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„Das zeigt die Qualität und das Herz dieser Mannschaft“

05.09.2017 || 22:12 Uhr von: ,
Nach der Niederlage gegen Israel kämpft sich das DBB-Team zu einem Arbeitssieg gegen Italien. Schröder, Tadda, Voigtmann und Co. erklären den Erfolg.

Nicht nur Liebe, auch das Spiel geht durch den Magen. Sozusagen als Vorbereitung auf das wichtige Duell gegen Italien ging die deutsche Nationalmannschaft am Vorabend aus und zusammen italienisch essen; auf Anraten des DBB-Präsidenten Ingo Weiss. „Wahrscheinlich hat die Pizzavorbereitung gestern Abend geholfen. Ich habe gesagt: ,Jungs, geht Pizza essen, da könnt ihr schon mal versuchen, die Italiener zu vernaschen’“, scherzte Weiss nach dem 61:55-Arbeitssieg, mit dem die DBB-Auswahl das Achtelfinalticket nach Istanbul gebucht hat.

Die Mannschaft musste einfach mal raus aus dem Hotelalltag und etwas anderes sehen: „Wir haben sieben Tage in Folge drei Mahlzeiten vom gleichen Buffet gegessen. Es war für uns einfach gut, eine andere Umgebung zu sehen“, erklärte Bundestrainer Chris Fleming. Auch Dennis Schröder schätzte die Zeit außerhalb des Hotels: „Das brauchten wir auf jeden Fall, vor allem nach der bitteren Niederlage gegen Israel.“

Bitter und unnötig, weil das deutsche Team gegen den EM-Gastgeber einen 16-Punkte-Vorsprung verspielt hatte. Doch diesmal präsentierte sich die DBB-Auswahl stark und abgezockt in der Crunchtime. „Wir haben angesprochen, dass wir eine größere Spielruhe haben müssen“, zog Fleming eine Lehre aus dem Israel-Spiel. „Wir waren sehr hektisch in den Schlussphasen, insbesondere gegen Israel – mehr war es nicht.“

„Karsten war heute exzellent“

Das deutsche Team bewahrte aber nicht nur Ruhe in der Offensive, sondern stand auch in der Verteidigung kompakt: „Es war eine geschlossene Leistung, vor allem hinten. Dass wir da die Stopps bekommen, war auch in der Crunchtime entscheidend“, machte Danilo Barthel gegenüber basketball.de einen Schlüssel aus.

Wenn es um die Verteidigung geht, muss vor allem ein Spieler herausgehoben werden: Karsten Tadda. Der Flügelspieler war mit verantwortlich dafür, dass Italiens Go-to-Guy Marco Belinelli nicht über zwölf Punkte hinauskam und nur 22 Prozent seiner Feldwürfe verwandelte. „Wir wussten von vorneherein, dass Karsten eine große Rolle spielen würde: dass er defensiv ein Führungsspieler für uns sein muss, gerade am Anfang des Spiels, um Dennis teilweise auch ein wenig zu schützen. Das tut er wirklich gut. Er war heute exzellent“, adelte Fleming den DBB-Kettenhund gegenüber basketball.de.

„Wir sind gut ins Spiel gestartet, haben unseren Game-Plan gut umgesetzt und das über 40 Minuten. Am Ende sind wir einfach abgezockt in der Verteidigung gewesen und haben den Italienern keine einfachen Würfe gegeben“, erklärte Tadda – und ging bezüglich dieses Game-Plans ins Detail: „Auch wenn der Ball gepasst wird, kommt gleich der nächste Back-Screen oder Stagger-Screen, aber wir wussten, was kommt. Unser Game-Plan war, aggressiv da drüberzugehen und so physisch wie möglich durch die Blöcke zu rennen.“

Der Guard agierte gegen Italien aber nicht nur in der Defense stark, sondern leistete seinen Beitrag auch offensiv: Nachdem Tadda in den ersten drei Partien jeden seiner sieben Dreier verfehlt hatte, traf der Guard früh seine ersten beide Versuche. „Heute hat er nicht nur in der Defense zugepackt, sondern auch in der Offensive gleich die ersten beiden Würfe reingemacht. Er hat uns dadurch einen Confidence Boost gegeben“, sagte Robin Benzing im Gespräch mit basketball.de. Tadda verriet, dass die beiden Dreier für Erleichterung bei ihm gesorgt haben: „Ich hoffe, der Knoten ist endlich geplatzt.“

Nicht nur Bellini suchte vergeblich seinen Rhythmus, auch Luigi Datome blieb mit neun Zählern unter seinen Möglichkeiten. „Vor allem Karsten und auch Robin haben einen exzellenten Job gemacht, ihnen dauernd auf den Füßen zu stehen und ihnen keinen Platz zu lassen, weil sie exzellente Werfer sind. Wir Großen haben versucht, ihnen gegen Ende mehr und mehr zu helfen, damit [die Italiener] keine Würfe bekommen“, sprach Barthel die Stärken in der Verteidigung an.

