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Kleiner Bruder, großer Bruder

14.05.2012 || 00:00 Uhr von:

Während der 20 Jahre alte Daniel erst vor fünf Jahren vom Fußball zum Basketball wechselte, spielt der fast zehn Jahre ältere Frank schon seit seiner Kindheit im Verein. In der ProB sorgte der eingeschworene Theis-Frontcourt in der Spielzeit 2011/2012 oft für Sorgenfalten auf der Stirn des Gegners. Ob die zwei Brüder aber auch in Zukunft in Sachen Basketball dieselben Wege einschlagen werden, ist noch unklar. Während Frank schon an die Zeit nach der Karriere denkt, startet Daniel gerade erst als Spieler mit Doppellizenz für die New Yorker Phantoms in der Bundesliga durch.

Im Interview blicken beide zurück auf ihre sportliche Kindheit, geben Ausblick auf all das, was sie in den kommenden Monaten und Jahren erwartet und teilen in gewohnter Manier kleine brüderliche Seitenhiebe aus.

Frank, wie hast du die Zeit nach dem Saisonende in der ProB verbracht?

F: Ich habe ausgeschlafen, bin ins Fitnessstudio gegangen und ansonsten habe ich mich vom Basketball erst einmal ein bisschen zurückgezogen. Im Fitnessstudio halte ich mich aber natürlich trotzdem fit.

Habt ihr die Playoffs weiterhin verfolgt? Tröstet es euch, dass die Jungs aus Gotha, gegen die ihr ja letztlich verloren hattet, als Aufsteiger und Meister nächste Saison in der ProA spielen?

F: Nein, ich habe nicht ein einziges Mal reingeschaut, wie es läuft.

D: Also ich habe schon ab und zu nochmal rein geschaut.

F: Wir wussten von Anfang an, dass es gegen Gotha nicht leicht wird und vor allem hätten wir sie theoretisch schlagen können, wenn alle im Team ihre Leistung hätten abrufen können. Es hat eben leider nicht so geklappt. Dass Gotha jetzt aufsteigt, ist in gewisser Weise ja auch ein kleines Kompliment für uns. Im Endeffekt sind für uns aber nur wir selbst wichtig und wir haben es leider nicht geschafft. Nichtsdestotrotz geht es in Ordnung, dass Gotha nächste Saison ProA spielt. Das hatten sie lange geplant und das haben sie auch verdient.

Es hat ja keiner damit gerechnet, dass diese Saison für uns so verlaufen würde. Wenn man eben die Chance hat und das Team hat, dann will man am Ende natürlich so viel erreichen, wie nur möglich. Man weiß ja nicht, was nächstes Jahr ist und wie unser Team dann aussehen wird.

Daniel, dir dürfte es vielleicht leichter gefallen sein, die Niederlage zu verdauen. Du hattest mit den New Yorker Phantoms Ablenkung in der heißen Phase der Saison und um die Playoffs gekämpft…

D: Also ob es mir leichter gefallen ist, darüber hinwegzukommen, weiß ich nicht. Wir trainieren zwar zweimal am Tag, aber im ersten Moment war ich schon ziemlich traurig und da hilft auch kein Training als Ablenkung.

Wie sehen eure Pläne für den Sommer aus? Gönnt ihr euch ein bisschen Ruhe voreinander oder werdet ihr die Zeit trotzdem gemeinsam verbringen?

F: Daniel wird sowieso viel unterwegs sein. Bis zum Beginn der neuen ProB-Saison ist er vielleicht zwei oder drei Wochen hier zu Hause, wenn überhaupt. Das sind dann auch immer nur wenige Tage am Stück und ich glaube, die will er dann schon mit seiner Freundin nutzen. So bekommt man ein bisschen Zwangsabstand voneinander. Wenn wir zwischendurch ein bisschen Zeit finden, werden wir die wohl auch mit der Familie verbringen. Es ist grundsätzlich nicht so einfach das alles zu koordinieren, weil er viel unterwegs ist.

Daniel, im Sommer bist du wieder mit der U20 Nationalmannschaft unterwegs. Die EM in Slowenien steht an, was wollt ihr dort erreichen?

