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Domantas Sabonis: Wie der Vater, so der Sohn?

15.06.2016 || 15:11 Uhr von:
Im vergangenen Herbst ist Domantas Sabonis nach Gonzaga zurückgekehrt, um den nächsten Schritt in seiner Entwicklung und damit Richtung NBA zu machen. Doch ist der Litauer gut genug, um in der Lottery selektiert zu werden?

Kurzer Steckbrief

Name: Domantas Sabonis
Position: Big Man
College: Gonzaga
Alter: 20 (03.05.96)
Größe: 2,08 m
Gewicht: 108 kg
Armspannweite: 2,10 m

Nach einer guten ersten College-Saison hat sich Domantas Sabonis in Gonzaga weiter gesteigert und die Experten voll überzeugt. Der Sohn der litauischen Basketball-Legende und des früherem Portland Trail Blazer Arvydas Sabonis (521 NBA-Spiele) ist nun dabei, in die Fußstapfen des Vaters zu treten und ebenfalls bald in der besten Basketball-Liga der Welt zu spielen. In seiner zweiten NCAA-Saison übernahm er mehr Verantwortung und zeigte Abend für Abend sein großes Talent.

Offense

Das Markenzeichen von Sabonis im Angriff ist die Vielzahl an Post-Moves, die der Big Man beherrscht. Das Post-Up macht einen großen Anteil im Angriffsspiels des Litauers aus, wo er zu den effizientesten Spielern in der NCAA gehörte. Am häufigsten düpiert er seine Gegenspieler mit Pump-Fakes und Spin-Moves, womit er entweder hochprozentig und zum Teil spektakulär abschließt (71,9 FG% in direkter Ringnähe) oder eine Reihe von Fouls zieht (5,4 FTA). An der Freiwurflinie hat sich Sabonis in dieser Saison stark verbessert (von 66,4 auf 76,9 FT%). Des Weiteren trifft er auch den Jumphook sehr sicher, wie er im folgenden Clip unter Beweis stellt.

Sabonis schließt als Linkshänder meistens über die rechte Schulter ab, allerdings kann der Litauer auch mit rechts scoren. Dass der 20-Jährige seine Post-Moves schon so gut beherrscht, verdankt er zum einen seiner starken Fußarbeit und zum anderen der frühen Ausbildung in Europa. Darüber hinaus kommt ihm zugute, dass er in der letzten Saison fast drei Offensiv-Rebounds pro Spiel einsammelte, aus denen häufig einfache Punkte resultierten.

Neben seinem Spiel im Low-Post ist Sabonis auch nach Cuts und in Transition sehr effizient. So läuft er auch häufig den Fastbreak, um dort hochprozentig abzuschließen. Zudem ist er ein guter Dribbler und Ballhandler, was ihm erlaubt, im Face-up zu agieren und seinen Gegenspieler aus dem Dribbling heraus zu attackieren und auch zu schlagen. In der folgenden Sequenz geht Sabonis an seinem Gegenspieler vorbei und zieht per Euro-Step in die Zone.

Obwohl Sabonis in Gonzaga zumeist am Zonenrand angespielt wurde, zeigte er auch in seltenen Fällen, dass er ein guter Blocksteller und Abroller im Pick and Roll ist. Mit seinen Händen ist er auf dem Weg zum Korb in der Lage, den Ball mit beiden Händen zu fangen und im Korb zu versenken.

Eine Schwäche in Sabonis’ Offensivspiel ist der bislang fehlende Wurf aus der Distanz. In den 74 Spielen seiner College-Karriere nahm der Forward ganze 14 Versuche von Downtown, von denen er fünf getroffen hat – prototypische Stretch-Big sehen anders aus. Dabei traf der Bulldog-Akteur aus der Mitteldistanz recht solide. Nicht unerwähnt sollte jedoch bleiben, dass er bei vielen seiner Versuche auch komplett frei gelassen wurde. Im folgenden Video trifft Sabonis sowohl einen seiner seltenen Distanzwürfe als auch im Post-up.

