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Finale: Folgt die nächste Wilbekin-Gala gegen die Ungeschlagenen?

09.04.2018 || 11:24 Uhr von:
EuroCup, Scottie Wilbekin
Ab Dienstag (19 Uhr, live bei Telekom Sport) erreicht die EuroCup-Saison ihren Höhepunkt. In der Finalserie zwischen Lokomotiv Kuban und Darüssafaka Istanbul treffen zwar keine deutschen Teams aufeinander, dafür kann sich der gemeine Basketballfan auf einige bekannte Namen freuen.

Gleichbedeutend mit dem EuroCup-Sieg ist auch das Startplatzrecht für die kommende EuroLeague-Saison. Für beide Mannschaften steht also viel auf dem Spiel.

Lokomotiv Kuban Krasnodar: viel Variabilität und Frank Elegars Durchbruch

Für die Saison 2008/2009 verpflichteten die Eisbären Bremerhaven einen Rookie vom College. Sein Name: Frank Elegar. Was er letztlich bei den Eisbären leistete: abgesehen von einigen Highlight-Dunks mehr oder weniger nicht der Rede wert. Er war Teil der bis dato schwächsten Spielzeit in der Bundesliga-Geschichte von Bremerhaven. Sieben Siege bei 27 Niederlagen und die rote Laterne standen für die Eisbären am Ende der Saison zu Buche. Nur dank einer Wildcard erhielten die Küstenstädter die Klasse. Elegars Ausbeute war mit im Schnitt 8,3 Punkten und 5,0 Rebounds pro Partie gerade für einen Rookie solide, jedoch war sein Team in jener BBL-Saison teilweise kaum konkurrenzfähig. Das Saisonende verpasste Elegar, der zuvor bereits in der Rotation nach hinten rutschte, aufgrund eines Teilrisses der Patellarsehne. Solide Leistungen beim abgeschlagenen Letzten, mit 22 Jahren schon schwer am Knie verletzt – die Vorzeichen für eine erfolgreiche Profikarriere standen denkbar schlecht.

Nach seiner Zeit in Bremerhaven wechselte Frank Elegar zu einem Aufsteiger in die erste türkische Liga, wo er mit Bornova Belediyesi überraschenderweise die Playoffs erreichte. Von da an rief der Nationalspieler der US-amerikanischen Jungferninseln bei Stationen in Frankreich, Griechenland, Estland (VTB League) und Russland stets sehr solide Leistungen bei konstant etwa zehn Punkten und fünf Rebounds pro Partie ab. Im Jahr 2015 verpflichtete ihn sogar das europäische Spitzenteam Olimpia Mailand für den Saison-Schlussspurt. Dort spielte er allerdings nur eine recht kleine Rolle in der Rotation.

Seinen absoluten Durchbruch schaffte der ehemalige Bremerhavener mit nun 31 Jahren in dieser Saison in Diensten von EuroCup-Finalteilnehmer Lokomotiv Kuban. In dieser Saison avancierte der von VTB-Konkurrent Enisey Krasnoyarsk gekommene Elegar vor Spielern wie Kyle Hines oder Othello Hunter (beide CSKA Moskau) zum Starting-Center der ausländischen Auswahl beim All-Star Game der VTB-League. Zuletzt wurde er zudem ins All-Second-Team des EuroCups gewählt.

Mit seinen athletischen Abrollbewegungen im Pick-and-Roll, seinen Sprungqualitäten und seinen schnellen Beinen in der Verteidigung passt Elegar heutzutage sehr gut in den internationalen Basketball, der viel mehr als noch 2009 auf Pick-and-Roll ausgelegt ist. Deshalb ist Elegar heute der ideale moderne Center und für manche einer der besten Center Europas.

