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Richard Freudenberg: Das Selbstvertrauen ist zurück

05.09.2018 || 12:49 Uhr von:
In der bevorstehenden BBL-Saison dürften sich viele Augen auf Richard Freudenberg richten. Gelingt dem Talent in seiner zweiten Saison bei den FRAPORT SKYLINERS der Durchbruch? Vieles spricht dafür.

Wenn es um BBL-Vereine geht, die auf deutsche Nachwuchstalente setzen, fallen einem als eines der ersten Teams die FRAPORT SKYLINERS ein. Doch nach Isaac Bongas Wechsel in die NBA und der erneuten Gehirnerschütterung von Niklas Kiel ist der junge deutsche Kern zumindest bis auf Weiteres dezimiert. Somit sticht derzeit Richard Freudenberg aus der Riege der Nachwuchstalente heraus. Der 20-Jährige will sich in der bevorstehenden Spielzeit in der Beletage des deutschen Basketballs etablieren.

„Das Selbstvertrauen war gesunken“

Vor wenigen Jahren gehörte Freudenberg zu den aufregendsten und vielversprechendsten Talenten seines Jahrgangs. Er gewann 2015 als 16-Jähriger die NBBL-Meisterschaft mit dem FC Bayern München und wurde als wertvollster Spieler des Final Fours ausgezeichnet. Mit gerade einmal 17 Jahren debütierte er in der darauffolgenden Saison in der BBL. 2016 gewann der Flügelspieler mit der deutschen U18-Nationalmannschaft das Albert-Schweitzer-Turnier. Er selbst überzeugte auf ganzer Linie und wurde ins All-Tournament-Team gewählt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt stand der Forward auf dem Radar der Scouts.

In der Saison 2016/17 wechselte Freudenberg an die St. John’s University in New York. Doch anstatt am College den nächsten Schritt zu machen, erhielt seine Entwicklung einen Knick. Der Jugendnationalspieler kam über die Rolle des Ersatzspielers nicht hinaus und erhielt kaum Spielanteile (9,3 MpG, 1,3 PpG, 1,4 RpG). Im April 2017 entschied sich das Nachwuchstalent nach nicht einmal einem Jahr für die Rückkehr nach Europa und unterschrieb bei den Skyliners einen langfristigen Vertrag. Die Zeit am College war dennoch nicht verschwendet. So hat sich der Forward körperlich deutlich weiterentwickelt.

Trotzdem merkte man im Sommer 2017 bei der U19-Weltmeisterschaft in Ägypten, dass durch die geringe Spielpraxis und vielleicht auch das viele Krafttraining die Leichtigkeit und Explosivität in seinem Spiel ein wenig verloren gegangen war. „Nach dem Jahr in den USA war mein Selbstvertrauen gesunken“, verrät Freudenberg gegenüber basketball.de.

Auch in seiner ersten kompletten Profi-Saison in Frankfurt tat sich der zu diesem Zeitpunkt noch 19-Jährige anfangs schwer, in der BBL Fuß zu fassen. Dies lag auch daran, dass er durch die eine oder andere Verletzung beeinträchtigt worden war. In der Rückrunde blitzte Freudenbergs Potenzial dann einige Mal auf. Mitte Februar erzielte er beim Auswärtsspiel in Ulm 16 Punkte (7/10 FG) und 3 Rebounds. Auch in der Partie bei ALBA BERLIN, die für die Frankfurter als Team desaströs verlief, konnte der Flügelspieler persönlich überzeugen. Er kam auf 19 Punkte, wobei er 4 seiner 5 Dreipunktewürfe traf, und 2 Rebounds.

