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Das Gleichnis vom Spinat und der Konzentration

25.10.2016 || 17:28 Uhr von:
Andrea Trinchieri
Nicht erst seit dieser Saison gilt Andrea Trinchieri als eine der speziellsten Persönlichkeiten im deutschen Basketball. Viele seiner Aussagen sind quasi Kult, basieren jedoch so gut wie immer auf den tiefgründigen Gedankengängen des Bamberger Trainers.

Welche Verbindung gibt es zwischen Spinat und Panathinaikos Superfoods Athen, dem nächsten Euroleague-Gegner von Brose Bamberg? Bis auf die grüne Farbe und den Namenssponsor Superfoods, kommt einem auf diese Frage im ersten Moment wohl keine passende Antwort in den Sinn. Doch Bambergs Trainer, der seine Gedanken oftmals in Metaphern und basketball-philosphischen Aussagen verpackt, konstruierte nach dem knappen 83:77 Heimerfolg gegen die EWE Baskets Oldenburg einen spannenden Vergleich zwischen Konzentration und dem gesunden grünen Gemüse (Trinchieri beginnt bei 18:00).

„Die Sache mit der Konzentration innerhalb meiner Mannschaft ist manchmal vergleichbar mit der Situation die entsteht, wenn ich meinem Sohn eine schöne Portion Spinat vorsetzen muss. Ich erkläre ihm, dass es gut für seine Gesundheit ist, Spinat zu essen. Mein Sohn wird 20 Minuten lang auf den Spinat starren, bis ich es aufgebe ihn davon überzeugen zu wollen diesen auch tatsächlich zu essen. Konzentration ist für die Ziele die wir als Mannschaft anstreben zwingend notwendig. Wir können nicht ohne sie spielen. Bei meinem Sohn kann ich aufgeben ihm den Wert von Spinat zu vermitteln, bei meinen Spielern und der Konzentration werde ich dies nicht tun!“

APPELL AN DIE FANS

Überhaupt zeigt sich Trinchieri in der bisher anspruchsvollsten Woche der Bamberger-Saison von seiner emotionalen aber auch nachdenklichen Seite. Bereits nach dem ersten Euroleague-Heimspiel und knappen Erfolg gegen Unics Kazan appellierte der „italienische Vulkan“ an die Erwartungshaltung und Unterstützung der Fans. „Ich glaube jeder, und wenn ich sage jeder, meine ich damit auch unsere großartigen Fans — sollten hungrig bleiben. Ich hatte das Gefühl, dass wir zu Beginn des Spiels schlecht spielten — und alle waren enttäuscht!“

Die fast schon sorgenvolle Ansprache des Head Coachs war durchaus nachvollziehbar. Gerade zu Beginn der Partie wich die fantastische Unterstützung der vergangenen Euroleague-Saison einem bei vielen Aktionen auftretenden enttäuschtem Raunen des Publikums. Auch Trinchieri merkte, dass diese Stimmung für seine eh schon etwas verunsicherte Mannschaft nicht gerade hilfreich war. Im Anschluss an die Partie richtete er deshalb ein paar Worte an die Fans:

„Leute, seid enttäuscht nach dem Spiel! Das sind die besten 16 Teams aus ganz Europa! Es ist schwer, jedes Mal! Es ist ein Albtraum, jedes Mal! Wenn wir denken, dass wir besser sind, werden wir scheitern.“

Natürlich ist aufgrund der vergangenen Saison die Erwartungshaltung gerade in der Euroleague gestiegen. Schnell vergisst man dabei jedoch über welche Qualität auch die vermeintlich „kleineren“ Namen verfügen. Von den ersten 16 Spielen des neuen Formats, wurden neun Spielen mit vier oder weniger Punkten Differenz entschieden. In lediglich drei Partien gelang es einer Mannschaft mit mehr als zehn Punkten Unterschied zu gewinnen. Um es in den Worten Trinchieris anzudrücken: Die Euroleague ist für Brose Bamberg auch in diesem Jahr ein Albtraum, in dem die Mannschaft in jedem Spiel an die Leistungsgrenze gehen muss.

SCHWERE AUFGABE GEGEN SUPERFOODS ATHEN

Das nächste Heimspiel in der Euroleague gegen den griechischen Vertreter Panathinaikos Superfoods Athen wird Brose Bamberg vor die womöglich bisher schwierigste Aufgabe der Saison stellen. Die Titelsammlung von Panathinaikos spricht dabei für sich. 34 griechische Meisterschaften, 17 griechische Pokalsiege und sechs Titel in der Euroleague (zuletzt 2011) konnte der Traditionsverein aus der griechischen Hauptstadt in seiner langjährigen Geschichte feiern.

Bereits früh in der Saison veränderte sich jedoch die Trainer-Situation. Nach einer Niederlage in der heimischen Liga gegen den Erzrivalen Olympiacos Piräus nahm Argyris Pedoulakis seinen Hut und stellte sein Amt zur Verfügung. Auf Pedoulakis folgt nun Xavi Pascual, der letzte Saison beim FC Barcelona das Amt des Cheftrainers bekleidete. Im Jahr 2010 führte Pascual Barcelona zum Euroleague-Titel.

Auch der diesjährige Kader ist rein nominell in jedem Falle als heißer Anwärter für einen Platz unter den ersten sechs der regulären Euroleague-Saison. Auch die Tiefe der Mannschaft ist beeindruckend. Neben neun griechischen, stehen sechs amerikanische Spieler im Kader von Athen.

In den ersten beiden Spielen war der NBA-erfahrene Grieche Nick Calathes mit 11,5 Punkten neben Nikos Pappas bester Werfer. Pappas kratzte bei der 77:81 Niederlage gegen CSKA Moskau mit 10 Punkten 9 Rebounds und 8 Assists sogar an einem Triple Double.

Doch auch die amerikanischen Spieler Chris SingletonK.C. RiversMike JamesDemetris Nichols und James Gist, gehören längst zu den etablierten Stars des europäischen Basketballs. Kombiniert mit den griechischen Basketball-Legenden Ioannis Bourousis und Antonis Fotsis wird Athen insgesamt 10 Stars des europäischen Basketballs in der Brose Arena aufs Parkett schicken.

DIE KONZENTRATION ALS SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG

Dass Brose Bamberg in der Lage ist auch gegen schier übermächtige Gegner Erfolge zu feiern, hat die Mannschaft in der vergangenen Saison eindrucksvoll bewiesen. Man denke an die Siege über CSKA Moskau oder den FC Barcelona. Es wird wohl vor allem auf die mentale Verfassung der Bamberger ankommen. Die spielerische Klasse der Mannschaft ist unumstritten, jedoch muss das Team in der Lage sein trotz der Masse an Spielen in kürzester Zeit, zu jeder Partie die richtige mentale Einstellung zu finden.

Noch scheint Andrea Trinchieri die richtigen Lösungsansätze zu finden, damit die Spieler das von ihm geforderte Maß an Konzentration in jedem Spiel abrufen können. Wer Trinchieri kennt, weiß dass er solange mit seiner Mannschaft arbeiten wird, bis er auch mit der mentalen Leistung seiner Spieler zufrieden ist. Ob er es bis dahin auch das „Spinat-Problem“ lösen kann, ist eine andere Geschichte.

Das Gleichnis vom Spinat und der Konzentration
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