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Niklas und Joey Ney im Brüder-Interview

11.08.2014 || 13:35 Uhr von:
Niklas und Joey Ney
Joey und Niklas Ney sind Brüder, kommen aus Berlin und lieben den Basketball-Sport. Soweit nichts Besonderes - soweit! Denn während Joey bereits einige Spiele für das Bundesliga-Team von ALBA Berlin absolvierte, wechs...

Joey und Niklas Ney sind Brüder, kommen aus Berlin und lieben den Basketball-Sport. Soweit nichts Besonderes – soweit! Denn während Joey bereits einige Spiele für das Bundesliga-Team von ALBA Berlin absolvierte, wechselt Niklas zur kommenden Saison vom Jugend-Team der Albatrosse an die Mercer University in die USA und wird dort künftig in der NCAA spielen. Wir haben kurz vor Niklas‘ Abflug die Chance gehabt, mit beiden über ihre Zukunft zu sprechen.


Der eine geht nach Ehingen, knapp 700 km entfernt von Berlin, und der kleine Bruder sogar über den großen Teich in die USA ans College. Habt Ihr euch schon Gedanken gemacht, wie sehr Ihr eure Heimat vermissen werdet?

Joey: Ich war ja letzte Saison schon in Ehingen. Ich muss sagen, am Anfang war es schwierig, denn wenn man aus einer Großstadt wie Berlin kommt und dann nach Ehingen geht, dann ist das schon eine große Umstellung. Vor zwei Jahren habe ich bewusst nicht den Weg gewählt, aus Berlin weg zu gehen, weil ich mich noch nicht bereit gefühlt habe. Jetzt bin ich ein Stück erwachsener geworden und denke, ich kann mit der Situation besser umgehen, dass man von seinem gewohnten Umfeld weg ist und erstmal nichts anderes hat außer den Basketball.

Niklas: Bei mir ist es ähnlich wie bei Joey, nur dass es bei mir ein ganz anderer Kontinent ist. Ich hab mir schon viele Gedanken darüber gemacht, ob ich die Heimat vermissen werde, aber ich denke, das gehört einfach zur Erfahrung am College dazu. Gerade am College wird man ja rund um die Uhr betreut und wird gut auf das selbstständige Leben vorbereitet.

Wie ist euer Verhältnis und werdet Ihr regelmäßig den Kontakt halten während der Saison?

Joey: Ich habe ja letztes Jahr schon allein gewohnt, bzw. mit meiner Freundin zusammen gewohnt. Trotzdem haben wir uns immer gesehen, wenn ich bei den Eltern zu Besuch war oder wir schreiben eben regelmäßig. Außerdem treffen wir uns in der Offseason und versuchen, so oft wie möglich zusammen zu trainieren.

Joey über den Weg seines Bruders und seinen eigenen

Joey, du warst schon einmal in der USA und hast dich dann aber für den europäischen Basketball entschieden. Ist da jetzt ein wenig Wehmut mit dabei, dass dein Bruder jetzt den Schritt wagt und du es nicht doch am College versucht hast?

Joey: Nein, Wehmut ist nicht dabei. Wenn ich eine College besucht hätte, dann nicht wegen Basketball, sondern hätte mich hauptsächlich aufs Studium konzentriert. Damals habe ich dafür mich entschieden, dass es erstmal der europäische Basketball sein soll. Das Jahr in den USA hat mir sehr gefallen. Ich liebe die Lebensweise und die Kultur der Amerikaner, aber letzten Endes denke ich, dass es für ihn der richtige Schritt ist und eine schöne Erfahrung. Jeder muss für sich seinen individuellen Weg finden und seinen eigenen Weg finden. Für mich war es in dem Fall einfach nicht die richtige Option.

Du hast das komplette Jugendprogramm von ALBA absolviert und bist jetzt bei Ehingen. Denkst du, dass es richtig ist, für dich diesen Weg in die ProA zu gehen?

Joey: Ja, natürlich. Bei ALBA habe ich über ein paar Jahre hinweg eine sehr gute Ausbildung genossen und habe auch im Profibereich gewisse Erfahrungen gemacht, aber letztlich habe ich keine Spielzeit auf hohem Niveau bekommen. Gerade die Spielzeit ist für einen jungen Spieler wie mich essentiell, damit er sich weiterentwickelt. Deswegen denke ich, dass es für mich der richtige Weg ist, in die zweite Liga zu gehen, um dort Spielzeit zu bekommen, Erfahrung zu sammeln, Selbstvertrauen zu tanken, damit ich dann in zwei bis drei Jahren den Schritt nach oben in die erste Liga machen kann.