D: Ich denke, da wir im letzten Jahr schon Fünfter geworden sind, können wir in diesem Jahr und wollen wir auf jeden Fall auch noch mehr erreichen. Wir haben ein vielleicht noch besseres Team als letztes Jahr, mit dem Unterschied, dass die anderen Nationen uns wohl nicht mehr unterschätzen werden.

F: Ja, Daniel, das ist schön. Aber du persönlich, was willst du denn da?

D: Eine Medaille zu holen, wäre natürlich cool. Und persönlich…klar, ich will es den anderen zeigen. (lacht)

F: Diszipliniert sein und der Beste sein, mehr nicht.

D: Ich nehme mir auf jeden Fall vor, noch bessere Statistiken als im letzten Jahr zu liefern. Da war ich viertbester Rebounder, ich hoffe, da geht noch mehr. Aber der Teamerfolg steht für mich im Vordergrund.

Frank, du scheinst engagiert dabei zu sein. Verbringst du deinen Sommerurlaub in diesem Jahr auch in Slowenien oder ist Südeuropa doch ein Stück weit attraktiver?

F: Nein, meine Frau und ich fahren den Schwiegervater in Rumänien besuchen. Dann geht es vielleicht noch eine Woche nach Mallorca, aber das reicht dann auch. Ein Abstecher nach Slowenien passt zeitlich leider nicht, das haben wir schon nachgeschaut. Würde ich natürlich sehr gerne machen, aber es klappt einfach nicht.

Daniel, welchen Anteil hat Frank insgesamt an deiner bisherigen Karriere?

D: Ich würde sagen, ich verdanke ihm so gut wie alles. Ich kam durch ihn und durch Benny (Anm. d. Red.: Benjamin Travnizek), der früher NBBL-Trainer war und Franks bester Kumpel ist, überhaupt erst zum Basketball.

Mein Bruder spielt mittlerweile schon seit acht Jahren in der ProB und selbst davor war ich auch schon immer bei seinen Spielen in Salzgitter, wo ich zugeschaut habe. Als er dann in Wolfenbüttel unterschrieben hat, habe ich dort die Heimspiele gefilmt.

F: Daniel war ja quasi immer dabei. Er ist als kleiner Junge schon zu sämtlichen Auswärtsfahrten mitgekommen. Da hat er zwar nur Gameboy gespielt, aber Hauptsache mitgefahren. Egal wo, er war einfach immer dabei.

Daniel, bis vor fünf Jahren hast du ausschließlich Fußball gespielt und hast danach erst mit dem Vereinsbasketball begonnen. Was hat dich so lange beim Fußball gehalten?

D: In meinem Heimatort Salzgitter gibt es leider nur wenig Jugendbasketball – eigentlich sogar überhaupt nicht, sondern eben nur die Herren-Mannschaften. Deswegen habe ich einfach nie drüber nachgedacht. Ich war immer dabei und habe zugeschaut, aber mehr Spaß hatte ich dann doch beim Fußball. Jeder hat damals Fußball gespielt, denn bei uns auf den Dörfern ist es normal, dass die Jungs Fußball spielen.

Wieso ist die Entscheidung doch zu Gunsten des Basketballs gefallen?

D: Das hing mit Benny zusammen. Benny war damals Trainer der U18- und NBBL-Trainer hier im benachbarten Braunschweig. Der kam eben auch aus unserem Dorf und hat immer gesagt, dass ich mal mitkommen soll.


Daniel Theis spielte früher Fußball und ist aktueller U20-Nationalspieler.

Warum? Nur weil du groß warst?

D: Naja, so groß war ich gar nicht. Ich war schnell für meine Größe, das vielleicht schon. Benny hat damals selbst noch bei den zweiten Herren bei uns in Salzgitter-Gebhardshagen gespielt. Da habe ich dann auch schon mal mitgespielt. Zwar immer nur ein bisschen mitgezockt, aber das lief ganz gut.

Wenn es in Salzgitter gar keine Jugendmannschaften gibt, wie kamst du dann damals überhaupt zum Basketball, Frank?

