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„Den Basketball gespielt, den wir uns vorgenommen haben“

01.04.2017 || 12:14 Uhr von:
Die Hauptrunde der ProA neigt sich dem Ende zu. basketball.de hat dies zum Anlass genommen, um mit dem Geschäftsführer und Teammanager des MBC, Martin Geissler, zu sprechen.

basketball.de: Die Hauptrunde ist nun fast vorbei und der Mitteldeutsche BC steht mittlerweile bei 26 Siegen und drei Niederlagen. Auch wenn noch ein Spiel zu spielen ist, steht fest, dass der MBC als Hauptrundenerster in die Playoffs starten wird. Wie bewertest du die Hauptrunde?

Martin Geissler: Ich glaube die Hauptrunde ist so verlaufen, wie wir uns das alle vorgestellt haben. Eigentlich ist sie auch genauso verlaufen wie die letzten zwei Male, als wir in der ProA angetreten sind. Unter Silvano [Poropat] hatten wir am Ende fünf Niederlagen und unter Björn [Harmsen] drei. Wir sind sehr glücklich über den Verlauf, vor allem auch, weil wir von Saisonbeginn an den Basketball gespielt haben, den wir uns vorgestellt haben. Insbesondere nach dem kurzen Ausrutscher in Hamburg haben wir ganz schnell wieder die Kurve bekommen. Die Mannschaft harmoniert individuell, von ihren Persönlichkeiten und auch von der spielerischen Qualität hervorragend. Wir können auch Verletzungen wegstecken. Am Ende sieht man, dass wir qualitativ und von den Erfahrungen, die wir haben, zu Recht auf dem ersten Tabellenplatz stehen.

Zurzeit sind mit Achmadschah Zazai und Benedikt Turudic zwei deutsche Spieler verletzt, wobei stets zwei Deutsche auf dem Spielfeld stehen müssen. Unter den Fans besteht eine große Sorge bezüglich der kurzen Rotation. Was ist der Grund dafür, dass ihr euch entschieden habt, nicht nachzuverpflichten und euch somit für einen Ausfall nicht abgesichert habt?

Es gab für uns keine passenden Spieler, von denen wir uns gewünscht hätten, dass sie herkommen. Wir haben probiert, unsere Rotation zu erweitern. In der ProA darf man aber nur bis Ende Januar Spieler nachverpflichten und zu dem Zeitpunkt hatten wir, insbesondere auf den großen Positionen, nicht nur Kevin Larsen auf dem Schirm, sondern auch den ein oder anderen Spieler, unter denen auch deutsche Spieler waren. Dies hat sich allerdings dann zerschlagen. Daher sind wir froh, dass wir mit Kevin Larsen einen Spieler gefunden haben, der von seiner Spielweise, seinem Spielverständnis und seiner Persönlichkeit aus unserer Sicht gut in die Mannschaft passt. Er hat sich in den letzten Wochen sehr gut entwickelt. Er gibt uns mehr Tiefe, als uns D.J. Bennett gegeben hat, auch wenn sich die Statistiken ähneln. Wir sind überzeugt, dass uns Kevin Larsen – vor allem in den Playoffs – mehr helfen kann. Leider ist es uns nicht gelungen, darüber hinaus einen deutschen Spieler zu finden, der unseren Ansprüchen genügt hätte.

So langsam müssen die Lizenzunterlagen zusammengestellt werden. Ich nehme an, dass der MBC zweigleisig fahren wird, um sich abzusichern. Wie muss ich mir das vorstellen? Ist der Kernantrag inklusive des Finanzplanes derselbe oder gibt es große Unterschiede? Immerhin muss in der ProA kein Punktekatalog mehr nachgewiesen werden.

