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Ratteldorf’s Finest

30.10.2008 || 00:00 Uhr von:

Als Boniface N’Dong 1999 in Deutschland ankam, sah der 2,12 Meter große Center noch nicht unbedingt aus wie ein Spieler, der eines Tages in der besten Basketball-Liga der Welt spielen würde. Der 21-Jährige Senegalese hatte gerade erst begonnen, sein Gewicht von 80 Kilogramm aus in die Höhe zu treiben, nachdem sein Plan, an ein US-College zu wechseln, gescheitert war.

B200810290218.jpgIn der senegalesischen Liga hat der talentierte Youngster keine echte Konkurrenz, was also tun? Amadou Fall, Afrika-Scout der Dallas Mavericks, gibt N’Dong den Rat, nach Deutschland zu wechseln, und so begann die Europakarriere des Afrikaners an dem Ort, der vielen deutschen Basketballfans nur als die Trainingshalle von Dirk Nowitzki und als Heimat von Steffen Hamann bekannt ist: in Rattelsdorf.

Die Basketball-Skills von N’Dong sorgen aber nicht sofort für Aufsehen zwischen Busendorf und Poppendorf (beides Stadtteile des ?Marktes? Rattelsdorf). Stattdessen muss sich der Center vier Jahre lang über die SpVgg Rattelsdorf und den TSV Tröster Breitengüßbach in das Team von TSK Bamberg kämpfen.

2002/03 ist es dann soweit: Dank überragender Statistiken (19,2 Punkte, 13,2 Rebounds und 2,8 Blocks pro Spiel) wird der Afrikaner zum Backup hinter Chris Ensminger befördert. Dem Mitteldeutschen BC schenkt er in 26 Minuten acht Punkte und acht Rebounds ein, gegen Bonn will keiner seiner vier Wurfversuche aus dem Feld in den Korb. Normale Rookie-Probleme für einen Spieler in seiner ersten Saison in einer europäischen Eliteliga, den der damalige Bamberger Head Coach Dirk Bauermann vor der Saison in höchsten Tönen gelobt hat: ?Ausschlaggebend [für seine Verpflichtung] ist hauptsächlich, dass es einen Spielertyp wie N’Dong in der Bundesliga nicht gibt und viele Mannschaften deshalb Probleme mit ihm bekommen werden. Er ist für seine Größe ungemein beweglich und blockt serienweise Würfe.?

Doch nur acht Spiele lang zeigt ?Boni?, wie die Fans ihn nennen, was er kann. 4,6 Punkte und 4,1 Rebounds pro Begegnung in gut einer Viertelstunde Spielzeit pro Partie stehen für ihn im Schnitt zu Buche, als ihn eine Knieverletzung für den Rest der Saison außer Gefecht setzt. Anstatt, wie prognostiziert, nur sechs bis acht Wochen auszufallen, kehrt N’Dong gar nicht mehr auf das BBL-Parkett zurück. Nach fünf Jahren in Franken verlässt der Afrikaner im Sommer 2003 Deutschland in Richtung Frankreich.

Aus der Chance, für Cholet Roanne zu spielen, wird wegen Problemen mit dem Visum nichts. Doch bereits wenige Wochen später tritt JDA Dijon an den Hünen heran. Für das Team aus der Stadt mit dem berühmten Senf explodiert N’Dong förmlich. Zunächst legt der Center in neun Spielen der Saison 2003/2004 11,8 PpG und 8,3 RpG auf. In der Folgesaison schraubt er seinen Punkteschnitt um weitere drei Zähler in die Höhe bei gleichbleibenden Rebound-Nummern und wird zum All-Star Game eingeladen. ?In Frankreich fühle ich mich zu Hause. Schon Französisch zu sprechen, ist natürlich wunderbar für mich?, erklärt N’Dong gegenüber FIBA Europe seine Verbesserung.

