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BBL-Finals-Vorschau: Bayern München gegen ALBA BERLIN

02.06.2018 || 15:21 Uhr von:
Zehn Punkte, auf die es in den BBL-Finals zwischen Berlin und Bayern zu achten gilt: u.a. Bayerns Guard-Rotation, Butterfields Bewegung, Berlins (über-) aggressive Defense und Bayerns Isolationen.

Erst ein Kreuz. Dann eine Verbeugung. Und immer viel Dampf. Als sich der FC Bayern München und ALBA BERLIN zuletzt in einer Endspielserie gegenüberstanden, in der Saison 2013/14, ging es auf wie neben dem Parkett hoch her. Generell hat die jüngste Vergangenheit – zwischen Playoff-, Pokal- und Europa-Duellen – das Potential für eine dauerhafte Rivalität auf der größten Bühne offenbart.

Nun also nach vier Jahren wieder eine Finals-Paarung Bayern/Berlin. In der NBA mag sich ob der vierten Folge Cavs/Warriors bei manchen Sättigung einstellen. In der BBL würde man hingegen wohl ein Kreuz machen für einen solchen Mehrteiler. Marke und Markt stimmen einfach.

Punktuell besteht mit Blick auf die Vergangenheit auch die Hoffnung auf mehr Qualität und Spannung. Denn bisher warten die diesjährigen Playoffs nicht mit diesen Attributen auf. Selten ging es bisher in die Crunchtime, von siegbringenden Buzzerbeatern ganz zu schweigen.

1. Deutsche Bank, Berliner Filiale

Wenn ALBA BERLIN in den Playoffs in die Crunchtime ging, war auf einen stets Verlass: Joshiko Saibou. Schon in der vergangenen Saison lief Saibou mit Denis Wucherer unter einem Coach auf, in dessen Offensivsystem sich Spieler entfalteten. In der freien Motion Offense Aítos blüht Saibou vollends auf – und hat Selbstvertrauen getankt, mit dem er sich mit 28 Jahren zum Nationalspieler entwickelt hat und mit dem er defensiv eine Pest für gegnerische Offensivspieler sein kann.

Doch zurück zur Crunchtime: In der Overtime gegen Oldenburg vergibt Saibou zwar einen Dreier zur Führung, präsentiert sich mit vier von vier getroffenen Freiwürfen aber nervenstark. Im ersten Duell mit Ludwigsburg versenkt der Guard wichtige Layups. Und im dritten Halbfinalspiel sorgt Saibou für den Dagger-Dreier. Sai bou, hab Swag.

Saibou führt eine Bank an, die bis auf Stefan Peno ausschließlich aus deutschen Akteuren besteht. Und die im Falle des verletzten Tim Schneider noch eine Position tiefer wäre.

Niels Giffey schreibt die Bezeichnung „Tweener“ positiv um: Er hat Mismatch-Potential, gibt Aíto einen Stretch-Four-Ballhandler, der mit Hustle und Jumper aufwartet, und kann das Pick-and-Roll switchen. Folgende 30 Sekunden gegen Oldenburg offenbaren Giffeys Vielseitigkeit:

Akeem Vargas’ Steckenpferd ist und bleibt die bissige Verteidigung, doch auch offensiv darf und kann er mal kreieren. Bogdan Radosavljevic hat sich nach einigen Blessuren in der Hauptrunde zuletzt besser zurechtgefunden und lässt in den Playoffs immer wieder sein Potential aufblitzen. Eigentlich bräuchte dieser Berliner Bench-Mob einen Spitznamen. Moa Deep?

2. Bayerns Guard-Rotation

Die Bank der Bayern ist vor allem mit Ballhandlern bestückt. Sollte Anton Gavel weiter in der Startformation stehen, gehen Stefan Jovic, Reggie Redding und Braydon Hobbs von der Bank aus ins Spiel. Unter Coach Dejan Radonjic laufen die Münchener am Ende eines Plays gerne ein High-Pick-and-Roll, aus dem die Bayern zu Playoff-Beginn häufig den frühen Abschluss wählten.

Mittlerweile scheint das Offensivsystem strukturierter zu laufen und weniger ideenlos zu sein. Die Berliner verteidigen gegnerische Pick-and-Rolls derweil häufig aggressiv: Der Big Man tritt stark zum Ballführer heraus, vom Weakside-Flügel kommt mitunter ein dritter Verteidiger zum Ballhandler oder macht zumindest den Passweg zu.

Es wird interessant zu sehen sein, inwieweit Radonjic seine Guard-Rotation verändern wird. Zu Beginn Radonjics Amtszeit hatte Hobbs Spielanteile verloren, welche mit der Halbfinalserie gegen Bamberg aber wieder gestiegen sind. Zusammen mit Jovic bildet er ein äußert kreatives Offensivduo, das man gegen die Berliner Verteidigung auch benötigt. Bleibt Gavel in der Startformation, oder rückt dort wieder Jovic hinein? Wie oft laufen Jovic und Hobbs zusammen auf, was die Verteidigung aber schwächt? Und findet Redding aus seinem kleinen Loch heraus?

