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„Am Ende haben wir einfach naiv gespielt“

04.09.2017 || 01:15 Uhr von: ,
Die deutsche Nationalmannschaft muss bei der EM den ersten Rückschlag hinnehmen: Trotz einer 16-Punkte-Führung im letzten Viertel verliert das DBB-Team gegen Israel.

„Am Ende haben wir einfach naiv gespielt. Wir haben eine 16-Punkte-Führung innerhalb von fünf Minuten abgegeben – das darf uns nicht passieren.“ Daniel Theis fand nach der bitteren 80:82-Niederlage gegen Israel deutliche Worte. Mit einem Bein stand die DBB-Auswahl schon in der KO-Runde in Istanbul, doch nach dem Einbruch im Schlussabschnitt ist in der Gruppe B alles wieder offen.

Die deutsche Mannschaft steht bei einer Bilanz von 2-1, ebenso wie Italien und Litauen. Ausgerechnet gegen diese beiden Schwergewichte wird die deutsche Mannschaft noch antreten müssen. Die restlichen drei Teams weisen eine Bilanz von 1-2 auf. Darunter die Israelis, welche in der Schlussphase gegen Deutschland auf eine lautstarke Halle setzen konnten. „Vielleicht haben wir noch mehr Respekt vor der Halle bekommen“, blickte Theis auf die Schlussphase zurück, als die Zuschauer ins Spiel kamen – welche die DBB-Auswahl im dritten Viertel noch verstummen ließen.

Fastbreak-Vorteil für Israel

Israel begann gut und erzielte die ersten sechs Zähler der Begegnung. Die Forwards Lior Eliyahu und Omri Casspi kamen zu vielen einfachen Punkten in der Zone. Doch die DBB-Auswahl fand danach den Offensivrhythmus. Dabei zeigte sich das im Turnier bislang ausbaufähige Pick-and-Roll als Waffe: So fand Dennis Schröder mehrere Male den abrollenden Big Man für leichte Punkte (zumeist Johannes Voigtmann) oder den freien Schützen auf der Weakside.

Die weiteren kleinen Runs der Israelis konterte unter anderem Schröder mit zwei And-Ones. Allerdings leistete sich der Point Guard auch ein unnötiges unsportliches Foul. Dank guter Verteidigung und starkem Passspiel im Angriff sicherte sich der Gastgeber der Vorrundengruppe eine 23:18-Führung nach dem ersten Viertel.

Auch im zweiten Durchgang war Israel zunächst überlegen. Die deutsche Mannschaft konnte die Drives der Israelis nicht stoppen. Das Ball-Movement war nach wie vor gut, zwei Dreier führten zur ersten zweistelligen Führung (33:23). Zusätzliche Faktoren waren die Vorteile Israels am offensiven Brett und im Fastbreak, wo Deutschland in der ersten Halbzeit keinen einzigen Punkt erzielte! Bereits im Vorfeld der Partie hatte Bundestrainer Chris Fleming vor der Fastbreak-Stärke der Israelis gewarnt.

Schröder hielt Deutschlands Offensive fast im Alleingang am Laufen und war für nahezu alle Punkte mitverantwortlich. Zudem gelang es dem DBB-Team, viele Fouls zu ziehen und an die Freiwurflinie zu gehen (13 Mal in der ersten Halbzeit).

Noch vor der Pause holte Deutschland aber sogar ohne Schröder auf, da das DBB-Team besser verteidigte. Die erste Führung entstand nach einem eigentlich missglückten Angriff: Der erstmals im Turnier eingesetzte Patrick Heckmann rettete gerade so vor der Backcourt-Violation, Isaiah Hartenstein verwandelte kurz vor Ablauf der Wurfuhr per Dreier zum 39:38.

Auch im Pick-and-Roll war das DBB-Team weiterhin erfolgreich, wie kurz vor der Halbzeit durch Danilo Barthel. Mit 43:43 ging es in die Pause.

Auf starkes drittes Viertel folgt Einbruch

Den dritten Abschnitt startete das DBB-Team mit einem 10:2-Lauf. Hauptverantwortlich dafür war Daniel Theis, der im zweiten Durchgang an Stelle von Barthel begann. Mit drei Offensiv-Rebounds sorgte er für sechs Punkte, zudem verwandelte Schröder zwei Freiwürfe.

