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eSport-Basketball in Deutschland

05.07.2018 || 12:54 Uhr von:
Vier easyCredit BBL-Vereine haben im vergangenen Jahr den Schritt auf das virtuelle Parkett gewagt. Der erste Schritt einer längeren Entwicklung?

Basketball ist neben „König Fußball“ nur eine von vielen Randsportarten in Deutschland? Nicht unbedingt. Basketball ist für viele Interessierte und vor allem für Fans des amerikanischen Sports schon immer auch ein Lifestyle und eine Kultur, die mit ihrer Verbindung zu Musik, Film und Mode über den Sport hinaus ging. Auch im Gaming hat der Sport eine fast vierzigjährige Historie.

Im Zuge des eSports-Booms in den vergangenen Jahren, der zuletzt sogar die professionelle, von NBA Teams finanzierte NBA 2K eLeague hervorbrachte, kommt der Trend des virtuellen Basketballsports auch in Deutschland an. Mit den Vorreitern der Fraport Skyliners, dem FC Bayern München, ratiopharm ulm und den EWE Baskets Oldenburg haben sich bereits vier easyCredit BBL-Vereine dafür entschieden, ein Team zu stellen, das offiziell ihren Klub repräsentiert.

Sind eSports überhaupt Sport?

Während sich Sportfreunde älteren Jahrgangs im ersten Kontakt mit eSports fragen, ob es denn überhaupt Sport sei, ist diese Frage für die eigentliche Zielgruppe erstmal gar nicht so wichtig. MOBA-Videospiele (Multiplayer Online Battle Arena) wie League of Legends (LoL) haben bereits bewiesen, dass sie einen Wettbewerbscharakter mitbringen, weltweit viele Zuschauer finden und Preisgelder von zweistelligen Millionensummen generieren. Eine Parallele zum klassischen Sport bieten eSports mit Live-Kommentar und können daher ein ähnliches Unterhaltungsformat darstellen.

Unter den Sport-eSports konnte hierzulande jedoch selbst das populäre FIFA noch nicht richtig Fuß fassen. Noch herrscht zu viel Skepsis unter den Verantwortlichen, sobald monetär investiert werden muss und traditionelle Ansichten herrschen. In der Basketballszene ist die Einstiegshöhe jedoch deutlich geringer und die Vereine haben die Gelegenheit, die Rolle eines Vorreiters einzunehmen. „Es herrscht vielleicht das Vorurteil, dass sich junge Menschen am Gamepad nur den Rücken krummsitzen“, sagt Timo Kersten, der das eSports-Projekt der EWE Baskets Oldenburg betreut, „aber NBA 2K ist wie Basketball selbst ein sehr skillbasiertes Spiel, wo insbesondere Attribute wie Teamfähigkeit, schnelle Entscheidungsfindung und taktisches Denken maßgeblich sind und eine gute Möglichkeit bietet, junge Menschen näher an den Sport und den Verein heranzubringen“.

Mehr als nur ein Trend?

Die NBA 2k-Szene ist in Deutschland vergleichweise klein und selbst der Spieleentwickler hatte ursprünglich in der diesjährigen Spielversion keinen passenden Modus zur Ausrichtung eines Wettbewerbs dieser Art entwickelt. Für die amerikanische Profiliga musste beispielsweise umprogrammiert werden und als Plattform wurde der PC ausgewählt, nachdem die Spielerauswahl unter den Konsolenspielern durchgeführt wurde und sich die Teams in einem professionellen Draft mit NBA-Vorbild ihre Spieler aussuchten. Das alles ist in wenigen Monaten entstanden. Exemplarisch dafür, wie rasant und unabhängig von gewohnten Mechanismen solche Trends ihren Weg nehmen.

Ob NBA 2K ebenfalls genug Interesse generieren kann, um eine virtuelle Basketball-Bundesliga zu stellen, ist zwar noch völlig offen, aber dass das Potential vorhanden ist, liegt auf der Hand. Ein Schlüssel, um genug Zuschauer zu finden, wird trotzdem womöglich sein, auch ohne eine Art Bundesliga genug interessante Events und Wettbewerbe auf die Beine zu stellen. „Wir möchten eine Mannschaft aufbauen, die unseren Bezug zur Region deutlich macht, die sich mit unserem Club identifiziert und die auch immer wieder für die EWE Baskets präsent ist.“ sagt Daniel Pleines, Marketing-Leiter der Oldenburger. „Der wachsende eSports-Markt, der Zugang zu neuen Zielgruppen und Sponsoren bieten uns zudem neue Möglichkeiten“.

In der Tat kann es bei 2K-Spielern und solchen, die es werden könnten, eine relevante Zielgruppe geben, die bisher nur den Kontakt zu NBA-Basketball gesucht oder sich nur den virtuellen Umgang mit dem Basketball zugetraut hat. Der Hauptsponsor EWE hat beispielsweise als Internetprovider und Telekommunikationsunternehmen ein legitimes Interesse an eSports und unterstützt das Oldenburger Projekt bereits.

Ausblick

Obwohl die eSport-Basketballszene in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, haben Topvereine genug Gründe, sich an der Entwicklung zu beteiligen. Zusammen mit einer ausreichend großen NBA 2K-Gamerszene und dem Erfolg der NBA 2K eLeague in den USA sind das die wichtigsten Voraussetzungen für ein langfristiges Bestehen. Darüber hinaus könnte es erforderlich werden, das Spiel einer breiteren Masse zur Verfügung zu stellen. Denn jährlich anfallende Kaufpreise sind ein Hindernis, das andere eSports-Bereiche weniger mitbringen. Der Spieleentwickler 2K wird sich vermehrt auf dieses Game-Feature konzentrieren müssen und somit Gameplay-Schwächen ausmerzen, die das Spiel unrealistisch erscheinen lassen könnten. Es sind also Hürden zu bewältigen, aber in Deutschland und Europa können sich noch vornehmlich Hobbyspieler in die Entwicklung der Szene einbringen und fast von Anfang dabei sein, ehe auch hier die ersten Profi-Teams Fuß fassen. Das dürfte Motivation genug sein.

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