Hocheffizientes Pick-and-Roll

Mit seinen Pick-and-Roll-Qualitäten passt der Modellathlet auch ideal in den Basketball von Lokomotiv Kuban, der Mannschaft von ALBA-Legende Sasa Obradovic. Frank Elegar (~21 Minuten, 10,3 Punkte, 6,4 Rebounds pro Spiel, 71,4 % Zweierquote) kann das Pick-and-Roll manchmal mit drei Spielmachern laufen, die teilweise gleichzeitig auf dem Parkett stehen. Auch der Ex-Oldenburger Brian Qvale (~16,5 Minuten, 8,1 Punkte, 3,5 Rebounds, 62,9 % Zweiterquote) profitiert vom talentierten Backcourt der Russen und lässt gleichzeitig wiederum seinerseits seinen Backcourt profitieren.

Das kreative Trio: Ragland, Kulagin, Collins

Für kreative Momente sorgen allen voran Point Forward Mardy Collins (~24 Minuten, 9,9 Punkte, 4,0 Rebounds, 3,5 Assists) und das russische Talent Dmitry Kulagin (~24 Minuten, 11 Punkte, 3,2 Rebounds, 3,8 Assists). Beide Akteure kommen für nominelle Außenspieler auf hohe Assistwerte, weil sie im Dribbling über die Qualitäten von Point Guards verfügen und dementsprechend auch immer wieder den Spieleraufbau übernehmen. Der 25-jährige Dmitry Kulagin spielte in den vergangenen Jahren eine kleine Rolle für Ex-EuroLeague-Sieger CSKA Moskau. Unter Krasnodars Trainer Sasa Obradovic erhalten die einzelnen Spieler in der Offensive viele Freiheiten. Dadurch kann Kulagin nicht nur seinen sehr ordentlichen Wurf, sondern auch seine überragende Athletik ausspielen. Gut möglich, dass Kulagin, der zum besten Shooting Guard des EuroCups ausgezeichnet wurde, in den kommenden Jahren nach etwas Anlaufzeit noch zu einem der ganz großen Spieler im europäischen Basketball wird. Sein Manko noch: Mit 2,6 Ballverlusten pro Partie gehört der russische Nationalspieler zu den in dieser Kategorie anfälligeren Spielern im Wettbewerb.

Mardy Collins ist ähnlich wie Kulagin ein mit dem Ball sehr talentierter Spieler, der anders als sein russischer Teamkollege Schwächen im Wurf (17,1 % Dreierquote) aufweist, dafür aber über ein starkes Spiel mit dem Rücken zum Korb verfügt. Collins ist ein waschechter Globetrotter. Nach vier Jahren in der NBA (von 2006 bis 2010) wechselte der jetzt 33-Jährige fast jedes Jahr den Klub. Im Jahr 2016 avancierte der kräftige Filigrantechniker in Diensten von Strasbourg zum EuroCup-Vizemeister.

Der dritte Kreativtechniker im Bunde ist Joe Ragland. Der US-Amerikaner profitiert dabei sehr von den Spielmacher-Qualitäten von Kulagin und Collins. Joe Ragland gehört seit Jahren zu den besten Scorern der italienischen Liga, schaffte aber bei der nominellen größten Hausnummer in seiner Vita, Olimpia Mailand, vor wenigen Jahren nicht den bahnbrechenden Durchbruch. In Obradovics variablem Backcourt kann der pfeilschnelle und wurfstarke Ragland (~24 Minuten, 11,4 Punkte, 4,1 Assists, 1,5 Ballverluste) seine Stärken im Fastbreak und auch abseits des Balles ausspielen und hat anders als bei vorherigen Stationen nicht so viel Druck in der Spielorganisation.

Außerdem zu erwähnen sind Ex-Ulmer und Dreierspezialist Chris Babb (~22,5 Minuten, 8,3 Punkte), Verteidigungsminister und Floor General Dmitry Khvostov (~14,5 Minuten, 2,9 Punkte, 41,9 % Dreierquote) sowie der kräftige und wurfstarke Guard Trevor Lacey (~21 Minuten, 9,2 Punkte, 2,8 Assists, 48,7 % Dreierquote, 62,5 % Zweierquote).