Die Leistungssteigerung ist auch den NBA-Scouts nicht unbemerkt geblieben. 2004 spielt der Senegalese an der Seite des ehemaligen Gießeners Reggie Bassette für die Dallas Mavericks in der Long Beach Pro League, kann aber nicht überzeugen.

Ein Jahr später aber, in Diensten der Denver Nuggets, überzeugt der Center den Trainerstab der Los Angeles Clippers und Coach Mike Dunleavy. Mit 28 Jahren debütiert N’Dong in der NBA. Die meiste Zeit hält der aus M’bour an der afrikanischen Atlantikküste stammende N’Dong die Bank für Spieler wie Chris Kaman und Zejlko Rebraca warm. Doch zumindest in 23 Spielen findet sich hinter ?N’Dong, Boniface? nicht das Kürzel ?DNP?, sondern durchschnittlich knapp sieben Minuten Einsatzzeit, die der Senegalese für 2,3 PpG und 1,7 RpG nutzt. Gegen die Dallas Mavericks darf er sogar starten, fischt sieben Rebounds und trifft zwei seiner acht Würfe für vier Punkte.

Zwischenzeitlich hat der Senegalese seine Stellung im afrikanischen Basketball eindrucksvoll unter Beweis gestellt: N’Dong führt die ?Löwen?, das Nationalteam seines Heimatlandes, auf den zweiten Platz bei den Afrikameisterschaften 2005 und wird für seine Leistungen mit dem Titel des wertvollsten Spielers ausgezeichnet. An den Weltmeisterschaften 2006 kann N’Dong wegen Kniebeschwerden aber nicht teilnehmen und muss am Fernseher verfolgen, wie sich das Team um seinen Vertreter DeSagana Diop in Japan schlägt.

Nach der Saison 2005/06 endet die NBA-Karriere von N’Dong vorerst. Im Dezember 2006 unterschreibt er beim russischen Topteam Spartak St. Petersburg. In der ehemaligen Hauptstadt des russischen Reiches erlebt der 2,12-Meter-Mann seine bis heute beste Saison im Profibasketball. Als einer von nur drei Ausländern im Team (die anderen beiden waren Kasib Powell, letzte Saison bei den Miami Heat, und Patrick Sparks, letztes Jahr bei den Giessen 46ers und den Walter Tigers Tübingen aktiv) dominiert der Athlet am Brett, schnappt sich knapp zehn Abpraller pro Spiel, netzt 15,4 PpG ein und verweigert Spiel für Spiel einem Wurf den Zugang zum Korb.

Im Heimspiel gegen Dynamo Moskau legt N’Dong 31 Punkte und 13 Rebounds (davon neun offensiv) auf, CSKA Moskau muss 15 und elf hinnehmen. Das scheint dem Hauptstadtclub eine Warnung gewesen zu sein; in der ersten Runde der Playoffs kümmern sich Tomas Van den Spiegel, David Andersen und Matjaz Smodis um den Senegalesen und lassen seinen Punkteschnitt um satte fünf Zähler nach unten fallen. Mit 0-3 verabschiedet sich Spartak aus den Playoffs, und auch Boniface N’Dong sagt ade. Aus dem kalten Russland zieht es den Wandervogel ins warme Malaga, wo ACB-Team und Euroleague-Teilnehmer Unicaja Malaga nach dem Ausfall von Center Daniel Santiago dringend einen Brettspieler für die erste Playoff-Runde gegen Tau Vitoria braucht. Zwar werden alle drei Partien deutlich verloren, jedoch fand Head Coach Sergio Scariolo Gefallen an N’Dong. Der Center unterschreibt bei den Spaniern einen Vertrag über ein Jahr mit einer Teamoption auf eine weitere Saison.