U20-EM macht Hoffnung

Spieler und Klub hoffen, dass der mittlerweile 20-Jährige in der Saison 2018/19 häufiger solche Leistungen aufs Parkett legen wird. Anzeichen dafür bot zumindest Freudenbergs Gesamteindruck bei der U20-Europameisterschaft im vergangenen Juli. Gerade im Vergleich zur U19-WM ein Jahr zuvor machte er einen Sprung nach vorne, auch wenn sich dies nicht beim Scoring ausdrückte. Dafür reboundete Freudenberg bei vergleichbarer Spielzeit besser – vor allem am offensiven Brett. Zudem verteilte er mehr Assists und leistete sich weniger Ballverluste als beim Turnier im Sommer zuvor. Zudem übernahm er Verantwortung und versenkte einen Gamewinner im ersten Vorrundenspiel gegen Israel.

„Ich habe von U20-Bundestrainer Alan Ibrahimagic sehr gute Berichte über seine Einstellung bekommen“, erklärte Frankfurts Head Coach Gordon Herbert vor Beginn der Preseason. Freudenberg selbst zeigt sich ebenfalls zufrieden und bekräftigt, dass sein Selbstvertrauen „auf jeden Fall wieder da ist.“ Den Sommer verbrachte er mit der Nationalmannschaft, aber auch in den USA, wo er trainiert und weiter an seinem Spiel gefeilt hat. „Ich habe [im Sommer] vor allem an meiner lateralen Schnelligkeit in der Defense, an meinem Wurf und an meinem Ballhandling gearbeitet“, berichtet der Frankfurter Forward.

Die Vorzeichen stehen gut

Nach der guten Offseason steht für Freudenberg nun vor allem Eines im Vordergrund: „Jetzt muss es mein Ziel sein, die größtmögliche Rolle im Team zu bekommen. Ich muss mich in der Preseason dem Coach anbieten, und dann schaue ich weiter.“

Die Vorzeichen für einen festen Platz in der Rotation mit größeren Spielanteilen stehen laut Herbert zumindest deutlich besser als im Vorjahr: „Es ist anders als im Sommer davor, wo er ein bisschen außer Form aus den USA zurückgekommen war. Nun ist er in guter geistiger und körperlicher Verfassung. Viel besser, als er letztes Jahr hierhin kam. Ich hoffe, dass er mehr Einfluss nehmen kann. Letzte Saison war eine Lernerfahrung mit Höhen und Tiefen. Er hatte auch ein paar üble Verletzungen, was ihn etwas zurückgeworfen hat in Phasen, wo er einen Schritt nach vorne hätte machen können. Wir hoffen, dass er Teil der Rotation werden kann.“

Neben seiner besseren Form sprechen auch andere Dinge dafür, dass Freudenberg einiges an Einsatzzeit bekommen wird. Auch wenn ihn Herbert mehr als Power Forward sieht, kann er ebenfalls auf der Drei spielen. Er wird wohl vor allem mit Quantez Robertson und Shawn Huff um die Einsatzzeit konkurrieren – zwei Spielern, die trotz ihrer Fitness in Anbetracht ihres Alters eventuell die eine oder andere Pause erhalten werden. Schließlich steigt die Belastung durch die zusätzlichen Spiele im EuroCup.

Wie viele Minuten Freudenberg bekommen wird, könnte letztlich auch von seinem Wurf abhängen. In den vergangenen beiden Jahren haperte es bei der Wurfquote von Downtown, wobei sich sein Trainer in Frankfurt darüber keine Sorgen macht: „Der Wurf wird irgendwann fallen. Es ist wie in einer Ehe: Manchmal läuft es gut, manchmal nicht so. Es geht hoch und runter. Genauso ist es beim Wurf.“ Freudenberg selbst ist zumindest zuversichtlich: „Im Sommer war der Wurf ganz gut. Ich habe auf jeden Fall wieder mehr Vertrauen in ihn.“

Für Herbert stehen ohnehin andere Dinge im Vordergrund: „Die beiden Dinge, von denen ich begeistert war, bevor er ans College gegangen ist, waren sein Rebounding und dass er immer vollen Einsatz gezeigt hat. Für mich ist die wichtigste Sache, dass er sich reinhängt.“ Das hat Freudenberg zweifellos vor: „Ich fühle mich gut und will angreifen.“

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