„Wir wussten, dass die Italiener mit Datome, Belinelli und auch Melli ganz starke Schützen von außen haben. Das Ziel war es, ihnen das wegzunehmen – und das haben wir heute gut umgesetzt“, stellte Tadda als Schlüssel zum Erfolg heraus.

„Ich liebe es, mir eine Challenge zu geben und die Challenge anzunehmen“

Doch nicht nur Tadda, sondern auch Dennis Schröder versuchte sich gegen Belinelli. „Er hat heute morgen gesagt: ,Wenn du mich brauchst, ich kann ihn übernehmen.‘ Das hat er auch getan. Wenn das Spiel in der Schlussphase anders verlaufen wäre, hätte er ihn vielleicht auch dort verteidigt“, erklärte Fleming dieses Matchup.

Und Schröder sagte auf Nachfrage von basketball.de: „Er ist der beste Spieler [Italiens]. Ich liebe es immer, mir eine Challenge zu geben und die Challenge anzunehmen. Ich wusste, dass er über 19 Punkte im Spiel macht. Das wollte ich verhindern. Karsten hat am Anfang auch einen sehr guten Job gemacht, wir müssen ihm dafür Credit geben.“

Johannes Voigtmann stellte allen deutschen Guards ein Sonderlob aus: „Es war tough, die Guards haben einen super Job gemacht, sich über die Blöcke drüberzukämpfen. In der ersten Halbzeit hatten wir ganz am Anfang noch ein paar Probleme, aber in der zweiten Halbzeit haben wir fast gar keine offenen Schüsse mehr zugelassen. Das war eine super Verteidigungsleistung, das hat uns das Spiel gewonnen.“

Voigtmann selbst überzeugte gegen Italien auch offensiv. Nach dem Spiel bestätigte er auch, dass er sich „zumindest am besten gefühlt“ habe. „Es hat gleich von Anfang an relativ gut gepasst. Für mich war es etwas schwer, ohne richtig Spielpraxis hier anzufangen, aber so langsam kommt das.“ Diese Aussage macht definitiv Hoffnung auf weitere starke Leistungen des Baskonia-Centers.

Und so trumpften gegen Italien wieder andere Akteure auf, die zuvor vielleicht nicht so sehr aufgefallen waren. „Bei ein paar Spielern lief es nicht so gut, wie bei mir zum Beispiel. Da kamen andere von der Bank, wie bei anderen Spielen auch schon – das ist unsere Stärke. Wir sind tief besetzt, wir müssen diese Tiefe ausnutzen“, umschrieb Benzing die DNA des deutschen Teams. Ein großer Baustein davon bei der EuroBasket ist vor allem der Einsatz.

„Das zeigt die Qualität und das Herz dieser Mannschaft: gerade nach so einer Niederlage gegen die Israelis so zurückzukommen und, obwohl wir in der Offense nicht gut spielen, so in der Defense das Spiel zu gewinnen. Gegen die Italiener mit einer solchen Qualität in der Offensive nur 55 Punkte zuzulassen: Hut ab für die Mannschaft“, lobte der Kapitän sein Team.

„Ich glaube, heute Abend müssen wir Litauisch essen gehen“

„Wenn man die Chance hat, Erster zu werden, dann will man sie natürlich nutzen“, blickte Dennis Schröder auf das Duell gegen die Auswahl Litauens voraus, die ebenfalls bei einer Bilanz von 3-1 stehen. Schröder sei bereit, auch 40 Minuten zu spielen, wenn es nötig ist. Trotz gebuchtem Achtelfinalticket will der Point Guard von Schonung nichts wissen.

Nicht mal 19 Stunden nach dem Erfolg gegen Italien kommt es also zum Duell um den ersten Platz (13:45 Uhr deutscher Zeit, live auf Telekom Sport). Wenig Zeit zur Vorbereitung? Robin Benzing hat mit einem Augezwinkern eine Idee: „Wir waren extra beim Italiener. Ich glaube, heute Abend müssen wir Litauisch essen gehen.“

„Das zeigt die Qualität und das Herz dieser Mannschaft“
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