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Die Fabel vom Fußkranken und dem Lahmen – FIBA vs. ULEB

22.07.2015 || 22:01 Uhr von:
Gerne hätte ich die neue europäische Saison mit einer schönen Geschichte eingeleitet. Mit Aussichten auf die spannende Euroleague-Saison, auch für die deutschen Teams, nachdem die Gruppenauslosung stattgefunden hat. ...

Gerne hätte ich die neue europäische Saison mit einer schönen Geschichte eingeleitet. Mit Aussichten auf die spannende Euroleague-Saison, auch für die deutschen Teams, nachdem die Gruppenauslosung stattgefunden hat. Aber die Kader sind noch nicht so komplett, sodass man eine Übersicht wagen könnte, und wir werden daher einmal auf den Boden der Tatsachen schauen. Da, wo der Basketball mit seinen luftigen Körben eigentlich weniger zu suchen hat, nämlich wo Lahme und Fußkranke mühsam versuchen, sich fortzubewegen und dabei dem anderen noch Beine stellen. Die Rede ist vom wieder aufflackernden Kampf zwischen FIBA und ULEB um die Euroleague und den Eurocup.


Ein alter Kampf

Seit jeher war die FIBA Europa für die Pokale der Landesmeister etc. verantwortlich, bevor sich im Jahre 2000 die großen europäischen Clubs aufmachten, eine eigene Institution zu gründen, die ULEB. Diese veranstaltet seitdem die beiden höchsten Wettbewerbe der europäischen Vereine, die Euroleague und den Eurocup. Im ersten Jahr noch in Konkurrenz zu einem Wettbewerb der FIBA, der dann aber 2001 eingestellt wurde. Angetreten mit dem ehrgeizigen Ziel, eine der NBA-ähnliche Liga zu entwickeln, kam das ULEB-Projekt aber nie wirklich zu einem wirtschaftlich guten und sportlich alle befriedigenden Gelingen. Die erhofften Einnahmen, vor allem durch Sponsoren- und Medienverträge, blieben aus und die Aufteilung in A-, B-, C-Lizenzen und Wildcards zog oft den Unmut der Ausgeschlossenen auf sich.

Die FIBA ihrerseits war nur noch mit den Nationalmannschaften präsent und veranstaltete die drittklassige EuroChallenge. Im Versuch, Basketball insgesamt präsenter zu machen, verfiel der seit 2002 herrschende Generalsekretär, Patrick Baumann, auf die Idee, die Nationalmannschaften nicht nur im Sommer spielen zu lassen, sondern, ähnlich wie im Fußball, auch während des übrigen Jahres Länderspiele zu veranstalten und dafür drei Zeitfenster zu reservieren. Ob damals schon im Hintergrund der Plan für eine Übernahme der Euroleague bestand, muss jeder für sich entscheiden. Möglich ist das schon.

Der Vorstoß der FIBA konnte aber eben nicht wie im Fußball funktionieren. Die NBA klinkte sich praktisch gleich aus, was zu dem verqueren Konstrukt führte, die europäischen Verbände zur Teilnahme zwingen zu wollen, ohne gegen die NBA irgendein Druckmittel zu haben. Natürlich wurde der Vorschlag Baumanns von den Clubs der ULEB postwendend abgelehnt, da man weder Termine dafür opfern noch die Verletzungsgefahr eingehen wollte. Das führte schließlich dazu, dass sich die FIBA Gedanken zur Übernahme der europäischen Vereinswettbewerbe machte und eigene Planungen anstellte, die zunächst dazu führten, dass in diesem Jahr ein dem Eurocup konkurrierender Cup mit 100 Teilnehmern aus 40 Ländern gegenüber stehen sollte. Das Lockmittel für die Clubs zum Aufgeben des Eurocups ist vor allem Geld. 3.000 € pro Heimspiel hat die FIBA versprochen, dazu gestaffelt Preisgelder für das Erreichen der höheren Spielrunden. Allerdings haben sich nur zwei Teams aus dem Kreis des Eurocups für den (noch unbekannten) FIBA-Cup entschieden: Juventus Utena aus Litauen (deren eigentlicher Grund wohl der war, dass sie im Eurocup ihre Heimspiele aufgrund zu kleiner Halle nicht in Utena hätten austragen können) und CEZ Nymburk, deren Vereinspräsident Miroslav Jansta gleichzeitig Chef des der FIBA unterstellten Landesverbandes ČBF ist.

