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„Mein Körper fühlt sich immer noch so an wie mit 20 Jahren“

15.05.2018 || 10:47 Uhr von:
John Cox, medi bayreuth
John Cox spricht im Interview über seinen Cousins Kobe Bryant, seine Rolle bei medi bayreuth, das Leben in Frankreich und sein Geheimnis, mit 36 Jahren noch so fit zu sein.

Nur die wenigsten in Deutschland werden John Cox vor der Saison gekannt haben. Der 36-jährige US-Amerikaner spielt selten die Hauptrolle, aber sein Coach Raoul Korner war sich von Anfang an der Qualitäten des Routiniers bewusst. Cox bringt eine Menge internationale Erfahrung mit und weiß genau, wann er medi bayreuth auf welche Art und Weise helfen kann.

basketball.de: Dein Vater war auch ein professioneller Basketballspieler. Ist er ein Vorbild für dich gewesen?

John Cox: Ich glaube, ich habe nicht wirklich ein Vorbild. Aber was den Basketball angeht, habe ich natürlich viel von meinem Vater und auch von meinem Cousin gelernt. Basketball ist einfach in der DNA meiner Familie.

Du spricht deinen Cousin, Kobe Bryant, an. Hast du viel Kontakt zu ihm?

Wir haben eine gute Beziehung. Ich rede auch ganz normal mit ihm, wie du mit deinem Cousin oder mit deinen Geschwistern. Für jeden anderen ist er ein Superstar, aber für mich ist er in erster Linie mein Cousin.

Michael Stocktons Vater war schon bei Playoff-Spielen in Deutschland. Könnte dein Cousin auch auftauchen?

Die Möglichkeit besteht immer, aber er hat einen sehr engen Zeitplan. Er reist und arbeitet sehr viel. Es muss dann auch mit unserem Zeitplan zusammenpassen, was schon etwas überraschend wäre. Aber es könnte passieren.

„Für jeden anderen ist Kobe ein Superstar, für mich ist er in erster Linie mein Cousin“

Nach deinem College bist du nach Frankreich gegangen. 

In meinem ersten Jahr war ich in Chalon. Nachdem ich nicht durch Workouts in die NBA gekommen war, bin ich direkt über den großen Teich. Das war sehr gut für mich und meine Karriere.

Dort hast du den Großteil deiner Karriere verbracht. Was hat dir dort so gut gefallen?

Nicht nur das Basketballspielen, auch das Land und die Leute haben mir gut gefallen. Ich war sehr angenehm für mich, und auch der dortige Lifestyle war sehr gut für meine Familie. Ich war über zehn Jahre dort, meine beiden Töchter sind auch dort geboren worden. Dann bin ich für ein paar Jahre nach Venezuela, wo ich geboren wurde. Dann bin ich wieder zum Ende letzter Saison nach Frankreich gekommen. Dann habe ich viele gute Dinge über Deutschland gehört, vor allem hinsichtlich guter Bedingungen, wenn man eine Familie hat.

Du hast auch für die venezuelanische Nationalmannschaft gespielt. Wie ist es dazu gekommen?

Meine Eltern sind beide Amerikaner. Aber dadurch, dass mein Vater in Venezuela gespielt hat, bin ich dort geboren. Deshalb habe ich beide Nationalitäten. Mein erste Spiel habe ich erst 2012 für Venezuela bestritten. Ich hätte schon viel früher spielen können, aber ich habe es zeitlich nie hinbekommen. Der Höhepunkt kam dann 2015, als wir uns für die Olympischen Spiele qualifiziert haben. Der Kontakt hat schon immer seit der High-School bestanden, in der man mich schon für das venezualanische Team eingeladen hatte.

Du erwähntest, dass du viele positive Sachen über Deutschland und Bayreuth gehört hattest. Was hat dich überzeugt, mit deiner Familie hierher zu kommen? 

Bayreuth ist nicht nur eine gute Stadt, um Basketball zu spielen. Hier kann man auch mit Familie gut leben, da es sehr kinderorientiert ist. Basketball hier mit sehr tollen und loyalen Fans auch ziemlich groß. Coach Korner habe ich schon vor Jahren getroffen, als er mich mal in eines seiner Teams holen wollte. Da hatte es einfach noch nicht so gepasst. Aber jetzt war es mit den gegebenen familiären und basketballerischen Umständen die richtige Zeit, nach Bayreuth zu kommen. Außerdem lebt einer meiner Cousins mit seiner deutschen Frau und seinen Kindern auch in Ulm. Er hat immer in den höchsten Tönen über Deutschland gesprochen. Vor etwa zehn Jahren hat er dort auch in der zweiten Liga für das Farmteam gespielt.

John Cox, medi bayreuth

Was machst du mit deiner Familie in deiner Freizeit in Bayreuth? 