20:0 – Steckenpferd Verteidigung oder auch: Steckenpferd alles

Obwohl Krasnodar einen recht schnellen Offensivbasketball bevorzugt, zeichnet sich die Mannschaft von Sasa Obradovic auch durch aggressive Verteidigung aus. Kuban verteidigt zwar nicht derart aggressiv wie ALBA Berlin in besten Zeiten unter Obradovic, hat aber vor allem mit Dmitry Khovstov oder auch Dmitry Kulagin sehr giftige Verteidiger. Das Team kassiert die wenigsten Punkte im Wettbewerb (68,7) und gehört auch zu den besten Reboundmannschaften. Auch was selbst erzielte Punkte betrifft, rangiert Kuban unter den ersten drei Teams. Nicht umsonst ist Krasnodar, hinter Moskau, Kazan und St. Petersburg Vierter der VTB League, nach zwanzig EuroCup-Partien immer noch ungeschlagen und der Favorit in der Finalserie gegen Darüssafaka Istanbul.

Bitter: der Ausfall von Ryan Broeckhoff

Trotz der Vielzahl von bereits genannten Stars im Kader ist Ryan Broeckhoff (~26,5 Minuten, 12,3 Punkte, 5,5 Rebounds, 50,5 % Dreierquote, 66,7 % Zweierquote) vielleicht der MVP der Russen. Der Power Forward gehört zu den besten Werfern und Offensivreboundern im EuroCup und ist der Topscorer von Kuban. Aufgrund einer Daumenverletzung, die er sich Anfang März zuzog, wird NBA-Kandidat Broeckhoff, der 2016 schon mit Kuban das Euroleague-Final-Four erreichte, die Finalserie wahrscheinlich verpassen.

Der Kader von Lokomotiv Kuban Krasnodar

PG: Khvostov —PG—, Ragland —PG/SG—
SG: Kulagin —SG/PG(/SF)—, Lacy —SG—, Baburin —SG(/SF)—
SF: Collins —SF/PF (Point Forward)—, Babb  —SF(/SG)—
PF: Antipov —PF(/C)—, Ilnitskiy —SF/PF—, Ivlev  —C/PF—
C: Qvale —C—, Elegar —C—

Ergänzungsspieler: Gerasimov —PG/SG—, Leshvin —SF(/PF)—, Nelyubov —C—
Verletzt: Broeckhoff —PF/SF— (Rolle: Spieler mit den meisten Minuten im Kader, „Stretch Four“)

Darüssafaka Istanbul: Klares Rollenverständnis und ein überragender Scottie Wilbekin

Krasnodars Gegner in der „Best-of-three“-Finalserie ist vielen deutschen Basketballfans nicht unbekannt. Darüssafaka Istanbul (hier gibt es eine ausführliches Porträt zum Klub) eliminierte im Halbfinale den FC Bayern München in zwei Spielen. Vor allem Scottie Wilbekin (~31,5 Minuten, 18,1 Punkte, 5,1 Assists, 1,8 Ballverluste, 41,9 % Dreierquote), inzwischen zum MVP des EuroCups gekürt, spielt eine überragende Saison.

Die junge Mannschaft (Altersschnitt: 24,8 Jahre) von Startrainer David Blatt ist auf dem Papier der Underdog in der kommenden Finalserie, verfügt aber durch den kompletten Kader über eine enorme Rollendisziplin. In Spiel zwei gegen Bayern legte Wilbekin zwar 41 Punkte auf, aber auch andere Spieler übernahmen wichtige Rollen in jener Partie. Howard Sant-Roos (~29 Minuten, 8,7 Punkte, 4,2 Punkte, 4,0 Assists) spielte eine starke Verteidigung gegen Bayerns Reggie Redding und setzte im Pick-and-Roll immer wieder Akzente. Der ehemalige Braunschweiger ProB-Spieler spielt mit hoher Athletik und Aufopferungsbereitschaft. So spielte der Kubaner gegen Bayern eine gute Serie, obwohl noch wenige Tage vorher sein Vater gestorben war.

Abgesehen von Wilbekin und Sant-Roos setzte Combo Guard Kartal Özmizrak (~11 Minuten, 3,7 Punkte, 1,6 Rebounds) mit einem wichtigen Dreier und einer starken Verteidigungsleistung Nadelstiche. Spiel eins der Halbfinalserie gegen Bayern entschied mit dem ehemaligen Tübinger Stanton Kidd (~16,5 Minuten, 5,3 Punkte) zudem ein weiterer Rollenspieler mit einem Dreier kurz vor Schluss.

