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Achterbahn mit Achtungserfolgen

24.11.2017 || 10:59 Uhr von:
Bamberg überzeugt in dieser Saison noch nicht, weist in der EuroLeague nach dem nächsten Comeback-Sieg dennoch eine positive Bilanz auf. Vor einem Jahr standen die Vorzeichen noch genau anders.

Zwei Sekunden zu spielen, One-Possession-Game, knappe Bamberger Führung, die Gäste haben den Ball bei Einwurf Seite. Es ist noch nicht allzu lange her, da cuttete Charles Smith in die rechte Ecke, drehte sich um 180 Grad und traf mit der Schlusssirene den Dreier zum 68:67-Sieg Roms – ein Stich ins Bamberger Basketballherz.

2010/11 wie 2016/17 hieß es mit einem abgewandelten Zitat Gary Linekers: Basketball ist ein einfaches Spiel. Zehn Männer dribbeln über 40 Minuten den Ball, Bamberg hält mit, und am Ende gewinnt immer die Elite Europas. So aber nicht in dieser Saison.

Als sich Valencia am Donnerstagabend beim Stand von 82:83 und zwei Sekunden auf der Uhr zum Einwurf Seite aufstellte, und als Fernando San Emeterio in die rechte Ecke cuttete, den Ball fing und drehend zum Korb warf, erwärmte sich das Bamberger Basketballherz.

Der Ball fiel nicht durchs Netz, der Dagger ging nicht durchs Herz. Stattdessen vollbrachten die Oberfranken das nächste Comeback (das Wort „Wunder“ verbietet sich unter Maestro Trinchieri) in der EuroLeague. Einen 16-Punkte-Rückstand aus dem dritten Viertel holte der amtierende deutsche Meister auf, bei 130 Sekunden zu spielen lagen die Bamberger immer noch zweistellig im Rückstand. Gegen Barcelona hatten die Bamberger gar ein 26-Punkte-Defizit gedreht. So stehen die Bamberger nach neun Spieltagen bei einer positiven Bilanz von 5-4.

„Seit Beginn der Saison Achterbahn fahren“

„Ich befinde mich seit Beginn der Saison auf einer Achterbahnfahrt“, resümierte Matchwinner Ricky Hickman nach der Partie. Der erfahrene Guard hatte Bamberg gegen Valenica früh geschultert und schien endlich seinen Touch von außen zu finden (5/8 3FG; fünf Spiele davor: 5/23 3FG). Mit 26 Zählern avancierte Hickman zum Matchwinner, bei zwei Sekunden auf der Uhr behielt er an der Linie die Nerven: Hickman netzte jeden seiner drei Freiwürfe zum Endstand ein, nachdem er gegen Tibor Pleiß per Fake das Foul gezogen hatte.

Die Achterbahnfahrt Hickmans, samt wackeligem Wurf und nicht den besten Entscheidungen, mag ein pars pro toto der Basketballbeschäftigung Bambergs sein. Holprig in die Saison gestartet, mit Verletzungssorgen hier, einem Stilbruch dort, taumelte der deutsche Basketballkrösus eher in die Saison. Und die Comeback-Siege zeichnen ebenso eine Achterbahnfahrt: Eine historische Aufholjagd hin oder her, nach einem Viertel musst du erstmal mit 26 Punkten zurückliegen.

Natürlich fiel Andrea Trinchieri nach dem Erfolg gegen Valencia ein Stein vom Herzen; wenn man daran glaube, könne das Unmögliche möglich gemacht werden. Doch der Bamberger Erfolgstrainer machte auch deutlich: „Wir haben im Grunde für 33 Minuten keinen Weg gefunden, zu spielen.“ Es mag etwas heißen, wenn ein Taktikfuchs wie Trinchieri mit folgenden Worten anschließt: „Wir haben das System beiseite genommen, und haben einfach unseren Mann gestanden.“

„Der Stil kommt als zweites“

Das mag für ein oder zwei Spiele bravourös funktionieren, doch über eine Mammutsaison, wie sie die Bamberger wieder absolvieren müssen, mag eine solche Idee auf wackeligen Beinen stehen. „Wir haben uns auf dramatische Weise verändert. Ich versuche zu lernen, was wir tun können. Der Stil kommt als zweites, zuerst müssen wir wie ein Team aussehen“, hatte Trinchieri gegenüber Telekom Sport vor dem Saisonauftakt in Würzburg gesagt.

