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Steal bleibt aus: Vechta siegt souverän

09.04.2016 || 10:51 Uhr von:
Im ersten Spiel der Playoff-Serie zwischen dem ProA-Primus RASTA Vechta und dem Hauptrundenachten rent4office Nürnberg setzte sich Vechta nach leichten Startschwierigkeiten souverän mit 93:77 durch.

Der Hauptgrund dafür war ein herausragendes zweites Viertel (26:13) der Mannschaft von Trainer Andreas Wagner, der allerdings mit der zweiten Halbzeit haderte. Nürnbergs Headcoach Ralph Junge entschied sich unter der Woche dafür, in den Playoffs auf Mauricio Marin und Darius Theus zu verzichten. Kevin Bright fehlte verletzungsbedingt und wird laut Junge voraussichtlich auch Spiel zwei am kommenden Sonntag (10. April, 17:00 Uhr) verpassen.

Strukturierte Nürnberger bieten Paroli

Die personellen Veränderungen hinterließen in der Anfangsphase keine Spuren von fehlender Abstimmung oder Passivität – im Gegenteil: Die Gäste aus Nürnberg agierten eingangs mit einer stimmigen Mischung aus Fastbreak- und Halbfeld-Basketball sowie mit einem guten Spacing. Sebastian Schröder besorgte mit einem erfolgreichen Dreier die erste Führung für die Gäste (4:7, 3. Minute). In der Folge bekamen diese jedoch Probleme damit, in der Eins-gegen-Eins-Verteidigung zu bestehen. Nachdem Devin Gibson rent4office-Youngster Mario Blessing zweimal im direkten Duell vernaschte (17:13, 7.), sah sich Headcoach Ralph Junge gezwungen, seine erste Auszeit zu nehmen. „Wir haben gut angefangen und in den ersten acht, neun Minuten ansprechenden Basketball gezeigt. Nach ein, zwei Fehlern von unserer Seite ist Vechta dann jedoch sofort heißgelaufen“, monierte Junge nach der Partie. Offensiv gelang es den Mittelfranken vorerst weiterhin, ihren offensiven Rhythmus aufrechtzuerhalten. Hinten fanden sie jedoch ebenfalls weiterhin keinen Zugriff, stattdessen sahen sie sich zusehends der zunehmenden Vechtaer Physis unterlegen. Die Folge: RASTA führte nach dem ersten Viertel mit 26:20. Nach einem ersten Spielabschnitt, mit dem Vechta-Coach Andreas Wagner bedingt zufrieden war: „Wir haben relativ schwach angefangen und haben nervös ausgesehen.“

Von Transition-Dreiern, Carlos Medlock, Derrick Allen und – der Vorentscheidung

Mit dem von Ralph Junge zitierten ersten Vechtaer Lauf legte sich die Nervosität bei den Hausherren aber gänzlich. Die Viertelpause hielt die Hausherren nicht davon ab, ihre gegen Ende des ersten Spielabschnitts aufkeimende Dominanz auszubauen. Oliver Mackeldanz setzte nach einem Offensivrebound per Slamdunk ein Ausrufezeichen, das den ausverkauften RASTA Dome (3140 Zuschauer) in Ekstase versetzte. Indessen offenbarten Nürnbergs Youngsters Haris Hujic und Mario Blessing Probleme in der Spielorganisation – gerade gegen die bei Nürnbergs Pick-and-Roll sehr aggressiv herausrückenden Vechtaer Big Men. „Nach den personellen Veränderungen mussten wir heute gegen diesen Gegner erstmal eine Chemie zueinander finden. Das haben wir versucht und am Sonntag müssen wir schon zeigen, dass wir aus diesem Spiel gelernt haben“, erklärte Ralph Junge und fügte im gleichen Atemzug hinzu: „Das ist schon eine komische Saison.“

Komisch war es dagegen nicht, dass Vechta im zweiten Viertel komplett aufdrehte und den Gegner mit dem ersten Lauf wie schon häufig in der laufenden Saison an die Wand spielte. Durch einige Dreier im Umschaltspiel erhöhten die Rastamänner nach und nach ihre Führung – mitunter durch einen solchen von Chase Griffin (43:27, 16.). Im Halbfeld dominierten Derrick Allen (10 Punkte zur Halbzeit) und Carlos Medlock (12) nach Belieben. Infolge einer weiteren Auszeit von Ralph Junge und der Rückkehr von Clif Tucker, der in den ersten Spielminuten schnell vier Punkte markierte, fanden die Nürnberger allmählich zu ihrer offensiven Struktur zurück. Robert Oehle – aus der Mitteldistanz nach einem Backscreen-Spielzug – und Sebastian Schröder, von einem sogenannten staggered Screen (zwei verschobene Blöcke an der Grundlinie) kommend, verkürzten auf 46:33 (17.). Bevor daraus aber ein für RASTA annähernd beängstigender Lauf entstehen konnte, gewährte Nürnberg den Rastamännern jedoch zu viele Offensivrebounds – bereits 12 in den ersten zwanzig Minuten. Die zahlreichen zusätzlichen Chancen konnte Vechta zwar vergleichsweise selten in Punkte ummünzen, stahlen den Mittelfranken jedoch jeglichen Rhythmus. Ein Treffer aus der Mitteldistanz durch Chase Griffin zum Ende der ersten Halbzeit stellte die bis dato deutlichste Führung der Norddeutschen und gleichzeitig den Pausenstand her (52:33). „Da war die Vorentscheidung eigentlich schon gefallen“, konstatierte Junge, der sich allerdings mit der Leistung seines Teams in der zweiten Halbzeit durchaus zufrieden zeigte.