F: Das war in der fünften Klasse durch eine Schul-AG.

Und wie sah euer beider sportliche Kindheit aus? Welche Sportarten habt ihr ausprobiert?

F: Ich war Schwimmer. Acht Jahre lang bin ich in der DLRG geschwommen. Wir haben sogar an Meisterschaften teilgenommen, aber welches Niveau die hatten, das weiß ich schon gar nicht mehr.

D: Ich habe ja eigentlich nie Basketball gespielt als Kind, das fing erst später an. Ich habe alles ausprobiert. Ich habe im Verein Tischtennis gespielt…

F: Ach ja! Das habe ich auch noch gemacht.

D: …dann habe ich noch Handball im Verein gespielt. Das jedoch nicht lange und nur in der Freizeit, nicht auf Leistungsebene. Außerdem habe ich ein bisschen Tennis gespielt. Ich glaube, ich habe wirklich schon fast alles ausprobiert. Beim Tischtennis bin ich neben dem Fußball am längsten geblieben, das habe ich drei oder vier Jahre lang gemacht.

Wie wart ihr in sportlicher Hinsicht durch eure Eltern beeinflusst?

F: Unsere Eltern waren sehr engagiert, uns zum Sport hinzuleiten und haben uns auch ab und zu zum Sport gefahren, wenn wir weiter weg zu Spielen antreten mussten. Mein Vater war früher Kraftsportler, das hat mich persönlich auf jeden Fall beeinflusst und mir imponiert. Ich habe später überlegt, vielleicht auch diesen Weg zu gehen. Das hat mich wirklich beeindruckt.

D: Mich haben meine Eltern vor allem so unterstützt, dass sie mich immer zum Fußballtraining gefahren haben. Bei meinen Spielen waren sie stets dabei und auch jetzt bei den Basketballspielen ist unser Papa noch bei jedem Spiel in der Halle, wenn es zeitlich passt.

Frank, wie verlief die ganze Geschichte aus deiner Sicht? Habt ihr lange gebraucht, um Daniel zu überreden, dass er mit dem Basketballspielen beginnt?

F: Also früher haben ja sowieso schon alle zu ihm gesagt, er solle doch mal mit Basketball anfangen. Ich glaube, alleine aus Trotz hat er damals immer gesagt „Nee, will ich nicht“ und ist beim Fußball geblieben. Dann hat mein Vater irgendwann gesagt: „Daniel, pass auf, wenn du jetzt anfängst, kaufe ich dir ein Paar Turnschuhe und ein Outfit“ und so hat er eben doch angefangen mit Basketball im Verein. Natürlich war ich von den Anfängen seiner jungen Karriere schon beeindruckt. Als ich hierher nach Braunschweig gewechselt bin, musste ich feststellen, dass ich plötzlich nicht mehr der Mittelpunkt der Mannschaft war – eine krasse Erfahrung, die ich gemacht habe. Bei Auswärtsspielen heißt es manchmal, „du bist doch nur neidisch“, aber das stimmt absolut nicht. Ganz im Gegenteil: Daniel soll das weiter machen und ich bin mega stolz auf ihn. Er soll alles investieren, was er hat und Basketball hat oberste Priorität, ansonsten ist alles zweitrangig.

Daniel war immer begeisterter Zuschauer bei den Spielen seines Bruders, ist dir denn eines seiner Fußballspiele noch in besonderer Erinnerung?

F: Ich war oft mit meinen Eltern bei seinen Spielen, aber mir ist kein Spiel in besonderer Erinnerung geblieben. Tore hat er sowieso immer geschossen und er war eben grundsätzlich der Größte. Der Größte, der unter den Jüngsten am schnellsten geradeaus laufen konnte. Außerdem weiß ich noch, dass er gute Flanken schießen konnte. Er war schon echt gut. Nicht ohne Grund stand er kurz davor, in der Niedersachsenauswahl zu spielen. Letztendlich wollte er das dann nicht, weil der tägliche Weg zum Training einfach zu lang gewesen wäre und mein Vater Schicht arbeitet. Das Hin- und Herfahren wäre schwierig geworden.

