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Henry Ellenson: das ruhige Talent

23.06.2016 || 08:48 Uhr von:
Henry Ellenson hatte sich gegen die Top-Colleges und für seine Heimat Wisconsin entschieden. Die nötige Aufmerksamkeit holte sich Ellenson auch in Milwaukee und ist vor allem bei Lottery-Teams begehrt.

Name: Henry Ellenson
Position: Power Forward
College: Marquette University
Alter: 19 Jahre (13.01.1997)
Größe: 2,08 m
Gewicht: 111 kg
Armspannweite: 2,18 m

Für jeden Spieler, der von der High-School ans College wechseln will, ist die Nominierung zum McDonald’s All-American Game eine riesige Auszeichnung. So auch für Henry Ellenson, den Jungen aus dem kleinen verschlafenden Örtchen Rice Lake, Wisconsin. Somit musste sich Henry Ellenson nicht wundern, als die großen Colleges (Kentucky und Michigan State) an seine Tür klopften. Auch Marquette – ein College, was aber nicht dafür bekannt ist, Top-Freshmen zu rekrutieren – interessierte sich für Ellenson. Doch mit Steve Wojciechowski als Head Coach ist das etwas anders: Denn der ehemalige Duke-Assistant konnte vom großen Coach K lernen und weiß, worauf es ankommt, um die besten jungen Hüpfer von der High-School an das College zu bekommen. So fing der Rekrutierungsprozess sehr früh an: Ein Jahr, bevor Ellenson seinen Abschluss an der High-School machte, hatte man dessen Bruder Wally Ellenson überzeugt, von Minnesota zu den Golden Eagles zu transferieren. So gelang es der Marquette University, mit Henry Ellenson zum ersten Mal seit 1982 einen McDonald’s All-American zu ergattern.

Der große und ruhige, aber dennoch witzige Typ mit auffällig wenig Haaren auf dem Kopf lebte sich in Milwaukee schnell ein und überzeugte für die Golden Eagles gleich als Top-Scorer und bester Rebounder. In einem Team, dessen Offensive sehr ausgeglichen agiert hatte, stieß der Freshman immer wieder aus der Masse hervor. Ellenson übernahm nicht nur viel Verantwortung, sondern spielte auch als einziger Golden Eagle mehr als 30 Minuten.

Offense

Betrachtet man das Angriffsspiel von Henry Ellenson, fällt sofort der Wurf auf. Durch seine körperlichen Voraussetzungen wie Größe und Spannweite ist sein Release-Point – also der Punkt, an dem der Ball die Hand verlässt – sehr hoch. Somit ist der Wurf für seine Gegenspieler kaum zu verteidigen; sobald Ellenson den Ball bekommen hat, strahlt er durch seinen Wurf Gefahr aus. Was ihn noch gefährlicher macht, ist die schnelle Wurfbewegung und die saubere Technik. Fußstellung und Haltung des Balles ermöglichen ihm einen schnellen Abschluss, von überall auf dem Feld.

Ellenson kann aus der Mitteldistanz wie auch hinter der Dreierlinie abdrücken, allerdings fehlt ihm dafür noch die richtige und qualitativ gute Auswahl der Würfe. Deswegen sollte man sich von seiner schwachen Wurfquote von 28 Prozent hinter der Dreierlinie nicht blenden lassen.

Im Halbfeldangriff zeichnet sich Ellenson durch seine Vielseitigkeit aus. Als Allrounder holt er wichtige Rebounds, kann auch seine Mitspieler in Szene setzen und fördert guten Teambasketball. In der Offensive zeigt er sein Potential beim Attackieren des Korbes – jedoch nutzt er diese Möglichkeit viel zu selten. Durch seinen kräftigen Körper kann er sich auch gegen schnellere Spieler durchsetzen, die seinen ersten Schritt, der nicht gerade zu den schnellsten gehört, gut verteidigen können. Allerdings nimmt Ellenson nur ein Viertel seiner Würfe direkt am Korb, die Hälfte seine Würfe sind Jumper aus der Mitteldistanz.

43 Prozent seiner Würfe am Korb sind Putbacks, die restlichen 57 Prozent sind Abschlüsse aus dem Post und aus dem Attackieren des Korbes. Seinen Körper setzt er vor allem aber bei den Rebounds ein. Als Double-Double-Maschine lässt er seinem Gegenspieler kaum Chancen und gibt seinem Team mit 2,4 Offensiv-Rebounds im Schnitt immer wieder neue Möglichkeiten. Auch wenn die Statistiken andeuten, dass Ellenson ein starker Rebounder ist, bekommt man das Gefühl, dass er nie bewusst um Rebounds kämpft. Oft verpasst er das Box-Out in der Defensive oder sammelt weite Rebounds in der Offensive. Kaschiert wird diese Unachtsamkeit durch seinen starken Körper, den er in weniger optimalen Situationen einsetzt, um den Rebound noch zu retten.

Hat er sich in der Verteidigung einen Rebound geschnappt, darf man ihm nicht zu viel Platz geben. Zwar ist sein Ballhandling nicht besonders für den Fastbreak geeinigt, doch besitzt er den Platz, nutzt er ihn. Hat sein kräftiger Körper erst einmal Schwung geholt, ist er kaum aufzuhalten. Dabei vergisst er auch seine Mitspieler nicht; in der Transition-Offense hat er sich schon das ein oder andere Mal als Assistgeber ausgezeichnet.

Agieren die Golden Eagles im Set-Play, ist es ein Ziel von Wojciechowskis Offensive, Ellenson im Post anzuspielen. Auch dort weiß Ellenson seinen Körper einzusetzen. Eine Schwachstellte ist hier nur Ellensons linke Hand. Man merkt ihm seine Unsicherheit und den fehlenden Touch an.

