BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Marquese Chriss: Sky is the limit

23.06.2016 || 17:03 Uhr von:
Name: Marquese Chriss Position: Big Man Alter: 18 Jahre College: Washington Größe: 2,08 m Gewicht: 103 Kg Armspannweite: 2,14 m ESPN hatte Chriss vor der NCAA-Saison 2015/16 in ihrer Liste der höchst gehandel...

Name: Marquese Chriss
Position: Big Man
Alter: 18 Jahre
College: Washington
Größe: 2,08 m
Gewicht: 103 Kg
Armspannweite: 2,14 m

ESPN hatte Chriss vor der NCAA-Saison 2015/16 in ihrer Liste der höchst gehandelten High School-Seniors des Jahrgangs 2015 nur an Nummer 60 geranked, bei Scoutshoops wurde er an die 55. Stelle gesetzt und Yahoos hauseigener Scouting Service ‚Rivals‘ handelte den jungen Big Man an Nummer 56. Keine 12 Monate später gilt Chriss als sicherer Top 10-Pick in der anstehenden NBA Draft. Started from the bottom now we’re here? Woran lag es, dass der 18-jährige Frontcourt-Spieler während seiner letzten High School-Tage von den Scouts unterschätzt wurde? Und warum sind nun scheinbar die gesamten NBA-Front Offices hinter dem Abgänger der University of Washington her?

Vielleicht liegt es an dem Fakt, dass seine (vielen) Baustellen nicht so sehr ins Gewicht fallen, weil er erst seit vier Jahren „organisierten“ Basketball spielt und sich in dieser Zeit prächtig entwickelt hat? Oder ist es doch eher der Fakt, dass sein Offensiv-Spiel, sowie Ansätze in der Defensive, exzellent sind, OBWOHL er erst seit vier Jahren „organisierten“ Basketball spielt?

Nun kann Chriss – aller Wahrscheinlichkeit nach – schon vor seinem ersten NBA-Spiel Geschichte schreiben. Nämlich als erster Spieler, der nicht zu der Top-50 seines High School-Jahrgangs zählte und trotzdem als „One-and-done“-Prospect in der Top 10 einer NBA Draft gezogen wird. Wieso ist dem so?

Offense

In einer immer statistischer werdenden Liga spielen Zahlen eine immer größere Rolle. Was bei Marquese Chriss heraussticht, ist dabei vor allem sein Alter: erst im Juli diesen Jahres wird der Freshman 19 Jahre alt. Ein sehr junger Big Man, der zudem über eine „Vertical Leap“ von 38 Zoll verfügt und außerdem 35 Prozent von der Dreierlinie versenkt, verursacht als Resultat Freudentränen in den Augen der ihn beobachtenden Scouts.

Dabei spielt Chriss, auch wenn er für die Huskies meist als Brettspieler auflief, am liebsten mit dem Gesicht zum Korb. Seine Bewegungen, so smooth wie es normalerweise nur bei reinen Perimeter-Spieler der Fall ist. Mit seinem Dribbling sowie seiner Video-Game Athletik konnten nur wenige Gegenspieler in der NCAA mithalten. Er liebt das spektakuläre Spiel und will möglichst oft mit wahnwitzigen Dunks abschließen, was nicht immer zu seinem Vorteil ist.

Dabei schlug Chriss seine Gegenspieler entweder direkt mit dem ersten Dribbling …

… oder bewies genug Ballgefühl, um mit einer Gegenbewegung zu kontern:

Dennoch kann in der oberen Videosequenz schön beobachtet werden, dass Chriss ohne den versuchten Dunk wohl erfolgreich abgeschlossen hätte. Spoiler alert: mangelnde Erfahrung wird sich im weiteren Verlauf dieses Draft-Profils häufiger vorfinden.

Nichtsdestotrotz fühlte Chriss sich im Face-Up vor allem gegen größere Gegenspieler viel wohler, als bei dem Spiel mit dem Rücken zum Korb. Immer wenn sein direkter Gegenspieler zu viel Abstand gelassen hat, ließ der Huskie den Wurf fliegen. Bei zu starkem Druck hingegen explodierte der Freshman zum Ring und probierte dort per Dunking abzuschließen. Knapp 70 Prozent seiner Versuche in direkter Korbnähe fanden dabei ihr Ziel. Mit besserem Spielgefühl, vor allem wann das Highlight Play angebracht ist und wann nicht, würde diese imposante Quote sogar noch besser ausfallen.

Kritisch muss dabei das Postspiel von Chriss beäugt werden. Dem Beobachter drängt sich in diesem Bereich der Eindruck auf, als wenn Chriss, schon bevor er den Ball fängt, eine feste Bewegung im Kopf hat, die auf Teufel komm raus dann auch durchgezogen werden muss. Diese Bewegung fiel häufig über die linke Schulter aus oder endete in einem Turnaround-Jumpshot – der immerhin sehr ansehnlich ausschaut. Hookshots wurden dabei nur mit der rechten Hand abgefeuert, jegliche Art von Fakes verschmäht und die linke Hand gemieden. Im Post-Up sah Chriss gegen gute Verteidiger teilweise hilfloser aus als die RTL Redaktion nach dem #verafake.

