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Der Überflieger

25.02.2016 || 11:45 Uhr von:
Das 16-jährige Supertalent Luka Doncic taucht erst langsam auf dem Radar der großen Öffentlichkeit auf - dabei sorgt er bei Real Madrid jetzt schon für Stabilität.

La Coruña, Spanien, Sonntagabend. Während des Pokalfinales um den Copa del Rey, den spanischen Königspokal, kommen ein paar Jugendspieler von Real Madird in die Halle, um ihre soeben gewonnene Trophäe des gleichen Pokalwettbewerbs in der Jugend zu präsentieren. Und um ihren Kumpel zu unterstützen. Denn ein erst 16-Jähriger steht auf dem Parkett im Finale der Profis und verhilft diesen, wenn auch diesmal nur durch einen Kurzeinsatz, ebenfalls zum Titel: Luka Doncic. Ein Wunder(kind)?

Europäische Talente fliegen oft bei dem ganzen Trouble um den NBA-Nachwuchs auf den Colleges unter dem Radar. Gerade wenn sie eigentlich noch nicht in einem Alter sind, in dem sie schon bei den hochtrainierten Profis mitflattern können. Doncic ist anders. Er entwickelt sich wie eine Rakete, der 16-jährige Slowene – und das ist das besondere an ihm – kann bereits in seinem zarten Alter mitfliegen. Obwohl er gerade erst abhebt. Auf dem Radar der ganz großen fängt es schneller an zu blinken, denn er beweist sich. Bei Real Madrid. In der spanischen Liga ACB. In der Euroleague.

Zehn MVP-Titel in drei Jahren: Zu gut für die Jugendteams

In den Jugendteams von Real hält Luka Doncic eigentlich nichts mehr, sie gewinnen auch ohne ihn den Pokal. Und er gewinnt ohne sie: Nicht nur an Erfahrung, seit Sonntag auch Titel. Seit 2012, als er 13 Jahre alt war, hat er auf verschiedenen internationalen Vereinswettbewerben zehn MVP-Titel eingesammelt. Unter anderem den des Adidas Next Generation Tournaments 2015 (ANGT), die Euroleague der Jugend, als er seine Mannschaft zum Titel führte – obwohl er zwei Jahre jünger war, als der eigentlich Jahrgang, für den das Turnier galt. In eigener Halle machte er es den Profis von Madrid vor, wie es geht, kurz bevor die ihren Euroleague-Titel 2015 einfuhren. Etwas früher, im Dezember 2014, spielte Doncic mit der slowenischen U-16 Nationalmannschaft ein Freundschaftsturnier in Ungarn, seine Stats: 35,3 Punkte, 7,6 Rebounds bei Quoten von 81 Prozent aus dem Zweier- und 57 Prozent aus dem Dreier-Bereich.

Für Slowenien, wo Doncic ursprünglich herkommt, spielt er auch weiterhin in der Jugend-Nationalmannschaft. Seinem Vater, der selbst slowenischer Nationalspieler war, genügten nur die Ansprüche für seinen Sohn im slowenischen Vereinsbasketball nicht mehr, so schickte er ihn bereits früh nach Madrid. Obwohl er im renommierten Jugendprogramm von Union Olimpija Ljubljana war.

Doncics Förderer: Pablo Laso

Kommen Bamberg-Fans in den Genuss?

