaubt.  Und ich habe von ihnen gelernt.“

 

Rakim Sanders_Brose Baskets_2Court Review: Du hast 2011/2012 in Fairfield nach einer Knöchelverletzung und einem überraschenden Trainerwechsel eine grandiose Saison zu Ende gespielt und Dein neuer Trainer Ed Cooley hielt Dich für einen wirklich phänomenalen Jungen, weil Du damals wesentlich stärker als zuvor zurückgekommen bist. Und das alles nach einem Jahr Pause.

Rakim Sanders: Ja, ich musste wegen des Collegewechsels von Boston nach Fairfield ein Jahr aussetzen. Dann war ich verletzt; aber mein Comeback bei Fairfield war eher wegen des Trainerwechsels hart, nicht wegen der Verletzung. Egal, ich habe den Kampf angenommen, kämpfen habe ich schon als Kind gelernt.

Court Review: Hast Du noch Kontakt zu Deinen damaligen Trainern, Mike Hart oder Ed Skinner vom Boston College?

Rakim Sanders: Ja, selbstverständlich sind wir noch in Kontakt. Sie haben mir Vertrauen gegeben, immer an mich geglaubt. Von Ihnen habe ich gelernt.

Court Review: Du hast Dich nach Deiner Collegezeit 2012 für den Israelischen Meister 2009/2010 Hapoel Gilboa entschieden. Wie ist es zum Wechsel gekommen, wie hast Du Dich dort gefühlt?

Rakim Sanders: Ich hatte drei Jahre am College gespielt und dort läuft man die meiste Zeit den Court rauf und runter, spielt eins gegen eins; das war mir nicht mehr genug. Nach dem Draft 2012 habe ich mich für Israel entschieden, um neue Erfahrungen zu sammeln.  Aber bei Maccabi gab es keinen Platz für mich und so bin ich durch eine Ausleihe in Gilboa gelandet. Das war eine kleine und sehr nette Stadt, die mich richtig warm und offen empfangen hat. Die Menschen dort haben mir den Wechsel leicht gemacht. Zusammen mit Jamar (Smith Anm. d. Red.) haben wir letztes Jahr die Balkanleague gewonnen.

 

„Ich liebte es, durch Bulgarien und Montenegro zu reisen, die Menschen zu beoachten.“

 

Rakim Sanders_Brose Baskets_3Court Review: Welchen Einfluss hatten die Eindrücke vom Balkan und Israel auf Dich?

Rakim Sanders: Das alles hat mich sehr beeindruckt. Ich versuche bei den Auswärtsspielen immer so viel wie möglich vom Land zu sehen. Ich liebte es, durch Bulgarien oder Montenegro zu reisen, mich irgendwo hinzusetzen und die Menschen und die Kultur zu beobachten. In Israel war das Thema Sicherheit und Krieg immer mit auf der Tagesordnung, aber sie sind gut damit umgegangen. Und in Israel war schönes Wetter! (lacht).

Court Review: Da fällt der Wechsel nach Bamberg doch schwer, oder? Hier ist seit Monaten immer alles grau.

Rakim Sanders: Nein überhaupt nicht. Zunächst, hier ist alles geregelt, sicher und klar. Aber natürlich war mir wichtig Euroleague spielen zu können. Und Bamberg hat einen guten internationalen Ruf und ein sehr professionelles Umfeld. Das war genauso wichtig für mich. Ich habe in der Summerleague bei den Golden State Warriors im Training gegen P.J Tucker gespielt und wir haben uns über Bamberg unterhalten. Er sagte, dass Bamberg für mich eine sehr gute Wahl wäre. Und das ist es geworden.

Court Review: P.J Tucker? So klein ist die Welt! Nun zur BBL und der Euroleague. Wie groß war für Dich die Umstellung, nach Israel und der Balkan League?  

Rakim Sanders: Oh, das Spiel ist so anders! Zuhause haben sie mir alle gesagt, wie schwierig die EL und Europa werden wird, und dass ich das Spiel hier neu lernen muss. Ich hätte nicht gedacht, dass es so anders ist. Ich wusste ja vorher nichts über den europäischen Basketball. Mein Können, die Regeln, die Pfiffe, alles ist anders. Das eins gegen eins klappte nicht mehr, ich kam am Anfang mit den Pfiffen nicht klar, und ich überlege manchmal noch zu lange, ob ich attackieren oder passen soll. Aber inzwischen versuche ich einfach, so aggressiv wie möglich zu spielen und mich durch Lernen zu verbessern, um meinen Platz im Team zu festigen.

Court Review: Und das gelingt Dir immer mehr. Wie groß war Deine Enttäuschung über das Ausscheiden in der EL?