Am 10.10.2009 habt ihr das erste Mal in einem Ligaspiel gegeneinander gespielt und das ausgerechnet im umkämpften Derby Wolfenbüttel gegen Braunschweig. Wie habt ihr dieses Spiel wahrgenommen?

F: Das Hinspiel war für mich ein Heimspiel bei uns in Wolfenbüttel. Schwierig zu sagen, wie wir das wahrgenommen haben… (überlegt)

D: Also ich war davor auf jeden Fall aufgeregt. Das war ja die erste Saison, in der ich mehr Spielzeit erhalten habe und ich wusste, dass Frank so oder so der Go-to Guy der Wolfenbüttler Mannschaft war. Das hieß: Alle Bälle gehen zu ihm, er wirft und er ist überall präsent. Ich sollte ihn letztendlich auch noch verteidigen. Es war schwierig, auf dem Feld die richtige Mischung an Härte zu finden, weil wir ja quasi in dem Moment „Feinde“ waren, ich trotzdem weder zu hart reingehen wollte noch ihm freie Bahn lassen wollte.

F: So ist es mit Freunden ja auch. Wenn man Leute beim Basketball schon länger kennt, dann geht es mit dem Anpfiff auf eine professionelle Ebene. Vielleicht schlägt man nicht so fest rein, wenn der Trainer das in dem Moment von dir möchte, sondern man versucht mehr mit Köpfchen und Verstand zu arbeiten. Aber natürlich war auch ich aufgeregt und ich habe in jeder Situation, in der Daniel nicht gegen mich gespielt hat, gehofft, dass er natürlich auch punktet und dass er alles richtig macht.

Als Deutscher Spieler des Jahres 2010 bist du, Frank, zur folgenden Saison nach Braunschweig gewechselt. Welche Gründe hattest du für diesen Szenenwechsel?

F: Es gab eigentlich nur einen Grund: Weil mir die erste Liga versprochen wurde, nur deswegen. Im Endeffekt war der größte Teil nur viel Gerede. Ich habe unterschrieben und von heute auf morgen war die Situation wie ausgewechselt. Das war die größte Enttäuschung meines Lebens.

In diesem Moment habe ich den Wechsel bereut, weil natürlich alle Wolfenbüttler mit dem Finger auf mich gezeigt haben und es alle besser gewusst hatten. Aber ich muss sagen, ich hatte auch viel Zuspruch von Leuten aus Braunschweig, gerade hier im Büro, die mir wirklich aus dem Herzen gesprochen haben. Für mich war es dann erst einmal schwer, mich so plötzlich wieder auf die zweite Liga zu konzentrieren. Das war ziemlich hart.

Warum hat es denn nie für die BBL gereicht?

F: Ich war schon seit je her ein Gemütsmensch. Ich habe in Salzgitter eine Ausbildung gemacht, während ich Basketball gespielt habe, ich habe noch ein Jahr gearbeitet nebenbei und nie einen Agenten beschäftigt. Ich habe immer gesagt, ich fühle mich hier in der Region wohl. Es kamen Anfragen von anderen Vereinen und ich habe abgelehnt. So bin ich in Wolfenbüttel geblieben. Außerdem bin ich ein Mensch, der von der Spielfreude abhängig ist. Ich werde 30 Jahre alt und will einfach spielen, spielen, spielen und mehr nicht. Alles andere habe ich vielleicht selbst verbockt, weil ich zu gemütlich war; alles ist in Ordnung, so, wie es ist.

Ihr steht oft gemeinsam auf dem Feld, werdet als der gefürchtete Theis-Frontcourt bezeichnet. Frank, du als der Kleinere bist Center, Daniel, du als der Größere Power Forward. Wo liegen in der Physis und der Spielveranlagung die gröbsten Unterschiede zwischen euch beiden?

D: Also Power Forward oder Center, das macht zwischen uns keinen großen Unterschied. Im Laufe der Saison hat sich das positionsmäßig mehr oder weniger ausgeglichen. Es ist eigentlich nur die Aufteilung von den Systemen her, die uns so genau einteilt.

