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Prospect Watch: Jacob Mampuya

03.11.2015 || 10:25 Uhr von:
Eine herausragende Athletik sowie hoher Ehrgeiz in der Verteidigung sind die Markenzeichen von Jacob Mampuya. Im Artland vollzieht er den Feinschliff in seinem Spiel.

Im Rahmen der „Prospect Watches“ stellt basketball.de in regelmäßigen Abständen aussichtsreiche Talente der deutschen Basketballszene vor. Nach Daniel MayrJulian AlbusDominic LockhartJan Niklas WimbergDavid BremblyStephan HaukohlMahir AgvaIsmet AkpinarJohannes RichterStefan Ilzhöfer, Christian Standhardinger und Joschka Ferner sowie Anthony „TJ“ DiLeo  geht es diesmal um Jacob Mampuya, den Sleeper bei den Artland Dragons.

Biographie:

    • Name: Jacob Mampuya
    • Geburtsdatum: 04.10.1994
    • Geburtsort: Berlin, Deutschland
    • Position: Small Forward
    • Größe: 1,98 m
    • Gewicht: 81 kg
    • bisherige Vereine: VfL Kirchheim Knights (ProA), Saint Louis Christian Academy (USA), Eisbären Bremerhaven (NBBL)

Ob Dominique Johnson, Maurice Pluskota, Jonathan Malu, Bazoumana Koné oder Bill Borekambi – Hamed Attarbashi hat während seiner Zeit in Bremerhaven eine ganze Reihe an Talenten zu ProA- oder Beko-BBL-Spielern gemacht. Noch nicht dort angelangt, aber auf dem Weg dorthin, ist Jacob Mampuya, seines Zeichens Small Forward der Artland Dragons in der 2. Basketball-Bundesliga ProB. Und obwohl die Drachen mittlerweile nicht mehr in der Beko Basketball-Bundesliga ihr Feuer speien und obwohl Jacob Mampuya dem Gros der Basketballlandschaft in Deutschland nicht sehr bekannt sein dürfte, hat der 21-Jährige das Potenzial zu einem waschechten Sleeper.

Ein Fetischist des US-Basketballs

Seine erste Profisaison absolvierte Mampuya im vergangenen Jahr bei den Kirchheim Knights in der ProA. Nachdem der knapp zwei Meter große Flügelspieler ein Jahr an einer High School in Saint Louis verbracht hat, kam Kirchheims Trainer Michael Mai auf Mampuya zu, um ihm die Möglichkeit zu geben, seine Profikarriere in der zweithöchsten deutschen Spielklasse zu starten.

Die Saison verlief letztlich jedoch sehr enttäuschend für Mampuya. In einer Spielzeit der Knights, die mit einer Berg- und Talfahrt vergleichbar war, stand der junge Flügelspieler lediglich in fünfzehn Partien auf dem Parkett und spielte nur zweimal länger als zehn Minuten. „Der Trainer sagte mir, dass ich an taktischer Disziplin vermissen lasse und ich noch zu jung bin“, erklärt Mampuya mit enttäuschter Miene. Ausgerechnet im letzten Saisonspiel zeigte der gebürtige Berliner mit kongolesischen Wurzeln, zu was er imstande ist: Gegen die MLP Academics Heidelberg stand Mampuya 19:32 Minuten – so lange wie kein weiteres Mal in der Saison – auf dem Parkett. Dabei verbuchte er zehn Punkte und vier Ballverluste auf seinem Konto.