Auch wenn Ellenson auf so vielen Wegen gefährlich sein kann, nutzt er das in einem Angriff selten. Oft sucht er sich seinen Sweet-Spot aus und versucht unbedingt, von dort abzuschließen. Ihm fehlt in einem Angriff die Bewegung; viel zu selten wurde er durch Systeme oder Automatics gezwungen, seinen Sweet-Spot zu verlassen.

In der Crunchtime der Golden Eagles fordert Ellenson öfter den Ball und zeigt keine Angst, die wichtigen Würfe zu nehmen – bei denen er auch eine gewisse Sicherheit ausstrahlt. Nimmt er dieses Selbstbewusstsein mit in die NBA, kann er sich schnell entwickeln.

Defense

So vielseitig das Spiel von Henry Ellenson in der Offensive ist, so eindimensional kommt er einem in der Defensive vor. Oft fehlen ihm der Überblick und die Orientierung. Für Big Men untypisch verliert er in der Help-Defense seinen Gegenspieler aus den Augen, weil er sich auf den Ball fokussiert. In Pick-and-Roll Situationen verpasst er oft den Switch, wenn sein Mitspieler über den Pick oder an ihm hängen bleibt – was natürlich gegen schnelle Guards besonders von Nachteil ist. Im College-Basketball ist der Verlust noch überschaubar, in der NBA werden die Guards aber sehr viel gnadenloser sein.

Wie in der Offensive ist auch in der Defensive sein Rebounding stark. Allerdings zeigt er nur in seltenen Fällen eine Ausbox-Bewegung; stattdessen nutzt er vor allem seine langen Arme. Doch ob das auf einem höheren Niveau wie dem der NBA ausreichen wird, ist fraglich.

Gegen schnelle und kleinere Gegenspieler kann er auf Grund seiner langsamen lateralen Bewegung nicht verteidigen. Deshalb muss er Abstand halten und kann nur schwer den Wurf verteidigen. In Korbnähe zeigt er sich im One-on-One nicht klug und auch oft abwesend seinem Gegenspieler gegenüber. Auch in der Transition-Defense ist er, um effektiv zu sein, zu langsam. Er tritt jedem Gegenspieler so gegenüber, als würde er ihn nicht kennen, und zwingt ihn nicht zu seinen Schwächen. Zwar gelingt ihm durch seine langen Arme ab und zu ein Block, doch das nur bei vier Prozent der Würfe des Gegners (zum Vergleich: Karl-Anthony Towns hatte 11%). Es gibt viele Punkte, an denen Ellenson in der Defensive arbeiten muss; dafür hat er auf Grund seiner physischen Voraussetzung aber eine gute Basis.

Spielstil

Henry Ellenson fällt durch seinen Wurf auf, vor allem aber durch sein Potential. Seine Schwächen sind Dinge, die man durch Training abstellen kann. Seine Stärken kann Ellenson durchaus in die NBA transferieren – dadurch ist er bei den Scouts so beliebt. Jedoch ist er kein Prospect gleich für das erste Jahr, sondern wird Zeit benötigen. Ellenson braucht für sein Spiel sowohl den Ball in den Händen als auch für ihn kreierte Spots zum Abschluss.

Fazit

Vorne hui – hinten pfui! Das lässt zweifeln, aber Ellenson wurde in diesem Jahr erst 19 Jahre alt und zeigt so viele Möglichkeiten. Sein Wurf ist gefährlich, und er weiß, wie er seinen Körper einzusetzen hat. In der Defensive muss er vor allem am Basketball-IQ arbeiten und klüger spielen. Er muss verstehen, dass Basketball mehr ist als gegen kleinere Gegner im Post zu agieren bzw. ihnen einen schwer zu verteidigen Wurf ins Gesicht zu hauen. Henry Ellenson ist eine mögliche Investition in die Zukunft mit viel Potential, welches aber auch genutzt werden muss.

Prognostizierte Draft-Range: Lottery Pick

In den vergangenen Wochen ist Henry Ellenson bei den meisten Mock Drafts aus den Top-Ten gefallen. Das liegt vor allem an der starken Konkurrenz auf seiner Position. Doch wenn ein Team etwas sieht, was andere nicht sehen, dann kann Ellenson durchaus früher als erwartet von Adam Silver auf die Bühne gebeten werden. Vor allem Mannschaften mit einen brettnahen Center, wie beispielsweise die Sacramento Kings, Minnesota Timberwolves oder Orlando Magic, könnten Ellenson als idealen Fit ansehen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Ellenson im zweiten Teil der ersten Runde noch zusammen mit seiner Familie im Green Room sitzen wird.

Update: In den neusten Gerüchten hört man, dass Teams, wie die Kings, Suns und Bulls, die durchaus einen Big Man wie Ellenson draften könnten, sich nun mehr für Guards interessieren. Dadurch könnte Ellenson aus den Top-14 rausfallen und erst später von einem Team gepickt werden.

Trivia

Wally Ellenson ist nicht nur Henry Ellensons Mitspieler, sondern – wie man am Nachnamen schon erkennt – auch sein Bruder. Wally ist Junior und zu dieser Saison von Minnesota zur Marquette University transferiert, setzte aber bereits das letzte Jahr aus.

Doch nicht nur Henry und Wally Ellenson verbindet etwas mit Marquette. Schon ihr Vater John Ellenson spielte von 1986 bis 1988 an der Marquette University Basketball. Und auch der dritte (mittlere) Bruder spielte College-Basketball, allerdings nicht in Marquette sondern an der Valley City State (NAIA). Das erste Freundschaftsspiel für Wally und Henry Ellenson spielten die Golden Eagles deshalb gegen ihren dritten Bruder.

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