Die Türken können bis auf Position elf rotieren und Spieler bringen, die an manchen Tagen entscheidend sein können.

Große Abhängigkeit von einem Trio

Dennoch ist Darüssafaka deutlich mehr von Einzelspielern abhängig als Gegner Krasnodar – gerade nach dem Ausfall von Dreier- und Verteidigungsspezialist James Bell (~23 Minuten, 8,8 Punkte, 3,6 Rebounds). Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Trio aus Scottie Wilbekin, Howard Sant-Roos und Power Forward J.J. Johnson (~31,5 Minuten, 14,6 Punkte, 6,1 Rebounds, 31,4 % Dreierquote) in jedem Spiel auf Topniveau agieren muss, wenn Darüssafaka gegen den noch ungeschlagenen Gegner aus Krasnodar eine Siegchance haben möchte. Der athletische und im Wurf ordentliche Johnson könnte davon profitieren, dass Krasnodars Power Forward Ryan Broeckhoff wahrscheinlich fehlen wird. Auch Darüssafakas athletischer 2,10-Meter-Koloss Micheal Eric (~19 Minuten, 8,3 Punkte, 6 Rebounds, 0,6 Blocks) kann an guten Tagen ein ausschlaggebender Faktor sein.

Interessant wird es sein, ob es den Türken gelingt, das Tempo zu kontrollieren. Das Team von David Blatt zeichnet sich durch eine starke Verteidigung im Halbfeld sowie durch ein kontrolliertes Angriffsspiel mit Freiheiten für die genannten Einzelkönner in der Offensive aus. In der Halbfinalpartie in München leistete sich Darüssafaka fast rekordverdächtige drei mickrige Ballverluste

Der Kader von Darüssafaka Istanbul

PG: Wilbekin —PG(/SG)—, Cummings —PG/SG—
SG: Sant-Roos —SG(/SF)—, Özmizrak —SG/PG—, Özdemiroglu —SG(/SF)—
SF: Baygül —SF—, Ulubay —SF/SG—
PF: Johnson —PF(/C)—, Kidd —PF/SF—
C: Eric —C—, Aldemir —C/PF—

Ergänzungsspieler: Kosut —C—
Verletzt: James Bell —SF— (Rolle: Starting-SF, einer der besten Dreierschützen und Verteidiger im Team)

Fazit: Kuban mit mehr Tiefe und Variabilität

Fans des europäischen Basketballs können sich auf eine Serie freuen, in die Lokomotiv Kuban als recht klarer Favorit ins Rennen geht. Die Mannschaft von Sasa Obradovic verfügt über herausragende Spielmacher auf den Positionen Eins bis Drei und ist in der Lage, schnelle und kraftvolle Läufe zu starten. Darüssafaka sollte darauf bedacht sein, das Tempo gering zu halten.

Ein Makel für Lokomotiv Kuban könnte der Ausfall von Ryan Broeckhoff sein. Ohne ihn muss Obradovic wahrscheinlich über große Strecken mit Small Forward Mardy Collins (1,96 Meter) auf der Position Vier operieren. Auf dieser Position wiederum verfügt Darüssafaka mit J.J. Johnson über einen ihrer stärksten Spieler. Für einen Sieg in der Serie brauchen die Türken wahrscheinlich einmal mehr Ausnahmeleistungen von EuroCup-MVP Scottie Wilbekin.

Spieltermine (Alle Begegnungen live bei Telekom Sport)

Di., 10. April, 19 Uhr: Lokomotiv Kuban Krasnodar – Darüssafaka Istanbul

Fr., 13. April, 19:15 Uhr: Darüssafaka Istanbul – Lokomotiv Kuban Krasnodar

(Mo., 16. April, 19 Uhr: Lokomotiv Kuban Krasnodar – Darüssafaka Istanbul)

Finale: Folgt die nächste Wilbekin-Gala gegen die Ungeschlagenen?
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