Er selbst gibt zu, dass „es seine Zeit brauchte, um das europäische Spiel zu lernen“, denn obwohl der 21-Jährige nahezu sein gesamtes Leben in Deutschland verbracht hat, ist er vor allem ein Fan des NBA-Basketballs. Magic Johnson und Kevin Durant gehören zu seinen Lieblingsspielern: „An Magic Johnson gefällt mir vor allem, dass er vier Positionen verteidigen konnte. Das fasziniert mich.“ Doch auch der deutsche NBA-Spieler Dennis Schröder ist für Mampuya eine Größe, zu der er aufschaut. „Als Dennis Schröder seine ersten Schritte in der BBL machte, hat er sich insbesondere mit Hilfe seiner Defense enorm viel Kredit erarbeitet. Mittlerweile hat er diesbezüglich wieder etwas nachgelassen, aber die konzentrierte Verteidigung über das ganze Feld war sein Prunkstück. Ich möchte auch ein Spieler sein, der sich über seine Defense einen Namen macht“, kündigt Mampuya an.

Die zweite Welle?

20151031_290x350_Jacob_Mampuya_01In der laufenden Saison führt er mit den Artland Dragons die ProB-Nordstaffel mit fünf Siegen aus sechs Spielen an. Mit den Burgmannsstädtern möchte Mampuya auf der zweiten Welle gleiten – in doppelter Hinsicht, denn sowohl für die Dragons, die sich im Sommer aus der Beko Basketball-Bundesliga zurückzogen, als auch für Jacob Mampuya stellt die neue Spielzeit einen Neuanfang dar.

Die erste Welle in seiner Entwicklung erlebte der Small Forward in Bremerhaven. Im Alter von fünfzehn Jahren zog es Mampuya von der Hauptstadt an die Küste. Mit dem Umzug im jungen Alter warf der Flügelspieler seinen ersten Rettungsanker aus, denn sowohl auf dem Parkett als auch im schulischen Bereich stagnierte der Sohn kongolesischer Eltern, die vor seiner Geburt aus dem Kongo nach Deutschland flüchteten. In seiner Heimat Berlin-Neukölln geriet der Neu-Drache in ein schwieriges Umfeld, das seine Entwicklung hemmte.

In Bremerhaven wurde Mampuya von Hamed Attarbashi, dem heutigen Trainer der Hamburg Towers, herzlich aufgenommen und einer Wohngemeinschaft zugeteilt. „Die Konstellationen wurden jedes Jahr geändert. In Bremerhaven wurde das so arrangiert, dass nach einem Jahr zum Beispiel leistungsschwächere Schüler mit leistungsstärkeren zusammengeführt wurden. Auf diese Weise konnte ich mich auch schulisch weiterentwickeln und schließlich meinen Realschulabschluss absolvieren. Hamed Attarbashi hat mir basketballerisch als auch schulisch enorm weitergeholfen. Ohne ihn stände ich heute nicht dort, wo ich bin“, zeigt sich Mampuya bestätigt darin, dass die Entscheidung, Berlin früh zu verlassen, auch im Nachhinein die richtige war.

„Meine Arbeitseinstellung hätte besser sein müssen“

Seine basketballerische Entwicklung in der Küstenstadt schlägt sich auch statistisch sehr deutlich nieder: Kam er in seiner ersten NBBL-Saison noch auf 1,3 Punkte und 2,2 Rebounds pro Partie, so steigerte er sich im zweiten Jahr bereits auf 4,5 Zähler und 2,5 Boards. In seiner letzten NBBL-Spielzeit 2012/2013 war Mampuya schließlich zum Leistungsträger aufgestiegen: Mit 9,3 Rebounds pro Begegnung gehörte er zu den besten Reboundern auf seiner Position. Seine 10,7 Punkte und 1,8 Assists in weniger als 25 Minuten pro Spiel zeugen davon, dass der Small Forward auch in der Offensive ein vielfältigeres Arsenal in seinem Spiel etablierte. „Bevor ich zu Hamed Attarbashi kam, konnte ich gar kein Basketball spielen“, gibt der heute 21-Jährige zu, der mit elf Jahren in Berlin mit dem Basketballspielen begann und bei der IBBA Berlin unter anderem erste Erfahrungen sammelte.