Sabonis’ Spiel zeichnet sich aber auch durch ein für einen Spieler seiner Größe gutes Passspiel und eine hohe Spielintelligenz aus. Er besitzt eine gute Übersicht und löst Double-Team-Situationen im Low-Post oder im High-low schon sehr routiniert. Auch im Schnellangriff findet er häufig den Mitspieler. Seine Turnover-Rate von 16,0 Prozent ist trotzdem noch verbesserungswürdig.

Defense

Sabonis‘ größte Stärke ist das Rebounding (11,8 REB), wo er seine Größe klug einsetzt. Vor allem beim Fangen von Abpraller am eigenen Korb ist der Litauer sehr stark (28,2 DRB%). Der Sophomore hat ausgezeichnete Instinkte dafür, sich richtig zu positionieren und den Gegenspieler auszuboxen. Auch in der Post-Defense macht der Big Man auf College-Ebene einen ordentlichen Job, obwohl es ihm mit einer Armspannweite von lediglich 2,10 Metern schwer fällt, Würfe von großen Gegenspielern in Korbnähe zu verteidigen. Immerhin konnte er seine Prozentzahl an geblockten Würfen im Vergleich zur Vorsaison von 1,5 auf 2,7 steigern.

Auch am Perimeter kann Sabonis dank seiner Mobilität effizient verteidigen und bei Mitspielern aushelfen. Im Pick-and-Roll sinkt er entweder ab oder spielt das Hedge-and-Recover und schafft es auf diese Weise gut, seinen Gegenspieler am einfachen Korberfolg zu hindern (siehe nächstes Video).

In seltenen Fällen und nur für kurze Zeit ist er auch in der Lage, beim Blocken-und-Abrollen zu switchen. Um dies permanent effizient zu verteidigen, fehlt es ihm jedoch an der notwendigen Schnelligkeit. Selbst Spieler auf seiner Position kann er im Eins gegen Eins kaum stoppen, wie folgender Ausschnitt demonstriert.

Spielstil

Sabonis’ Rolle im Angriff war in der abgelaufenen NCAA-Saison größer als erwartet. Dies lag vor allem an der Verletzung von Center Przemek Karnowski. Nach dessen Ausfall ist die Spielzeit des Litauers deutlich gestiegen. So stand Sabonis seit Karnowskis Abwesenheit in beinahe jedem Spiel zwischen 30 und 35 Minuten auf dem Court. Zudem ist seine Usage-Rate von 21,5 in seiner Freshman-Saison auf 25,6 gestiegen.

Wie schon bei den offensiven Stärken angesprochen, charakterisiert vor allem das Spiel im Low-Post den Basketballer Sabonis. Der junge Nationalspieler positioniert sich dort frühzeitig und wartet auf Anspiele. Mit seiner Kraft und Balance schafft er es, sich am Zonenrand zu behaupten.

Abgesehen von seinen basketballerischen Fähigkeiten ist Sabonis ein Spieler, der mit vollem Einsatz zu Werke geht, was ihm beim Rebounding zu Gute kommt. Er scheut  nicht davor zurück, sich in Lose-Ball-Situationen dem Spielgerät hinterher zu schmeißen und hat keine Angst vor Kontakt. Diese aggressive Herangehensweise verhilft ihm in der Offensive einige Fouls zu ziehen; in der Defensive führt dies jedoch dazu, dass er häufig Fouls angehängt bekommt. Sehr oft reagiert Sabonis nach Calls irritiert und kann die Pfiffe gegen ihn nicht nachvollziehen. Es schien ganz so, als müsste sich der Litauer erst an die andere Foulauslegung in den USA gewöhnen. Im Laufe seiner Sophomore-Saison hatte Sabonis dies allerdings besser in den Griff bekommen und geriet trotz höherer Spielzeit als zu Saisonbeginn nur noch selten in Foulprobleme.

Sabonis ist auf dem Court ein sehr emotionaler Spieler, der nach spektakulären Szenen (Dunks, And-Ones etc.) seinen Gefühlen häufig freien Lauf lässt. Diese positive Energie überträgt er durch diese Aktionen auf das gesamte Team.

