BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Jamal Murray: mit Meditation in die NBA

13.03.2016 || 15:29 Uhr von:
Jamal Murray zählt zu den talentiertesten Guards im College-Basketball - und zu den aussichtsreichsten NBA-Talenten seines Jahrgangs. Der Kanadier im Draft-Profil.

Steckbrief

Name: Jamal Murray
Position: Ballhandler/Flügelspieler
College: Kentucky
Alter: 18
Größe: 1,95 m
Gewicht: 91 kg
Armspannweite: 1,99 m

Roger Murray hat ein Ziel: seinen Sohn in die NBA bringen. Dafür musste dieser schon früh so einige Opfer bringen: „Ich ließ ihn nicht mit den anderen Kindern in der Mall rumhängen. Jugendliche vergeuden so viel Zeit heutzutage. Sie betrügen sich selbst. Ich wollte, dass alles was Jamal tut einem Zweck dient.“ Dieser Zweck war der Basketball. Roger trainierte mit Sohn Jamal alle fünf Positionen ein, lernte mit ihm Post Moves und Sprungwürfe, übte Dribble-Bewegungen. Ablenkung war nicht erlaubt: Der Sohn besaß in seiner High School Zeit kein Handy. Während sein Vater sich um die Basketballlehre kümmerte, betreute die Mutter die Schulpflichten.

Seinen Fokus darf er dabei nicht verlieren. Roger brachte ihm, inspiriert von den Kung-Fu-Künsten Bruce Lees, das Meditieren bei, und noch heute sitzt Jamal nach dem Training und nach dem Spiel mit geschlossenen Augen ruhig da und reflektiert seine Leistungen, manchmal länger als eine halbe Stunde. „Wenn man meditiert, geht man tiefer in Gedanken als man es sonst je tun würde. Wenn man so ruhig ist, ist man fokussierter und trifft bessere Entscheidungen. Das Spiel bewegt sich schnell, aber einem erscheint es langsam“, erklärt Jamal das „Mental Kung-Fu“.

Nun ist Jamal Murray, so sein jetziger Coach John Calipari „ein positionsloser Spieler“ und gehört zu den besten College-Bsketballspielern in den USA. Der gebürtige Kanadier stand als einziger Freshman neben LSU-Star Ben Simmons auf der „Midseason Watchlist“ für den „Wooden Award“, die prestigeträchtigste Individualauszeichnung im NCAA-Basketball. Er führt als 18-jähriger Neuankömmling die Wildcats in Punkten an (20,2 PpG), trifft mit Abstand die meisten Dreier seines Teams (3,2 3PpG) und hofft auf eine zukunftsträchtige NBA-Karriere.

Offense

Jamal Murray ist ein Scorer. Der Guard kommt aus allen möglichen Positionen mit unzähligen Bewegungen zu seinen Punkten, ob per Sprungwurf oder Korbleger. Seine größte Stärke ist hierbei allerdings der Dreier. Sein Release ist weich, sein Schuss schnell und er geht gerade und stabil nach oben. Über 50 Prozent seiner Wurfversuche kommen von hinter der Dreierlinie, dort trifft er 42,6 Prozent seiner Würfe – angesichts seiner durchschnittlich 7,6 Versuche ein herausragender Wert. Auch im Zug zum Korb ist Murray talentiert: Er braucht keinen Pass, um punkten zu können, sondern ist auch in Isolation-Situationen fähig, dem Basketball sein Ziel zu zeigen. „Er ist ein sehr begabter Spieler, der mit viel Selbstvertrauen spielt. Er weiß, was er mit dem Ball machen will. Er kann nach Blöcken alles: über den Block schießen, den Block nutzen, um in die Zone zu gelangen und er passt den Ball überall hin. Dafür, dass er ein durchschnittlicher Athlet ist, ist er auch ein guter Finisher“, beschreibt ein NBA-Scout Murrays All-Around-Können.

