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DBB-Team gelingt Überraschungserfolg gegen Serbien

25.02.2018 || 09:00 Uhr von:
Die deutsche Nationalmannschaft bleibt in der WM-Qualifikation nach dem 79:74-Sieg über Serbien ungeschlagen. Das Team von Henrik Rödl zeigte eine couragierte Vorstellung gegen geschwächte Serben.

Das Spiel im Schnelldurchlauf

„Wir waren ein bisschen zögerlich, waren nicht so aggressiv wie wir wollten.“ Andreas Obst fasste das Problem seiner Mannschaft in der Anfangsphase treffend zusammen. Gerade Miroslav Raduljica dominierte nach Belieben und die Serben sicherten sich früh einige Offensivrebounds. Aus dem 4:5 machten die Gäste so ein 4:12 und erhöhten durch einen Dreier des Centers sogar auf 6:17. Mit einem weiteren Dreier läutete Obst die Aufholjagd ein. Mehr Aggressivität, vor allem in der Verteidigung, brachte das DBB-Team bis zum Ende des ersten Viertels auf 20:26 heran.

Mit einem Dunking von Isaiah Hartenstein nach Pass von Joshiko Saibou gelang kurz nach Beginn des zweiten Viertels der Ausgleich. Ein Dreier von Ismet Akpinar brachte einen Angriff später die erste deutsche Führung. Bis zum Ende des Viertels blieben beide Mannschaften dicht an dicht. Serbiens Geburtstagskind in Diensten der Erfurter Rockets, Sava Lesic erzielte mit zwei Freiwürfen den 40:41-Pausenstand. Beide Teams wiesen zur Halbzeit nahezu identische Statistiken auf, den Vorteil der Serben beim Offensivrebound glichen die Deutschen mit weniger Ballverlusten aus.

Der Start in die zweite Halbzeit verlief schleppend, es gab viel Kampf und Punkte erzielten die Akteure vor allem an der Freiwurflinie. Erst zur Mitte des Abschnitts kam Schwung in die Angriffsaktionen, die Deutschland zu einer kleinen 54:50-Führung nutzten. Die Schlussphase des Viertels gehörte dann eher den Gästen, die durch einen Buzzerbeater von Ilija Djokovic eine knappe 57:59-Führung ins Schlussviertel nahmen.

Der serbische Guard begann auch das vierte Viertel mit einem Dreier, den Hartenstein und Saibou jedoch zum 62:62 ausgleichen konnten. Ein unsportliches Foul von Milenko Tepic nutzten erneut Saibou und Bastian Doreth dazu, den 10:0-Lauf zu vollenden und brachten das Team von Henrik Rödl 67:62 in Führung. Die Gastgeber wehrten nun alle Konter des Vizeeuropameisters ab. Niels Giffey erhöhte mit einem And-One die Führung, Hartenstein und Akpinar behielten an den Freiwurflinie die Nerven. Als Dejan Todorovic 23 Sekunden vor dem Ende einen Dreier nicht im Netz unterbrachte, war die Sensation perfekt. So schmerzte es auch nur wenig, dass Robin Benzings Dreier aus der Ecke, einen Wimpernschlag nach dem Buzzer, den Endstand von 79:74 nicht noch weiter erhöhte.

Glanzlichter

Der dritte Sieg im dritten WM-Qualifkationsspiel war vor allem eine Teamleistung. Trotzdem ragte von den Punkten Kapitän Robin Benzing mit 17 heraus. Zweitbester Schütze wurde Isaiah Hartenstein, der elf Zähler zum Erfolg beisteuerte. Am längsten stand Ismet Akpinar auf dem Parkett, der Ulmer Guard erzielte neun Punkte in 24:10 Minuten. Bis auf Karsten Tadda und Debütant Isaac Bonga spielten alle Akteure über zehn Minuten und erzielten Punkte. Bei Serbien ragte Miroslav Raduljica mit 22 Zählern heraus, mit ein wenig Foulproblemen setzte Sasa Djordjevic ihn allerdings nur knapp 17 Minuten ein. Ebenfalls im zweistelligen Bereich war Ivan Panuic mit 11 Punkten. Stefan Peno von ALBA Berlin erzielte zwei Punkte und zwei Assists. Erfurts Lesic erzielte ebenfalls zwei Punkte, war mit sieben Rebounds jedoch der beste Spieler in dieser Kategorie.

Gerade die relativ unerfahrenen Akpinar, Saibou und Hartenstein zeigten in der entscheidenden Phase keine Nerven und erspielten den Sieg. Aber auch Bundestrainer Rödl hob auf der Pressekonferenz heraus, dass es keine Spieler herauszuheben gab. Es ist ein Team, das weiß, dass es nicht die A-Besetzung ist, ohne die fehlenden NBA- und EuroLeague-Spieler. Trotzdem kämpften sie herausragend und zeigten auch spielerisch keine schlechte Leistung.