Im Herrenbereich stand Mampuya erstmals im Alter von siebzehn Jahren für die BSG Bremerhaven in der 2. Regionalliga Nord auf dem Feld. An der Seite von Jonathan Malu (heute Köln), Bazoumana Koné und Helge Baues (beide Hamburg) brachte es Mampuya auf angesichts seines Alters recht beachtliche 8,7 Zähler pro Partie. Trotz seines persönlichen Aufstiegs in Bremerhaven zeigt Jacob Mampuya rückblickend Reue: „Meine Arbeitseinstellung hätte noch besser sein müssen. Zwar hatte ich schon viel trainiert, doch Hamed Attarbashi war jemand, der wirklich alles aus mir herauskitzeln wollte. Er hat mir jederzeit die Chance gegeben, zusätzlich zu trainieren. Ich nahm die Ratschläge nicht immer an. Das war ein Fehler.“

Nach seinem letzten NBBL-Jahr, in dem Mampuya mit Bremerhaven nur haarscharf am NBBL-Top-Four vorbeischrammte, entschied sich der Flügelspieler für eine erneute Veränderung in seinem Werdegang. Da ihn die in Bremerhaven aufgezeigte Perspektive nicht reizte, wechselte er für ein Jahr an die Saint Louis Christian Academy in den USA. Dort bestand der Small Forward seine nächste persönliche Reifeprüfung, denn nachdem Mampuyas sportlicher und schulischer Werdegang fünf Jahre zuvor in Berlin auf der Kippe standen, arbeitete er sich hoch bis zum High-School-Diplom. Im Vordergrund stand allerdings auch in Saint Louis weiterhin der Basketball: „Ich hatte nur wenige Fächer und viel Freizeit, dafür standen aber bis zu drei Stunden Basketball für mich auf dem Programm. Ich musste meinen kompletten Arbeitsethos anpassen, denn in den USA war harte Arbeit selbstredend.“

Artland und Mampuya – eine spontane Liaison, die funktioniert

20151031_290x350_Jacob_Mampuya_02Dass der Modellathlet ein Jahr nach seinem High-School-Abschluss – also nach der Saison 2014/2015 in Kirchheim – den zweiten Rettungsanker auswerfen müsste, hatte sich der 21-Jährige vor seinem Engagement bei den Knights nicht ausmalen können. „Kirchheims Trainer Michael Mai hatte mich in Berlin bei einem Turnier spielen sehen und mir tolle Perspektiven aufgezeigt. Im Nachhinein nehme ich den Trainingswettkampf als positiven Impuls mit. Allerdings gibt es auch Argumente dafür, um von einem verschwendeten Jahr zu sprechen“, erklärt der gebürtige Berliner.

Im Sommer 2015 trafen sich im Norden Deutschlands mit Jacob Mampuya und den Artland Dragons zwei Gestrandete – zwei Gestrandete, die gemeinsam wieder Fahrt aufnehmen wollten und sich momentan ganz offenbar auf dem richtigen Kurs bewegen. Dabei kam die Liaison zwischen Mampuya und den Dragons relativ spontan zustande. Die Bestätigung für das Teilnahmerecht der Artland Dragons am ProB-Wettbewerb zögerte sich lange hinaus. Relativ zeitnah nach der Lizenzerteilung brauchten die ProB-Drachen unter anderem einen neuen Geschäftsführer und neuen Head Coach. Der Trainingsauftakt war dementsprechend mehr oder weniger ein Try-out, an dem auch ebenjener Jacob Mampuya teilnahm. Zum Kontakt kam es über die Numbers Sports Agency, zu deren Klienten sowohl Mampuya als auch Quakenbrücks Trainer Dragan Dojcin gehören. Mampuya wusste bei Dojcin im Try-out im Besonderen durch seine herausragende Athletik zu überzeugen. Und auch nach mittlerweile sechs bestrittenen Saisonspielen überzeugt der Swingman:

Nächsten Rettungsanker verhindern – durch Kontinuität?