Die zweithäufigste Abschlussart der Bayern ist die des Ballführers im Pick-and-Roll. Die präsentieren sich aber nicht sehr treffsicher.

3. Berlins (über-) aggressive Defense

Auch, und gerade mit seinem Dreier strahlt Hobbs Gefahr aus. Jovic und Redding trafen zusammen gegen Bamberg nur drei ihrer 14 Dreier, Gavel hat in den Playoffs erstmal einmal von außen Maß genommen. Die Bayern benötigen einen konstanten Shooter.

Die EWE Baskets Oldenburg haben in ihrem Viertelfinalduell mit Berlin gezeigt, dass die Verteidigung der Albatrosse hier anzugreifen ist (45,9% 3FG über die Serie). Die Berliner verteidigen aggressiv und überspielen auch mal die Strongside, wodurch mit schneller Ballbewegung oder überraschenden Cuts die freien Schützen sowie die Lücken zu finden sind.

Mit ihrer aggressiven Pick-and-Roll-Verteidigung kommt, wie erwähnt, ein dritter Verteidiger zum Ball – in folgender Sequenz liest dies Oldenburgs Frantz Massenat gut und cuttet in Saibous Rücken.

4. Berlins Bewegung

Bewegung macht das Berliner Offensivspiel aus. Geprägt ist es durch viele Fastbreaks, Cuts und das Nutzen ballferner Blöcke (was durchaus dem Warriors-Stil entspricht), wohingegen Eins-gegen-Eins-Aktionen oder direkte Abschlüsse aus dem Pick-and-Roll verhältnismäßig selten forciert werden.

Das frühe Attackieren der gegnerische Defense pflegen die Berliner aber auch im Halbfeld, wie die erste Aktion aus der dritten Halbfinalpartie gegen Ludwigsburg zeigt. Zunächst nutzt Marius Grigonis einen ballfernen Block von Dennis Clifford, womit er Spencer Butterfield auf die andere Seite schickt. Diese Cuts und Screens beschäftigten Ludwigsburgs Verteidigung. Peyton Siva nutzt dies aus, nachdem er schon David McCrays aggressiver Defense entkommen war.

5. Butterfields Hirn in den Beinen

Was das Video auch veranschaulicht? Butterfield ist nicht nur ein exzellenter Catch-and-Shoot-Schütze, er versteht es auch, Closeouts zu attackieren und nach ein, zwei Dribblings oder Täuschungen den Jumper zu nehmen.

Was Butterfield noch beweist: dass gute Schützen Hirn in den Beinen haben. Soll heißen: Der Shooting Guard bewegt sich ballabseits ungemein gut und flink, täuscht Cuts an, rotiert wieder nach außen, um dann ballferne Blöcke oder Wurfschirme zu nutzen, und antizipiert Anspielmöglichkeiten. Folgendes Video veranschaulicht diese flinken Bewegung Butterfields, der damit seinen Gegner oftmals einen Schritt voraus ist.

6. Jared Cunningham, „two way Player”

Wie sehr Jared Cunningham von außen, auch nach ballfernen Blöcken, heiß laufen kann, bewies Bayerns High-Scoring-Waffe beim Halbfinalauftakt gegen Bamberg: Jeden seiner fünf Dreier versenkte Cunningham auf dem Weg zu 26 Punkten.

Im Lauf der Serie hatte Cunningham aber auch gezeigt, dass er weit mehr ist als der Scorer, den man einsetzt. Im Gegenteil: Cunningham paart Schnelligkeit und Dribbling zu einem Paket eines Spielers, der sowohl im Eins-gegen-Eins (ungemein starke 1,58 PPP bei 77,8% FG) als auch im Pick-and-Roll kreiert. Die Anfangsphase der dritten Begegnung gegen Bamberg veranschaulicht Cunninghams Bewegung als Ballhandler: zum einen verschafft er sich mit dem Hesitation-Dribbling Platz für den step-back-Jumper, zum anderen erspielt er sich im Seitwärtsdribbling einen offenen Sprungwurf.

In gewisser Weise schreibt Cunningham die Bezeichnung des „two way“-Spielers um: als ein Akteur, der mit seinem Wurf ballabseits eingesetzt werden, aber mit seinen Eins-gegen-Eins-Fähigkeiten auch selbst kreieren kann.

7. Big Bayern: Barthel/Booker

Jene Pick-and-Roll-Aktionen könnten die Berliner mit ihrer aggressiveren Verteidigung zunichte machen. Zudem haben sie mit Saibou, Vargas oder Grigonis unterschiedliche Verteidiger, die sie auf Cunningham ansetzen können. Insofern könnten die Bayern auf den großen Positionen noch mehr das Eins-gegen-Eins forcieren: mit Danilo Barthel und Devin Booker.