Die Unterlagen unterscheiden sich vor allem dahingehend, dass die Ligen unterschiedliche Nachweise für verschiedene Sachen anfragen und es auch unterschiedliche Formulare gibt, weil es momentan noch kein einheitliches Lizensierungsverfahren gibt. In Bezug auf die Causa Hagen wäre es sicher sinnvoll, wenn zumindest die BBL und die ProA mit einem Lizensierungsverfahren arbeiten würden und einfach nur die Standards, die gelten, unterschiedliche sind. Inhaltlich wird sich das im wirtschaftlichen Bereich kaum unterscheiden, d.h. wie in der Vergangenheit werden wir auch da sehr konservativ planen und ungefähr auch die gleichen Kennzahlen für beide Ligen ansetzen.

Für die BBL müssen ab nächster Saison grundsätzlich 2,0 Millionen Euro auf der Einnahmenseite nachgewiesen werden. Für Aufsteiger gilt in der Saison 2017/2018 einmalig ein Betrag von 1,6 Millionen Euro. Ab der Saison 2018/2019 muss jedes Team 2,0 Millionen Euro nachweisen. Soll der Betrag schon kommende Saison erreicht werden – natürlich vorausgesetzt der Aufstieg gelingt?

Nein. Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr ungefähr mit den gleichen Kennzahlen arbeiten werden, wie dieses Jahr, d.h. dass wir ca. eine viertel Million unter der Zwei-Millionen-Marke liegen werden.

Die Zuschauerzahlen in dieser Saison sind etwas rückläufig. War das angesichts der Ligazugehörigkeit ProA so zu erwarten?

In der Deutlichkeit hat es uns etwas überrascht. Wir haben sicher damit gerechnet und gehofft, dass sich die Zuschauerzahlen im Vergleich zur BBL nicht um ca. 300 Zuschauer verringern werden. Wir wissen aber auch, dass hier in Weißenfels zwischenzeitlich auch ein sehr fachmännisches Publikum sitzt, was einzuschätzen weiß, welche Gegner hierherkommen und auch einschätzen kann, dass in der ProA ein Hauptrundenspiel nicht dieselbe sportliche Bedeutung hat wie ein BBL-Spiel. In der BBL spielen wir um den Klassenerhalt; da kommt es auf jedes Spiel an. In der ProA geht es eigentlich erst in den Playoffs so richtig los. Wir haben damit gerechnet, dass es ein bisschen weniger wird. Die Zahl am Ende war höher, als wir sie zunächst angenommen hatten.

Mit Science City Jena spielt nun eine andere Mannschaft in der Region zurzeit in der 1. Basketball-Bundesliga. Hat sich dies in irgendeiner Weise bemerkbar für den MBC gemacht? Sind zum Beispiel Sponsoren abgesprungen oder haben ihre Gelder reduziert?

Nein. Wir sind zwar nicht so viele Kilometer voneinander entfernt, aber am Ende sind es doch zwei unterschiedliche Regionen – Thüringen und Sachsen-Anhalt. In Jena gab es schon viele Jahre Basketball auf gutem Niveau. Jena hat schon einmal erste Liga gespielt. Allerdings sind die Sponsoren von Science City Jena grundsätzlich andere als bei uns. Wir haben größtenteils auch Sponsoren, die sehr regional verwurzelt sind – ähnlich wie in Jena. Daher gab es aufgrund der Ligazugehörigkeit von Jena keine Verschiebungen. Am Ende sind unsere Sponsoren größtenteils auch über sehr, sehr viele Jahre Partner des MBC und haben auch Verständnis dafür, dass es realistisch ist, dass der MBC mit unserem Budget auch schnell aus der BBL wieder absteigen kann. Entsprechend haben uns unsere Sponsoren größtenteils die Stange gehalten.

Wie bewertest du allgemein den Umstand, dass der MBC nun Konkurrenz aus Thüringen bekommen hat. Beim letzten Mal sind die Mannschaften aneinander „vorbeigestiegen“. Jena hat den Klassenerhalt bereits geschafft; der MBC möchte aufsteigen. Spiele mit Derby-Charakter sind zumindest für die Fans etwas Besonderes. Wie bewertest du dies aus Klubsicht?