Mit 10,7 Punkten pro Partie ist er aktuell nach Megatalent Isaiah Hartenstein sowie Routinier Benjamin Fumey der drittbeste Punktesammler beim Tabellenführer der Nordstaffel der ProB. Zusätzlich kommt Mampuya auf 4,0 Rebounds, 2,2 Assists, 2,3 Steals, 0,7 Blocks und 1,7 Turnovers pro Partie – Werte, die in einer Liga, in der so manch ein Spieler astronomische Statistiken auflegt, nicht exorbitant herausstechen. Jedoch verfügen die Artland Dragons über eine ungewöhnlich hohe Tiefe in ihrem Kader: Quakenbrücks Flügel- bzw. Aufbauspieler Joel Mondo und Jonathan Ghebreigziabiher spulten in der vergangenen Spielzeit beim ProB-Playoff-Team in Magdeburg 23 bzw. 29 Minuten pro Partie ab, in Quakenbrück stehen die beiden bislang keine zehn Minuten je Spiel auf dem Feld.

Und so ist Jacob Mampuya derzeit bei den Artland Dragons einer von zwei Spielern, die im Schnitt über 25 Minuten spielen. Vor allem ist er aber auch kein deutscher Akteur, der in aller Regel in der Ecke oder auf der Weakside steht, um auf den Moment zu warten, in dem ein Wurf für ihn kreiert wird. Gerade in den vergangenen Spielen hat Mampuya ab und an auch sogar als Ballvorträger fungiert. Dabei ist dem 21-Jährigen schon anzusehen, dass er perspektivisch vermeintlich kein klassischer Point Forward ist. Berechenbar sind Mampuyas Entwicklungsschritte jedoch keineswegs.

Allen voran in seiner Verteidigungsarbeit spiegelt sich die intensive Trainingsarbeit bei den Artland Dragons wider. Die Niedersachsen genießen nach wie vor den Luxus, eine eigene Trainingshalle zu haben, in der sie in einer Woche bis zu zehn Trainingseinheiten absolvieren. In den ersten Vorbereitungsspielen neigte Mampuya sehr häufig dazu, in der Verteidigung äußerst hektisch und sehr instinktiv zu agieren, anstatt sich in erster Linie auf eine grundsolide Beinarbeit und auf gesunde Antizipationshandlungen zu verlassen.

Vom Prinzip „Steal oder Gegenpunkte“ hat sich der gebürtige Berliner mittlerweile verabschiedet. Das Sprungwunder mit den langen Armen (Armspannweite: ca. 2,10 Meter) ist der beste Verteidiger auf den kleinen Positionen bei den Drachen. Nach Isaiah Hartenstein legt er laut der Statistikdatenbank „Real GM“ teamintern das zweitbeste Defensiv-Rating bei der bis dato effizientesten Verteidigungsmannschaft der Liga auf. Aufgrund seiner schlanken Figur (81 Kilo verteilt auf 1,98 Meter) hat Mampuya einen hohen Bewegungsradius. Bei den Dragons verteidigt er (alternativ auch Alexander Goolsby) oft jeweils die besten Offensivspieler im gegnerischen Backcourt – gerne auch über das ganze Spielfeld hinweg.

Ein Fragezeichen für künftige Entwicklungsschritte stellt Mampuyas Statur dennoch dar. Aufgrund seiner Größe von 1,98 Meter wäre er in der Beko Basketball-Bundesliga perspektivisch am ehesten auf der Position des Small Forwards anzusiedeln. Um dort allerdings körperlich konkurrieren zu können, sollte Mampuya in den kommenden Offseasons noch einige Kilos zulegen. Andernfalls wäre er womöglich auf höherem Level auf der Position Zwei defensiv eher gefragt. Dafür wiederum müsste er sein Ballhandling auf ein noch höheres Niveau führen, als es bereits ist.