Rakim Sanders: Wir waren so nah dran, aber einige Spiele haben wir verloren, nicht die anderen gewonnen. Darum war ich schon traurig. Nun spielen wir Eurocup und das ist ein neues Ziel.

Court Review: Ist es einfacher, Eurocup zu spielen?

Rakim Sanders: Nein, überhaupt nicht! Das sind Gegner, die wie wir auch Euroleague spielen könnten, oder gespielt haben. Deshalb ist das Weiterkommen nicht einfach. Aber wir haben es selbst in der Hand.

Court Review: Weißt Du, wer auf uns wartet, wenn Bamberg als 2. in der EC-Gruppe weiterkommt?

Rakim Sanders: Nein. Weiß ich nicht.

Court Review: Alba Berlin.

Rakim Sanders: Ok. Auch ein gutes Team. Wir müssen jeden schlagen.

Court Review: Du hast einen 2-Jahres Vertrag. Wie wichtig ist für Dich Bamberg als Stadt?

Rakim Sanders: Ich habe einen Einjahresvertrag mit einer Option, also 1+1. Erstmal finde ich die Bamberger Fans unglaublich. Ob in der Halle, oder auswärts, die Unterstützung der Fans ist schon etwas Besonderes. Die fahren oft stundenlang durch Deutschland, um uns zu sehen.

Ich habe mir auch schon Einiges in Bamberg angeschaut, Kirchen, die Altstadt oder im letzten Sommer die Sandkerwa zum Beispiel. Aber im Moment beschäftige ich mich nur mit Basketball und mit meinem Spiel, sehe also nicht soviel von der Stadt und den Menschen.

 

„The Sky is the platform, not the limit!“

 

Rakim Sanders_Brose BasketsCourt Review: Scout.com hat Dich 2007 als reinen Small Forward klassifiziert. Wie siehst Du Deine Chance auf dieser Position in der NBA und sind die Brose Baskets für Dich ein Sprungbrett in die NBA?

Rakim Sanders: Wir werden sehen, was die Zukunft in Bamberg bringt. Das ist auch abhängig davon, wie es mit der Meisterschaft weitergeht. Das wäre schon wichtig für das Team und Bamberg. Und für mich. Natürlich ist es mein größter Traum in der NBA zu spielen. Der Himmel ist meine Plattform und nicht das Limit! Aber mir als Small Forward  macht Defense mehr Spaß als die Rolle des reinen Schützen von der Bank. Mein Spiel ist zunächst die Verteidigung, da fühle ich mich wohler und sicherer. Und daran werde ich weiter jeden Tag hart arbeiten. Ich weiß, wie schwer es ist, sich den Traum von der NBA zu verwirklichen. Die Konkurrenz ist groß! Aber vielleicht schaffe ich es, über die Defense in ein Team zu kommen. Dafür arbeite und lerne ich in Bamberg.

Court Review: Was treibst Du so, wenn Du nicht Basketball spielst oder nicht an Basketball denkst?

Rakim Sanders: Wie ich schon vorhin gesagt habe, da bleibt wenig Zeit. Ich esse sehr gerne, das Essen hier ist wirklich gut, es gibt gegrillten Fisch bei Hofmanns, davon kann ich nicht genug bekommen. Zuhause in Pawtucket hatten wir Franzosen, Portugiesen, Italiener, viele Libanesen, wirklich eine bunte Küche. Das mag ich. Ansonsten schaue ich Fernsehen oder ich bin mit meinen Teamkollegen zusammen. Aber ich vermisse trotzdem sehr oft meine Familie. Was ich wirklich gern machen würde, das wäre Angeln. Das habe ich zuhause in Rhode Island so oft gemacht. Angeln wäre wirklich klasse. Mal sehen, ob es klappt.

Court Review: Rakim, vielen Dank! Court Review wünscht Dir und Deinem Team viel Glück für den Rest der Saison.

Von Pawtucket nach Bamberg – Rakim Sanders im Interview
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courtbeastie
courtbeastie 11. Februar 2014 um 16:23 Uhr

Ich muss sagen, ich hab ihn schon seit Anfang der Saison gemocht, auch wenn er gewisse Anpassungsschwierigkeiten hatte – wie er ja auch selbst sagt, aber nun ist er mir noch sympathischer geworden.
Tolles Interview!

tkobe124
tkobe124 11. Februar 2014 um 17:22 Uhr

Klasse Ding! Absolut sympathischer Typ! Ein Kämpfer der sich in der Defense immer reinhängt. Einer der Lichtblicke der vergangenen Wochen. Ich hoffe er bleibt der BBL noch länger erhalten!

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