Anmelden oder registrieren

Florian Koch: „So weit wie es nur geht!“

07.05.2014 || 12:31 Uhr von:
Florian_Koch_Interview
Während draußen der Regen auf den Telekom Dome niederprasselt, läuft drinnen die Vorbereitung für die anstehenden Playoffs 2014. Bester Zeitpunkt also, um sich mit Florian Koch einmal über die anstehende Serie gegen...

Während draußen der Regen auf den Telekom Dome niederprasselt, läuft drinnen die Vorbereitung für die anstehenden Playoffs 2014. Bester Zeitpunkt also, um sich mit Florian Koch einmal über die anstehende Serie gegen die EWE Baskets Oldenburg zu unterhalten, aber auch um den bisherigen Werdegang des Eigengewächses der Telekom Baskets Revue passieren zu lassen. 


Hallo Flo, bevor wir den Blick zurück werfen wollen, gilt es erstmal den Blick nach vorne zu richten. Im Viertelfinale geht es für euch gegen Oldenburg. Ein Gegner, der euch auch im letzten Jahr im Viertelfinale gegenüber stand. Was siehst du als Schlüssel an, um die Donnervögel in der Serie knacken zu können?

Ich kann mich noch gut an letztes Jahr erinnern. Oldenburg wird auch diesmal wieder alles dafür tun, um direkt das erste Spiel klar zu machen. Letztes Jahr war es eine extrem physische Serie, bei der auch die Schiedsrichter viel haben laufen lassen. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Was sind für dich die Schlüssel-Duelle in der Serie gegen die EWE Baskets? Wird das Duell Flo Koch gegen Rickey Paulding die Serie entscheiden?

(lacht) Wie du schon gesagt hast, ist Rickey Paulding sicherlich der heißeste Spieler der Oldenburger. Aber auch einen Julius Jenkins darf man nicht vergessen. Auch er spielt trotz seines schon gesetzteren Alters immer noch einen top Basketball. Das sind die zwei Spieler, die wir auf jeden Fall aus dem Spiel nehmen müssen. Aber generell hat Oldenburg viele Spieler, die scoren können. Auch Chris Kramer macht auf dem Feld seinen Job. Da warten auf jeder Position kleine Baustellen auf uns, die wir bearbeiten müssen.

Wie blickst du auf die anderen Duelle im Viertelfinale?

Es ist ganz schwierig die Playoffs vorauszusagen. Ich denke, dass Bamberg mit den Artland Dragons einen schwierigen Gegner hat. Das dürfte eine spannende und enge Serie werden. Bei Bayern gegen Ludwigsburg sind die Rollen klar verteilt, aber keiner weiß was da alles passieren kann. ALBA hat ja zuletzt gezeigt, wie man in München gewinnen kann. Bei allen Serien tippe ich auf enge und spannende Spiele.

Dann schauen wir mal auf eure Spielzeit zurück. Ihr habt die reguläre Saison auf Platz 5 abgeschlossen. Seid ihr damit zufrieden?

Auf jeden Fall! Wir haben zu Beginn der Spielzeit keine konkrete Platzierung als Ziel festgelegt, aber jeder hatte doch die Playoffs  als Ziel. Auch der Verein steht für dieses Ziel und das haben wir gemeistert und einen guten Endspurt in der Liga hingelegt.

Wie bewertest du persönlich deine bisherige Saison, die ja deine erste Spielzeit als festes Mitglied der Rotation war?

Also im großen und ganzen kann ich positiv zurück blicken. Sicherlich hatte ich auf mehr Spielzeit gehofft, da bin ich mit knapp 5 Minuten nicht zufrieden. Aber ich habe sehr gut mit den Coaches zusammen gearbeitet und konnte mich individuell weiter entwickeln. Und viele Fortschritte kann man sich nur über das tägliche Training erarbeiten. Ich muss jetzt am Ball bleiben, schauen was in den Playoffs geht und dann schauen was in der nächsten Saison für mich möglich ist.