Gegen einen anderen potentiellen Lottery-Pick, Domantas Sabonis, erzwingt Washingtons Nummer 0 den Fade-Away und trifft nichts als die Seite des Brettes.

Spielübersicht und das allgemeine offensive Spielverständnis fehlen Chriss bislang noch. Seine Assist-Turnover-Ratio von 0,4 ist selbst für einen Brettspieler katastrophal. Trotzdem ist sein offensives Spiel seine große Stärke, denn:

Positiver Lichtblick I: Erst seit vier Jahren Basketball auf „professionellen“ Niveau, gute Hände und überragende Athletik.

Positiver Lichtblick II: Finisher im Pick-and-Roll/Pop:

Kaum ein Spieler ist schneller in der Luft als Marquese Chriss. Kaum ein Spieler ist höher in der Luft als Marquese Chriss. Kaum ein Spieler kann die erstgenannten Fähigkeiten mit einem außergewöhnlich guten Touch um das Brett herum vereinen. Hinzu kommt seine Fähigkeit zuverlässig aus der Mitteldistanz zu treffen. Obwohl seine Dreierquote über die Saison hinweg stetig stieg, ist er noch ein gutes Stück davon entfernt den NBA-Dreier verlässlich zu treffen. Dennoch: die Mechanik ist da und seine bisherigen Fortschritte lassen die Herzen der NBA-General Manager höher schlagen.

Schön zu beobachten ist, wie Washingtons Freshman erkennt, dass die Aztects mit einer Ice-Defense (der Verteidiger des Blockstellers sinkt ab, um den Zug zum Korb zu verhindern) verteidigen. Chriss poppt genau zur richtigen Stelle heraus und hat Vertrauen in seinen Wurf:

Ist der Weg zum Korb frei, wird es wohl auch in der NBA häufig scheppern. Chriss lässt beim Abrollen nichts anbrennen:

 

Dabei fängt Chriss bei dem letzten Clip den Ball mit der linken Hand, verliert nicht die Kontrolle und stopft das orangenfarbende Leder durch die Reuse.

Selbstverständlich sollte ein „Brettspieler“ mit diesen physischen Tools auch in der Transition seiner Konkurrenz davonlaufen. In der ultraschnellen Offensive der Huskies fühlte sich Chriss pudelwohl, konnte er doch hier häufig die Chance ergreifen Gegenspieler aufs Poster zu bringen:

 

Defense

Ein extrem athletischer Brettspieler, mit solidem Wurf, guten Instinkten und Finishing-Qualitäten im Pick-and-Roll, sowie die Transition mitlaufen kann? Denkt hier noch jemand an Amar’e Stoudermire?

Zumindest auf dem College-Niveau sah Marquese Chriss häufig so aus wie „STAT“. In der Offense, wie leider auch in der Defensive. Denn hier gibt es neben guten Ansätzen, sowie etlichen Highlight-Blocks, nicht besonders viel Gutes zu sehen.

Wenn der Blick zuerst auf die Statistiken geworfen wird, fallen direkt ein paar interessante Aspekte auf:

Ein Spieler mit seiner Athletik sollte mehr als 5,4 Rebounds pro Spiel sammeln. Um den Finger noch tiefer in die Wunde zu legen – nur knapp 2,9 seiner Abpraller sammelte Chriss am defensiven Brett. Im Vergleich: der Flügelspieler Malik Beasley ist knapp zehn Zentimeter kleiner, sowie 15 Kilogramm leichter und weist trotzdem eine deutlich bessere defensive Reboundrate auf: 15,1% vs 11,4%.

Marquese Chriss lässt sich zu einfach von seinem Gegenspieler aus dem Weg schieben, boxt selten aus, zeigt im Großen und Ganzen keine – freundlich ausgedrückt – halbwegs akzeptable Arbeitseinstellung. In diesem Bereich muss der künftige NBA-Rookie noch gehörig Boden gut machen.