Zunächst freuen wir uns natürlich, dass Jena in der BBL eine gute Rolle spielt dieses Jahr, den Klassenerhalt geschafft hat und es hoffentlich nächstes Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der 1. Basketball Bundesliga zu einem Ost-Derby kommen wird. Die Spiele, die wir dieses Jahr in der ProA mit den Ost-Derbys erlebt haben und auch schon in der Vergangenheit, vor fünf Jahren gegen Jena in der ProA, sind besondere Spiele. Diese Spiele bedeuten für beide Klubs sicherlich mehr als ein Spiel gegen Bremerhaven beispielsweise. Beide Mannschaften werden auch im nächsten Jahr mit Sicherheit darum kämpfen, zuerst den Klassenerhalt einzufahren. Außerdem haben wir auf der anderen Seite mit Björn Harmsen einen Trainer, der mit dem MBC eine ProA-Meisterschaft gewonnen hat und auch eine sehr gute erste Saison in der BBL gespielt hat. Am Ende freuen wir uns darüber. Das kann der Basketballbegeisterung in der Region Mitteldeutschland nur gut tun. Medial hat es auf jeden Fall einen sehr positiven Effekt, dass der Mitteldeutsche Rundfunk zwischenzeitlich über beide Klubs sehr intensiv bei Sport im Osten und in den Landesprogrammen berichtet. Das gab es in der Vergangenheit so oft nicht, dass so viele Minuten über Basketball berichtet wird. Am Ende hoffe ich, dass beide Teams davon profitieren werden.

Gibt es schon Gespräche mit Spielern, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, oder wird viel davon abhängen in welcher Liga der MBC künftig spielen wird.

Wir wollen uns momentan hauptsächlich darauf konzentrieren, in den Playoffs zu gewinnen und in den Playoffs ins Finale einzuziehen. Entsprechend laufen die Gespräche – wenn überhaupt – nur sehr zaghaft und im Hintergrund. Wir wollen erst einmal für die Tatsache sorgen, dass wir in der ersten Liga spielen werden. Dann werden wir relativ zeitnah mit den Spielern intensiver ins Gespräch kommen.

Zum Abschluss eine allgemeine Frage: Wie bewertest du die aktuelle Diskussion um die Ausländerregelung in der ProB? Ein Regionalligist droht gegen die Regelung, dass mindestens drei Deutsche auf dem Feld stehen müssen, zu klagen. In der ProA und BBL gibt es vergleichbare Regelungen. Wie ist deine Haltung zu dem Thema?

Bisher gab es eine eingeschworene Gemeinschaft innerhalb der Basketball-Bundesligen, in der alle Klubs sich einem Gentlemen-Agreement verschrieben haben und gesagt haben: Wir wollen deutsche Spieler, wir wollen vor allem junge deutsche Spieler fördern und ihnen auch eine Einsatzchance bzw. Einsatzgarantie geben. Jetzt erlaubt sich ein Team, welches quasi aus dem Niemandsland / der Regionalliga, d.h. dem Amateur-Sport, wahrscheinlich in die ProB aufsteigen wird, gegen die bestehenden Regeln, zu denen sich alle 40 Teams der ProA und ProB in den letzten Jahren wiederholt ausgesprochen haben, vorzugehen, um sich eigene sportliche Vorteile zu verschaffen. Ich glaube, dass schadet dem deutschen Basketball sehr, auch wenn es EU-Recht gibt, was das sicherlich rechtfertigt, dass solche Regeln nicht aufgestellt werden. Allerdings wollen wir am Ende alles dafür tun, dass der Basketball und junge Spieler in Deutschland weiter vorankommen. Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Ich hoffe, dass die 2. Basketball-Bundesliga und alle Klubs, die dazu gehören, die nötige Stärke und das nötige Verhalten diesem Team gegenüber zeigen werden mit einer Regel, die EU-konform ist, und die Bestrebungen von Schwennigen relativ schnell zu beenden.

„Den Basketball gespielt, den wir uns vorgenommen haben“
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