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Paul Zipser: reif für den Sprung?

15.06.2016 || 10:57 Uhr von:
Paul Zipser gilt als eines der größten Talente des deutschen Basketballs. Nachdem er vergangenes Jahr noch aus dem Draft zurückzog, ist Zipser in diesem Jahr automatisch dabei. Reicht es für den großen Sprung?

Steckbrief

Name: Paul Zipser
Position: Flügelspieler
Alter: 22 Jahre
Verein: FC Bayern Basketball
Größe: 2,00 m
Gewicht: 94 kg

Man könnte meinen, Paul Zipser sei schon ein „alter Hase“ im deutschen Basketball, doch der Nationalspieler ist erst 22 Jahre alt. Dafür hat er schon stattliche 95 Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse auf dem Buckel. Die 100-Spiele-Schallmauer wäre wahrscheinlich längst durchbrochen, wenn dem Flügelspieler nicht die ein oder andere Verletzung dazwischengekommen wäre. „Ich habe ungefähr eineinhalb Jahre verloren“, sagt Zipser rückblickend.

Die ersten Schritte im Basketball machte Zipser in seiner Heimatstadt Heidelberg, wo er sich in der zweiten Bundesliga zum Leistungsträger entwickelt hatte. International machte der Zwei-Meter-Mann erstmals beim Albert-Schweizer-Turnier 2012 auf sich aufmerksam, als er mit der deutschen Auswahl ins Halbfinale einzog und letztlich sogar ins All-Tournament-Team gewählt wurde.

Stats_Zipser

Trotz einer langwierigen Sprunggelenksverletzung schloss sich Zipser im Januar 2013 dem aufstrebenden Projekt FC Bayern Basketball an. „Paul soll gesund werden und dann langsam Spielpraxis sammeln“, ließen die Münchner Verantwortlichen damals verlauten. So spielte Zipser 2013/14 überwiegend in der Regionalliga-Mannschaft des FC Bayern und sammelte gegen Ende der Saison immer mehr Einsätze in der Beko BBL und auch in der Euroleague.

Nach einer Knieverletzung im Playoff-Viertelfinale war die Saison zwar erneut vorzeitig beendet, doch „Paule“ erholte sich gut und erarbeitete sich in der Saison 2014/15 einen festen Platz in der Rotation von Svetislav Pesic. Als Lohn für die guten Leistungen nominierte ihn Bundestrainer Chris Fleming für die Heim-EM in Berlin, wo Zipser regelmäßig in der Statrtformation zu finden war. In der abgelaufenen Saison blieb der Forward verletzungsfrei und verdiente sich stets mehr Spielanteile beim FC Bayern.

Vor kurzem trat Zipser bei renommierten Eurocamp in Treviso an, wo er vollauf überzeugen konnte. Vor den Augen einiger NBA-Scouts durfte sich ‚Paule‘ am Ende über die MVP-Trophäe freuen.

Offense

Offensiv hat Zipser sein Repertoire in den letzten Jahren stetig erweitert. Wurde er zu Beginn seiner Zeit in München oft als Spot-up-Shooter eingesetzt, hat sich Zipsers Wurf aus dem Dribbling deutlich verbessert. Durch seinen schnellen ersten Schritt nutzt Zipser oft eine Wurffinte jenseits der Dreierlinie, nimmt ein bis zwei Dribblings und drückt dann aus der Mitteldistanz ab.

Sinkt der Verteidiger etwas ab, kann Zipser dank seiner enorm sauberen Wurftechnik auch jederzeit von Downtown abdrücken. Beim Zug zum Korb nutzt der 22-Jährige meist die rechte Hand, obwohl er auch seine linke Seite immer wieder gewinnbringend einsetzen kann. Generell ist beim Kreieren von eigenen Abschlüssen aber durchaus noch Luft nach oben, ebenso wie bei seinen Ballhandling-Skills.

„Die Atheltik gehört gewiss zu einer meiner Stärken“, sagt Zipser bescheiden. Durch eine gute Mischung aus Schnelligkeit und Sprungkraft hat der Flügelspieler viele Möglichkeit, im Offensivspiel positiv in Erscheinung zu treten. Zipser kann den Fastbreak mitlaufen, krachend per Dunking abschließen oder sich nach einem Fehlversuch den Offensivreound sichern.

Apropos Kreieren des eigenen Wurfs: Zipser besitzt nicht nur die Möglichkeiten, als Ballführer in Pick-and-Roll-Situationen eingesetzt zu werden, sondern kann dies auch als Blocksteller tun – denn immer wieder fand sich Zipser in der Offensive in Smallball-Formationen auch auf der Vier wieder.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass Zipser zwar nicht als Über-Scorer auffällt, dennoch über nahezu alle Möglichkeiten verfügt. Eher zeichnet er sich durch seine Effektivität im Offensivspiel aus. Zipser braucht nicht viele Würfe, um offensiv zu produzieren; seine guten Quoten von knapp 60 Prozent aus dem Zweierbereich und 43 Prozent aus dem Dreierbereich bestätigen diese These.

Defense

In der Verteidigung kann Zipser je nach Matchup die Positionen zwei bis vier verteidigen. „Ich muss in der Defense weiter an mir arbeiten“, erklärt Zipser bei muenchen.tv. „Ich hatte Probleme, Spieler vor mir zu halten, war zu hibbelig und wollte vielleicht zu viel.“ Unter Coach Pesic hat sich die Defensivarbeit zwar deutlich verbessert, doch wenn Zipser das große Ziel NBA ins Auge fassen möchte, muss er in der Verteidigungsarbeit gegen etwas kleinere und flinkere Spieler noch zulegen.

Ansonsten besticht Zipser in der Defense durch gute Shotblocking-Qualitäten. Auf Basis einer starken Antizipationsfähigkeit kann er den Wurf des Gegners oft verändern und so seinen Beitrag zu einer guten Teamdefense leisten. In der Post-Verteidigung fehlt Zipser ab und an die nötige Masse, um gegen den aufpostenden Spieler dagegenhalten zu können. Das ein oder andere Kilo dürfte wohl noch dazukommen, sollte Zipser im Draft gezogen werden.

Fazit

„Ich habe mir zum Ziel gesetzt, in der NBA zu spielen“, äußert sich Zipser durchaus selbstbewusst. Dennoch schränkt er im selben Atemzug seine Ambition beim diesjährigen Draft gleich wieder etwas ein. „Ich warte einfach ab, was geschieht. Sollte es diesen Sommer nicht klappen, wäre es auch kein Beinbruch.“

Paul Zipser hat ohne Zweifel das Potential, um in der NBA zu bestehen. Die Frage wird sein, ob beziehungsweise welches Team den Deutschen als passendes Puzzleteil in seinem Konzept sieht. In jedem Fall bringt Zipser einige Dinge mit, die für viele Teams interessant sein dürften: Größe, Atheltik, Wurf und Entwicklungspotential. Der Gewinn des MVP-Awards beim adidas Eurocamp dürften seine Draft-Chancen durchaus ein wenig verbessert haben.

Eine Prognose, ob und an welcher Stelle Zipser gezogen werden könnte, ist entsprechend schwierig. Will ihn ein Team unbedingt verpflichten, wäre sogar das Ende der ersten Runde möglich. Durchaus wahrscheinlicher erscheint allerdings eine Position Mitte der zweiten Runde. Ob der 22-Jährige dann direkt den Sprung über den großen Teich machen oder noch in Europa bleiben würde, scheint völlig offen. „Die NBA ist ein Traum, aber ich habe überhaupt kein Problem, wenn ich erstmal in München weiterspielen darf.“

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