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Brose Bamberg: Achterbahnfahrt durch Europa

12.04.2017 || 15:15 Uhr von:
EuroLeague 2016/17, Hauptrunde, Spieltag 29, Brose Bamberg - Darussafaka Dogus Istanbul
Nervenaufreibend, emotional und intensiv. Die Turkish Airlines EuroLeague-Saison von Brose Bamberg hatte wirklich alles zu bieten, was den Basketball ausmacht.

Erfolg und Niederlage liegen im Leben oftmals eng zusammen. Gerade im Basketball sind es häufig Details, Nuancen, die aus bestimmten Situationen Siege oder Niederlagen hervorbringen. Nach 30 Spielen und insgesamt 1210 Spielminuten in 175 Tagen endete für Brose Bamberg gegen Galatasaray Istanbul eine von Höhen und Tiefen geprägte EuroLeague-Saison 2016/2017. Eine Spielzeit, in der sowohl das Team als auch die Fans eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebten.

Bereits vor der Saison war klar, dass das neu geschaffene Format mit 16 Teams und einem „regulären“ Saisonbetrieb plus Playoffs und Final Four eine Mammutaufgabe für alle Teilnehmer darstellen würde. „Machen Sie mal ein Foto unseres Spielplans. Das ist wie in der NBA, nur ohne den Komfort eines Privatjets“, blickte Bambergs Trainer Andrea Trinchieri vor der Saison voraus. Ein ganz schönes Pensum hatte seine Mannschaft mit Turkish Airlines EuroLeague und easyCredit BBL vor der Brust. Was für ein Auf und Ab Brose Bamberg jedoch erwarten sollte, konnte wohl auch der Coach in dieser Form nicht vorhersehen.

DER SAISONVERLAUF

Letztendlich liest sich die Bilanz von 10 Siegen und 20 Niederlagen so, als wäre Bamberg im Kampf um das Erreichen der Playoffs weitgehend chancenlos gewesen. Betrachtet man jedoch den Saisonverlauf, sowie den Ausgang der einzelnen Spiele, so hätten die Oberfranken durchaus ein ernsteres Wörtchen um den achten Tabellenplatz mitsprechen können.

Schon die ersten Partien ließen erahnen, welch große Herausforderung die Auftritte für Brose Bamberg in Europa bedeuten sollten. Nach den ersten fünf Spieltagen sah man Brose Bamberg mit einer Bilanz von zwei Siegen und drei Niederlagen durchaus im Soll. Betrachtet man jedoch die Ergebnisse, so hätte man auch getrost mit einer Bilanz von 5-0 oder 0-5 in die Saison starten können. Niederlagen gegen Fenerbahce Istanbul, Panathinaikos Athen oder den FC Barcelona galten vor der Saison als durchaus wahrscheinlich, jedoch verloren die Bamberger diese drei Partien mit insgesamt nur sechs Punkten Unterschied.

Gegen Istanbul spielte Bamberg über 40 Minuten ein klasse Spiel, konnte jedoch den letzten Wurf zum Sieg nicht verwandeln. Heimspiel gegen Athen: auch hier hatte man die Partie lange im Griff und gab den Sieg erst kurz vor Schluss aus der Hand. Im Gegensatz zu den anderen Spiele war die 78:74-Niederlage gegen Barcelona fast schon „deutlich“.

Nach dem Sieg gegen Mailand folgte für Brose Bamberg der erste Einbruch und eine Niederlagenserie von fünf Spielen. Bis auf die Niederlage gegen Zalgiris Kaunas (86:72) zeigte die Mannschaft von Andrea Trinchieri auch in dieser schweren Phase starke Auftritte. Allzu häufig brachte man sich jedoch um den Lohn der eigenen Arbeit: Zwei-Punkte-Niederlage bei Darussafaka Istanbul, 78:79 vor heimischer Kulisse gegen Belgrad, Auswärtsniederlage bei Baskonia Vitoria Gasteiz, wo man zur Halbzeit mit 47:32 in Führung lag. Es folgte der bittere Höhepunkt mit dem Buzzerbeater-Erfolg von Titelverteidiger CSKA Moskau in der Brose Arena.

BERGAUF, BERGAB

Überraschenderweise war die Mannschaft jedoch nicht so einfach aus der Fassung zu bringen. Im Anschluss an die Niederlage gegen Moskau spielten die Bamberger ihren besten Monat der Saison. Fünf der nächsten sechs Partien konnte Brose Bamberg für sich entscheiden. Darunter auch zwei mehr als dominante Auftritte gegen Piräus (82:68) und Barcelona (85:65), die in der Brose Arena wieder dieses Feeling der letzten EuroLeague-Kampagne aufkommen ließen. Man war mittendrin, im Kampf um die Playoffs.

Die Ernüchterung folgte jedoch auf dem Fuß. Ab dem 17. Spieltag wurden jegliche Hoffnungen auf den achten Platz von Spiel zu Spiel geringer. Nur drei der letzten 14 Spiele entschied Brose Bamberg in der zweiten Saisonhälfte für sich. Und trotzdem blieb Bamberg diese verschworene Truppe, die sich in jedem Spiel durch mannschaftliche Geschlossenheit auszeichnete. Auch als die Playoffs rein rechnerisch nicht mehr zu erreichen waren, fand Brose Bamberg immer wieder die körperliche und mentale Kraft, ihren Gegnern einen harten Fight auf dem Parkett zu liefern.

Trotz starker Auftritte fehlte es in den engen Spielen an etwas Abgeklärtheit, Qualität, aber auch dem Quäntchen Glück. Insgesamt 14 der 30 Spiele wurden mit fünf oder weniger Punkten entschieden. Die Bamberger Bilanz lautet dabei 2-12!