Heute bin ich früh aufgestanden und mit den Kindern in den Kindergarten und zur Schule gelaufen. Dann hole ich sie wieder ab und gehe mit ihnen die Stadt eventuell ein Eis essen. Es dreht sich alles um sie. Es gibt hier schöne Parks und die Eremitage. Es gibt hier auch viele Dinge, die ans Amerikanische angelehnt sind, die es in anderen Ländern nicht gibt, z.B. Halloween. Das ist für uns als Ausländer besonders schön. Das hilft viel. Ihr Deutschen seid so offen und akzeptiert auch andere Bräuche und Traditionen.

„Frankreich ist wahrscheinlich die athletischste Liga in Europa“

Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich?

Ich glaube vor allem die Athletik. Frankreich ist wahrscheinlich die athletischste Liga in Europa. Dort sind die einheimischen Spieler sehr athletisch.

Trey Lewis ist während der Saison von Ulm nach Bourg in Frankreich gewechselt. Glaubst du, dass seine Leistungssteigerung nach dem Wechsel darauf zurückzuführen ist?

Ich habe einige seiner Spiele gesehen, kenne ihn aber nicht weiter persönlich. Ich glaube aber schon, dass ihm die Liga hinsichtlich der Spielweise sehr entgegenkommt. Man sieht auch, dass er gerade sehr gut spielt und auch das Team Erfolg hat.

Letztes Jahr bist du zu den Playoffs nach Frankreich gewechselt und hast dort im Schnitt 15 Punkte in 30 Minuten aufgelegt. Deine Rolle ist jetzt kleiner geworden. Hat dein fortgeschrittenes Alter daran einen Anteil, oder sollst du vor allem deine Erfahrung an die jüngeren Spieler vor allem im Backcourt weitergeben?

Letzteres trifft es genau. Wir waren uns von Anfang an klar über meine Rolle im Team, als wir darüber geredet haben. Ich könnte immer noch deutlich mehr Minuten spielen, aber das war nicht die Rolle, für die mich der Coach hierher geholt hat. Wenn es nötig ist, kann ich das machen, aber meine Rolle besteht eher darin, die jungen Spieler zu führen und solide zu spielen, wenn ich auf dem Feld stehe. Das habe ich von Anfang an akzeptiert.

Du bist jetzt 36. Wie schaffst du es, dass du in so einer guten Form bist?

Das liegt vor allem viel an meiner Ernährung und dass ich mich sehr viel dehne. Ich dehne mich auch früh und abends zu Hause die ganze Zeit. Am Tag dehne ich mich inklusive Training mindestens eine Stunde. Nach dem Aufstehen nehme ich eine heiße Dusche und fange langsam mit dem Dehnen an für ca. 15 Minuten. Dann mache ich das vor und nach dem Training und abends vor dem Schlafen gehen. Wenn ich zum Training gehe, bin ich eigentlich schon bereit um loszulegen. Ich esse sehr gesund und habe schlechtes Essen von meinem Speiseplan gestrichen. Manchmal kann man auch cheaten, aber nicht viel. Ich habe schon in jüngeren Jahren damit angefangen, was mir sehr dabei hilft. Mein Körper fühlt sich immer noch so an wie mit 20 Jahren.

John Cox, medi bayreuth

Wie sehen deine beruflichen Pläne nach der Karriere aus?

Ich werde dem Basketball treu bleiben, entweder als Scout oder als Agent, eventuell auch als Coach. Wie es aussieht, werde ich das vor allem in der Heimat machen, könnte aber auch international werden.

Du trägst die Nummer 6. Hat sie eine spezielle Bedeutung für dich?

Nicht zu sehr. Meine Lieblingsnummer ist die 4. Aber die 6 ist der Tag, an dem ich geboren wurde. Deutschland war ein neues Kapitel für mich, also habe ich mir die 6 ausgesucht.

„Wir sind im Gegensatz zu Berlin, Bamberg oder München nicht der Favorit, aber geben uns selbst eine Chance“

Wie würdest die Saison bisher bewerten?

Die Saison ist gut. Wir haben uns gut in der BBL geschlagen und haben die reguläre Saison mit dem sechsten Platz abgeschlossen. Wir haben sehr gut in der Champions League gespielt und sind im Pokal bis ins Top Four gekommen. Aber du willst immer Titel gewinnen. Jetzt suchen wir wieder unsere Chance. Wir sind im Gegensatz zu Berlin, Bamberg oder München nicht der Favorit, aber geben uns selbst eine Chance.

Wer gewinnt die deutsche Meisterschaft, und wer wird NBA-Champion?

Die Warriors gewinnen den NBA-Titel. Ich muss mit Bayreuth gehen. Ich kann keinen anderen Namen sagen, das gibt es nicht in meinem „competitive spirit“. Das kann ich nicht. Ich denke, wir haben immer eine Chance zu gewinnen.

„Mein Körper fühlt sich immer noch so an wie mit 20 Jahren“
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