Durch Tim Schneiders Ausfall gehen die Berliner oft kleiner, Niels Giffey spielt hauptsächlich auf der Vier. Solche Duelle wird Barthel offensiv im Low-Post forcieren. Booker hat derweil sein Spiel aus der Mitteldistanz verfeinert und verfügt von dort über einen soliden Jumper. Gegen Dennis Clifford dürfte er häufig per Face-up-Game operieren. Und mit dem Rücken zum Korb lässt Booker sogar solche Fadeaway-Jumper regnen – kaum zu verteidigen.

8. Isolation

So sehr die Berliner Offensive die BBL-Massen begeistert, im Eins-gegen-Eins rumpelt es bei den Albatrossen. Nicht ohne Grund mögen die Berliner so selten Isolationen forcieren, denn sie agieren hierbei in den Playoffs mit 0,69 Punkten pro Possession und mit einem Ballverlust in jedem vierten Abschluss ineffizient. Es entspricht nicht Aítos Philosophie von Basketball, mitunter fehlt hier ein wenig Athletik, dort ein wenig Größe.

Insofern wird es interessant zu beobachten sein, ob und wie die Bayern Eins-gegen-Eins-Aktionen Berlins forcieren können. Wie sehr werden die Münchener switchen, vielleicht auch ballabseits? Und inwieweit werden sie ihre Lineups danach ausrichten? Eine Rückkehr von Vladimir Lucic wäre für eine solche Defensivstrategie ungemein wichtig. Des Weiteren haben die Bayern auch große Guards zur Verfügung, die gegen Big Men bestehen können.

Die Berliner schließen sehr selten aus Eins-gegen-Eins-Aktionen ab. Gut so, ist es doch ihre ineffizienteste Abschlussart.

9. Transition

Soll man mit den Albatrossen mitrennen? Die Berliner sind das Playoff-Team, das in der Hauptrunde die höchste Pace pflegte. Um deren Schnellangriffen zu entgehen, verzichteten die Ludwigsburger häufig auf eine ihrer Stärken: die Ganzfeldverteidigung.

Die Bayern haben unter Radonjic ihre Pace gesteigert, vor allem mit Jovic als Tempomacher. Dass es in den Playoffs nicht so schnell hin- und herging, lag auch an Münchens Gegnern aus Frankfurt und Bamberg. In der Verteidigung streuen die Berliner wiederum ihrerseits eine Ganzfeldpresse ein, um Ballverluste zu erzwingen – die Bayern haben das Personal und die Erfahrung, damit zurechtzukommen. Nichtsdestotrotz bleibt die Frage, ob die Bayern das Spiel nicht mehr in das Halbfeld verlagern und auch mal größer spielen sollten.

10. Sik Sikma

Mit Fokus auf die bayerischen Big Men könnte Luke Sikma noch mehr Verantwortung zukommen: als Verteidiger. Ob gegen Barthel, Booker oder auch Maik Zirbes, der Hauptrunden-MVP dürfte in der Defense ganz schön arbeiten müssen.

Offensiv besticht Sikma durch seine Spielintelligenz. Mitunter leistet sich der Point-Big leichtfertige Ballverluste, die in gewisser Weise systembedingt sind. Denn die Berliner Offensive lebt von teilweise riskanten Anspielen für die Cutter. Defensiv wäre Sikma demnach auch mit einem aggressiven Verteidiger entgegenzukommen, der ihm im Trikot klebt: Kann Lucic im Lauf der Serie zurückkehren?

Darum ist Luke Sikma der MVP

Ein X. Ein O. Und einige Unterschiede in der spielerischen Ausrichtung. Erfolgsversprechender mag sich zuletzt die Berliner Philosophie herausgestellt haben, doch die Bayern haben sich nach dem dritten Viertelfinalspiel gegen Frankfurt schrittweise verbessert. Zudem besitzt der Hauptrundenerste die individuelle Qualität und kollektive Tiefe, was neben dem Heimvorteil ein Zünglein an der Waage sein kann.

Nichtsdestotrotz präsentieren sich die Berliner in dieser Saison gefestigt und als „two way“-Team, wonach ein Berliner Meistertitel trotz fehlendem Heimvorteil keine Überraschung wäre. Aus neutraler Sicht bleibt zu hoffen, dass das Duell des Ersten gegen den Zweiten die zu erwartende Qualität und Spannung vom Papier auf das Parkett übertragen kann. Berlin, Bayern, do your fucking job!



Material zur Verfügung gestellt von Telekom Sport: Alle Spiele der easyCredit BBL, der deutschen Teilnehmer des Eurocup und der Euroleague exklusiv. Alle Infos hier.

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