Fazit

Domantas Sabonis ist er ein überragender (Defensiv-)Rebounder und effizienter Scorer in Korbnähe. Mit seinen vielseitigen Post-Moves, dem guten Passspiel sowie seiner Spielintelligenz hat er einige Skills, die ihn zu einem der besten Big Men in der kommenden Talentziehung machen und es ihm erlauben, auf jedem Niveau offensiv bestehen zu können. Er hatte großen Anteil an der starken Bulldogs-Saison, was sich unter anderem daran messen lässt, dass Sabonis bei den „Win Shares“ unter den Top-10 der gesamten NCAA platziert war. Allerdings fehlt ihm (noch) der Distanzwurf und die Länge, um auch große Spieler am Perimeter oder unter dem Korb in Schach zu halten. Zudem ist seine Athletik nur durchschnittlich. Dies ändert jedoch nichts daran, dass Sabonis zu den besten Spielern der abgelaufenen College-Saison zählte.

Prognostizierte Draft-Range: Mid-First

Sabonis verfügt über eine Vielzahl von Fähigkeiten, die in der NBA gefragt sind. Im Angriff besteht allerdings noch das Manko, dass ihm bislang der Wurf aus der Distanz fehlt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich diesen in Zukunft aneignen wird. Bis dahin wird der Litauer aber wohl nur mit einem wurfstarken Center an seiner Seite funktionieren, der für Spacing sorgt – vor allem im Hinblick auf den Small-Ball-Trend. In Gonzaga hat er mit Kyle Wiltjer (43,7% von Downtown bei 5,7 Dreiern pro Spiel) den idealen Nebenmann, während in der NBA diese Spielertypen nur sehr selten zu finden sind.

In der Defense muss der 20-Jährige erst beweisen, dass er auf NBA-Niveau trotz seiner geringen Armspannweite Gegenspieler effizient verteidigen kann, die größer und besser sind als seine Kontrahenten auf College-Ebene. Ein Shotblocker wird er jedoch wohl nie werden. Zudem stellt sich die Frage nach der richtigen Position für Sabonis. Stand jetzt ist er in der Theorie für NBA-Verhältnisse mit seinen 2,08 Metern nicht groß genug, um auf Center zu spielen und eventuell nicht schnell genug, um auf der Vier zu spielen und Außenspieler und Schützen zu verteidigen.

Aufgrund dieser Fragezeichen kann sich der Litauer trotz seiner herausragenden Saison nicht sicher sein, in der Lottery gezogen zu werden. In die NBA wird es 20-Jährige wie einst sein Vater allerdings zweifellos schaffen. Es erscheint allerdings unwahrscheinlich, dass Sabonis die Qualitäten aufweisen wird, um in der modernen NBA als Starter zu funktionieren. Vielmehr scheint für ihn eine Rolle als Backup-Big prädestiniert, indem er von der Bank offensiv Akzente setzen kann und seine defensiven Schwächen gegen die zweite Garde des Gegners nicht so stark ins Gewicht fallen.

Mit überzeugenden Leistungen im NCAA-Tournament konnte Sabonis vor kurzem seinen Draft-Wert jedoch noch einmal deutlich steigern. Vor allem seine Dominanz im direkten Duell mit Jakob Pöltl, der immerhin als bester Center seines Jahrgangs gilt, hat bei den Beobachtern Eindruck hinterlassen. Sabonis war dem Österreicher in allen Belangen überlegen. Im Post resultierte aus nahezu jeder Ballberühung eine positive Aktion und auch defensiv gelang es dem Litauer mit seiner Härte, Pöltl wegzudrücken und kaum an den Ball kommen zu lassen. In dieser Begegnung konnte Sabonis eindrucksvoll beweisen, dass er sich trotz physischer Nachteile gegen Big Men auf NBA-Niveau behaupten kann.

Trivia

Nachdem Sabonis in den litauischen U-Nationalmannschaften schon Erfahrung bei FIBA-Turnieren sammeln konnte, folgte im letzten Herbst die erste Eurobasket-Teilnahme. Dabei kam er in vier Partien zum Einsatz und legte in 7,3 Minuten pro Spiel durchschnittlich drei Punkte bei 45,5 Prozent aus dem Feld und zwei Rebounds auf. Im Spiel gegen Belgien durfte der Big Man 16 Minuten aufs Parkett und erzielte zehn Punkte (4/6 FG) sowie vier Rebounds.

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