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Scott Eatherton: „Wir arbeiten sehr hart füreinander.“

27.01.2017 || 14:10 Uhr von: ,
Scott Eatherton ist zusammen mit Alex Ruoff der Top-Leistungsträger der BG Göttingen. 14 Punkte und sieben Rebounds legt der junge US-Center im Schnitt auf. Zeit für ein Gespräch.

basketball.de: Duke, Maya, Charly, Prinzess, Cookie, Barry und Thiago! Kennst du die alle?

Scott Eatherton: Ja. Die kenne ich alle.

Sieben Spieler haben einen Hund. Sind Hundebesitzer die besseren Basketballspieler?

Kann sein. Ich weiß nicht.

Neben Basketball habt ihr im Team ein weiteres gemeinsames Gesprächsthema. Macht ihr gemeinsame Spaziergänge?

Nein. Bisher noch nicht. Machen wir vielleicht noch.

Der Abstiegskandidat steht auf dem zehnten Platz. Ihr spielt guten Teambasketball. Letzte Saison war alles ganz anders, und wir mussten ganz andere Interviews führen. Was ist das Erfolgsgeheimnis? Die Hunde?

Wir haben eine Menge selbstloser Spieler. Wir haben einen guten Mix aus erfahrenen Spielern und jungen Leuten. Der Coach macht einen guten Job. Wir müssen als Team auftreten, wenn wir gewinnen wollen, und ich denke, das gelingt uns. Wir arbeiten sehr hart füreinander.

Coach Roijakkers hat nach einer Woche Training gesagt, dass er mit euch schon mehr Spaß gehabt habe, als in der gesamten letzten Saison zusammen. Was habt ihr getan? Und wie hast du die erste Zeit mit deinem neuen Team empfunden?

Am Anfang waren wir nur junge Spieler, wir hatten eine Menge Energie. Alle wollen sich verbessern und in dieser Liga beweisen. Mit der Zeit kamen dann mit Benas [Veikalas], Adam [Waleskowski] und Alex [Ruoff] sehr erfahrene Spieler hinzu. Mit jedem dieser neuen Spieler wurden wir besser und besser.

Du warst bisher überall auf Anhieb erfolgreich. College St. Francis, dann der Wechsel auf die Northeastern-University in Boston, dann der Sprung nach Übersee, zuerst nach Agrigento (Sizilien), jetzt bist du in Göttingen. Überall gab es Auszeichnungen und Topwerte. Bist du sehr anpassungsfähig, oder hast du immer Glück in gute Situationen zu kommen? Vielleicht beides?

Ich bin glücklich darüber, dass ich bisher immer für mich gute Situationen gefunden habe.

Also bist du gut darin, gute Situationen zu finden?

Ja, vielleicht. Aber ich habe auch Leute, die mir dabei geholfen haben, gute Entscheidungen zu treffen. Ich war immer in Teams, wo Teambasketball an Nummer eins stand. Ich habe bisher in meiner Karriere immer gute Teamkameraden gehabt.

Wir sind überrascht, dass wir einen Center deiner Qualität im kleinen Göttingen sehen. Für einen Big Man bist du relativ dünn und klein. Wirst du immer noch trotz guter Statistiken unterschätzt?

Ich weiß es nicht genau. Ich bin natürlich nicht der kräftigste Big Man, aber ich kann dafür gut den Ball dribbeln, den Ball auf den Boden bringen und an kräftigeren Big Men vorbeiziehen, weil ich dünn und schneller bin. Man muss mich auch an der Dreierlinie verteidigen, denn ich kann auch von dort werfen. In der Offense unseres Coaches kann ich kreativ sein und mir meine freien Räume suchen.

Die „open offense“, die Johan Roijakkers spielen lässt, kommt dir entgegen?

Ja sehr. Das ist für mobile Big Men wie mich, Darius [Carter] oder Adam [Waleskowski], die den Ball passen können und das Spiel verstehen, sehr gut.