Zum Ende der regulären Saison konntest du dich ja mehr und mehr in die Rotation von Coach Fischer spielen, während zu Beginn häufig das frustrierende DNP (Did Not Play) im Scouting hinter deinem Namen auftauchte. Was hat sich im Laufe der Saison verändert?

Viel hängt vom Training ab. Ich glaube, ich habe mir über die Saison mehr und mehr das Vertrauen des Coaches erarbeitet und mich im Training gesteigert. So konnte ich mir meine Minuten in der Rotation erarbeiten.

Wenn man dann mal über den eigenen Tellerrand hinaus blickt, welche Teams haben dich in der Spielzeit 2013/2014 am meisten beeindruckt?

Ganz klar der MBC! Ich kenne mich zwar bei den Etats nicht so genau aus, aber der MBC dürfte da im Teamvergleich nicht oben dabei sein. Die haben unglaublich viel aus der Mannschaft heraus geholt und Silvano Poropat hat zurecht die Auszeichung Coach of the Year bekommen. Das ist definitiv die Überraschung der Saison. Auch Ludwigsburg hat überrascht. Letzte Saison abgestiegen, dann über die Wildcard in der Liga geblieben und jetzt in den Playoffs.

Schauen wir nun mal auf dich. Du bist ja das Musterbeispiel eines Eigengewächses und bist für die Jugendabteilung ein absolutes Aushängeschild. Beschreib doch mal kurz deinen bisherigen Weg, der dich bis aufs Spielfeld des Telekom Domes geführt hat. 

Ich bin mit 13 Jahren in die Jugendabteilung der Telekom Baskets gewechselt und habe in der U14 gespielt. Davor habe ich viel Fußball gespielt und dort im Tor gestanden. Dann musste ich mich irgendwann entscheiden und habe gesagt, dass ich auf jeden Fall Basketball spielen will. Ab da habe ich alle Jugendmannschaften der Baskets durchlaufen. Mit der NBBL ging es dann das erste mal für mich auf ein höheres Niveau mit Scouting und allem drum und dran. Ich bin dann 3 Jahre durchaus erfolgreich in der NBBL für das Team Bonn/Rhöndorf aufgelaufen. Danach stand ich vor der Frage, wie es weiter gehen soll. Da kam dann der Kooperationspartner Dragons Rhöndorf ins Spiel. Ich bin dann zwei Spielzeiten für die Dragons in der ProB aufgelaufen, eine unter Coach Eric Detlev, und eine weitere unter Coach Boris Kaminski. Für mich war es genial, dort rund 25 Minuten pro Spiel aufs Feld zu können und mich zu entwickeln. Ich denke bei den Dragons konnte ich einen großen Grundstein legen, um jetzt hier bei den Telekom Baskets in der Beko BBL Fuß zu fassen. Und jetzt bin ich seit dieser Saison festes Mitglied im ersten Kader der Telekom Baskets. Was man allerdings noch dazu sagen muss, ich habe parallel zum Leistungssport noch mein Fach-Abitur gemacht und eine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen. Seit Januar 2013 bin ich seitdem Vollzeit Profi.

Kannst einmal kurz beschreiben wie der Alltag aussieht, wenn man versuchen muss Profi Basketball und Schule, bzw Ausbildung unter einen Hut zu bekommen.

Zu meiner Schulzeit war schon schwierig, da ich noch keinen Führerschein hatte und alles per Bus und Bahn erledigen musste. Ich habe in Rheinbach gewohnt, bin nach der Schule direkt in die Halle und habe Individual-Training gemacht. Dann habe ich hier gegessen und eine Runde geschlafen und dann war Abends nochmal Training. Mit dem ersten eigenen Auto wurde es logistisch etwas einfacher. Während meiner Ausbildung war ich tagsüber im Büro und konnte erst zu den abendlichen Einheiten in der Halle sein. Da musste ich mein Pensum schon etwas herunter fahren, ansonsten wäre es nicht zu vereinbaren gewesen. Generell ist der Alltag straff durchorganisiert. Man ist ja am Wochenende und teilweise auch unter der Woche noch unterwegs. Da bleibt eben auch einiges auf der Strecke. Aber die Entscheidung trifft man bewusst und man weiß, was auf einen zukommt. Die Karriere kann ja schnell vorbei sein und ich wollte nicht auf einmal da stehen und nichts haben. Das war mir wichtig. Ich hatte auch überlegt ein Studium zu beginnen, aber bereits durch die Schule war die Ausbildung für mich interessanter und erschien mir dann auch klüger und interessierte mich dazu noch mehr.

