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David Bell – Zurück in die Zukunft

06.03.2018 || 11:57 Uhr von:
Was würde Doc Brown davon halten, wenn er gewusst hätte, dass Zeitreisen auch ohne Fluxkompensator möglich sind? David Bell reichten ein zweistündiger Flug und eine einstündige Autofahrt, um in seine Vergangenheit zu gelangen.

Einst…

So glorreich diese Vergangenheit in der alten Wirkungsstätte Hagen in Westfalen auch anmuten mag, so hallt der „Urknall“, der diesen Lebensabschnitt beendete, in so manchen Ohren noch heute nach. Am 30. November 2016 entzog die easyCredit Basketball-Bundesliga Bells damaligem Club Phoenix Hagen die Spielberechtigung für die restliche Spielzeit in der Bundesliga. Im Monat zuvor hatten die Volmestädter (für Spieler und Fans überraschend) angekündigt, einen Insolvenzantrag stellen zu wollen. David Bell traf der vorzeitige Lizenzentzug gleich doppelt hart.

Am 26. November 2016, als die Feuervögel ihr – bis dahin ungeahnt – letztes Heimspiel gegen den FC Bayern München Basketball bestritten, fehlte der erfahrene Shooter aufgrund eines Magen-Darm-Infekts. Nur einige Tage nach dem Mannschafts-Kollaps war in Sardinien auch schon eine neue Aufgabe gefunden worden. Ein würdiger Abschied für den Rekord-Kapitän, der bis dato in fünfeinhalb Spielzeiten 175 Spiele für die Feuervögel bestritt und hierbei insgesamt 2.857 Punkte, 492 Rebounds und 648 Assists auf die Bretter brachte, blieb also aus.

Gegenwart…

Phoenix Hagen hat es geschafft. Nach einer Planinsolvenz in Eigenverwaltung finden für die 2. Basketball-Bundesliga ProA in der „Ischehölle“ seit September 2017 wieder recht erfolgreiche Spiele statt. David Bell ist mittlerweile beim italienischen Zweitligisten Andrea Costa Imola beheimatet, wo er in durchschnittlich 29,4 Minuten auf dem Parkett mit 15,6 Punkten, 5,6 Rebounds und 2,7 Assists pro Spiel auch mit stolzen 36 Jahren noch an alte Erfolge anknüpfen kann. Ganz verwunderlich ist es also nicht, dass eine Verabschiedung des gerade einmal 1,85 Meter großen Point Guards bis ins Jahr 2018 auf sich warten ließ. Am 4. März 2018 zum Hagener Heimspiel gegen die Gladiators Trier war es nun soweit.

David Bell – Ehre, wem Ehre gebührt

Die Rückkehr in die Vergangenheit hat einen ganz besonderen Zauber. Vergleichbar ist dies mit dem Aufeinandertreffen zweier Verflossenen (zugegeben, dies kommt natürlich auch auf die Art der Trennung an). Es ist alles wie gewohnt, doch der Umgang miteinander und das ein oder andere Detail sind doch ganz anders.

Auf Nachfrage beschrieb es der 36-jährige wie folgt: „It feels great, this is like a second home. I probably spent more time here, that I have in my actually home. So, it feels like home, you know. Driving on this streets, coming to the gym it feels very familar.”

Kein Wunder, denn im Falle der Familie Bell war der plötzliche Abschied von Phoenix Hagen und der zweiten Heimat an der Volme der einzig nennenswerte Fleck auf einer sonst reinweißen Weste der Zusammenarbeit. Kein ausländischer Spieler war einem Hagener Team in der mehr als 50 Jahre andauernden Liga-Geschichte so treu gewesen wie David Bell. Auch Frau und Kindern gefiel es in Hagen. Eine fast perfekte Geschäftsbeziehung eben. Den Schandfleck, den die abrupte Trennung beider Parteien aufgrund der Insolvenz und des vorzeitigen Lizenzentzuges darstellt, sollte in Hagen nie so richtig hingenommen werden. Hier hat „ein Verflossener“ ordentlich was gut zu machen, weshalb die Volmestädter ihren ehemaligen Kapitän extra zur Ehrung haben einfliegen lassen. Nicht kleckern, sondern klotzen schien das ausgelobte Motto für die Abschiedszeremonie zu sein.

Vor dem Spiel gegen die Gladiators Trier wurde der Ex-Phoenix wie erwartet mit frenetischem Jubel der 2828 Hagener Fans und alten Wegbegleiter wie zum Beispiel dem ehemaligen Aufsichtsrats-Vorsitzenden der Hagener Thomas Haensel empfangen. Interim-Hallensprecher Mart(y)in Erlmann erinnerte in einer kurzen und euphorischen Ansprache an die Vorzüge, die David Bell in Hagen zur Legende machten. Hierzu gehören die Vorbildfunktion, ebenso legendäre Kabinenansprachen, wenn es mal wieder heiß herging, und natürlich die spektakulären (und meist treffsicheren) Dreier, die auch die Zuschauer bewundern konnten.

Dem Kapitän der Herzen gebührte dann selbst die Ehre, sein Trikot im Takt der Standing Ovations unter dem Dach der Ischelandhalle, neben den Exemplaren von Bernd Kruel und Matthias Grothe, zu enthüllen. Aber das wohl schönste Geschenk, das dem Heimkehrer gemacht werden konnte, war sicher der allerletzte Einlauf vor dem Spiel in seine ehemalige Heimathalle, den er zusammen mit seinem siebenjährigen Sohn Micah sichtlich genoss. Maskottchen Felix ließ es sich nicht nehmen, währenddessen seine Verehrung in Form einer ehrfürchtigen Verneigung kund zu tun.

Das anschließende eher durchwachsene Spiel (Phoenix Hagen verlor gegen die Gladiators Trier mit 78:92) seines Ex-Clubs, das David Bell aufmerksam Courtside verfolgte, während Ehefrau Kristy einen entspannten Plausch mit Schiedsrichterbetreuerin Sabine Schroer hielt, konnte das fast schon berühmte Lächeln der Frohnatur nur kurzzeitig in die Schranken weisen. Warum, brachte er im Fan-Talk nach dem Spiel nochmal auf den Punkt: „Auch wenn es kein besonders schönes Spiel war, so war es einfach mal wieder schön hier zu sein.“

Am Ende des Tages zieht es den US-Amerikaner schon bald zurück gen Italien in die Seria A2 Ost, wo er für seinen Club Andrea Costa Imola am 11. März 2018 zurück aufs Parkett muss. Und auch für Phoenix Hagen geht die Reise (nächste Ausfahrt ProA-Playoffs?) ohne David Bell weiter. Mit der Vergangenheit ist eben nun wirklich Schluss, denn ab sofort geht’s für alle wieder „Zurück in die Zukunft“.

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