Jugend forscht erfolgreich

„Es ist nochmal ein besseres Gefühl in Frankfurt gegen Serbien, eine Basketballnation zu gewinnen. Es war eine gute Mannschaftsleistung mit viel Kampf und wir konnten es zum Glück nach Hause bringen“, freute sich Andi Obst über die weiter blütenweiße Weste in der WM-Qualifikation. Der Erfurter wird das Spiel auch noch weiter im Locker Room in Erinnerung halten: „Das wird er (Sava Lesic, Anm. d. Red.) sich noch länger anhören, solange bis es mir keinen Spaß mehr macht.“

Ganz neu dabei auf dem Feld der Nationalmannschaft ist Isaac Bonga. Der 18-Jährige stand im ersten Fenster bereits im Kader und kam nun vor eigenem Publikum zu seinem Debüt: „Es ist ein tolles Gefühl, vor allem gegen Serbien, eine Mannschaft gegen die man nicht immer gewinnt. Und dann noch hier zuhause mein erstes Länderspiel zu machen ist ein tolles Gefühl.“ Der junge Guard machte die Aggressivität im Spiel als Hauptgrund für den Sieg aus: „Wir haben immer versucht aggressiv zu bleiben, das war unser Motto. Wir versuchen eine Mannschaft zu sein, gegen die es hart zu spielen ist. Das haben wir versucht über vier Viertel aufrecht zu erhalten. Nach dem das ersten Viertel so lala war, lief eigentlich alles gut.“ Der Debütant stand zwar nur 2:34 Minuten auf dem Parkett und konnte noch keinen Punkt erzielen, war aber dennoch zufrieden: „Für mich geht das alles schnell. Erst im Kader, jetzt im Spiel. Von daher bin ich ziemlich zufrieden Spielzeit zu bekommen.“

Nationalmannschaftsfenster #2

Deutschland ist nach dem dritten Sieg weiterhin Tabellenführer der Gruppe G. Auf dem zweiten Platz folgen die Serben, die zuvor ebenfalls ungeschlagen waren. Nach der Hinrunde reicht dem deutschen Team ein weiterer Sieg, um die rechnerische Qualifikation für die zweite Phase sicherzustellen. Die ersten drei Teams in der Gruppe, in der Georgien und den sieglosen Österreicher auf den Plätzen folgen, kommen weiter.

Doch wie immer beim Thema Nationalmannschaftsfenster gilt auch dieses Mal wieder ein Blick den fehlenden Spielern. Bei allem Respekt vor der Leistung des deutschen Teams, der Gegner hatte wenig gemein mit den Silbergewinnern der EuroBasket. Stefan Bircevic war der einzige Spieler aus dem EM-Kader, der in Frankfurt dabei war. Neben den NBA- und EuroLeague-Spielern schonte Djordjevic auch die beiden angeschlagenen Bayern-Profis Stefan Jovic und Vladimir Lucic. Mit Stefan Peno, ALBA Berlins Backup-Point Guard in der Starting Five erscheint die Hürde Serbien beispielsweise weit weniger unüberwindbar als mit Spielern wie Micic, Teodosic oder Jovic.

Unabhängig von den Ausfällen zählt der Sieg jedoch für den Weg zur WM 2019 in China. Den nächsten Schritt will das deutsche Team in Georgien machen. Am Sonntag um 16 Uhr fordert der Gruppendritte die Jungs um Kapitän Robin Benzing. Im Hinspiel hatten die Georgier „in den ersten drei Vierteln gefühlt überhaupt nicht daneben geworfen von der Dreierlinie“ erinnerte der Bundestrainer an das knappe 79:70, das keinerlei Grund gebe die Osteuropäer zu unterschätzen. In ihrem dritten Auswärtsspiel gewann das Team um Michael Dixon in Österreich mit 78:64. Bereits am Samstagmorgen flog das DBB-Team mit einer Chartermaschine nach Tiflis. Ein richtiges Training wird es dort vor dem vierten Spiel nicht mehr geben, verriet Rödl nach dem Sieg. Bereits vor der Partie gegen Serbien bereitete sein Trainerstab das Team auf die zweite Aufgabe vor.

Ein guter Sieg, der nicht überbewertet werden darf

Das Spiel gegen Serbien war ein echter Achtungserfolg. Am Tag des Finaleinzugs der Eishockey-Nationalmannschaft bei Olympia zeigte auch das deutsche Basketball-Team, dass es für positive Nachrichten sorgen kann. Auch wenn bei Serbien viele große Namen fehlten, ist es ein Sieg über eine Nation, die Basketball lebt. Das merkte man auch auf den Rängen, die zeitweise den Eindruck eines serbischen Heimspiels erweckten. Der Prestigeerfolg ist zum einen wichtig für das Selbstvertrauen der Mannschaft, die in Abwesenheit der Stars den DBB in Richtung China bringt und vermutlich auch in der nächsten Saison tun wird. Zum Anderen ist der Sieg wichtig, da er mit in das zweite Fenster genommen werden kann. Trotzdem darf er auf Grund der Absagen nicht überbewertet werden. Der gute Trend seit der Europameisterschaft hält jedoch an. Die neue Generation Nationalspieler macht Spaß.

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