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Brice Johnson: Der perfekte Small-Ball-Center?

10.03.2016 || 14:59 Uhr von:
Brice Johnson von den North Carolina Tar Heels ist ein gefragter Spielertyp, in den nun dominierenden Small-Ball-Zeiten.

Name: Jonathan Brice Johnson
Position: Big Man
College: North Carolina
Größe: 2,08 m
Gewicht: 104 kg
Alter: 21
Armspannweite: 2,10 m

Brice Johnson ist nicht nur einer von 20 NCAA-Spielern, die sich für die Finalrunde des John R. Wooden Award qualifiziert haben, sondern ist ebenfalls einer von elf Spielern, die zur Debatte um den Oscar Robertson Award stehen.

Der Name dürfte vielen Experten bekannt sein. Der Rest wird ihn spätestens seit seinem Monsterspiel gegen Florida State kennen: 39 Punkte und 23 Rebounds erzielte der Forward aus Orangeburg, South Carolina gegen die Seminoles und ließ die gesamte Liga aufhorchen, mit welchen Ambitionen er an den Start geht. Rückblickend durchlief Johnson eine große Umwandlung; sowohl physisch als auch psychisch. Er legte in den vergangenen vier Jahren 20 Kilogramm Muskelmasse zu, wobei ihn Strength and Conditioning Coordinator Jonas Sahratian mit mehreren Textnachrichten am Tag an seine Extramahlzeiten erinnern musste. Das Resultat kann sich mit stolzen 104 Kilogramm Körpergewicht mehr als nur sehen lassen. Wo er früher noch aus der Zone geschubst wurde, dominiert der Big Man nun mit seinem bulligen Körper und punktet effektiver denn je in Korbnähe. Ihn jedoch als eindimensionalen „Zonenwühler“ abzustempeln wäre voreilig…

OFFENSE

Brice Johnsons Statistikwerte kennen nur eine Richtung: nach oben. In jeder erfassten Kategorie zauberte der Tar Heel mit der Nummer 11, über alle vier Jahre hinweg, bessere Werte hervor. Galt er in seiner Freshman-Saison noch als zu soft, um in der Zone zu dominieren und zu verliebt in seinen Wurf, straft er mittlerweile alle Kritiker lügen mit seinem rundum verbesserten Offensivarsenal. Mit zusätzlicher Körpermasse kann Johnson sowohl in unmittelbarer Korbnähe als auch von außerhalb der Zone erfolgreich abschließen. Hierbei bevorzugt er den Haken – oder Sprungwurf über seine linke Schulter, wobei er fast genauso effektiv mit der anderen Hand punkten kann. Meist nimmt er davor noch ein Powerdribbling zur Hilfe, um sich den nötigen Freiraum zu schaffen.

Sein Wurf ist für einen großen Spieler ausgesprochen sicher (61,6%) und seine Technik erlaubt es ihm, auch aus 6,5 Metern abzuschließen. Seine ausgeprägte Athletik ermöglicht es, die Lob-Anspiele seiner Mitspieler mit Wucht durch die Reuse zu dreschen. Falls der Pass zu ungenau kommt, ist er clever genug, nicht den hastigen Abschluss zu suchen, sondern nach Ballannahme mit mehr Balance zum Korb hochzusteigen.

In der Transition von Abwehr auf Angriff, das für North Carolina enorm wichtig ist, zeigt sich eine weitere Stärke von Brice Johnson. Er läuft den Break sehr gut und ist meist der erste Spieler in der gegnerischen Zone, wo er eine tiefe Position sucht. Aber auch als Trailer nach dem Einwurf kann er im North Carolina System durch den Secondary Break per Lob erfolgreich abschließen.

Seine Beinarbeit ist für seine Position sehr ausgereift und er etabliert mit ihr früh eine gute Lowpost Position, sodass er meistens gar kein Dribbling benötigt, um zu punkten. Desweiteren verfügt Johnson über ein gutes Näschen für den Abpraller, wobei ihm seine guten und schnellen Hände zur Hilfe kommen. Er kann problemlos den Rebound pflücken und im nächsten Moment pfeilschnell zum Wurf hochschnellen oder aber er vereint Rebound und Dunk in eine Aktion für einen krachenden Putback.

Er ist jedoch kein egoistischer Spieler, der sich Würfe oder Ballbesitze herausnimmt, sondern besitzt auch ein gutes Auge für seine Mitspieler, vom High Post zum Spieler in der Zone beispielsweise. Verbesserungsbedarf gibt es vor allem noch beim Dribbling außerhalb der Zone, beim Kreieren für sich selbst hinter der Dreipunktelinie sowie beim Dreier selbst. Wenn Johnson sich in diesen Aspekten verbessern würde, könnte er eine solide Option für einen Small-Ball-Center in der NBA sein.