960257_373228439481262_975204298_nDu hast in Rhöndorf in der ProB Mannschaft mit verschiedenen Jungs aus dem gemeinsamen NBBL Team gespielt. Wäre es für dich eine auch eine Alternative gewesen ans College in die USA zu wechseln, wie es zum Beispiel Tim Kasper gemacht hat, mit dem du ja noch bei den Dragons gespielt hast?

Wir waren sogar zweimal mit der NBBL Mannschaft in den USA. Damals hat man schon viel nachgedacht und viel gehört wie der Betrieb da drüben läuft und was für gute Programme es da gibt. Letztendlich hat aber die Heimat für mich den Ausschlag gegeben. Hier sind meine Leute und ich glaube in meiner gewohnten Umgebung kann ich am besten meine Weg gehen. Aber das bedeutet nicht, dass ich mir nicht vorstellen könnte auch woanders einmal Basketball zu spielen. Aber damals war es für mich die beste Entscheidung in meinem gewohnten Umfeld und einem super Club die nächsten Schritte zu machen.

In Rhöndorf hast du das erste mal als junger Spieler gemeinsam mit Routiniers wie Kelubia Ekoemeye, Marco Leschek oder Nick Larsen auf dem Feld gestanden. Ist es für einen jungen Spieler von Vorteil so erfahrene Recken an seiner Seite zu haben?

Auf jeden Fall. Solche Jungs wissen immer wie der Hase läuft auf dem Feld und da kann man sich immer was abgucken. Ein Nick Larsen hat schon so viele Spiele gespielt und gewonnen und da kann man sich unheimlich viel abgucken. Und gerade diese Erfahrungen im Sport zählen sehr, sehr viel und das sollte man nicht unterschätzen.

Wie hast du generell das Niveau der ProB erlebt? Oftmals wird ja sehr kontrovers über den gesamten Unterbau der Basketball-Bundesliga diskutiert. Wie hast du Die Junge Liga erlebt?

Gerade für junge Spieler bietet die ProB ein sehr gutes Niveau. Um erste Erfahrungen im professionellen Basketball zu sammeln ist es die perfekte Liga glaube ich. Inwieweit sich das Niveau verbessert oder verschlechtert hat kann ich schlecht beurteilen.

Du hast 2010 deinen Vertrag bei den Telekom Baskets unterschrieben, damals zusammen mit Jonas Wohlfarth-Bottermann und Fabian Thülig. Heute bist du als einziger noch bei den Baskets, nachdem Wobo zu Alba Berlin gewechselt ist und Fabian Thülig zurück zu den Dragons in die ProB gegangen ist, um mehr Zeit für sein Studium zu haben. Verfolgst du die Wege von den beiden weiter?

Ja sicher hat man die Jungs noch im Blick! Ich glaube Fabi fühlt sich in der ProB pudelwohl und legt auch super Zahlen auf. Für ihn ist es wahrscheinlich der beste Weg um sein Jura Studium beenden zu können. Das ist einfach ein Haufen an Arbeit und da hat er seinen Weg gefunden. Gegen Jonas hatten wir diese Saison bereits ein paar sehr interessante Spiele (lacht). Er macht bei Alba einen super Job. Er hängt sich da voll rein und ich glaube das braucht er auch. Er hat mit Sasa Obradovic einen guten Coach und kennt genau seine Rolle im Team.

Auf deinem bisherigen Weg hast bereits viele  Coaches kennen gelernt. Gibt es einen Trainer, von dem du behaupten würdest, dass er dir am meisten mitgegeben hat auf deinem bisherigen Weg?