Du warst jetzt ziemlich lange verletzt. Wie wichtig ist dir da das Vertrauen der Coaches, dass du wieder zu 100% angreifen kannst?

Joey: Ich denke, in dem Bereich zweite Liga, erste Liga ist das Vertrauen der Coaches am wichtigsten. Wenn die Coaches einen bestimmten Spielertypen nicht mögen oder brauchen, dann werden sie ihn auch nicht aufs Feld stellen. Deshalb denke ich, dass das Vertrauen sehr wichtig ist. In Ehingen ist das Vertrauen in die Spieler sehr hoch, weil man da junge Spieler verpflichtet, die alles geben, sich weiterentwickeln wollen und auf keinem Fall wegen dem Geld da sind.

Hast du einen Plan B, falls es auf kurz oder lang nicht zurück in die BBL geht?

Joey: Ja, den Plan gibt es. Wenn ich es nicht schaffen sollte, in den Profibereich reinzurutschen, dann möchte ich auf jeden Fall studieren und Lehrer werden.

Lehrer? Welche Fächer möchtest du dann unterrichten?

Joey: In der Schule hatte ich Mathe als Leistungskurs und spreche durch mein Jahr in den USA fließend Englisch. Sport wäre auch naheliegend. Aber ich habe mich da bisher nicht so festgelegt. Das ist erstmal mein Plan im Hinterkopf, falls es nicht in den Profibereich gehen sollte.

Niklas über seinen kurz bevorstehenden Collegetraum

Jetzt ein paar Fragen an Niklas: Du gehst jetzt für die nächsten vier Jahre ans College. Hast du dir schon Gedanken gemacht, wie es wird für dich so weit weg von der Heimat?

Niklas: Ich bleibe ja nicht vier Jahre am Stück in den USA. In den Sommer- oder Semesterferien werde ich sicherlich das ein oder andere Mal nach Berlin zurückfliegen. Nichts desto trotz ist es schon ein komisches Gefühl und ein wenig Ungewissheit, wenn man feststellt, dass man schon längere Zeit erstmal nicht Zuhause sein wird. Ich werde da irgendwo auf dem Campus untergebracht sein und mir mit einem Teammate das Zimmer teilen. Ich versuche mich schon so gut wie möglich auf diese Situation vorzubereiten, aber das sind einfach die Erfahrungen, die ich machen muss.

Joey: Es ist auf jeden Fall ein Abenteuer. Man verlässt auch gewissermaßen seine Komfortzone. Hier hat man das gewohnte Umfeld und seine Leute um sich rum. Aber bei diesen Programmen in der USA mit High School und College wird man schon sehr gut betreut, damit man nicht so sehr auf sich allein gestellt ist. Die Leute dort helfen einem auch, dass sich dort ein gewisses Umfeld bildet, in dem man dann arbeitet und seine Erfahrungen machen kann.

Wann und warum kam der Wunsch in dir hoch, in die USA zu gehen und das College zu besuchen?

Niklas: Das war mit 16. Da habe ich angefangen, den College-Basketball zu verfolgen und habe beschlossen, da will ich auch unbedingt hin nach meinem Abitur.

Deine Mutter schrieb kürzlich auf Court Review, dass die Besichtigungen der Colleges für dich wie eine Reise durchs Paradies waren. Welche Eindrücke hast du gewonnen und was hat dich am meisten beeindruckt?

Ich bin mit richtig großen Erwartungen in die USA und diese Erwartungen wurden einfach 100 Mal übertroffen. Es war wirklich großartig. Die riesigen Campuse, die unendlich großen Areale, die Orte, wo die Spieler trainieren und wo sie untergebracht sind – das alles war schon sehr cool. Ich konnte auch ein paar Spieler kennenlernen und mich mit ihnen unterhalten, wie der Alltag so abläuft. Diese Reise war schon sehr wichtig für mich um Eindrücke zu gewinnen, was alles auf mich zukommt.

Du hast dir ja auch einige Hallen von den jeweiligen Universitäten angesehen. Wir reden in Deutschland vom FCBB, der eine Halle mit 14.000 Plätzen plant. Diese Kapazität ist eigentlich Standard für die Unis.

