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„Der Fokus muss auf der Feinabstimmung liegen“

19.08.2016 || 14:57 Uhr von:
Seit knapp einem Jahr ist Ralph Held als DBB-Sportdirektor tätig. Der langjährige Jugendkoordinator Oldenburgs spricht im Interview über seine Aufgaben, die Nationalmannschaft und die vielen Absagen.

Kurz vor dem ERGO Supercup in Ulm traf basketball.de den Sportdirektor des DBB, Ralph Held. Im ersten Teil des Interviews schildert der langjährige Co-Trainer und Jugendkoordinator der EWE Baskets Oldenburg seine Beweggründe für den Wechsel zum DBB, doch das zentrale Thema war natürlich die Nationalmannschaft. Im zweiten Teil steht Ralph Held Rede und Antwort über den Jugendbasketball, die Förderung und die Quotenregelung im deutschen Basketball.

basketball.de: Hallo Ralph, vor knapp einem Jahr hast du überraschend die EWE Baskets Oldenburg verlassen, was waren die Beweggründe dafür?

Ralph Held: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich 13 Jahre mit Leib und Seele für den Club tätig war. Als die Anfrage vom DBB kam, ob ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen könnte, habe ich es als Ehre empfunden. Ich habe in meiner Karriere auf Clubebene dreimal den Pokal gewonnen, dazu durfte ich eine Meisterschaft feiern. Darüber hinaus habe ich an sämtlichen europäischen Wettbewerben auf höchstem Niveau teilgenommen. Außerdem habe ich in Oldenburg ein sehr erfolgreiches Jugendprogramm aufgebaut, welches zu den besten in Deutschland gehört. Damit verbunden war auch der zweimalige Gewinn der ProB-Meisterschaft. Durch diese Anfrage bot sich mir die Gelegenheit, in den einzigen Bereich zu wechseln, in dem ich noch nicht tätig war. Daraufhin habe ich mich für die neue sportliche Herausforderung beim DBB entschieden.

Wie genau ist dein aktuelles Aufgabengebiet strukturiert?

Es ist schwer zu beschreiben, da es ein sehr umfangreiches Themenfeld ist. Ich bin verantwortlich für die Strukturen und Maßnahmen im sportlichen Bereich, für die Führung der Bundestrainer, sportliche Leitung der Nationalmannschaft, Planung und Durchführung der Maßnahmen. Außerdem muss ich natürlich Kontakt zu den Clubs, Ligen, DOSB und Landesverbänden pflegen und halten. Grob umrissen beschreibt das mein aktuelles Themenfeld.

Kommen wir nun zur Nationalmannschaft. Du hast die Nationalmannschaft auf ihren Länderspielreisen begleitet. Wie bewertest du die Spieler bisher?

Erst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass es schön zu sehen ist, wie hart der Trainer, der Trainerstab, die medizinische Abteilung – das Team um das Team – arbeiten, um entsprechende Erfolge zu generieren. Für uns gilt es, auf der Grundlage des letzten Sommers, wo auch schon sehr viele Spieler aus der diesjährigen Mannschaft teilgenommen haben, aufzubauen. Das bis dato Erarbeitete muss verfeinert werden. Dementsprechend lässt sich jetzt auch im Laufe der Vorbereitung eine Entwicklung in der Mannschaft erkennen, die sich dann auch in den bisherigen Spielen widerspiegelt. Die letzten beiden Spiele in Portugal waren aus meiner Sicht ein deutlicher Schritt nach vorne und haben eine positive Tendenz erkennen lassen. Eben diese Tendenz stimmt mich mehr als positiv im Hinblick auf die Qualifikation.

Welches Abschneiden erwartest du von der Nationalmannschaft beim ERGO Supercup?

Für uns geht es hier in erster Linie darum, sich als Team weiterzuentwickeln. Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Aber der Fokus liegt in der Feinabstimmung für die Qualifikationsspiele der Europameisterschaft. Wir haben zwar noch ein Spiel in Gießen, aber der ERGO Supercup ist der Härtetest vor der beginnenden Qualifikation.

Auf was für eine Mannschaft kann sich das Publikum in Ulm freuen?

Wie bereits erwähnt, liegt der Fokus auf der Abstimmung. Aber das Publikum kann sich auf eine Mannschaft freuen, die jedes Spiel gewinnen will. Natürlich wird die Mannschaft auf jeden Fall leidenschaftlich und kämpferisch in Ulm auftreten. Wie die Spiele am Ende ausgehen, werden wir dann sehen.

Siehst du das ausgesprochene Ziel, die Qualifikation zur EURO, gefährdet?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir genügend Qualität in dieser jungen Mannschaft haben, um das Ziel zu erreichen. Des Weiteren sehe ich auch keine Veranlassung, das Ziel zu verändern.

Gehen wir jetzt nochmal auf allgemeinere Dinge der Nationalmannschaft ein. Es gab bei der Nationalmannschaft wie jedes Jahr mehrere Absagen. Ist die Nationalmannschaft nicht attraktiv genug?

Das würde ich auf keinen Fall so sehen, die Spieler sehen das meines Erachtens auch nicht so. Auf der einen Seite ist es immer schade, wenn einzelne Spieler absagen müssen. Auf der anderen Seite müssen die Fans auch die Gründe akzeptieren, wenn einzelne Spieler nicht zur Nationalmannschaft reisen können. Jedoch sind diese Absagen aber auch eine Herausforderung und letztendlich auch eine Chance zu zeigen, welche Qualität in der Mannschaft steckt. Trotz der Absagen haben wir noch eine sehr hohe Qualität im Team. Welche Bedeutung die Nationalmannschaft für die Spieler haben kann, zeigt sich am besten an Maodo Lo, der letzten Sommer eine grandiose Entwicklung gemacht hat. In diesem Sommer kann er eine führende Rolle innerhalb der Mannschaft bekleiden und ich bin mir sicher, dass er diese auch annehmen und sehr gut ausfüllen wird.

Nehmen wir zum Beispiel Anton Gavel heraus: Letztes Jahr sorgte seine Nominierung in Basketballkreisen schon für viel Furore. Dieses Jahr folgte die Absage aus „persönlichen Gründen“. Kann man das als „Rosinenpickerei“ bezeichnen?

Ich sehe das nicht als Rosinenpickerei. Die Gründe die zu der Absage geführt haben sind aus meiner Sicht absolut nachvollziehbar. Ich würde mich bei ihm und bei jedem anderen Spieler für das, was er im vergangenen Sommer getan hat, bedanken wollen.

Wie siehst du und bewertest du das neugeschaffene Nationalmannschaftsfenster während des regulären Spielbetriebes?

Es ist Fakt, dass es kommen wird, genauso wie es schon in anderen Sportarten gibt. Und im Basketball ist es nichts Ungewöhnliches, denn dieses Fenster gab es schon mal. Es beinhaltet die Möglichkeit, dass man mit der Nationalmannschaft über das Jahr hinaus arbeiten kann. Damit besteht auch die Möglichkeit, das Thema Basketball überregional bei der breiten Öffentlichkeit präsent zu halten. Darin besteht sicherlich auch eine Chance für die Clubs, die meist das Problem haben, hauptsächlich nur regional wahrgenommen zu werden.

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