Der Freshman lässt sich im Matchup gegen NBA-Talent Sabonis gleich zweimal in Folge aus dem Weg schieben:

Und zeigt kein Interesse daran in der Crunch Time auszuboxen:

In der Eins-gegen-Eins-Defense besitzt Chriss viel Potential. Vor allem am Perimeter, wenn er zum Beispiel durch das Switchen im Pick-and-Roll dazu gezwungen wird den kleineren (schnelleren) Gegenspieler zu übernehmen.
Ist er „locked in“ ist seine Fußarbeit sehr gut, und auch die Hände werden nicht übereifrig verwendet:

Für jeden Lichtblick gibt es dennoch Baustellen en masse. Denn leider ist die Disziplin und der Einsatz am defensiven Ende das größte Problem des Supertalents. Es ist nahezu frustrierend zu beobachten, dass er das körperliche Rüstzeug mitbringt um ein guter Verteidiger zu sein, aber häufig einfach nicht bei der Sache ist. Dabei brennt es an allen Ecken und Enden:

Bei der Perimeter-Defense:

oder auch im Post:

Chriss fällt zu häufig auf jegliche Art von Finten rein. Springt viel zu früh zum Block und wird somit sehr schnell mit Fouls belastet. Bei seinem vierten NCAA Spiel gegen Gonzaga und deren Post Elite um Sabonis, Wiltjer und Karnowski, spielte der schnellere und atheltischere Chriss nur 14 Minuten: Wegen Foultrouble. Satte 4,1 Fouls standen Marquese Chriss pro Spiel zu gute. Bei knapp 25 Minuten Spielzeit. Auf 40 Minuten hochgerechnet foult Washingtons 0 6,5 mal. Ein schlimmer Wert!

Wenn er die Ruhe bewahrt und nicht bei jedem Fake wie ein Irrer in die Luft springt, hat er das Potential ein solider Verteidiger, sowie ein starker Shot-Blocker zu werden. Denn im „Marquese Chriss Paket“ befindet sich nicht nur unmenschliche Athletik, sondern auch ein gutes Timing beim Block:

 

Seine Körpersprache am defensiven Ende war (gerade für einen 18-jährigen Freshman) immer öfter eine regelrechte Frechheit. Ohne Körperspannung, mit hängenden Armen, verlor er häufig seine Gegenspieler aus den Augen, rotierte zu spät und verursachte tonnenweise schlichtweg dumme Fouls.

Ein Rookie darf in der NBA vor allem am defensiven Ende des Feldes keine Unlust zeigen. Sonst wird Chriss länger auf der Bank sitzen als Lukas Podolski bei der EM 2016.

Spielstil

Marquese Chriss ist ein Small Forward in dem Körper eines Brettspielers. Der erst 18-Jährige liebt das Spiel mit dem Gesicht zum Korb und schließt am liebsten per Highlight Play ab. Das kann er auch immer häufiger, da seine Athletik von einem anderen Stern ist. Dennoch ist er nicht nur ein Springer a la DeAndre Jordan, sondern vereint seine Athletik mit einem sehr guten Ballhanding, sowie einem soften Touch (mit der starken Hand).

In der Transition läuft Chriss regelmäßig seinen Gegenspielern davon, weiß jedoch im Post gegen gute Verteidiger, seine Schnelligkeitsvorteile nicht richtig einzusetzen. Sein Spiel mit dem Rücken zum Korb basiert vor allem auf Turnaround-Jumpshots, die jedoch meist solide angebracht sind.

Im Pick-and-Roll hat der Jungspund viel Potential. Er kann als Abroller auch schwächere Pässe dank guter Hände und Sprungfedern in den Waden gut verwenden, sowie als Werfer aus der Mitteldistanz glänzen. In Zukunft sollte auch der NBA-Dreier regelmäßig fallen.

Die Defensive ist seine große Baustelle. Hier nimmt er häufiger Pausen und zeigt seine große Unerfahrenheit. Er fällt zu schnell auf Finten rein und hat keine gute Arbeitseinstellung, obwohl die Anlagen vorhanden sind. Den Frust, den die Heimfans hier mit ihm haben werden, wird zumindest durch den ein oder anderen Highlight-Block gelindert werden.

Fazit

Marquese Chriss besitzt unheimlich viel Potential. Sein größtes Manko ist seine Disziplin, sowie seine Unerfahrenheit. Wird er von einer Franchise mit Welpenschutz für Rookies gedraftet, in der er gute Minuten abgreifen kann, ist sprichwörtlich „The Sky the Limit“. „Best Case“-Vergleiche mit Amar’e Stoudermire sind keinesfalls überzogen.

Wenn sein teilweise lustloser und undisziplinierter Charakter dominiert, er seinem Team eher schadet als weiterhilft, könnte er in einigen Jahren als ewiges Talent verschrien aus der NBA verschwinden. Anthony Randolph, der mittlerweile für solides Geld in Europa spielt, könnte hier als Maßstab genommen werden.
Obwohl sein Skillset für einen so jungen Spieler sehr ausgereift ist, muss Chriss hart arbeiten und vor allem konsequent arbeiten, um sich in der NBA durchzusetzen.

Prognostizierte Draft-Range

Chriss gilt als sicherer Top 10-Pick. Von Nummer drei bis zehn ist alles möglich.

Marquese Chriss: Sky is the limit
5 (100%) 1 vote
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2016 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.