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„Mein Job ist es nicht, am Ende des Spiels der Held zu sein“

10.05.2018 || 13:04 Uhr von:
James Robinson ist für medi bayreuth immer wichtiger geworden. Im Interview spricht der US-Amerikaner über sein Verständnis als Point Guard, Meisterschancen und den Pittsburgher Stil.

Im vergangenen Sommer holte medi bayreuth James Robinson als Finals-MVP aus dem bosnischen Igokea in die BBL. Der U.S.-Amerikaner ist sicher nicht der auffälligste Spieler auf und neben dem Parkett, hat sich aber zu einer wichtigen Stütze des Teams entwickelt. Zudem ist dies auch nicht seine Aufgabe und nicht sein Verständnis von seiner Position als Point Guard. Robinson möchte seine Mitspieler einsetzen und zeigt sich im Interview mit basketball.de als absoluter Teamplayer.

basketball.de: Über dich findet man recht wenig, was vor deiner College-Zeit in Pittsburgh betrifft. Wie bist du eigentlich zum Basketball gekommen?

James Robinson: Ich habe in meiner Kindheit schon immer mit meiner Familie und mit meinen Freunden gespielt. Mein Vater hat American Football auf dem College gespielt. Dann habe ich an der DeMatha High School in Washington D.C. gespielt, einer sehr renommierten Schule, was Basketball angeht. Ich hatte die Möglichkeit, mit ein paar Leuten zu spielen, die sich dieses Jahr ziemlich gut in den NBA Playoffs geschlagen haben: Victor Oladipo [Indiana Pacers, Anm. d. Red.], Jerian Grant [Chicag Bulls], Jerami Grant [Oklahoma City Thunder] und Quinn Cook [Golden State Warriors]. Wir haben in einer sehr kompetitiven Conference gespielt. Von dort aus ging es dann nach Pittsburgh.

Hast du noch Kontakt zu den NBA-Spielern?

Auf jeden Fall. Wir schreiben öfters miteinander, wenn auch nicht täglich – außer mit Jerami Grant. Es wäre natürlich cool, wenn sie hier ein Spiel anschauen würden. Aber ihr Zeitplan ist sehr eng, auch wenn ihre Saison schon größtenteils beendet ist.

Dort hat auch Brad Wanamaker gespielt, der jetzt einer der stärksten Guards in Europa ist. 

Wir waren nie Teamkameraden, weil er ein bisschen älter ist. Aber da er auch in Pittsburgh war, kenne ich ihn ein bisschen.

„Ich bin ein großer Fan von Brad Wanamaker“

Es gibt da ein paar Gemeinsamkeiten, was Körperbau, Position und den Midrange-Jumper angeht.

Der Midrange-Jumper ist ein Pittsburgh-Ding (lacht). Brad ist ein wirklich guter Spieler. Ich habe seine Spiele auf dem College gesehen und verfolge auch jetzt noch, wie gut er spielt. Ich bin ein großer Fan von Brad.

Wie würdest du dann deinen eigenen Spielstil beschreiben? Dein Coach meinte bereits in der Vorbereitung, du wärst für dein Alter schon sehr weit und würdest kaum Fehler machen.

Ich glaube, das ist eine meiner Stärken. Ich haben einen ziemlich starken Basketball-Hintergrund, schon bevor ich an der High-School und dem College gespielt habe. Mir wurde beigebracht, das Spiel auf die richtige Art und Weise zu spielen. Das ist ein wichtiger Grund für meinen Erfolg auf dem Platz. Außerdem versuche ich, offensiv und defensiv immer alles im Wettkampf zu geben. Das charakterisiert mein Spiel.

Du wirkst immer sehr ruhig auf dem Feld und zeigst relativ wenig Emotionen auf dem Spielfeld.

Ich bin sehr fokussiert. Ich bin sehr entspannt abseits des Feldes und versuche, auf dem Feld gelassen und ruhig zu bleiben und nicht aufgeregt zu werden.

Dann bist du nach Bosnien zu Igokea gewechselt. Wie war es, dort zu leben und Basketball zu spielen?

Es war wirklich ziemlich anders als in den Staaten und eine gute Möglichkeit für mich, erwachsener zu werden. Ich konnte im Wettkampf gegen ziemlich gute Spieler in der Adriatic League antreten. Das hat viel Spaß gemacht. Ich war das erste Mal so weit weg von daheim.

Wo würdest du die größten Unterschiede zwischen Bosnien und Deutschland sehen?

Am Ende des Tages bleibt Basketball Basketball. Du bereitest dich so gut du kannst darauf vor, zu gewinnen. Das versteht sich von selbst. Es gibt viele Ähnlichkeiten. Die BBL und die Adriatic League sind beide sehr wettbewerbsfähig. Das letzte Jahr hat mich auf jeden Fall gut auf diese Liga vorbereitet.

Du hattest bisher verschiedene Nummern auf dem Trikot. Gibt es eine spezielle Bedeutung?

Ich hatte die „0“ in Pittsburgh, weil schon jemand die „3“ hatte. Aber die „3“ ist eigentlich meine Lieblingsnummer. Mein Bruder hat sie auf dem Footballfeld in der High-School getragen und ich beim Basketball.

„Ich hatte bereits einige Bayreuth-Spiele gesehen, weil ich Trey Lewis seit Jahren kenne“

Wie ist der Kontakt zu Bayreuth und Coach Korner entstanden?