Spiel mit Sprengstoff

Man kann also sagen, der Versuch der FIBA schlug fehl. Und jetzt, eine Woche vor der Auslosung des Wettbewerbs, ist das Teilnehmerfeld von 100 noch um einiges entfernt. Nun traf sich die FIBA mit einigen Mitgliedsverbänden, um wohl nochmal über die Dinge zu sprechen und Druck aufzubauen. Vermeldet wurde das von italienischen Medien, und man durfte dort lesen, dass „il segretario generale Patrick Baumann, forse nel tentativo di mettere pressione su qualche dirigente indeciso, avrebbe dichiarato che i club belgi sono pronti a lasciare le competizioni di Eurolega e che a seguire i club tedeschi e italiani (Brindisi, Reggio Emilia, Trento e Venezia) annunceranno la rinuncia all’Eurocup 2015-2016 a favore della nuova manifestazione istituita dalla FIBA.
„dass also der Generalsekretär Patrick Baumann, vielleicht im Versuch Druck auf unentschiedene Verbandschefs aufzubauen, erklärt hätte, dass die belgischen Clubs bereit seien, die Wettbewerbe der Euroliga zu verlassen und dass infolge die deutschen und italienischen Clubs den Verzicht auf den Eurocup 2015/2016 zugunsten des neu von der FIBA eingerichteten verkünden würden.“

Die italienischen Clubs seien bei der Konfrontation mit diesen Worten aus dem heiteren Himmel gefallen, bei den deutschen Vereinen (ALBA Berlin, Telekom Baskets Bonn und ratiopharm Ulm) wird es nicht anders gewesen sein. Bemerkenswert ist allerdings auch, dass weder die BBL als Mutterorganisation und entsprechend nach München eingeladene Vertretung noch die deutsche Presse bisher den Vorfall aufgriffen. Unter den Tisch kehren sollte man solche Dinge aber auch nicht, selbst wenn es nur ein Lippenbekenntnis ohne weitreichende Folgen sein wird (wie ein anderes italienische online-Magazin feststellte):

Dieser Artikel geht stärker darauf ein, welches Druckmittel die FIBA eigentlich hat, um doch noch zu ihrem Ziel zu gelangen: die Referees. Diese unterstehen den Ligaverbänden und hier kann man sich vorstellen, dass den Verbänden nahegelegt wird, ihren Schiedsrichtern zu untersagen, bei Spielen der Euroleague − unter Androhung ihrer Suspendierung auf Lebenszeit in ihrem Heimatverband − zu pfeifen. Das dürfte der nächstliegende Angriff sein. Die ULEB will sich dagegen mit einem eigenen Schiedsrichter-Pool und ihre Referees aus Veteranen (über 50 Jahre alt darf man als Schiedsrichter in den Verbänden nicht sein) rekrutieren.

Die ULEB wappnet sich ja auch sonst gegen die FIBA. Das größte Argument, dass sie hat, ist die Unabhängigkeit der Institution. Die Euroleague und der Eurocup gehören nämlich den Vereinen selber, eine Tatsache, die sich nur schwer mit der FIBA und deren Machtanspruch realisieren lässt. Es wird sich bald zeigen, wie stark der Zusammenhalt dort ist. Ab November hat die ULEB der FIBA wieder Gespräche angeboten. Für den Basketball in Europa wäre ein Dialog nur zu wünschen und vielleicht doch nach dem Vorbild des Fußballs ein gemeinsames Fortentwickeln, dort von FIFA und UEFA, hier von den beiden Lahmen und Fußkranken, den Institutionen ULEB und FIBA. Denn wenn sich Einbeinige unterhaken, kommen sie gesamt zweibeinig schneller ins Ziel.

Die Fabel vom Fußkranken und dem Lahmen – FIBA vs. ULEB
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23. Juli 2015 um 11:11 Uhr

Hallo AJ-Berlin,

danke für die gute Zusammenfassung. Bei einigen Punkten komme ich allerdings zu anderen Auffassungen. Ich zähl es einfach mal auf in der Reihenfolge oben im Artikel:

– Die 100 Teams aus 40 Ländern sind ja nicht das konkrete Ziel für dieses Jahr. Stell Dir vor, dass die FIBA siegt und es wirklich nur noch ihre beiden Teamwettbewerbe gibt. Dann würde das nur bedeuten, dass ein Irländisches oder sonstwie komische Team an einer vorgeschalten, ersten Pokalrunde teilnehmen könnte. Wahrscheinlich also gegen Teams wie den siebten aus Deutschland oder den fünften aus Belgien. Ich finde, diese Perspektive kann man den schwächeren Ligen/Verbänden aus Europa ruhig geben. Das hört sich dann schon nicht mehr so lächerlich an, wie 100 Teams aus 40 Ländern im dritthöchsten Wettbewerb. Es hat natürlich den Haken, dass es nicht so bald so sein wird.