Nürnberger Moral womöglich ein triviales Trostpflaster

Zu Recht: Im dritten Viertel stabilisierte sich seine Truppe – und das auch zeitweise defensiv. Die Rebound-Problematik blieb den Gästen aber treu. Dennoch: Nürnberg fand wieder besser ins Spiel und verkürzte durch einen Mini-Lauf – nach mustergültigem Pick-and-Roll auf dem Flügel zwischen Schröder und Erik Land sowie einem Steal und Punkten durch Michael Fleischmann – auf 67:51 (28.). Der Hauptrundenachte zeigte Herz und blieb trotz der längst drohenden Niederlage kämpferisch stark. Gerade Sebastian Schröder präsentierte sich defensiv in hervorragender Verfassung, machte jeden Pass schwierig, und auch in der Offensive schulterte der Flügelspieler Verantwortung (14 Punkte). Bevor der konstant zweistellige Vorsprung für Vechta aber in irgendeiner Form in Gefahr geraten konnte, kehrte der Ligaprimus fast jederzeit zu seinen seit Monaten erprobten Spielzügen zurück (u.a. staggered Screens für Chase Griffin und Pick-and-Roll mit Carlos Medlock) und hatte damit – kaum überraschenderweise – auch diesmal Erfolg. So geriet der 93:77-Sieg für die  Gastgeber zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Individuelle Klasse und physische Bereitschaft sprechen für Vechta

Die Mannschaft von Andreas Wagner zeigte einmal mehr, dass sie ein Spiel innerhalb weniger Augenblicke in klare Bahnen lenken kann. Ganz evident waren in dem Zusammenhang auch die Vorteile im reinen Eins-gegen-Eins von Carlos Medlock (14 Punkte) und von Devin Gibson. Vor allem Nürnbergs Mario Blessing konnte Devin Gibson im direkten Duell kaum am Zug zum Korb hindern. „Die Eins-gegen-Eins-Verteidigung war ein großes Problem“, stellte Coach Junge nicht erst nach dem Spiel fest. Eine stabile Lösung dafür fand seine Mannschaft im Laufe der Partie nicht. Ähnliches trifft auf die Low- und Highpost-Qualitäten von Derrick Allen zu, die Nürnberg in der Regel ohne Doppeln im Teamverbund auszuschalten versuchte – ohne Erfolg, denn der Routinier war mit acht Punkten binnen weniger Minuten in der ersten Halbzeit ein maßgeblicher Faktor für den mehr und mehr in Fahrt gekommenen RASTA-Tornado. Und nicht nur im Halbfeld, sondern gerade im Umschaltspiel von Verteidigung auf Angriff kreierten sich die Niedersachsen im zweiten Viertel immer wieder Transition-Dreier.

#34, Christian Standhardinger, Forward bei RASTA Vechta in Aktion während des Spiels zwischen RASTA Vechta und rent4office Nürnberg

Christian Standhardinger (#34), Forward bei RASTA Vechta in Aktion während des Spiels zwischen RASTA Vechta und rent4office Nürnberg

Außerdem positiv: Christian Standhardinger lieferte noch nicht einmal sein stärkstes Spiel ab (14 Punkte, 42 Prozent Feldwurfquote). Vechtas Coach Andreas Wagner war nicht von seinem Topscorer abhängig, der allerdings mit einem bärenstarken And-One im dritten Viertel für Entlastung sorgte sowie mit insgesamt drei Offensivrebounds zudem dazu beitrug, dass die Hausherren Nürnberg am Brett kraft ihrer physischen Präsenz überpowerten (Reboundverhältnis: 40:26). Andreas Wagner war „hochzufrieden“ mit der „guten Teamleistung meiner Mannschaft“, die sich mitunter auch darin zeigte, dass sieben Vechtaer zweistellig punkteten.

Clif Tucker springt in die Bresche – Coach unzufrieden

Gänzlich ohne physische Gegenwehr traten allerdings auch die Gäste nicht auf. Dafür sprechen 18 Freiwürfe, die sich der Klub aus Mittelfranken in der zweiten Halbzeit erarbeitete. Damit wiederum haderte Vechtas Trainer Andreas Wagner: „Das haben wir in der ersten Halbzeit besser gemacht (Anm. d. Red.: nur 4 Freiwürfe für Nürnberg in der ersten Hälfte). Sowas wollten wir verhindern.“ Im Auftaktviertel etablierte Nürnberg darüber hinaus noch eine sehr gute Raumaufteilung und insbesondere beim Pick-and-Roll besetzten die Spieler abseits des Balles sehr stringent die sich bietenden Räume. Spielmacher Dorian Green (6 Punkte, 5 Assists, 2 Ballgewinne) lieferte statistisch zwar keinen astronomisch großen Beitrag zum Spiel, organisierte die Nürnberger Offensive aber sehr gewissenhaft. Defensiv sah er allerdings ebenso wie einige seiner Mitspieler wenig Land. Offensiv versuchte Clif Tucker (12 Punkte) infolge der personellen Veränderungen im Kader mehr Verantwortung zu schultern. „Ich weiß nicht, ob er wirklich mehr Verantwortung übernehmen muss. Auf jeden Fall muss er weniger Fehler machen. Er hat sich wieder einige erlaubt. Ich bin mit seiner Leistung nicht zufrieden“, ärgerte sich Ralph Junge, der gespannt ist auf die Reaktion seiner Mannschaft am morgigen Sonntag: „Die Jungs mussten heute eine neue Rollenkonstellation finden. Am Sonntag wollen wir zu Hause den nächsten Schritt gehen.“

Es müsste ein großer Schritt werden, wenn seine Mannschaft gegen diesen Kontrahenten aus Vechta am Sonntag als Sieger das Nürnberger BBZ verlassen will.

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