DEFENSE

Brice Johnson ist ein herausragender Rebounder und Shotblocker. Dank seiner enormen Sprungkraft und seinen langen Armen ist es ihm ein leichtes, Fehlwürfe des Gegners zu greifen oder gegnerische Versuche in Korbnähe zu blocken. Während er in seiner Freshman-Saison noch zu oft verfrüht abhob und ein Foul kassierte, beweist er in seiner letzten Collegesaison, dass er geduldiger und cleverer im Timing für den Block geworden ist.

Außerdem versteht Johnson, wann er die Pässe des Gegners abfangen und den Schnellangriff initiieren kann und wann er den Pass zulässt und eine gute Verteidigungsposition einnimmt. Sein Stellungsspiel unter dem eigenen Korb und sein breiter Körper helfen ihm dabei, seinen Gegenspieler vom Brett fern zu halten. Er zeigt in den letzten Jahren enorme Lernbereitschaft bei der Help Defense. Hatte er sich früher zu sehr auf seinen direkten Gegenspieler versteift, sinkt Johnson nun in die Zone ab und kann bei Bedarf gegen Penetration helfen. Auch in der eigenen Zone helfen seine flinken Hände und seine Armspannweite, zum Beispiel in einer 1-3-1 Zone den Gegner durch ein Doppel zu stören oder ihn zu schlechten Pässen zu zwingen. In seinen beiden ersten Saisons beging Johnson in der Defensive zu viele dumme und unnötige Fouls, die ihn des öfteren vorzeitig auf der Bank Platz nehmen ließen.

In der laufenden Saison steht bei ihm nur eine Disqualifikation mit 5 Fouls auf der Habenseite, auch weil er zum einen bedachter agiert und zum anderen nun weiß, wann man einen Gegner passieren lassen muss. Ebenso bemängelten viele Scouts und sein eigener Coach, dass er zu langsam von Angriff auf Verteidigung umschalte: Beispielsweise nach einem erfolgreichen Dunking, wenn er eine Sekunde extra für eine Pose einnimmt anstatt nach hinten abzusichern. Dies hat Johnson in seinem letzten Jahr abgestellt und man sieht ein solches Verhalten nur noch sehr selten.

FAZIT

Brice Johnson hat die Anlage, um es auf das nächste Level zu bringen. Offensiv ist er ausgereift und variabel, versteift sich nicht auf einen bestimmten Aspekt seines Arsenals und kann auch per Sprungwurf scoren. Körperlich kann er durchaus gegen NBA-Spieler mithalten. Defensiv kann er sowohl die Zone beschützen, als auch beim Pick and Roll gegen einen schnelleren Gegenspieler für kurze Zeit aushelfen. Johnson ist ein engagierter Arbeiter, der hart an seinem Spiel feilt und stets das Ziel hat, sich zu verbessern. Schwankten seine Leistungen in seiner Freshman-Saison zu sehr, hat er diese Saison bis auf ein Spiel stets zweistellig gepunktet und in 19 von 31 Spielen erzielte er ebenfalls zweistellige Reboundergebnisse. Ein großes Plus dürfte seine Entwicklung als Freiwurfschütze sein: die Quote stieg von 58% auf 76% an, was ihn zu keinem Kandidaten für die Hack-a-XYZ Taktik macht.

PROGNOSTIZIERTE DRAFT-RANGE: Mitte/Ende 1st Round

An Johnsons Fähigkeiten gibt es kaum was auszusetzen. Doch warum erwarten ihn die Experten dann so weit hinten? Zum einen sind Senior-Spieler nicht gerade „sexy“ für NBA-Front Offices. Sie sind „alt“ und haben mit ihrer Entwicklung weitestgehend abgeschlossen. Der Raum für Verbesserung auf dem höchsten Level ist daher minimal. Viele Scouts zweifeln an Johnsons Motor und ob er über eine 82 Spiele dauernde Saison laufen kann. Ebenfalls ein Problem sind seine Emotionen. Er spielt mit viel Herz und Leidenschaft, kann aber auch schmollen, wenn es mal nicht so läuft. Athletisch und spielerisch kann Brice Johnson durchaus auf NBA-Niveau mithalten, auch wenn ein Dreipunktwurf wünschenswert wäre.

TRIVIA

Brice Johnson verlässt die University of North Carolina at Chapel Hill mit einem Abschluss in Trainings- und Sportwissenschaften. Ebenfalls interessant: Johnson war zweimaliger High School State Champion im Hochsprung und spielte ein Jahr als Wide Receiver Football an der Edisto High School, wo er letztendlich für das Basketballteam auflief; geleitet von seinem Vater. Er ist ein lockerer und witziger Typ, der gerne singt.

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