So langsam aber sicher tun sie das. Hickman wie Nikos Zisis scheinen mit Erfahrung die Männer für die wichtigen Momente, Augustine Rubit entwickelt sich immer weiter zu einem Big Man mit EuroLeague-Format, und wenige Spieler haben mehr Swag als Maodo Lo. Doch wie sieht es bezüglich des Stils aus?

Vergangene Saison hätte man ohne weiteres die Behauptung aufstellen können, Bamberg spiele den schönsten Basketball Europas. Doch seitdem waren Abgänge spielintelligenter Akteure wie Janis Strelnieks, Finals-MVP Fabien Causeur oder Nicolo Melli zu verzeichnen. Die unter Trinchieri so geschätzte Bamberger Ballbewegung sah man 2017/18 bislang eher selten über das Parkett fliegen. Eine Offensivaktion gegen Valenica nach drei Minuten erinnerte daran:

Daniel Hackett eröffnet den Halbfeldangriff per Pass hinter dem Rücken auf Leon Radosevic. Der Center gibt per Hand-Off auf Hickman an den Flügel. Es folgen ein Pick-and-Roll, das Abrollen Radosevics, der Kickout-Pass, dreimal der Swing, ehe Hickman den Dreier aus der Ecke einnetzt. Fünf Pässe in fünf Sekunden, alle fünf Spieler involviert – fünf gewinnt.

Dolche solche Momente sind bislang selten. Trinchieris System fußt nicht bloß auf Guards, sondern auf Ballhandler. Spieler wie Strelnieks oder Causeur scheinen offensiv Hickman und Hackett überlegen. Schützen wie Bryce Taylor oder Lucca Staiger können eigentlich nur auf der Drei spielen. Womöglich sogar in kleinen Lineups auf der Vier, wie es Trinchieri gegen Valenica über das komplette vierte Viertel exerziert hat (mit Zisis/Lo, Hickman, Hackett, Taylor, Rubit).

Trinchieris System benötigt wurfstarke Big Men: Dies sind Rubit und Luka Mitrovic von außen nicht, auch deswegen war die Nachverpflichtung von Dorell Wright so wichtig. Der kann übrigens auch ein Vier-Fünfer-Pick-and-Roll als Ballhandler laufen (wie in der zweiten Spielminute für einen Radosevic-Dunk); ein Kniff, der über die Saison noch häufiger zu beobachten ist.

Wright kam, Hackett ist wieder fit, Elias Harris fällt sehr lange aus, und Quincy Miller ist wieder frei. Nicht ausgeschlossen, dass die Bamberger noch einmal auf den großen Positionen nachverpflichten. Und auch deswegen ist die Frage nach dem Stil Ende November noch nicht wirklich zu beantworten.

Achterbahnfart gestoppt?

Nichtsdestotrotz: Ein Momentum gibt es nicht nur während eines Spiels, sondern auch über die Saison. Und das scheint derzeit auf Bamberger Seite. Trinchieris Truppe findet Wege, sich zurückzukämpfen und knappe Spiele für sich zu entscheiden.

Es ist nicht allzu lange her, da traf Charles Smith aus der Ecke. Oder Milos Teodosic mit der Sirene vom Flügel. Oder Berni Rodriguez nach dem Offensiv-Rebound im Zurückfallen. Oder allein die vergangene Saison: sechs Niederlagen mit einer Differenz von zusammengerechnet elf Punkten!

Der schönste Basketball Europas? Ballbewegung par excellence, den Stil früher gefunden – doch zu jenem Zeitpunkt standen die Bamberger 2016/17 bei einer Bilanz von 2-7. Nun klopfen sie mit 5-4 mehr denn je an einen Playoff-Platz. Basketball ist eine Achterbahnfahrt.

„Ich habe das Gefühl, dass ich heute aus der Achterbahn ausgestiegen bin“, zeigte sich Hickman nach dem Spiel gegen Valenicas hoffnungsvoll. Doch die Saison ist noch lang, Doppelspieltage werden folgen, mit weniger als 48 Stunden Ruhepause wird es zurück in den BBL-Alltag gehen. Man kann den Bambergern nur wünschen, dass sie auch als Team diese Achterbahnfahrt abgeschlossen haben.

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