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Eigenkorb für Schwenningen oder die Liga?

09.05.2017 || 09:51 Uhr von:
ProB, Ausländerregelung, Karim Jallow, ProB,
Die 2. Basketball Bundesliga hat die neue Ausländerregelung für die ProB präsentiert. Ist das nun die optimale Lösung? Das Europarecht und die Panthers Schwenningen sagen ganz klar nein.

Die 2. Basketball Bundesliga hat die neue Ausländerregelung für die ProB präsentiert und mittlerweile auch beschlossen. Statt dreier Deutscher müssen nun immer drei Local Player auf dem Feld stehen. Außerdem dürfen ab der kommenden Saison nur noch zwei Spieler, die nicht aus der EU stammen, pro Spiel eingesetzt werden. Ist das nun die optimale Lösung für alle Partien?

Neue Regelung, die Jugendförderung wichtiger macht

Als Local Player werden Spieler akzeptiert, die in einer Saison vor dem 15. Lebensjahr in einem Verein aktiv waren, die an einem Wettbewerb eines Verbandes teilnehmen, die im DOSB organisiert sind. Alternativ müssen sie in drei Spielzeiten zwischen dem 15. und 19. Lebensjahr an Wettbewerben des DBBs oder der Landesverbände teilgenommen haben. Eigentlich ist diese Local Player-Reglung jetzt sogar eine Verschärfung der bisherigen Quote. Statt drei Deutschen, müssen nun drei in Deutschland ausgebildete Spieler auf dem Feld stehen. Für das Ziel der Talentförderung ist diese Regelung ein klarer Schritt nach vorne. Teams müssen mehr investieren, Spieler in ihren Jugendteams auszubilden, um später genügend Auswahl für die Rekrutierung zu haben. Ein Gewinn für das alte Label „Die Junge Liga“.

Für die Wiha Panthers Schwenningen, die die Veränderungen mit ihrer Klageandrohung ausgelöst hatten, hat die aktuelle Regeländerung rein gar nichts bewirkt. Von den Rotationsspielern aus dem Aufstiegskader dürfte niemand als Local Player gelten. Das Ziel, ihren Kader größtenteils zusammenzuhalten wäre mit dieser Regelung nicht möglich. Selbst ihr wichtigster deutscher Spieler Samba Thiam wird nicht als Local Player zählen. Der Aufsteiger hat durch die Überarbeitung der Ausländerregelung überhaupt keinen Erfolg gehabt, die Androhung der Klage kann jetzt sogar als Eigenkorb bezeichnet werden.

Alles bleibt unklar

Doch der Eigenkorb für die Panthers könnte nicht lange in den Köpfen bleiben. Denn die Schwarzwälder haben sich bereits zu der geplanten Local Player-Lösung geäußert. In einer Mitteilung auf ihrer Webseite äußerten sich die Verantwortlichen enttäuscht: „Anstelle der bis dahin angedachten Regelung, die den rechtlichen Anforderungen hätte genügen können, soll nun die bisherige rechtswidrige Regelung lediglich umetikettiert werden.“ Diese „umetikettierte“ Ausländerklausel ist nach der Ansicht der Juristen der Panthers ebenfalls nicht europarechtskonform. Die herrschende Meinung, die durch den europäischen Gerichtshof (EuGH) getragen wird, besagt, dass das Diskriminierungsverbot auch solche versteckten Diskriminierungen einschließt, die scheinbar neutrale Kriterien anwenden, die aber typischerweise Ausländer diskrimieren. Genau dieser Fall tritt mit der Local Player-Regelung ein, da ein Basketballer aus einem anderen EU-Land kaum vorsorglich in seiner Jugend in Deutschland spielen kann.

Diese Auslegung bietet wenig Raum sie anzuzweifeln. Es gibt nur wenige ausländische Spieler, wie etwa Anton Gavel, der mit 15 Jahren nach Karlsruhe kam und somit die geforderten drei Spielzeiten im DBB absolvieren konnte, die als Local Player gelten können. Selbst Bambergs Nachwuchstalent Arnoldas Kulboka kam „erst“ mit 17 Jahren zu den Franken und wird nicht als Local Player gelten. Aus diesem Grund werden die Panthers wohl auch gegen die neue Regelung juristisch vorgehen. „Die Wiha Panthers VS werden unter keinen Umständen akzeptieren, dass der Wettbewerb, für den sich der Verein sportlich qualifiziert hat, unter rechtswidrigen Bedingungen stattfindet.“ Nach der Entscheidung des 2. Basketball-Bundesliga AG über die neue Regelung ließ der Verein verlauten, dass man sowohl vor dem Schiedsgericht der Liga als auch vor dem Arbeitsgericht Klage einreichen werde. Die Chancen der Local Player-Regelung scheinen nicht sehr hoch.

Keine Ausländerregelung?

Es könnte ein richtig unangenehmer Sommer für die Teams der ProB werden. Erste Spieler haben bereits Verträge unterzeichnet, aber richtige Planung kann eigentlich noch nicht stattfinden. Solange kein Verein weiß, wie die Ausländerregelung aussehen wird, ist es fast sinnlos Spieler zu verpflichten. Eine Farce für den sportlichen Wettbewerb der kommenden Saison. Eine Entscheidung könnte sich noch lange hinziehen. Die Liga hat es verpasst, eine wirklich zweifelsfreie Ausländerregelung zu schaffen und damit Planungssicherheit für die Club-Verantwortlichen. Dafür darf den Schwenningern kein Vorwurf gemacht werden, denn erstens leiden sie selbst unter der unklaren Situation und haben zweitens, nach eigener Aussage, mit der Liga konstruktive Vorschläge erarbeiten wollen.

Eine Beschränkung der Nicht-EU-Ausländer, wie sie jetzt zusätzlich zur Local Player-Reglung eingeführt wird, wäre sicherlich eine Lösung gewesen, die viele Teams weiterhin stark auf Deutsche setzen lässt. Damit wäre zumindest verhindert worden, dass die ProB-Vereine viele deutlich talentiertere und meistens sehr günstige US-Amerikaner rekrutieren. Auch eine verkleinerte Local Player-Regelung, dass mindestens ein solcher Spieler auf dem Feld stehen müsste, wäre denkbar. Fallen nur 20 Prozent der Spielzeit für die restlichen EU-Bürger weg, wäre dies keine hohe Hürde für die Einstellung und könnte damit das Diskriminierungsverbot erfüllen. Im schlimmsten Fall droht der ProB jetzt der komplette Wegfall der Ausländerbeschränkung. Schwenningen könnte dann mit seinem bisherigen Team spielen und die ProB hätte sich einen Eigenkorb eingeschenkt.

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