Trotzdem hat Frank nach wie vor den viel besseren Wurf als ich. Das ist gerade der Punkt, an dem ich noch viel arbeiten muss.

F: Vielleicht habe ich den besseren Wurf, aber er hat definitiv das bessere Timing. Ich bin mehr ein Verteidiger, der auf dem Boden klebt, Hochspringen ist nicht so meins. (lacht) Nur vom Kopf her bin ich vielleicht manchmal noch ein bisschen bissiger und physischer. Immerhin wiegt Daniel auch noch zehn Kilogramm weniger als ich. Das macht er dafür beispielsweise durch besseres Timing und Blocken wieder wett.

Daniel, inwieweit profitierst du von Franks Erfahrung oder kannst immer noch von ihm lernen?

F: Naja, all das, was ich ihm sage, fasst er als Kritik auf und ist sofort beleidigt. Trotzdem pickt er sich so manche Sachen heraus, hört die vielleicht auch nochmal von anderen, sodass er dann weiß, es war vielleicht doch nicht so falsch, was Frank da gesagt hat. (grinst)

D: Also wir setzen uns schon manchmal nach den Spielen zusammen und reden darüber. Wir überlegen, was in verschiedenen Situationen genau passiert ist und suchen Lösungen, was wir hätten besser machen können.

F: Ja, das stimmt. Und irgendwie kommen wir dann doch schon mit unseren Meinungen zusammen.

Frank, wenn du dir Daniels Blitzkarriere und die Möglichkeiten in seinem jungem Alter anschaust, wirst du da manchmal melancholisch mit Blick auf deine eigene Karriere?

Auf jeden Fall werde ich manchmal melancholisch. Meistens aber, weil ich gerne dieses professionelle Umfeld gehabt hätte, von dem er jetzt profitiert. Trotzdem bin ich Optimist und Realist: Es ist jetzt eben so, wie es ist und ich kann meine Situation nicht mehr ändern, versuche aber das Beste daraus zu machen.

Daniel hat seine Blitzkarriere bis hierhin gut gemeistert, doch ich hoffe, dass es für ihn weiterhin bergauf geht. Es gab schon so viele Jugendspieler, die eine überragende Jugend gespielt haben, auf die man aufmerksam geworden ist und für die es trotzdem irgendwann ganz plötzlich vorbei war. Daniel hat aber den richtigen Biss und eine professionelle Einstellung, sodass er seinen Weg gehen wird. Ich werde hoffentlich dabei sein und mich, wie immer, mit ihm zusammen freuen.

Wo liegen denn mittlerweile die Vorteile der Jugendförderung, von denen du damals nicht profitiert hast?

F: Die Trainingsintensität an sich ist gestiegen und vor allem die Regelmäßigkeit. Ein wichtiger Faktor ist auch die Ernsthaftigkeit an der ganzen Sache. Wenn man hier in der Jugend nicht zum Training erscheint, dann ähnelt das dem Fernbleiben in der Schule. Coach Liviu (Anm. d. Red.: Liviu Calin, Trainer Spot Up Medien Baskets) macht einen super professionellen Job hier in Braunschweig und erwartet Professionalität von allen, auch uns jungen Spielern. Man muss anrufen und vorher Bescheid sagen und begründen, warum man nicht kommen kann. In der Jugendmannschaft, in der ich damals gespielt habe, da war das nicht so. Es war egal, ob du zum Training kamst oder nicht. Wenn du keine Lust hattest, bist du einfach nicht hingegangen. Dann hast du vielleicht beim nächsten Spiel unwesentlich weniger Minuten bekommen, aber das war im Prinzip egal.

Die Jugend muss sich dessen bewusst werden, dass das hier Leistungssport ist. Es sollte zwar ein Hobby sein und bis zu einem gewissen Punkt soll man auch Spaß daran haben, aber manchmal muss man vielleicht auch darüber hinaus ein bisschen mehr arbeiten als unbedingt nötig.

Daniel, du hast in dieser Saison nochmal mächtig aufgedreht. Geistert die NBA oft in Gedanken im Hinterkopf herum?