BAMBERGS MVP: NICOLO MELLI

Im Verlauf der EuroLeague-Saison avancierte Bambergs Power Forward Nicolo Melli zum unangefochtenen Leader und wichtigstem Akteur des einzigen deutschen Vertreters in der höchsten europäischen Spielklasse. Er ist der Motor der Mannschaft und verkörpert alle Tugenden, die Andrea Trinchieri von seinen Spielern einfordert.

Durch seinen bedingungslosen Einsatz, seine starke Verteidigung und seine auf dieser Position überragende Spielintelligenz war Melli der wichtigste Spieler für Brose Bamberg. Zusätzlich sammelte Melli die meisten Rebounds aller EuroLeague-Spieler und startete für Brose Bamberg in allen 30 Partien. Auch damit liegt er im Vergleich aller Spieler auf dem ersten Platz. Die EuroLeague würdigte seine starken Leistungen mit der Auszeichnung zum Monats-MVP im Dezember.

Turkish Airlines EuroLeague-Statistiken: 29:13 Minuten, 11,5 Punkte, 7,4 Rebounds, 2,3 Assists, 0,7 Steals, 0,7 Blocks, 1,7 Turnover, 53,5% 2FG, 43,4% 3FG

Mit Nicolo Melli könnte Brose Bamberg nach dieser Saison das gleiche Schicksal ereilen wie schon im letzten Jahr mit Brad Wanamaker. In Europa wird so ziemlich jede Mannschaft an Melli interessiert sein, und auch die NBA scheint für den sympatischen Italiener keine Utopie mehr zu sein. Für Bamberg wird es schwer, diesen Nicolo Melli zu halten.

WAS BLEIBT?

Was in jedem Falle bleibt, ist zum einen die Erkenntnis, dass man in der Sommerpause trotz des Abgangs des wichtigsten Spielers, Brad Wanamaker, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellen konnte. Klar ist es immer möglich, die Qualität eines Teams durch individuelle Klasse zu verstärken, jedoch stand für Brose Bamberg der Faktor Teamchemie immer an erster Stelle. Spieler wie Fabien Causeur oder auch Maodo Lo rechtfertigten ihre Verpflichtungen mit guten Leistungen.

Auch ein Daniel Theis entwickelte sich in seiner zweiten EuroLeague-Saison zu einem Spieler mit europäischen Top-Niveau und ist vor allem seit Beginn der zweiten Saisonhälfte der vielleicht konstanteste Akteur der Bamberger. Einzig auf der Center-Position wäre vielleicht etwas mehr Tiefe und Qualität nötig gewesen.

Trotz der mannschaftlichen Geschlossenheit fehlte es gerade in den sehr engen Spielen am Ende oftmals an einem Spieler, der mit seiner individuellen Klasse eine Entscheidung zugunsten der Bamberger herbeiführen konnte. Meist war es Darius Miller, der in den entscheidenden Situationen Verantwortung übernehmen sollte. Trotz seiner herausragenden Eins-gegen-Eins-Fähigkeiten blieb Miller der Gamewinner in der EuroLeague verwehrt. Ein Mann für die „Big Shots“ fand sich in dieser Saison nicht. Auch die Fähigkeit, entscheidende Situationen mit dem ansonst so ausgeprägten Team-Play spielerisch zu lösen, konnten die Franken nur wenige Male präsentieren.

EuroLeague 2016/17, Hauptrunde, Spieltag 30, Brose Bamberg - Galatasaray Istanbul

Doch trotz einer EuroLeague-Saison mit Höhen und Tiefen schien es, als wäre der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, aber auch zwischen Fans und Mannschaft niemals in Gefahr. Freak City stand zu jeder Zeit bedingungslos zu ihren Euro-Fightern und verwandelte Spieltage in Feiertage. Auch Andrea Trinchieri war sich der Bedeutung der Anhänger im Anschluss an den letzten Auftritt bewusst: „Ich muss heute unseren Fans Danke sagen, die uns in allen 30 Spielen begleitet und uns nach allen Möglichkeiten unterstützt haben. Vielen Dank.“

Es waren nur Details, die Brose Bamberg in der ersten Saison der neu organisierten Turkish Airlines EuroLeague eine bessere Platzierung verwehrten. Gleichzeitig war es aber auch die Mannschaft selbst, die ihren Fans und ganz Basketball-Deutschland unvergessliche Momente beschert hat. Das Leben ist ein Hauch.

 

Brose Bamberg: Achterbahnfahrt durch Europa
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Lorenz2000
Lorenz2000 13. April 2017 um 9:11 Uhr

Sehr schöner Artikel, der sowohl die positiven Seiten als auch vor allem die beiden negativen Kernprobleme, die stand Saisonstart durch Hernangomez angehobene (Konjunktiv:( )Qualität auf Center und das Fehlen eines 2. Spielers mit der Fähigkeit zu übernehmen. Denn ein Crunch Time Spieler ist keiner! Die Gegner konnten sich am Schluss leicht darauf einstellen, dass ohnehin nur Miller den Ball bekommen wird und dementsprechend ihren besten Verteidiger auf ihn ansetzen. Der Geburtsfehler der Bamberger Saison war aus meiner Sicht trotzdem, dass man einen PG verloren hat und mit Causeur einen ohne Zweifel sehr guten SG gewonnen hat. Zisis auf PG zu entlasten, sprich einen neuen einser zu verpflichten wird die Hauptaufgabe in der neuen Saison sein. Dafür aber erstmal Meister werden…

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