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In der Offensive erlangt Mampuya stetig ein besseres Gefühl für das Spiel. Seine Wurfmechanik ist im Training sehr flüssig, im Spiel lässt er den Ball tendenziell noch manchmal zu überhastet und abrupt los. Den Dreipunktwurf nimmt er primär aus dem Catch-and-Shoot, aus der Mitteldistanz schließt er jedoch gerne auch per Pull-up-Jumper ab. Nach und nach etabliert Mampuya ebenfalls ein ausgereifteres Reaktionsvermögen hinsichtlich Helfersituationen in der gegnerischen Verteidigung – eine Steigerung, die auch der intensiven individuellen Trainingsarbeit von Assistenztrainer sowie Abteilungs-Allrounder Florian Hartenstein zuzuschreiben ist. Der Lieblings-Move des Dragons-Flügelspielers ist das Hesitation-Dribbling mit der linken Hand, das er auch deshalb so effektiv einbringen kann, weil er sowohl über einen soliden Mitteldistanzwurf als auch über einen schnellen Antritt aus dem ersten Schritt heraus verfügt. Trotzdem ist der Wurf noch das größte Manko in Mampuyas Offensivspiel.

Die Streuung ist noch relativ hoch, und aktuell steht er noch ein wenig im besagten Konflikt mit den Positionen. Für die Position Drei bringt der 21-Jährige vorne mit seinen Anlagen im Catch-and-Shoot, seinem Ballhandling sowie einer herausragenden Athletik positionsimmanente Begabungen für einen klassischen Flügelspieler mit gewissen Ballhandling-Anteilen mit. In der Defensive muss er nun an seine bisherigen Entwicklungsstufen anknüpfen und sich körperlich künftig der Statur eines BBL-Small-Forwards ansatzweise annähern. Andernfalls verfügt er auch über die Athletik und Beweglichkeit, um auf der Zwei zu verteidigen. Um aber wirklich als Shooting Guard (oftmals ein zweiter Spielmacher in der BBL) zu agieren, müsste er sich in einigen Teamkonstellationen wiederum noch sauberere Dribbling- und Pick-and-Roll-Standards erarbeiten.

Mit 21 Jahren ist Jacob Mampuya noch ein recht junges Talent, jedoch auch kein Jugendspieler mehr. Dennoch wäre es für seine Entwicklung wichtig, zukünftig wieder ein wenig Kontinuität in seinen Lebenslauf zu bringen und mit einer Mannschaft sowie denselben Trainern und einem vertrauten System über zwei oder drei Jahre hinweg seine Fertigkeiten auszubauen.

Am Kampfgeist mangelt es dem Small Forward nicht, denn auf einen weiteren Rettungsanker möchte er endgültig verzichten.

Im Interview mit basketball.de erläutert Mampuya seine bisherigen Entwicklungsstufen und Zukunftspläne:

„Konnte nicht zusehen, wie andere härter arbeiten als ich“

basketball.de: Jacob, vor der Saison hast du angekündigt, dass du jemand bist, der zum Korb ziehen, werfen und dabei auch ein wenig seine Mitspieler freispielen kann. Bist du mit deinen bisherigen Leistungen in dieser Saison zufrieden?

Jacob Mampuya: Meine Erwartungen wurden übertroffen. Zufrieden bin ich vor allem mit meiner Verteidigung. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so eine gute Defense spielen kann. Mittlerweile kann ich meinen Mann in einer Ganzfeldverteidigung ständig vor mir halten. Mich befriedigt es, wenn ich sehe, dass der gegnerische Trainer meinen Gegenspieler auswechselt, weil ich ihn aus dem Spiel genommen habe. Auf jeden Fall möchte ich das jetzt konservieren und den Rest stetig ausbauen. Ich kann die Positionen Eins bis Drei verteidigen.

Woran möchtest du jetzt noch am meisten arbeiten?