D: Mein NBA-Jahrgangs-Draft wäre erst im nächsten Jahr und natürlich ist es schon ein Traum von mir, in der NBA zu spielen. Jetzt möchte ich aber erst einmal hier weiter machen. Sollten vielleicht Scouts auf mich aufmerksam werden, haben sie mich sowieso auf der Liste. Momentan beschäftige ich mich wirklich noch gar nicht mit dem Draft. Ich will im Sommer eine gute EM spielen, eine gute nächste Saison und bis dahin kann ich mir das noch in Ruhe überlegen. Es kostet viel Geld sich anzumelden – das muss man dazu sagen -, aber sollte es die Möglichkeit geben, würde ich es probieren. Trotzdem kann man später auch noch einen Weg in die NBA finden, deswegen denke ich erst einmal Schritt für Schritt

Frank, wenn du einmal zurückschaust. Was würdest du Daniel empfehlen? Den Sprung wagen oder zuvor in Europa reifen?

F: Aufgrund der Tatsache, dass der Draft erst im nächsten Jahr ist, würde ich sagen, er soll sich definitiv dazu anmelden. Man muss sich dennoch bewusst sein, dass alle anderen, die sich dort anmelden, genauso fleißig sind und genau die gleichen Träume und Ziele haben wie er. Deshalb kommt eine Menge harter Arbeit auf ihn zu: Das bedeutet nicht nur, jedes Turnier mitzunehmen, jedes Training und jede Verpflichtung an sich, sondern eben auch von sich aus zu erkennen, wann man ein bisschen mehr tun muss, außerhalb dessen, was verlangt wird. Bis zum nächsten Jahr muss Daniel an den Feinheiten arbeiten, danach soll er es sofort probieren.

D: Du zahlst das?

F: Klar, wenn ich später dafür 500% davon wieder bekomme. (lacht)

Eine kleine Einschätzung von euch beiden bitte: Wie lange führen eure Wege wohl noch in dieselbe Richtung?

D: Also ich kann nur so viel sagen: Wenn Frank aufgehört hat mit Basketball, will er aktiv nichts mehr damit zu tun haben. Er will sich dann zwischen die Zuschauer setzen, mit einem Bier in der Hand und will ordentlich rumbrüllen. (lacht) Spaß beiseite. Frank will nach seiner Karriere Ernährungsberater werden und eventuell auch noch Personal Trainer. Das wird er bestimmt super machen. Wenn man ihn sich anschaut, sieht man ja, dass er heute schon so lebt.

F: Ich schaue mir dann gerne noch Basketball an, das so oder so. Daniel hat aber recht, nach meiner Karriere will ich mich anderweitig fit halten. An einem Marathonlauf und einem Ironman würde ich zum Beispiel gerne einmal teilnehmen. Ich bin einfach viel zu ehrgeizig, um irgendwann nach meiner Karriere in der Bezirksliga zu verschwinden. Das will ich einfach nicht.

Ich wurde auch schon gefragt, ob ich mir vorstellen kann, einen Trainerposten zu übernehmen. Das kann ich mir momentan aber nicht so gut vorstellen. Ich möchte später ein geregeltes Leben haben, will arbeiten gehen, nach Hause kommen, ein Wochenende haben und wenn ich Kinder habe, möchte ich sie regelmäßig sehen können und ein guter Vater sein. Was ich nicht will, ist zwei Jahre hier zu leben und zwei Jahre dort.

D: Ich denke, es kommt einfach darauf an, wie lange ich hier bleibe. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag in Braunschweig. Durch die neue 6+6-Regelung in der BBL, kommt es dann auch darauf an, wie viel ich noch in der ProB dabei sein kann.

F: Wenn Daniel mehr erreichen will, dann darf er sowieso nicht hier bleiben. Damit meine ich nicht Braunschweig, nicht die Zweite Liga, nicht die Erste Liga, sondern Deutschland allgemein. Sebastian Machowski hat mal gesagt: „Ein guter Jugendbasketballer geht früh ins Ausland, sobald er die Chance hat.“ Wenn so ein erfahrener Mann das sagt, dann ist da schon etwas dran.

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