Obwohl Murray bei knapp 90 Prozent seiner Dreier assistiert wird (92,3%), fällt es ihm häufig schwer, abseits des Balls geduldig zu spielen und mit vollem Einsatz um Blöcke zu schießen. Zwar ist er sehr begabt darin, aus Picks heraus schnell seine Füße zu setzen, seine Balance nicht zu verlieren und hoch zum Wurf zu gehen, doch erscheinen seine Laufwege in Set Plays oft teilnahmslos. Dies liegt weniger an fehlendem Einsatz sondern vielmehr an Unaufmerksamkeiten, die sich Murray auch in der Defense erlaubt. Hat er Aussicht auf den Ball, so tendiert er zu schnelleren Cuts. Hierbei handelt es sich also auf jeden Fall um einen Bereich, den es zu verbessern gilt, aber auch einer, der schnell umgelernt werden kann.

Defense

In der Verteidigung arbeitet Murray hart. Fehlenden Einsatz kann man ihm an diesem Ende des Feldes nicht vorwerfen. Er bleibt, so gut es geht, an den Trikots seiner Gegenspieler heften und gibt ihnen keine Sekunde zum Durchschnaufen. Unaufmerksamkeiten seiner Gegner werden bestraft. Methodisch einwandfrei hilft Murray in der Zone aus und findet beim Close-Out den Schützen, ohne seine Stellung aufzugeben.

Dennoch ist Murray kein besonders guter Verteidiger. Am Ball fehlt ihm die Explosivität, um mit schnellen Dribblern mithalten zu können und sein Verständnis für die Möglichkeiten der Offensive erscheint limitiert. So ist er, wie auch offensiv, zu oft unaufmerksam, wenn er nicht am Ball spielt.

Spielstil

Am Korb kann Murray stark abschließen, vorzugsweise per Layup; im Fastbreak geht Murray aber auch zum Dunk hoch. Er ist allerdings kein explosiver Athlet, sondern eher ein methodischer Arbeiter – sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive.

So oder so schreckt er nicht vor Kontakt zurück und versteht es mitunter besonders gut, seinen Körper oder den Ring à la Kyrie Irving zum Schutze des Balles zu nutzen, um komplizierte Leger abzuschließen. Hier taucht allerdings auch eine Schwäche des 18-Jährigen auf: So oft er sich viel zutraut, so oft geht auch der simple Spielzug verloren. Kentuckys Coaching Staff ist sich hierbei einig: „Wir wollen, dass Jamal saubere Würfe nimmt, die wir trainieren“, so Assistant Coach Kenny Payne. „Er kann von überall werfen, ob Pull-Ups oder Korbleger. Coach [Calipari] hat ihn auf dem Kieker für seine verrückten Würfe und Floater und fordert von ihm wie ein großer Flügel zum Korb zu gehen.“

Das bedeutet allerdings nicht, Murray spiele unkontrolliert. Er ist ein vorzüglich geschulter Basketballer. Vielmehr behält er meistens einen kühlen Kopf, spielt entschlossen und aggressiv. Bemerkt er eine Schwäche der Verteidigung, spät aushelfende oder unpositionierte Gegner im Rückzug, weiß Murray keine Zeit zu verlieren und schnell zu attackieren.

Auch im Pick-and-Roll erkennt er schnell Vorteile und weiß diese auszunutzen, ohne die Verteidigung in Position kommen zu lassen. An Big Men, die nicht schnell genug schalten, zieht er zielstrebig vorbei.

Überhaupt scheint sich der Guard besonders im Two-Man Game wohlzufühlen. Diese Fähigkeit ist wertvoll für die NBA, in der sich die Offensive mehr und mehr auf Pick-and-Rolls verlagert, sowohl für Point als auch für Shooting Guards. Trotz seines Scoring-Talents beweist Murray die nötige Geduld, auf den besseren Wurf zu warten.

… oder den guten Wurf, wie hier in einer besonders schönen Sequenz aus einem seiner besten Spiele bisher, durch Uneigennützigkeit und geschickte Pässe ausfindig zu machen:

Kommt Murray um den Pick herum, so weiß er, wann Platz ist zum werfen, wo der beste Ort ist, den Ball zu fangen, und ob es sich anbietet, zum Korb zu ziehen. In der Isolation sind seine Entscheidungen allerdings oft überhastet, sein Wille zur schnellen Entscheidung mündet noch zu manchen fragwürdigen Sprungwürfen, die er lieber unterlassen sollte.

