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„Diese Unsitte zerstört den Sport!“

10.11.2018 || 17:40 Uhr von:
Die ersten Spieltage in der easyCredit BBL sind Geschichte. Der ein oder andere wird bei der Regelinterpretation durch die Schiedsrichter Anpassungen im Vergleich zu vergangenen Saison festgestellt haben.

Doch was wurde den Schiedsrichtern für die laufende Spielzeit auf dem Weg gegeben? basketball.de hat den sportlichen Leiter der BBL Jens Staudenmayer und den BBL-Schiedsrichter-Instructor Dr. Winfried Gintschel dazu befragt.

Worauf die Schiedsrichter mehr als bisher achten sollen, wurde den Trainern übrigens bereits im Vorfeld der Saison beim traditionellen Trainerworkshop mitgeteilt. 17 Head Coaches nahmen teil; ein Trainer war persönlich verhindert. „Dem Treffen vorausgegangen war die alljährliche Analyse des BBL-Schiedsrichter-Referats, an der erstmalig in diesem Jahr auch drei Trainer und ein Sportdirektor teilgenommen haben“, so Staudenmayer.

Einen großer Schwerpunkt stellt das Vorgehen gegenüber „Fake a Foul“, insbesondere dem Flopping, dar. „Auch in anderen Sportarten ist dieses unsportliche Verhalten zu beobachten. Wir müssen alles daran setzten, diese Unsitte von Beginn an zu unterbinden, denn sie zerstört unseren Sport“, so Gintschel.

Diese Vorgabe resultiert aus der Saisonanalyse, die im Anschluss an die vergangene Saison stattgefunden hat, und steht nicht im Zusammenhang mit den Regeländerungen der FIBA (z. B. nur noch einen Freiwurf anstatt einen Freiwurf und Ballbesitz als Folge eines technischen Fouls). „Zu beachten ist allerdings, dass ein technisches Foul nach wie vor 50% einer Spielausschluss bedeutet, in Kombination mit einem weiteren technischen bzw. unsportlichen Foul“, gibt Gintschel in Bezug auf die Reduzierung des Strafmaßes zu bedenken. Die Schiedsrichter sollen dieses unfaire Verhalten konsequenter ahnden. Die Ahndung von derartigen Situationen stellt dabei auch ein Qualitäts- bzw. Leistungsbewertungskriterium für die Schiedsrichter dar und eine Nicht-Ahndung solcher Situationen kann auch disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen.

Auch sollen die Kriterien für unsportliche Fouls weiter konsequent angewendet werden, insbesondere das Kriterium „Kein Versuch den Ball zu spielen“. Auch die Abgrenzung zwischen unsportlichem Foul und disqualifizierenden Fouls soll klarer umgesetzt werden. Dieses Themenfeld ist „keine Spielwiese für Gamemanagement“, so Staudenmayer.

Ebenfalls beleuchtet wurde das Thema „Act of shooting“. Dabei sollen die Schiedsrichter dem Schutz des Werfers (protect the shooter) besondere Aufmerksamkeit schenken.

Ein heikles Thema war und ist das „Aussteuern“ des Schiedsrichter-Kaders während der Saison. Innerhalb der Saison gibt es auch einen Zwischenlehrgang der Schiedsrichter. Würde es die BBL aber nur bei diesem Lehrgang belassen, bestünde immer die Gefahr, dass Situationen, bei denen in der Bewertung der Schiedsrichter Optimierungsbedarf besteht, nach dem Lehrgang zu abrupt anders bewertet würden und sich die Teams nicht darauf einstellen könnten. Daher bleibt die BBL mit den Schiedsrichtern auch innerhalb der Saison ständig im Kontakt, zum Beispiel über Bulletins oder Lehrvideos, um möglichst frühzeitig, kontinuierlich und nicht wellenartig für eine Balance zu sorgen. Dies erfolgt unter anderem auch über ein monatliches Videoentscheidungstraining, das die Schiedsrichter regelmäßig absolvieren müssen. Bei besonderen Vorkommnissen innerhalb der Saison kann dies natürlich auch außer der Reihe vorkommen.

Eher ein Randthema, bei dem auch schnell Einigkeit herrschte war die Behandlung bzw. der Umgang mit jungen einheimischen Spielern: Junge einheimische Spieler müssen gegenüber den gestandenen Spielern gleich behandelt werden. „Einen besonderen Schutz geben die Regeln nicht her“, erklärt Gintschel. „Sie müssen also nicht besonders geschützt werden, im Umkehrschluss heißt das aber eben auch, dass sie nicht schlechter behandelt werden dürfen (easy calls).“

All diese Themenfelder wurden den Head Coaches unter anderem auch auf dem eingangs erwähnten Workshop vermittelt. Die Trainer wissen also, worauf die Schiedsrichter mehr als bisher achten sollen und was von ihnen erwartet wird. So konnten sie sich und ihre Mannschaft auf die Spielzeit einstellen.

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