Nur vier Minuten nach Beginn des Viertels musste der Spielmacher allerdings mit vier Fouls (darunter ein technisches Foul) aus dem Spiel. Doch auch ohne ihn baute Deutschland den Vorsprung sogar auf zwischenzeitlich 13 Punkte aus: Voigtmann punktete per And-One, Karsten Tadda bestrafte einen Ballverlust der Israelis im Spielaufbau.

Der Gastgeber wirkte in dieser Phase generell unkonzentriert, was sich in Turnovern und schlechtem Ausboxen zeigte. Ende des dritten Viertels war das Spiel sehr zerfahren. Es gab viele Fouls und dementsprechend auch Freiwürfe. Casspi brachte Israel auf neun Punkte heran, doch Ismet Akpinar konterte umgehend per Dreier. Nach dem dritten Abschnitt lautete der Spielstand 69:57 für Deutschland. Trotz Schröder auf der Bank während eines Großteils des Viertels gewann Deutschland dieses mit 26:14.

Der Point Guard der Hawks kam allerdings zu Beginn des Schlussviertels zurück und zog gleich ein weiteres And-One. Der bis dahin unauffällige Robin Benzing baute die Führung danach sogar per Dreier auf 16 Punkte aus (75:59). Doch direkt danach fiel die deutsche Mannschaft in ein großes Loch. Israel verteidigte Schröder nun aggressiv im Pick-and-Roll, und die freien Schützen, unter anderem Maodo Lo, konnten ihre freien Würfe nicht nutzen.

Casspi übernahm und führte sein Team zu einem 19:2-Lauf, der Israel erstmals seit langer Zeit wieder in Führung brachte. Theis an der Linie und Schröder per Lay-up ergatterten zwar die Führung zurück, doch 28 Sekunden vor Schluss traf Israels Guy Pnini per Dreier zum 81:80 für die Gastgeber – letztlich der entscheidende Wurf, da auf der anderen Seite erst Schröder und mit der letzten Chance auch Theis vergaben.

„Am Ende erzählt dir Basketball die Wahrheit“

Deutschland verspielte also eine 16-Punkte-Führung und musste eine bittere Niederlage hinnehmen. Gründe für diesen Einbruch gab es viele. „Wir haben nicht gut exekutiert, schlechte Defense gespielt und das Glück war ein bisschen auch auf der Seite der Israelis“, bilanzierte Kapitän Benzing. „Wir haben uns ein kleines Loch gegraben, sind da reingefallen und nicht mehr herausgekommen.“

Fleming schlug in die gleiche Kerbe: „Am Ende erzählt dir Basketball in den meisten Spielen die Wahrheit. Wir haben offensiv nicht exekutiert, ein paar freie Würfe nicht getroffen und hatten einige Angriffe, in denen wir schlechte Würfe genommen und schlechte Pässe gespielt haben.“

Auf die Schiedsrichterentscheidungen angesprochen, äußerten sich alle DBB-Akteure dahingehend, dass man das Spiel selbst aus der Hand gegeben habe. Einzelne Pfiffe könne man laut Fleming diskutieren, doch „das Technische Foul an Dennis war glaube ich in Ordnung – dafür hätte Casspi genau das gleiche bekommen müssen.“ Auch Schröder machte bei den Unparteiischen keine Entschuldigung geltend: „Da muss man einfach tough weiterspielen und eben versuchen, noch besser zum Korb zu gehen.“

„Wir müssen es nach Hause bringen. Es gibt keine Entschuldigung dafür. Wir haben ihnen zu viele einfache Stops gegeben. Wir haben unsere Würfe nicht gemacht und schlechte Defense gespielt“, meinte Johannes Voigtmann. Auch Benzing sprach die vielen Ballverluste in der Endphase an: „Wir müssen konstant weiterspielen, wenn wir eine gute Führung haben: dass wir nicht die Bälle wegwerfen und uns nicht aus der Ruhe bringen lassen.“ Dennoch schaut Benzing mit Optimismus nach vorne: „Die Welt geht nicht unter, es geht weiter.“

Das tut es natürlich – und zwar schon am Dienstagnachmittag, wenn die deutsche Nationalmannschaft auf Italien trifft. Auch die Squadra Azzura kassierte am Sonntag gegen Litauen ihre erste Niederlage im Turnier. Wie das DBB-Team die nächste Spiele angehen müsse? „Wie wir es die letzten Spiele auch gemacht haben: mit Selbstbewusstsein“, erklärte Schröder. Das dürfte zwar angeknackst sein, doch es geht darum, das Positive zu suchen, um dieses Selbstbewusstsein wieder zu finden.

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