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Wade Baldwin: Der Generalist

12.06.2016 || 13:48 Uhr von:
Wade Baldwin gehört zu den begehrtesten Aufbauspieler seiner Draft-Klasse. Doch kann er auch ein NBA-tauglicher Spielmacher sein? basketball.de stellt ihn für euch vor.

Kurzer Steckbrief

Name: Wade Baldwin
Position: Ballhandler
College: Vanderbilt
Alter: 20 (29.03.1996)
Größe: 1,89 m
Gewicht: 91 kg
Armspannweite: 2,11 m

In seiner zweiten College-Saison hat sich Wade Baldwin zum wichtigsten Spieler seiner Vanderbilt Commodores entwickelt und im Vergleich zu seinem Freshman-Jahr noch einen Sprung nach vorne gemacht. Dank seiner Vielseitigkeit und Konstanz im Angriff sowie Potenzial zum Elite-Verteidiger ist ihm die Rekrutierung in der ersten Draft-Runde sicher. Und doch scheiden sich am 20-Jährigen die Scouting-Geister.

Offense

Wade Baldwin ist in seiner Sophomore-Saison zum Anführer seiner Vanderbilt Commodores gereift. So nahm der Aufbau die meisten Würfe in seinem Team (9,6 FGA pro Partie) und erzielte die meisten Punkte (14,1), jeweils knapp vor Mannschaftskollege Damian Jones. Baldwin ist aber mitnichten ein Spieler, der nur für sich selbst kreiert. Im Halbfeldangriff gibt er den Ball stets erst einmal ab, um ihn später an einem anderen Punkt des Feldes wieder zu bekommen. Baldwin ist ein effektiver Passgeber (5,2 Assists pro Spiel) ohne elitäre Spielübersicht. Seine Anspiele sind meistens einfacher Art; spektakuläre Vorlagen sieht man von ihm sehr selten.

Auch wenn seine Ballhandling-Skills gut genug sind, um aus dem Dribbling zu attackieren, ist dies nicht eine seiner Stärken. Dennoch sind seine Drives gefürchtet, und zwar aus einem spezifischen Grund: seiner enormen Länge. Baldwin ist kein besonders explosiver Spieler, kommt aber dank seines schnellen ersten Schrittes an den meisten College-Guards vorbei. Einmal in der Zone, ist der 20-Jährige nur noch schwer am Korberfolg zu hindern. Dank seiner enormen Armspannweite (2,11 m) kann er am Ring gegen beinahe jeden Spieler abschließen (50,4 FG% in Korbnähe). Zudem ist er kräftig genug, um auch gegen Kontakt zu scoren oder jenen aufzunehmen. Auf NBA-Niveau, wo er unter dem Korb auf größere und stärkere Gegenspieler trifft, dürfte sich Baldwin dabei allerdings zunächst etwas schwerer tun.

Am effektivsten ist der Guard, wenn er die gegnerische Defensive im Transition-Spiel attackieren kann. Seine Entscheidungsfindung ist dort sehr stark, weshalb aus nahezu jeder Fastbreak-Gelegenheit mit Beteiligung Baldwins ein erfolgreiches Play resultiert.

Von besonders talentierten College-Spielern erwartet man Jahr für Jahr Fortschritte in Sachen Effizienz. Dies lässt sich bei Baldwin anhand der Statistiken jedoch nicht ablesen. Sowohl in Korbnähe, als auch von der Dreierlinie (40,6 3P%) gingen seine Wurfquoten im Vergleich zum Freshman-Jahr um ein paar Prozentpunkte herunter. Lediglich sein Mitteldistanzspiel hat der Guard auf den ersten Blick verbessert. Allerdings muss dabei Baldwins deutlich größere Verantwortung im Vergleich zur Vorsaison berücksichtigt werden (USG% von 18,7 auf 25,3). Dies ist als Begründung für den kleinen Rückgang in punkto Effizienz durchaus zulässig. Insgesamt ist Baldwins Wurf als stabil zu bezeichnen, auch wenn er nicht über die sauberste Technik verfügt. Aus dem Catch-and-Shoot trifft der Vanderbilt-Akteur sehr zuverlässig, weshalb er auch oft aus dem Stand oder nach Off-Screens abdrückt (72,5% seiner Dreier geht ein Assist voraus). Sein Abschluss aus dem Dribbling ist dagegen noch verbesserungswürdig, aber mit gutem Coaching durchaus zu beheben.

Wenn etwas in Baldwins Entwicklung als besorgniserregend bezeichnet werden kann, dann wäre dies die Anzahl der Ballverluste (18,2 TOV%). Zu oft läuft der 20-Jährige noch Gefahr zu überdrehen. In neun Saisonspielen leistete sich der Spielmacher vier Ballverluste oder mehr. Außerdem muss er wie viele andere junge Spieler auch lernen, gute von schlechten Entscheidungen zu unterscheiden. In dieser Szene zum Beispiel wäre der einfache Pass besser gewesen als der ambitionierte Versuch des Zuspiels in die gegenüberliegende Ecke.

Defense

Die hervorragenden physischen Voraussetzungen kommen Baldwin noch mehr am defensiven Ende entgegen. Die Kombination aus Länge, Geschwindigkeit und schnellen Händen macht ihn zu einem guten On-Ball-Verteidiger. So kann er kleine und schnelle Guards vor sich halten und auch gegen größere und stärkere Guards und Forward bestehen. Sein kräftiger Körper ist bei Ball-Screens vorteilhaft, welche er nicht nur gut erkennt und liest, sondern sich auch stark zu diese durchkämpft. Zudem erschwert er den Spielaufbau des Gegners durch seine langen Arme. Dies zeigt sich zwar nicht an den Steals (1,2 pro Partie), dennoch erschwert Baldwin immer wieder Pässe oder fälscht diese ab.

