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Liebe deutsche Guards…

29.11.2016 || 09:54 Uhr von:
In "MfG Simon" greift Simon Linder jeden Dienstag ein Thema des deutschen Basketballs auf und schreibt einen Brief – heute an die deutschen Guards.

Liebe deutsche Guards,

kaum einer von euch bekommt viele Stimmen beim ALLSTAR-Voting. Ich mache mir deshalb Sorgen um den Backcourt der deutschen Nationalmannschaft in den kommenden Jahren. Denn wenn unsere Mannschaft erfolgreich sein soll, dann brauchen wir neben Dennis Schröder weitere gute Guards.

Per Günther wird natürlich völlig zu Recht in der Starting Five des ALLSTAR Games stehen. Er ist der beste deutsche Aufbauspieler, der aktuell in der easyCredit BBL unterwegs ist. Diskutieren können wir noch über Maodo Lo, der schon gezeigt hat, wie unheimlich talentiert er ist. Oder vielleicht noch über Konstantin Klein, der in Bonn in dieser Saison sehr ordentliche Wurfquoten aus dem Feld auflegt, aktuell allerdings verletzt ist.

Vom DBB im (2016er-)Kader der A-Nationalmannschaft aufgeführt werden neben Lo jedoch Robin Amaize, Bastian Doreth, Andi Obst und Akeem Vargas. Amaize und Obst dürfen in ihren BBL-Klubs je gut zwölf Minuten pro Partie ran und erzielen dabei fünf bzw. vier Punkte – beide sind noch jung und haben kleine Rollen. Doreth spielt etwas länger, weil er „Vocal Leader“ und „Glue Guy“ in Bayreuth ist und defensiv überzeugen kann, er traf allerdings bis zum vorletzten Spiel in Tübingen seinen Dreier überhaupt nicht. Und Vargas hatte in Berlin über weite Strecken der Saison eine ganz kleine Rolle, er nahm in neun Spielen bisher gerade mal 21 Würfe aus dem Feld. Bei ihm ist nun jedoch wie bei Doreth in den letzten beiden Spielen ein Aufwärtstrend zu erkennen – hoffentlich geht das so weiter. Trotzdem ist offensichtlich: Deutschland hat ein Guard-Problem.

Wo sind die jungen deutschen Guards, die in ein paar Jahren gemeinsam mit Dennis Schröder in der Nationalmannschaft wirbeln sollen? Müssen wir darauf hoffen, dass Bazou Koné sich offensiv stabilisiert und mit etwas mehr BBL-Erfahrung besser trifft? Müssen wir darauf warten, dass Ismet Akpinar in Berlin endlich von der Leine gelassen wird oder bei einem anderen Verein eine größere Rolle bekommt? Oder hängt am Ende doch alles an Maodo Lo?

Um ehrlich zu sein: Ich glaube nicht, dass die deutsche Nationalmannschaft in den nächsten Jahren in die europäische Spitze vordringen wird. Und das ist ein riesiges Problem, weil die gesamte Entwicklung des deutschen Basketballs auch daran hakt, dass die Nationalmannschaft nicht attraktiv und erfolgreich genug spielt. Dass dies aktuell nicht der Fall ist, liegt meiner Ansicht nach jedoch nicht an den Spielern selbst. Denn mein Eindruck – von dem auch Jan Jagla im Podcast bei Telekom Basketball berichtete – ist: Was jungen ausländischen Spielern eher verziehen wird, wird jungen deutschen Spielern angekreidet. Wer aus den USA kommt, muss ja ein besserer Basketballer sein. So ein Quatsch!

Wir sollten die jungen Spieler einfach mal machen lassen, wir sollten sie vor allem kreieren und werfen lassen. Wir brauchen einen Bewusstseinswandel, eine andere Kultur. Und wir brauchen vor allem andere Regeln, die eine solche Entwicklung begünstigen, wie zum Beispiel höhere Ausbildungsentschädigungen. Es kann nicht sein, dass manche Teams jungen Spielern die Chance geben, sich auf BBL-Niveau zu entwickeln, diese Akteure nach ein paar Jahren den nächsten (wichtigen!) Schritt zu einem größeren Klub gehen und der Ausbildungsverein dann mit ein paar tausend Euro abgespeist wird.

Es gibt aktuell nicht viele Standorte, die es sich leisten können, einem Spieler zuzugestehen, auch mal vier oder fünf schlechte Würfe pro Spiel zu nehmen, um zu lernen. Dafür sind Druck und Konkurrenzkampf in der easyCredit BBL viel zu hoch. Aber wenn ein Klub es konsequent durchzieht, kann er davon später auch profitieren. Beispielhaft ist hier die Entwicklung von Per Günthers Dreierquote: 08/09 traf er, in seiner ersten Saison in Ulm, 26,3% (10/38) seiner Distanzwürfe. Im Jahr danach waren es 33,9% (22/65), dann 27,9% (19/68), 39,4% (28/71), 49,5% (46/93), 40,9% (63/154), 46,2% (66/143), und in der letzten Saison traf Günther 41,9% (93/222) von Downtown.

Die Schwankungen bei Günther sind nicht dramatisch, es zeigt sich dafür eine Entwicklung: Nach drei Jahren mit unterdurchschnittlichen Quoten ist die Ulmer Identifikationsfigur zu einem richtig guten Shooter geworden. Und, auch ein Blick auf die Anzahl der Versuche lohnt sich: Günther durfte in seinen ersten Saisons kontinuierlich mehr Würfe nehmen, so an dieser Schwäche arbeiten – und sie zu einer Stärke machen. Das ist essenziell wichtig, gerade für junge Guards. Deshalb: Gebt ihnen lange Verträge! Lasst sie spielen! Und: Ändert die Regeln, um die Klubs zu motivieren, endlich auf junge deutsche Guards zu setzen!

MfG Simon


In „MfG Simon“ greift basketball.de-Redakteur Simon Linder jeden Dienstag ein Thema des deutschen Basketballs auf – und schreibt einen Brief. Über Lob, Kritik und Kommentare freut er sich – wenn Ihr ihn kontaktieren wollt, geht das am besten über Twitter (@SimonLinder). Wenn Ihr lieber eine Mail schreiben möchtet, erreicht Ihr ihn unter simon.linder(at)basketball.de.

Liebe deutsche Guards…
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Carlos Barkley
Carlos Barkley 29. November 2016 um 11:32 Uhr

„Wo sind die jungen deutschen Guards, die in ein paar Jahren gemeinsam mit Dennis Schröder in der Nationalmannschaft wirbeln sollen?“

Die spielen Fußball.

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