– Das Druckmittel Schiedsrichter sehe ich nächste Saison noch nicht in der Euroleague, sondern lediglich im Eurocup. Der Konkurrenzwettbewerb zur EL wurde ja noch nicht gelauncht. Zudem müssten Schiedsrichtern dann um die nationale Zulassung bangen, weil sie Podgorica gegen Brindisi oder so pfeiffen. Da dürfte die Hemmschwelle um einiges höher sein und die ULEB für weniger tiefer in die Tasche greifen.

– Die Druckmittel auf Nationalspieler, die an solchen Spielen teilnehmen, fehlen.

– Ebenso fehlen Druckmittel auf Teams, die irgendwelche Rückstände gegenüber der FIBA oder im Rahmen der FIBA-Justiz haben oder sonstige Verfehlungen begangen haben.

– Welche Druckmittel haben die nationalen Verbände? Humpty Dumpty Ingo Weiss dürfte da ja nur ein Prachtexemplar unter vielen sein.

Grundsätzlich finde ich das neue Modell an sich gar nicht so schlecht. Wenn es nicht ausgerechnet von der FIBA käme… Vielleicht läßt sich durch den Druck ja die ULEB zu dringend notwendigen Reformen hinreißen. Dass die FIBA dagegen bereit ist, bei der Souveränität der Clubs und Ligen die für eine gütliche Einigung notwendigen Kompromisse einzugehen, kann ich selbst bei gekünsteltem Optimismus nicht vorstellen.

(irgendwie ist das wie Alba gegen Bayern die Daumen zu drücken. *duckundwech*)

    A-J-Berlin
    A-J-Berlin 23. Juli 2015 um 13:18 Uhr

    Hallo ScheSche,

    danke für den Kommentar, der einige wichtige Punkte enthält. Allerdings hat die FIBA selber die 100er Liga für die Spielzeit 2015/16 bereits ausgerufen ( http://www.fibaeurope.com/season_2015.coid_CZeceN8pG,2b-CaAGL1dh0.articleMode_on.html ), was ihr ja auch zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Denn nach meinen Zählungen sind bisher 50 Clubs zu einer Teilnahme bereit. Allerdings hat man aus einigen Ländern noch kein Medienecho vernommen, sodaß die 100 vielleicht noch erreicht werden. Zu den Clubs, die sich angemeldet haben, gehören so skurile Vereine wie Zweit- und Drittligisten aus Italien, sowie die halbe lithauische erste Liga und ein Castingclub aus Irland. Da bin ich auf die Auslosung nächste Woche gespannt.

    Sehr gut sind Deine Bemerkungen zu den Druckmitteln, auf die ich im Text nicht explizit eingegangen bin.

    Das Problem mit dem neuen Modell ist dennoch, dass es wieder nur ein halb gares ist. Der 100er-Wettbewerb als einzige europäische Liga hätte tatsächlich vieles für sich. Als zweiter Wettbewerb dürfte er immer medial und vom Zuschauerinteresse unterrepräsentiert sein. Und was die Kompromissbereitschaft angeht, bin ich ganz bei Dir. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt…

23. Juli 2015 um 15:46 Uhr

Den Artikel kenne ich. Für mich ist das „up to 100“ wesentlich. So lange 64 Teams zusammen kommen, kann die FIBA ihn ohne Abstriche durchführen. Und zumindest theoretisch muss die FIBA dabei Plätze für Wechsler aus der ULEB freihalten. Was wohl passiert, wenn einige Verbände Teams gegen ihren Willen melden?

    A-J-Berlin
    A-J-Berlin 23. Juli 2015 um 17:10 Uhr

    Durchführen wird die FIBA den Wettbewerb sicherlich, denn sie hatte ja auch schon die Eurochallenge übernommen, und da waren sogar nur 32 Teams geplant. Die 100 sind kein Ausschließlichkeitskriterium. 64 sind eine realistische Zahl. Zur Frage der Meldung durch Verbände: der Gedanke schwirrte mir auch einmal kurz durch den Kopf, da bleibt die Aussage der FIBA sehr schwammig: „All National Member Federations are committed to register their teams to this competition and to work with their leagues (where needed) to achieve this.“ Hoffen wir mal, dass das nicht passiert.

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