Niklas: Ja, das stimmt. Und wir reden von Uni-Sport. Ich habe mir die Halle von Texas A&M angesehen und diese Halle hatte 14.000 Plätze. Gleich neben der Halle steht das Footballstadion (Kyle Field, 82.600 Plätze). Das ist so, als würde die o2-World direkt neben dem Berliner Olympiastadion stehen. Die Halle von der Mercer University hat knapp 8.000 Plätze.

Gibt es neben der Familie irgendwelche Aspekte, die du besonders an Berlin vermissen wirst?

Niklas: Ich werde definitiv den Döner vermissen. Der wird mir schon fehlen. Die Mercer University liegt in Macon im Bundesstaat Georgia. Das ist eher eine Kleinstadt. Das kann man auch gar nicht mit der Größe Berlins vergleichen. Dahingehend wird mir schon das Großstadtfeeling Berlins fehlen, obwohl Atlanta nur eineinhalb Autostunden entfernt ist.

Aber Ausflüge nach Atlanta werden nicht allzu häufig werden, oder? Wie straff ist denn dein Tagesplan?

Niklas: Der Journalismusbereich der Mercer University hat Verbindungen zur CNN-Zentrale in Atlanta. Dort kann man dann als Journalismus-Student auch sein Praktikum machen.

Was erhoffst du dir von deiner Collegezeit und was glaubst du dort lernen zu können, was du hier in Europa nicht lernen könntest?

Niklas: In erster Linie kann ich dort einen internationalen Abschluss machen. Ich kann neben dem Bachelor in Journalismus auch den Master machen und ich denke, dass mir diese Erfahrungen dort später im Berufsleben sehr weiterhelfen können.

Hattest du schon Kontakt zu deinen neuen Coaches und haben sie dir schon gesagt, woran du arbeiten musst?

Niklas: Die Coaches konnten mich erst zweimal sehen, nämlich als ich selbst dort war. Jedoch konnte ich dort aufgrund der NCAA-Regularien nicht in der Halle trainieren. Der Coach hat mir Spielsysteme geschickt, die ich mir ansehen und studieren sollte. Sie spielen viel Pick-and-Roll, viel Motion-Offense. Darauf versuche ich mich natürlich gut genug vorzubereiten. Ich lerne die Plays, gehe viel Laufen, mache Krafttraining und arbeite viel an meiner Fußarbeit.

Was hast du dir für dein erstes Jahr für Ziele gesetzt?

Niklas: Ich wollte College-Basketball auf hohem Niveau spielen. Diese Möglichkeit habe ich jetzt bekommen. Jetzt will ich mir nicht zu hohe Ziele setzen. Im ersten Jahr ist mein Ziel auf jeden Fall, es in die Rotation zu schaffen und Minuten abzugreifen.

Warum hast du dich entschieden Journalismus zu studieren?

Niklas: Ich schreibe sehr gerne und mir macht es auch sehr Spaß, zu irgendwelchen Dingen meine Meinung zu schreiben. Daher kam für mich schnell Journalismus in Frage. Dort habe ich dann die Möglichkeit, mein Geschriebenes einer großes Masse oder einem großen Publikum zu präsentieren.

Welchen Abschluss strebst du an und träumst du auch von der NBA?

Niklas: Ich möchte auf jeden Fall die vollen vier Jahre bleiben und einen guten Abschluss machen. NBA … Ja, das wäre schon ein Traum. Aber ich verkrampfe mich nicht darauf. Wenn es irgendwann mit der NBA klappt, dann wäre das gut. Sollte es nicht für die NBA reichen, dann bin ich auch nicht traurig. Ich bin erstmal wegen der akademischen Ausbildung am College.

Wir bei Court Review werden den Weg von Niklas uns seine Zeit auf dem College auch in Zukunft weiter verfolgen und Euch auf dem Laufenden halten. Zunächst wünschen wir ihm aber alles Gute da drüben!

Niklas und Joey Ney im Brüder-Interview
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12. August 2014 um 11:25 Uhr

Stein schlägt Schere! (Bild) 😀
Cooles Interview. Bin mal gespannt wie es BigNik in den Staaten ergehen wird und was aus Joey in 2-3 Jahren wird. Bleib am Ball!

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