Wusstest du vorher wie in Göttingen gespielt wird? Kanntest du diese Art der Offense schon?

Das wusste ich, und ich habe bereits am College so gespielt und auch letztes Jahr in Agrigento.

Wie ist das Leben in Göttingen im Vergleich zu Sizilien letztes Jahr? Hast du dir in der Zeit „Godfather“ angesehen? Hat Agrigento dir ein Angebot gemacht, das du nicht ablehnen konntest?

Für einen first-year-player nach dem College war Agrigento und die zweite italienische Liga ein guter Ort. Mein Coach dort versteht es wirklich gut, mit Rookies umzugehen. Er hat mir in meiner Entwicklung sehr geholfen. Aber das Leben in Göttingen ist auch sehr gut. Wie in Sizilien auch, gibt es Vor- und Nachteile. Das Wetter ist hier nicht gerade großartig, aber es gibt hier viele Geschäfte, unser Medical Staff ist immer für die Spieler da. Es gibt eine gute Krankenversicherung, was für mich und meine Frau sehr gut ist. In Sizilien war der Staff nicht immer erreichbar, aber dafür war das Wetter fantastisch! Wir konnten von unserem Apartment den Strand sehen. Es wuchsen dort Orangen und Zitronen.

Dein Geburtsort Hershey/ Pennsylvania nennt man auch „chocolate town“, weil er als Arbeitersiedlung neben einer Schokoladenfabrik entstanden ist. Es gibt sogar einen Schoko-Freizeitpark. Gibt es auch ein Schoko-Basketballzentrum, oder wie bist du zum Basketball gekommen?

Basketball ist nicht das Größte in Hershey. Ich hatte einen guten Highschool-Coach. Als ich nur wenig Spielzeit bekam, habe ich aufgehört Basketball zu spielen. Da hat der Coach viel mit mir geredet und mir klar gemacht, dass ich dabei bleiben und an meiner Entwicklung arbeiten sollte, an meiner Koordination und an meinem Körper.

Warst du schon früh sehr groß, oder kam der Schub erst spät?

Ich war mit 16 schon 6’4“ [das entspricht 1,92m, Anm. d. Red.], also relativ groß.

Aufgrund der Regularien musstest du nach deinem Wechsel nach Boston 2012 ein Jahr aussetzen. Das muss schrecklich sein. Was macht man in der Zeit? Filme mit Denzel Washington und Serien gucken?

Ich habe die Zeit genutzt, um mich als Basketballspieler zu verbessern. Ich hatte gute Assistant Coaches, die mit mir jeden Tag gearbeitet haben. Ich durfte keine Spiele bestreiten, aber ich durfte trainieren. Ich habe wirklich sehr viel trainiert. Dieses Extrajahr hat mir für meine Entwicklung sehr geholfen.

Wenn es mal nicht so gut läuft, klagt Coach Roijakkers oft, dass das Energielevel nicht gestimmt habe. 1. Wie kann das sein? 2. Du scheinst dieses Problem nicht zu haben?

Er sagt: Wenn wir Spiele gewinnen wollen, müssen wir immer so hart spielen wie wir überhaupt nur können. Wir sind ein Low-Budget-Team. Wir müssen gegen die größeren Clubs alles geben, um möglichst lange im Spiel zu bleiben, um dann vielleicht am Ende die Möglichkeit zu haben, Spiele zu gewinnen. Für all unsere Siege war dieses Maximum an Energielevel die Basis.

Wir verstehen ja, dass es auswärts in Ulm schwierig sein kann, dieses maximale Energielevel zu erreichen, weil man irgendwo weiß oder im Laufe des Spiels merkt, dass es so oder so einfach nicht reichen wird, aber wie kann es sein, dass man zum Beispiel zu Hause gegen Gießen oder Jena die nötige Energie derart vermissen lässt?

Wir gehen natürlich niemals in ein Spiel und wollen nicht die volle Energie geben. An manchen Tagen hat man einfach diese schlechten Spiele. Wenn es schlecht läuft, hat meistens das Energielevel nicht gestimmt. Manchmal kann man das volle Level einfach nicht abrufen.