In der Verteidigung tut sich Murray ebenfalls abseits des Balls schwer, den Fokus zu bewahren. Steht er mal zwei Passstationen weiter, so starrt er häufig auf den Ball und wendet sich dann kurz mit dem Kopf nach seinem Gegner, findet aber keine Position, in der er beide im Blick haben könnte. Auch gegen das Pick-and-Roll hängt Murray noch zu oft hinterher und wirkt hilflos. In vielen Situationen abseits des Balles braucht er zu lange, um in Position zu gehen. Die basketballerischen Instinkte, die Murray offensiv so außergewöhnlich machen, fehlen ihm in der Defensive. In dieser Szene gegen LSU etwa spekuliert er auf den Steal, geht nicht zurück in Stellung und trottet dem Spielzug nur noch hinterher:

Etwas später in der gleichen Partie schießt Murray nach dem Einwurf grundlos auf Ben Simmons zu und verliert dabei seinen eigenen Mann:

Es bleibt also zu hoffen, dass Murrays Meditationseinheiten ihm helfen, diese Flüchtigkeiten aus seinem Spiel zu schaffen und nicht zu einem Grundproblem werden zu lassen, dass ihm die NBA-Karriere vermiest.

Fazit

Jamal Murray ist ein Scoring Guard. In der modernen NBA wird er sowohl auf der Eins als auch auf der Zwei einsetzbar sein. Sein vielseitiges Können sollte ihm in geraumer Zeit einen festen Starterplatz einbringen – mit Luft nach oben. Murrays treffsicherer Wurf ist eine Versicherung solange in der NBA Dreier so wichtig sind wie heute, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Für ein Lottery-Team ist Murray definitiv einen Pick wert.

Prognostizierte Draft-Range: Top-10

Bis zum 23. Juni kann noch viel passieren. Aktuell zählt Murray, neben dem erfahrenen Kris Dunn, jedoch zu den aussichtsreichsten Backcourt-Spielern und kann sich gute Chancen auf eine Platzierung unter den ersten Zehn ausrechnen.

Trivia

– In seinen ersten 16 Spielen für Kentucky hat Murray 282 Punkte erzielt – das sind die meisten Punkte über diese Zeitspanne, seitdem John Calipari die Wildcats trainiert
– Nach 33 gespielten Partien konnte Murray (668 Punkte) bereits den Kentucky-Freshman-Punkte-Rekord von Brandon Knight (657) brechen
– In 575 Minuten in dieser Saison hat Jamal Murray 46 Dreier getroffen. Die restlichen Wildcats haben in 2825 Minuten 50 Dreier versenkt (Stand: nach 17 Spielen).
– Murray hatte zur Saisonhälfte das schlechteste Defensive Box Plus/Minus aller Wildcats-Rotationsspieler (eine Schätzung, wieviel mehr Punkte pro 100 Ballbesitze ein bestimmter Spieler durch seine Verteidigung gegenüber einem durchschnittlichen Spieler beigetragen hat, übertragen auf ein durchschnittliches Team (http://www.sports-reference.com/cbb/schools/kentucky/2016.html#advanced::25)
– Nur 14 Prozent seiner Midrange-Jumper kommen nach einem Assist
– In den Pan American Games hat Murray in einem Sieg gegen das Team USA all seine 22 Punkte im vierten Viertel und der Verlängerung erzielt
– Im Nike Hoop Summit 2015 gewann Murray den MVP-Award mit 30 Punkten und 5 Assists
– John Caliparis Kentucky-Absolventen, die in der NBA-Draft in der Lottery (erste 14 Picks) gezogen wurden: Devin Booker, Willie Cauley-Stein, Trey Lyles, James Young, Michael Kidd-Gilchrist, Nerlens Noel, Karl-Anthony Towns, Brandon Knight, John Wall, DeMarcus Cousins, Anthony Davis

Jamal Murray: mit Meditation in die NBA
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2017 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.