Ich muss meine Wurfkonstanz verbessern, gerade was meinen Dreipunktwurf betrifft. Im Training fühle ich mich sicher mit meinen Würfen, im Spiel bin ich aber noch zu hektisch. Wenn ich aus der Mitteldistanz werfe, fühlt sich das schon ganz gut an. Aber von der Dreierlinie habe ich im Spiel noch eine schräge Wurftechnik. Im Spiel habe ich manchmal die Sorge, dass ich einen Backstein werfe, und lasse den Ball deshalb abrupt los. Wenn ich alleine trainiere, ist speziell auch nochmal das Ballhandling ein großes Thema.

Während deiner jungen Karriere bist du schon gut herumgekommen. Unter anderem hast du ein Jahr in Saint Louis an einer Highschool verbracht. Wie kam es dazu?

Mein Agent hat diese Chance für mich eingefädelt. Ich habe in Saint Louis wirklich gemerkt, dass Basketball in den USA das Brot und Wasser für viele Leute ist. Vor allem habe ich dort gelernt, hart zu arbeiten. In Bremerhaven hatten wir um sechs Uhr vor der Schule Training. Das hatten wir alle für extrem hart empfunden. In den USA war die Grundeinstellung eine komplett andere: Dort war es selbstverständlich für alle, um fünf Uhr morgens oder noch früher aufzustehen, um dann zu trainieren. Ich konnte nicht zusehen, wie andere härter arbeiten als ich. Deshalb habe ich mich angepasst. Wir trainierten nur einmal am Tag, dafür aber drei Stunden am Stück. Am Ende jedes Trainings war ein Sprint von Grundlinie zu Grundlinie angesagt – je elfmal. Wir mussten die Strecke in unter einer Minute schaffen. Wenn man genau eine Minute schaffte, musste man noch mehr laufen. Das Training war nicht mehr lustig. Manche hatten Albträume von dem Coach. Das war schon ein Bootcamp, aber das Programm hat mir sehr weitergeholfen. Dadurch konnte ich unter anderem meine Athletik verbessern. Auch abseits vom Basketball hat sich das Jahr gelohnt: Ich habe meine Englischkenntnisse weiter verbessert und mein Highschool-Diplom abgelegt.

Musstest du an deiner Athletik grundsätzlich besonders intensiv arbeiten, um sie auf das jetzige Level zu führen?

Das liegt an meinen Genen. Ich konnte schon mit vierzehn Jahren dunken. Natürlich mache ich aber auch die ein oder andere Übung. Das Jahr in Amerika hat mir in der Hinsicht ebenfalls geholfen. Wir hatten oft Bergläufe veranstaltet. Auch Dmitar Marceta hat mit seinem Aufbauprogramm, das immer intensiver wurde, seinen Anteil daran, dass ich so athletisch bin.

Wie bist du im Alter von fünfzehn Jahren von Berlin nach Bremerhaven gekommen?

Mein Vater hat das in die Wege geleitet. Ich kam damals vom Training und mein Vater erzählte mir, dass er mit Hamed Attarbashi, der zu der Zeit bei den Eisbären Bremerhaven war, gesprochen hatte. Berlin hatte mir nicht gut getan. Ich war in ein schlechtes Umfeld geraten. Das hatte mich davon abgehalten, mit meiner Basketballkarriere durchzustarten. Daraufhin sprach ich mit Hamed und erarbeitete mit ihm einen Plan, wie ich basketballerisch und schulisch vorankomme. Hamed hat mir wahnsinnig geholfen. Wir waren in Wohngemeinschaften untergebracht, die so organisiert waren, dass leistungsschwächere Schüler mit leistungsstärkeren zusammengeführt wurden. Der Umzug nach Bremerhaven hat mich also nicht nur in sportlicher Hinsicht weitergebracht.

Kannst du die Trainingsbedingungen in Quakenbrück mit denen in Kirchheim vergleichen?