An der Seite von Ex-NBAler Marcus Haislip und den spanischen Nationalspielern Carlos Jiminez und Carlos Cabezas geht es für N’Dong auf und ab. Gegen TAU und Tiago Splitter dominiert N’Dong, lässt seinem Gegenüber keine Chance und stemmt sich mit 24 Punkten und elf Rebounds gegen die Niederlage. Gegen die Kellerkinder von Polaris World Murcia reicht es wenige Wochen später nur zu vier Punkten bei sechs Wurfversuchen aus dem Feld.

Auch in der Euroleague geht es auf und ab. Grandiose Partien wechseln sich mit mittelmäßigen Leistungen ab. Erst in den Playoffs kann N’Dong wieder restlos überzeugen. Real Madrid wird in der ersten Runde abgefertigt. Gegen Vitoria ist danach im Halbfinale Schluss. Dennoch ist das Management der Andalusier mit der Leistung des Centers zufrieden und zieht die Option.

Nach einem Trainerwechsel steht anstelle des Italieners Scariolo nun die spanische Basketball-Legende Aito Garcia Reneses an der Seitenlinie, der im Sommer noch das Nationalteam um Pau Gasol zu olympischem Silber gecoacht hatte.

Auch das hat Auswirkungen auf N’Dong: In der laufenden ACB-Saison fällt sein Punkteschnitt um fünf Zähler, bei einer deutlich verschlechterten Trefferquote. In der Euroleague zeigt N’Dong gegen Le Mans allerdings eine gute Partie, markiert 14 Punkte und holt sechs Rebounds. Unter dem Korb bildet der Senegalese, der auch einen deutschen Pass besitzt, ein Team mit Ex-Milwaukee Buck Marcus Haislip und dem Schotten Robert Archibald, der bereits bei DKV Joventut Badalona unter Garcia Reneses gespielt hat.

Aus Deutschland dürften die Augen bei den Spielen von Malaga aber weiter auf Boniface N’Dong gerichtet sein, bleibt der 2,12 Meter große Center doch noch immer der Basketballer aus Rattelsdorf, der es am weitesten geschafft hat ? Sorry Steffen.

Ratteldorf’s Finest
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bennhoe
bennhoe 30. Oktober 2008 um 22:50 Uhr

schöner artikel, wirklich guter spieler

nicoquanz
nicoquanz 1. November 2008 um 14:13 Uhr

ganz ehrlich wen interessiert dieser spieler…………. so ein artikel könnt ihr in der lokalren presse von rattenhauseb oder wie das kaff heißt drucken aber doch nicht hier………..

peterbieg
peterbieg 1. November 2008 um 14:51 Uhr

@nicoquanz

Dieser Artikel interessiert Menschen, die sich mit europäischem Basketball befassen. Selbst für einen „normalen“ BBL-Fan ist dieser Beitrag interessant, da er zeigt, wohin es einen in Deutschland groß gewordenen Spieler verschlagen hat. Es ist alles andere als gewöhnlich, dass ein Akteur (unter anderem) über die Stationen Senegal – Rattelsdorf – Bamberg in der höchsten europäischen Spielklasse landet. Außerdem soll diese Artikelserie (dieser Artikel bildet nur den Auftakt) den auf diesem Gebiet weniger belesenen Usern eine Möglichkeit bieten, Stars und Exoten in der Euroleague kennen zu lernen. So werden in den nächsten Wochen Dimitrios Diamantidis und Terrell McIntyre porträtiert und ersterer ist vielleicht selbst dir ein Begriff.

hornbrillo
hornbrillo 2. November 2008 um 19:24 Uhr

@nicoquanz
du musst ihn ja nicht lesen…
ich wohn in bamberg und hab ihn schon spielen gesehn bis er sich verletzt hat.
sehr guter spieler

tight
tight 4. November 2008 um 19:53 Uhr

Guter Artikel und eine gute Idee mal die Exoten näher vorzustellen.
Gerade in der Euroleague treiben sich so viele Ex-NBAler und ewige Talente rum über die man die eine oder andere interessante und wahrscheinlich auch erstaunliche Story schreiben kann.

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