Abseits des Balls ist Baldwin bei weitem kein so guter Verteidiger. Wie viele andere junge Spieler kann man ihn häufig dabei beobachten, wie er dem Ball zuschaut, anstatt seinen Gegenspieler im Auge zu behalten, weshalb diese ihm das eine oder andere Mal entwischen. Zwar gelingt es ihm manchmal noch zu Recovern. In den meisten Fällen führen diese Unaufmerksamkeiten jedoch zu einfachen Korblegern des Gegners.

Zudem neigt er dazu, zu viel auszuhelfen – teilweise mit verheerenden Folgen wie in der folgenden Video-Sequenz. In extremen Fällen rennt er sogar zum Doppeln von der Weakside herüber. Auf höherem Niveau wird so etwas gnadenlos bestraft. Diese Fehler sind im weiteren Verlauf seiner Karriere allerdings korrigierbar.

Bei einer enormen Armspannweite wie der Baldwins überrascht es nicht, dass der 20-Jährige zu den besten Defensiv-Reboundern auf seiner Position gehört. So greift der Point Guard 3,6 Abpraller am defensiven Brett und gehört damit zur Spitze in dieser Kategorie.

Spielstil

Die Umstellung vom College-Basketball hin zur NBA sollte Baldwin durchaus entgegenkommen. Bei den Commodores musste der Ballhandler in einer Halbfeld-Offensive agieren, die sehr auf strikten Read-and-React-Prinzipen aufbaute und von den Spielern viele schnelle Pässen und Cuts erforderte. Baldwin ist jedoch ein Aufbauspieler, dessen Stärken erst dann richtig zum Tragen kommen, wenn er mit dem Ball in der Hand zum Dribble Drive ansetzen kann und aus eben jenen Penetrations für sich und seine Mitspieler kreiert.

Dass in der NBA das Blocken-und-Abrollen die dominanteste Rolle in den Spielsystem einnimmt, kommt Baldwin entgegen. In der Pick-and-Roll-Verteidigung kann er dank seiner langen Arme, Kraft und Körpergröße unfallfrei switchen und auch gegen die meisten Wings und Stretch-Big verteidigen – ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Bewertung des NBA-Potentials von Baldwin.

Fazit

Die größte Stärke Baldwins ist seine Vielseitigkeit. Schon vorletzte Saison gehörte der Commodore zu den ganz wenigen Spielern in der NCAA, die neun Punkte, vier Assists sowie vier Rebounds pro Spiel auflegen konnten. Dies wiederholte er in seinem Sophomore-Jahr nun erneut. Sein Wurf ist zwar nicht sehr schön, fällt aber sicher. In der Defensive hat Baldwin die meiste Luft nach oben. Dank seiner körperlichen Anlagen ist er jetzt schon ein guter On-Ball-Verteidiger, nun muss er nur noch die Verteidigung abseits des Balls verbessern. Auch an seiner Entscheidungsfindung im Halbfeldangriff kann der 20-Jährige noch arbeiten. Seine Ballhandling-Skills sind zwar solide, aber auf NBA-Niveau vermutlich nicht stark genug, um ein echter Playmaker zu werden. Stand jetzt wird er die Rolle des Combo-Guards einnehmen und als „Three-and-D“-Spieler seine Daseinsberechtigung finden.

Prognostizierte Draft-Range: Mid-First

Der Generalist – bekannterweise das Gegenteil des Spezialisten – zeichnet sich dadurch aus, alles zu können, aber nichts davon überragend gut. Dies wird ihm häufig zum Vorwurf gemacht. In basketballerischer Hinsicht kann Wade Baldwin zu dieser Spezies gezählt werden. Außer seinem hervorragenden Spiel in Transition leistet er viel Gutes für sein Team, ohne dass eine Fähigkeit besonders heraussticht. Dies ist an dieser Stelle jedoch keineswegs negativ gemeint. Vor allem in der modernen NBA, wo selbst Rollenspieler nicht mehr nur eine Sache können müssen, wird Baldwin seine Vielseitigkeit zugute kommen. Der Guard besitzt allerdings das Potenzial, ein dominanter Perimeter-Verteidiger zu werden.

Dennoch sind nicht alle Experten von Baldwin überzeugt. Viele verweisen auf seine Abschlussschwäche am Ring im Halbfeldangriff, seine Ballverluste und nur durchschnittliche Übersicht. Letztlich ist zwischen Draftposition acht und 20 völlig offen, welches Team sich für den Point Guard entscheiden wird.

Trivia

Zwischen 2012 und 2014 spielte Wade Baldwin gemeinsam mit NBA-„Rookie of the Year“ Karl-Anthony Towns an der St. Joseph High School im Bundesstaat New Jersey. Beide gewannen zusammen zwei Staatsmeisterschaften. Nicht verwunderlich, dass Towns seinen früheren Weggefährten in den höchsten Tönen lobt. Sicherlich würden sich beide freuen, in der neuen Saison auch in der NBA zusammenspielen zu können. Dieses Szenario erscheint jedoch eher unwahrscheinlich. Die Minnesota Timberwolves picken an fünfter und 17. Stelle.

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