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Kommentar zum Trainerwechsel der Oettinger Rockets

31.01.2017 || 01:43 Uhr von:
Chris Ensminger - Oettinger Rockets Trainerwechsel
Die Oettinger Rockets bleiben weit hinter Erwartungen und Zielen zurück. Jetzt folgt der Trainerwechsel: Ensminger und Esterkamp packen ihre Sachen.

Die Oettinger Rockets bleiben nach zwei Dritteln der laufenden Saison in der 2. Basketball-Bundesliga ProA weit hinter ihren eigenen Erwartungen und Zielen zurück. Nun folgt der Trainerwechsel: Chris Ensminger und Steven Esterkamp müssen ihre Sachen packen.

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Nach 20 Spieltagen stehen die Rockets bei zehn Siegen und zehn Niederlagen auf dem siebten Platz der Tabelle. Eindeutig zu wenig für ein Team, das bekanntermaßen in den nächsten beiden Jahren in die BBL aufsteigen will und dabei bereits jetzt auf einen Etat zurückgreifen kann, der zu den Top-drei der Liga gehört.

Auf Facebook machte sich innerhalb kürzester Zeit großer Unmut seitens der Fans breit. Nur wenige Wochen nach einer handfesten Diskussion um die erhöhten Bierpreise bei den Heimspielen, fühlte man sich erneut zutiefst hintergangen. Und irgendwie kann man beide Seiten verstehen.

Zu viel des Guten

Als Fan der Oettinger Rockets hatte man im vergangenen Halbjahr einiges zu bestaunen: im Sommer der unliebsame aber unvermeidbare Umzug, raus aus dem geliebten Gothaer Partyzelt und rein in die schnieke Erfurter Messehalle. Ein neuer sportlicher Leiter mit großem Namen, unzählige Sponsoren-Events, ein sogenannter Business Club und vor allem eins: sehr ambitionierte Ziele.

Alles neu, alles besser? Wohl eher zu viel des Guten, denn irgendwie wirkte alles etwas aufgesetzt und abgespacet, was die Oettinger Rockets vor der Saison auf die Beine stellten. Der neue maßgeschneiderte Anzug mit easyCredit-Anstecker, in den man das Projekt Basketball in Gotha so schnell wie möglich zwängen wollte, zwickte noch an vielen Stellen.

Fancy Hashtags hier, Autogrammstunden da – nur sportlich lief es nicht wirklich rund, als die Saison dann startete. Von zwei Leistungsträgern trennte man sich in der Folge bereits frühzeitig, der Kader musste mitten in der Saison umstrukturiert werden. Als es um die Weihnachtszeit dann besser lief, schienen sich auch die Fans an die neuen Begebenheiten zu gewöhnen.

Beim überzeugenden Sieg gegen die Gladiators aus Trier am 23. Dezember war die Erfurter Messehalle mit knapp 3.000 Zuschauern ausverkauft. Tolle Stimmung, eine zufriedenstellende Teamleistung und ein nicht zu verkennender Aufwärtstrend. Die Marke Oettinger Rockets wird angenommen in Erfurt und Umgebung. Friede, Freude, zu früh gefreut?

Ein Defensivtrainer ohne Defensivmannschaft

Mit den aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen die Spitzenteams der Liga folgte im Januar dann endgültig die kalte Dusche. Nach einem Schritt vorwärts, ging man zwei zurück. Gegen den MBC, die Merlins und die Knights kann man verlieren, na klar. Das wie spielt dabei allerdings eine besondere Rolle. Womit wir auf der anderen Seite der Medaille angelangt wären:

Chris Ensminger definiert sich seit jeher als ein Trainer, dessen Team harte Defense spielt. Er selber war zu aktiven Zeiten einer der besten Verteidiger, und das wollte er auch stets von seiner Mannschaft sehen. Blöd nur, dass sein Kader in diesem Jahr fast ausschließlich aus Shootern und Ballhandlern besteht, die sich naturgemäß lieber im Angriff austoben als beinharte Defense zu spielen. Grant Gibbs, Darrel Mitchell, Jonas Grof, Gerard Gomila – sie alle könnten eine Offense anführen. Genau dabei, so scheint es, fehlte es jedoch an der führenden Hand der Coaches.

„Anscheinend kann hier jeder von der Position 1 bis 3 den Ball vortragen“, stellte Neuzugang Jonas Grof nach seinen ersten beiden Spielen im Rockets-Jersey fest. So etwas hatte er bis jetzt noch nicht gesehen, meinte der 20-Jährige zu mir. Cool sei das trotzdem. Tja, vielleicht. Nur dass coole Playbooks nicht immer zu einem effektiven Basketballspiel führen.

Trainerwechsel Hals über Kopf?

Kurzum: die sportlichen Leistungen der gesamten Saison spiegeln nicht annähernd das Potenzial wieder, das im Kader der Oettinger Rockets steckt. Viel Geld ist geflossen und dafür möchte man nun mal irgendwann Ergebnisse sehen. So läuft es im Profisport.

Ensminger und Esterkamp haben es im Vergleich zu den Vorjahren leider nicht geschafft, eine eingeschworene Einheit zu formen, die an beiden Enden des Feldes kompetitiven Basketball spielt. Die Umstände, mit denen man zu kämpfen hatte, waren dabei sicher nicht unerheblich. Ob es in Anbetracht dessen die richtige Entscheidung war, beide vor die Tür zu setzen, bleibt abzuwarten. Sportlich nachvollziehbar ist es. Die Art und Weise wiederum ist es nicht.

Warum die Pressemitteilung zur Entlassung an einem Montagabend um 22:47 Uhr verschickt werden musste und keinerlei Begründungen enthält, lässt sich definitiv nur schwer nachvollziehen. Auch die teilweise per „Copy and Paste“ eingefügten Antworten auf wütende Fan-Kommentare, stellten am späten Abend auf Facebook keine wohl überlegte Deeskalationsstrategie dar.

Die gescholtene Seele der Rockets-Fans wird’s verkraften. Hoffentlich. Denn während an den kommenden Wochenenden die Musicals „Falco“ und „Elvis“ die Erfurter Messehalle rocken werden, finden die nächsten beiden Heimspiele der Oettinger Rockets mal wieder unter der Woche statt. Ohne den Fanclub Blaue Hölle wären die Bewährungsproben von Ivan Pavic wohl eine traurige Vorstellung vor sehr wenig Publikum.

Ich selber bin übrigens vom Fußball zum Basketball gekommen und halte es daher mit dem guten alten Adi Preißler: „Entscheidend is auf’m Platz!“ Es werden wieder bessere Zeiten kommen.

PS: Danke Chris! Danke Steve!

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