Dazwischen liegen Welten. In Quakenbrück wird auf BBL-Niveau trainiert. In Kirchheim konnten wir manchmal erst etwas später als geplant in die Halle, weil dort vorher noch Schulsport war. Deshalb war die Halle auch sonst manchmal blockiert. In Quakenbrück müssen wir eine Stunde früher da sein. Die Atmosphäre in Kirchheim war aber auch sehr auf Basketball fokussiert.

„Am liebsten mit den Artland Dragons wachsen“

Wie gestaltet sich das Individualtraining bei den Dragons?

Wir trainieren zweimal am Tag. Das Individualtraining wird derzeit getrennt. Dragan Dojcin kümmert sich um die großen Spieler, Florian Hartenstein um die Guards und Flügelspieler wie ich. Mit Flo üben wir einige spezielle Dribblingmoves ein – auch wie man aus dem Attackieren heraus passt.

Hast du einen persönlichen Karriereplan für dich?

Die NBA ist weiterhin auf jeden Fall ein Traum von mir. Aber ich möchte sehen, wo ich mit Basketball in meinem 25. Lebensjahr stehe. Am liebsten möchte ich mit den Artland Dragons wachsen.

Welche Trainer haben dich in der Jugend geprägt?

Robert Bauer war einer der besten Trainer, die ich je hatte. Ich durfte unter ihm im Verbandskader in Berlin trainieren. Beim TuS Lichterfelde hat mir die Zusammenarbeit mit Carsten Kerner sehr gefallen. Damals in der JBBL war Milan Pesic mein Trainer. Er hatte damals sogar einmal Svetislav Pesic eingeladen. Svetislav Pesic hat uns zugeschaut und jedem gesagt, was besser werden muss – wirklich jedem. Das hat mir gefallen. Häufig standen ansonsten die Jugendnationalspieler in einem besonderen Fokus. Das war bei ihm nicht so sehr der Fall.

Hattest du jemals Kontakt zu einer Jugendnationalmannschaft?

Nein. Ich hatte mal eine Chance auf eine Teilnahme am Jugendbundeslager in Heidelberg. Allerdings war ich damals noch nicht im Besitz eines deutschen Passes. Ich hatte nur einen deutschen Reisepass. Das war schade, denn in der Zeit hatte ich mich extrem weiterentwickelt. Eine weitere Chance ergab sich für mich in meinem zweiten NBBL-Jahr. Hamed Attarbashi durfte ein, zwei Spieler aus seinem Kader auswählen, die zum Bundesjugendlager fuhren. Doch in dem Jahr hatte ich nicht hart genug gearbeitet. Das bereue ich. Mittlerweile hat sich meine Einstellung geändert. Wenn der Trainer etwas sagt, macht er das aus bestimmten Gründen.

Während deiner Jahre in der JBBL und NBBL hast du dich statistisch enorm gesteigert. Du hast Hamed Attarbashi bereits lobend erwähnt. Was hat er konkret mit dir gemacht?

Ich konnte kein Basketball spielen, als ich zu ihm kam. Ich konnte springen und dribbeln. Er hat mir das Pick-and-Roll allmählich beigebracht und bei mir diese Defense-First-Denkweise eingebrannt. Die drei Jahre unter ihm waren sehr prägend. Manchmal waren wir sogar vier Stunden in der Halle. Im ersten Jahr war ich meistens nur in der ersten Trainingsgruppe, später kam die NBBL hinzu und Hamed wollte, dass wir dort auch noch mittrainieren. Er hat mich immer dazu gekitzelt, noch mehr zu trainieren – auch früh am Morgen. Ich habe seine Ratschläge nicht immer wahrgenommen und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich Zeit verschwendet habe. Ich war der Meinung, dass ich schon genügend trainiert hatte. Ich bereue das. Meine Einstellung hat sich extrem gewandelt während der Zeit in Amerika. In Quakenbrück habe ich mit Dragan Dojcin nun ebenfalls einen sehr guten Trainer, der auf viele Details achtet.

Vielen Dank für das Gespräch.

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