Die Mischung macht es. Jeder Coach gibt einem was mit, aber irgendwann ist auch jeder Trainer mit dem was er dir vermitteln kann am Ende. Klar entwickeln sich auch die Trainer immer weiter, aber jeder Spieler ist glaube ich eine Mischung aus allen Trainern, die er bis dahin erlebt hat. Wen ich aber auf jeden Fall erwähnen möchte ist Carsten Pohl, er war zwar noch nie mein Headcoach, individuell habe ich von ihm sicherlich am meisten bislang gelernt, gerade durch sein Einzeltraining nach Verletzungen und abseits des regulären Mannschaftstrainings. Ich weiß nicht, ob ich ohne ihn heute auf diesem Niveau wäre.

Über das A2 Nationalteam kennst du ja viele Jungs aus den anderen BBL Teams. Wirst du da nicht manchmal etwas neidisch, wenn du siehst wie viele Minuten zum Beispiel ein Johannes Voigtmann bei den FRAPORT SKYLINERS abgreifen kann?

Neidisch ist das falsche Wort. Ich finde es absolut super, wenn gerade Jungs in meinem Alter und die man auch persönlich kennt viel spielen. Da sieht man einfach, dass das Niveau in den Jahrgängen vorhanden ist und ich weiß auch, dass ich mit den Jungs auf Augenhöhe bin. Bei der Spielzeit hat es manchmal auch einfach was mit Glück zu tun, wenn man gerade auf einer Position spielt wo wenig Konkurrenz ist oder Spieler durch Verletzungen einmal ausfallen. Ich habe das Glück bei einem top Verein zu sein, der mich jeden Tag fördert und erarbeite mir meine Minuten. Aber ich freue mich ebenso über jede Minute, die zum Beispiel auch ein Ole Wendt bei Hagen spielen kann.

1476254_365515846919188_1580027129_n

Wie schwierig gestaltet es sich für einen Spieler zwischen mehreren Mannschaft wechseln zu müssen? Du hast ja während deiner Zeit in Rhöndorf weiterhin im erweiterten Kader der Telekom Baskets gestanden.

Das ist schon eine schwierige Sache, aber man weiß ja vorher wo der persönliche Schwerpunkt liegt. Zu meiner Zeit in Rhöndorf war klar, dass die Dragons für mich Priorität haben. Alles was ich in Bonn parallel mitnehmen konnte war ein Bonus oben drauf. Dementsprechend muss man auch mit den eigenen Erwartungen umgehen. Wenn man es in Rhöndorf gewohnt war viele Minuten zu bekommen, darf man hier nicht angepisst sein am Ende der Bank zu sitzen ohne zu spielen. Ich hatte meinen Fokus bei den Dragons und habe hier mitgenommen was nur ging. Ich habe diese Saison auch hier in der 2. Mannschaft der Baskets ausgeholfen, während einer Phase in der ich wenig Spielzeit in der 1. Mannschaft erhalten habe. Jede Minute Spielzeit und jedes Dribbling zählt und da muss man mitnehmen was man kriegen kann, egal ob 1. Regionalliga, ProB oder Basketball-Bundesliga.

Dein Vertrag in Bonn läuft bis zum Ende der kommenden Spielzeit 2014/2015. Wo siehst du dich im kommenden Jahr mit den Telekom Baskets und vielleicht auch darüber hinaus?

Ich denke erstmal nicht weiter in die Zukunft. Ich weiß definitiv, dass ich nächste Saison bei den Telekom Baskets bin und will mich weiter individuell verbessern und immer ne Schüppe drauf legen und weiter meine Minuten erhöhen. Man kann sich vorher nicht auf eine bestimmte Minutenanzahl festlegen, aber ich will mich da auf jeden Fall steigern. Ich will dem Coach weiter zeigen, dass ich da bin und spielen will. Ich will meinen Traum in der Beko BBL zu spielen verwirklichen und dafür habe ich bislang hart gearbeitet und werde es auch weiter tun. Ich werde den Weg gehen, so weit wie es nur geht und so lange der Körper hält!

Vielen Dank für das Interview Flo Koch!

Florian Koch: „So weit wie es nur geht!“
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.