Es ist also kein Knopf, den man drücken kann. Man hat es nicht in der Hand?

Ja. Irgendwie schon. Manchmal.

Die BG ist diesmal trotz fehlender Größe erstmals ein gutes Reboundteam, im Offensivrebound sogar das Beste. Alle Spieler greifen gut zu, auch auf den kleineren Positionen. Habt ihr das Rebounding von Anfang an als den zentralen Schlüssel erkannt, um in der Liga zu bestehen?

Coaches predigen das immer. Wir haben sehr gute Rebounder im Team. Auch unsere Guards schnappen sich jeden Rebound, den sie kriegen können. Wir haben da im gesamten Team eine sehr gute Einstellung.

„I’m hungrier than those other guys out there. Every rebound is a personal challenge.” Wer könnte das gesagt haben? Vielleicht du selbst?

Vielleicht Dennis Rodman?

Wer sonst? Über Dennis Rodman weiß man, dass er das Rebounding studiert hat. Er wusste, wie jeder Spieler ausblockte. Er wusste, wie jeder Wurf aus jedem Winkel vom Ring abprallte und wo man stehen musste, um den Rebound zu kriegen. Du bist einer der Toprebounder der Liga. Was ist dein Rezept? Wollen ist wichtig, aber nicht alles, oder?

Ja, du brauchst in jedem Fall ein gutes Gefühl dafür, wo bei den Würfen die Bälle vom Ring runterkommen. Es geht nicht darum, sich die Würfe aller Spieler anzugucken.

Du machst da also kein Videostudium?

Nein. Sowas mache ich nicht. Du brauchst einfach dieses Gefühl, das dir sagt, dass es wahrscheinlicher ist, das der Ball zu der Seite hin abprallt und nicht anders.

In diesem Jahr hat sich deine Freiwurfquote dramatisch verbessert. Am College immer um die 70%, letzte Saison nur 64%. Aktuell 82,5%. Respekt! Ergebnis harter Arbeit?

Ich habe in der Offseason an meinen Routinen gearbeitet. Es ist wichtig an der Freiwurflinie herunterzukommen und ruhig zu werden. Ich muss mir meine Zeit nehmen, in einen Rhythmus kommen, wo ich erwarte, dass ich den Freiwurf treffe. Dieses Selbstvertrauen habe ich jetzt.

Kannst du Darius Carter helfen [der 53% seiner Freiwürfe trifft]?

Er arbeitet daran im Training. Er hat keinen schlechten Wurf. Ich bin mir sicher, dass er in der zweiten Hälfte der Saison das Blatt wenden kann und er seine Würfe treffen wird.

Du bist sehr vielseitig, gut in der Defense und in der Offense [13,9 PpG, 7,5 RpG, 1,8 ApG]. Was kannst du eigentlich nicht? Worin willst du noch besser werden?

Ich will ein stärkerer Post-Defender werden. Ich will meine offenen Sprungwürfe besser treffen. Das könnte mein Spiel auf ein anderes Level heben.

In deinem Spiel gibt es kein großes Loch.

Nein, gibt es nicht. Ich will einfach versuchen in allem besser zu werden.

Vielleicht dein Dreipunktwurf?

Ja. Dreier kann ich treffen, wenn ich das nötige Selbstvertrauen habe.

Es gab viele Diskussionen über die Lokhalle. Dein Coach mag den Wechsel nicht. Worin besteht grundsätzlich der Unterschied, in einer fremden Halle zu spielen, wenn man vom Publikum und der Anreise mal absieht? Ist der Hauptfaktor psychologisch, oder gibt es auch Fakten wie zum Beispiel unterschiedlich harte Korbanlagen oder Sichtverhältnisse?