Unser Coach kann Talent ziemlich gut bewerten, und er weiß genau, welche Art von Spieler er sucht. Wir hatten über dem Sommer Kontakt, er hatte ein paar Spiele von mir gesehen. Lustig ist, dass Trey Lewis ja letztes Jahr in Bayreuth gespielt hat, und ich kenne Trey schon seit Jahren. Deshalb hatte ich bereits einige Bayreuth-Spiele in der letzten Saison gesehen. So ist die Verbindung entstanden. Ich genieße es, hier zu sein. Ich habe zwar niemanden persönlich gekannt, aber ich hatte einen Eindruck von den fantastischen Zuschauern. Als mich dann Coach Korner angerufen hat, ist mir die Entscheidung nicht schwer gefallen, her zu kommen.

Mit welchen Ambitionen bist du nach Bayreuth gekommen, nachdem das Team in der vergangenen Saison das erste Mal seit langer Zeit in die Playoffs gekommen war?

Egal, wer du bist oder bei welchem Team du spielst: Du willst immer Titel gewinnen. Wir sind jetzt in den Playoffs und haben die Chance dazu. Dafür haben wir die letzten Tage und Monate sehr hart gearbeitet. Ich bin bereit dafür.

Wie ist der Teamgeist verglichen mit deiner Mannschaft im letzten Jahr?

Wie hatten auch letztes Jahr einen guten Teamgeist. Wir hatten sowohl ältere als auch jüngere Spieler. Hier gibt es einige Spieler, die bereits letztes Jahr hier gespielt haben. Sie wissen, wie die Dinge hier laufen. Sie haben uns drei [Gabe York und John Cox, Anm. d. Red.] wirklich sehr gut willkommen geheißen. Das schätzen wir wirklich wert und fühlen uns quasi wie zu Hause.

Hat sich etwas im Team verändert durch die Ups und Downs während der Saison?

Ich glaube nicht. Wir geben immer hundert Prozent, jede Nacht – egal ob beim Training oder im Spiel. In jeder Saison gibt es auch mal Rückschläge, aber wir haben es geschafft, gut damit umzugehen. Wir stehen als Team zusammen und haben eine gute Teamchemie für die Playoffs.

Hast du irgendetwas über Bayreuth gewusst, bevor du hierher gekommen bist?

Eigentlich gar nichts. Aber ich habe vorher viel über Deutschland gehört, wie toll es hier ist und wie großartig die Leute sind. Ich habe wirklich Glück, dass ich die Gelegenheit habe, hier in Bayreuth und in Deutschland zu spielen.

Wo bzw. wie verbringst du deine Freizeit?

Normalerweise bin ich im Apartment und facetime mit meiner Familie und meinen Freunden, spiele Videospiele oder ich relaxe in der Stadt, wenn das Wetter schön ist.

Wie würdest du die Saison bisher bewerten, nachdem ihr die Hauptrunde als Sechster und die Champions League innerhalb der Top 8 beendet habt?

Es ist einfach, wie es ist. Wir sind in der Champions League ziemlich weit gekommen, hätten aber auch weiter kommen können, haben es aber nicht hinbekommen. Jetzt geht es mit den BBL Playoffs weiter. Wir wären natürlich gerne Erster geworden und sind jetzt aber Sechster, damit müssen wir jetzt weiter arbeiten. Die Playoffs fangen am Donnerstag an, und wir werden bereit sein.

„Mein Job als Point Guard ist es nicht, zu versuchen, am Ende des Spiels der Held zu sein“

Ich hatte den Eindruck, dass du dich über die Saison immer weiter entwickelt hast, mit immer mehr Selbstbewusstsein spielst und auch in den wichtigen Momenten in der Crunchtime Verantwortung übernimmst.

Wir versuchen einfach, in der Crunchtime dem Spieler den Ball zu geben, der gerade ein heißes Händchen hat. In manchen Spielen zuletzt war eben ich das, und ich konnte die richtigen Plays machen. Da ist es aber egal, ob es zu Beginn oder Ende der Saison ist. Mein Job als Point Guard ist es nicht, zu versuchen, am Ende des Spiels der Held zu sein. Als Spielmacher muss man denjenigen finden, der die heiße Hand hat und ihm und den Teamkameraden vertrauen, dass sie die richtigen Plays machen.

Würdest du dich dann eher als Floor General, als als Scoring-Point-Guard bezeichnen?

Ich will einfach nur das richtige Play machen. Wenn ich denke, dass ich den Wurf mache, dann nehme ich ihn. Wenn ich der Meinung bin, dass Assem, Gabe, Nate oder wer auch immer die bessere Position hat, dann gebe ich ihm den Ball.

Weißt du schon, was in der nächsten Saison passieren wird?

Ich habe ehrlich gesagt noch keine Ahnung. Am Donnerstag fangen erstmal die Playoffs an. Das ist alles, woran ich gerade denke.

Kannst du dir vorstellen, nach Bayreuth zurückzukommen?

Wenn es sich ergeben sollte, auf jeden Fall. Wir haben ein tolles Trainerteam. Einige Jungs von diesem Jahr werden wieder hier spielen, und ich glaube, dass noch ein paar zurückkommen werden, die noch nicht verlängert haben. Wenn dies der Fall sein sollte, können wir hier etwas besonderes erreichen.

Wer wird deiner Meinung nach die BBL bzw. die NBA gewinnen?

Die deutsche Meisterschaft? Ich glaube, wir werden sie gewinnen. Die NBA werden wohl die Golden State Warriors gewinnen.

„Mein Job ist es nicht, am Ende des Spiels der Held zu sein“
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