Unter Coach Pablo Laso gab der 1,98 Meter große Guard nicht nur sein Debüt in Madrid, auch in der Folge setzte der Trainer, vor allem in der aktuellen Saison auf den 1999 geborenen Slowenen. Die langwierige Rückenverletzung von Rudy Fernandez, bei der ein chirurgischer Eingriff notwendig war, brachte Luka Doncic genauso wie die zwischenzeitliche Verletzung von Sergio Llull ordentlich Spielzeit, die er mit guten Leistungen zurückzahlte. An der Seite von Sergio Rodriguez waren seine Stats während der Regular Season in der Euroleague nichts weltbewegendes (3,6 Punkte, 2,6 Rebounds, 2,8 Assists, 1,2 Turnover) aber in seinem zarten Alter 12:19 Minuten im Durchschnitt beim Euroleague-Titelverteidiger auf dem Feld zu stehen, das heißt schon etwas. Auch in der ACB durfte Doncic über 14 Minuten im Schnitt ran, mit einer Wurfquote von 54 Prozent überzeugt er hier. Gegen Bamberg, die das Hinspiel mit 79:82 gegen Real im Top 16 der Euroleague verloren hatten, durfte Doncic über 20 Minuten ran. Ob die Bamberger Fans auch im Rückspiel am Donnerstag in den Genuss kommen?

Drittjüngster Spieler der ACB: Nicht alle schaffen den Sprung

Der Jungspund, das hebt ihn von allen anderen 16-jährigen Talenten ab, überzeugt mit seinem Körper: Noch in der Wachstumsphase befindlich misst er bereits fast zwei Meter und eine Stabilität, die ihn selbst in der intensiven Euroleague körperlich nicht abfallen lässt. Dazu ist sein Ballhandling weit entwickelt, genauso wie seine Spielübersicht. Verbesserungspotential liegt in der Defense, doch es ist kein Bruch zu merken, wenn Doncic auf das Spielfeld kommt. Im Gegenteil: Gegen ZSKA Moskau setzte er, nach einer Wut-Time-Out seines Coaches, sogar entscheidende Akzente mit drei Dreiern in Folge. Dass Coach Laso, selbst Ex-Point-Guard und Assist-Rekordhalter der ACB, wirklich etwas von seinem Schützling hält, zeigen auch die Einsätze in wichtigen Spielen, wie gegen Straßburg in der Euroleague im Do-or-Die-Spiel am letzten Spieltag der Vorrunde, als Doncic in 13 Minuten sieben Assists verteilte.


Es gab schon viele von diesen aufstrebenden zukünftigen Überstars, der Hype um junge Spieler ist bekannt, gerade in Spaniens Elite-Liga: Einer war bei seinem Profi-Debüt 14 Jahre und drei Monate alt: Ricky Rubio. Jetzt ist er ein NBA-Star. Ein zweiter war Angel Rebolo, er war 15 Jahre und drei Monate alt. Er beendete nach wenigen Spielen seine Karriere. Und einer, bei dem dieser wichtige Moment des Debüts noch nicht lange her ist: Luka Doncic, 16 Jahre und zwei Monate alt bei seinem ersten Einsatz in der ersten Spanischen Liga ACB. Der jüngste Spieler im Profikader von Real Madrid jemals.

Vorbild: Nikola Mirotic

Luka Doncics Vater sagte einmal – er wurde nach den Gründen für den Wechsel seines Sohns befragt – dass er die Entwicklung von Nikola Mirotic beobachtet hat und sich dasselbe für seinen Sohn wünscht, auch wenn der auf einer anderen Position spiele. Mirotic, der jetzt bei den Chicago Bulls unter Vertrag steht, war zweimal als Real-Spieler Rising Star (bester Nachwuchsspieler) der Euroleague in Folge. Ob das Doncic auch gelingt? Der Blondschopf hat die allerbesten Voraussetzungen dafür, gerade körperlich. Aber der Kopf spielt vor allem bei jungen Spielern eine entscheidende Rolle: Können sie mit dem Hype umgehen? Werden sie hart genug arbeiten für die ganz große Bühne?

Wie heißt es so schön im Song von Fort Minor: “This is 10% luck, 20% skill, 15% concentrated power of will, 5% pleasure, 50% pain, and 100% reason to remember the name”. Bis zur hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit, dass jeder den Namen Luka Doncic kennt, ist es noch ein harter und weiter Weg – 50 Prozent sind Schmerzen, so sagt es der Song. Der Start ist dem Überflieger allerdings hervorragend gelungen.

Der Überflieger
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