Nein! Wir haben gegen Jena einfach nur schlecht gespielt. Mit der Leistung hätten wir in der S-Arena auch verloren. Wir müssen für das Spiel bereit sein, wo auch immer wir spielen. Bisher spielen wir zu Hause besser als auswärts, auch wenn wir schon einige Auswärtsspiele gewonnen haben [in Hagen, Ludwigsburg, Braunschweig, Anm. d. Red.]. Auswärts muss man mit noch mehr Energie in das Spiel gehen, wenn du eine Siegchance haben willst.

Anders als in anderen Hallen gibt es in Göttingen keine Klatschpappen. Merkst du, dass Göttingen eine Stadt mit viel Basketballtradition ist und leidenschaftliche Fans hat?

Ich denke, unsere Fans gehören zu den besten in der Liga. In unserer Halle ist es sehr laut. Ich mag es sehr. Zuletzt hatten wir einige Auswärtsspiele hintereinander, da fühlte es sich gut an, gegen Würzburg wieder vor unseren Fans zu spielen.

Freust du dich, wenn Anne Panther pfeift?

Ich bin mir nicht sicher, wer das ist?

Frau Panther ist die einzige weibliche Schiedsrichterin in der BBL. Macht das für dich einen Unterschied?

Nein, gar nicht. Das macht für mich überhaupt keinen Unterschied.

Gibt es im Collegebasketball oder in Italien mehr weibliche Refs?

Kann sein. Ich weiß es nicht genau. Ich widme den Schiedsrichtern nicht besonders viel Aufmerksamkeit.

Wir bitten immer unseren aktuellen Interviewpartner etwas über den vorherigen zu sagen. Unser letzter Spieler war Mathis Mönninghoff. Auch vielseitig und talentiert, aber wir finden, es müsste noch mehr von ihm kommen. Wie siehst du seine Stärken?

Ich finde, er macht seine Sache gut. Als Ruoff ins Team kam, hat sich seine Rolle verändert und er musste in seinem Spiel einige Änderungen vornehmen. Du brauchst in einem Team Spieler wie ihn, die sich gut bewegen und schnell passen. Mathis ist eins sehr guter Verteidiger. Er muss offensiv vielleicht noch aggressiver sein. Er ist athletisch und ein wirklich guter Werfer. Er ist ein sehr intelligenter Spieler.

Das Team braucht Mathis Mönninghoff jetzt vorrangig als defensiven Stopper. Ist er der beste Verteidiger im Team?

Ja, ich denke schon. Wie er zum Beispiel bei unserem Sieg gegen Würzburg Jake Odum ausgeschaltet hat, war wichtig für uns.

Wird Alex Ruoff diese Saison noch ein Triple-Double schaffen? In der BBL gelang das einem Spieler zuletzt 2010, Lou Campbell.

Das ist sehr schwer. Zwei Assists haben ihm im letzten Spiel gefehlt. Er kann es schaffen.

Es ist natürlich nicht wirklich wichtig…

Nein, ist es nicht, aber es sagt etwas über ihn als Spieler aus.

Welches Sportidol würdest du gerne treffen, wenn alles möglich wäre?

LeBron James! Ich sehe ihn mir unglaublich gerne an. Dass er nach Clevland zurückgekommen ist und dort die Meisterschaft gewonnen hat, ist eine große Sache.

Sprecht ihr im Team über Politik, oder hat das im Basketball nichts zu suchen?

Ja, wir sprechen darüber. Nicht zu sehr, weil wir unterschiedliche Meinungen haben, aber wir sprechen darüber.

Was können wir in der Rückrunde von dir und euch erwarten? Wird die Rückrunde vielleicht schwieriger, weil ihr nicht mehr überraschen könnt?

Nein, ich denke nicht. Wir sollten besser sein! Alex [Ruoff] kam erst nach dem sechsten Spiel, Benas [Veikalas] und Jesse [Sanders] waren verletzt. Jetzt sind alle zurück und wir kennen uns alle auch besser.

Wir freuen uns drauf. Danke für deine Zeit.

Dank an euch.

Scott Eatherton: „Wir arbeiten sehr hart füreinander.“
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