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Malik Beasley: Der schönste Wurf der NCAA

20.06.2016 || 17:46 Uhr von:
Vor der NCAA-Saison 2015/16 war viel eher Freshman-Kollege Dwayne Bacon auf dem Radar der NBA-Scouts. Wieso steht nun Malik Beasley im Rampenlicht?

Kurzer Steckbrief

Name: Malik Beasley
Position: Flügelspieler
Alter: 19 Jahre
College: Florida State
Größe: 1,97 cm
Gewicht: 86 Kg
Armspannweite: 2,04 m

Krachende Dunks, knapp sieben Prozent Körperfett und eine wahnwitzige Schnelligkeit im Fastbreak… Laut seinem Ballislife-Mixtape ist Malik Beasley ‚must see tv‘. Auf die Frage, wem sein Spiel ähnelt, antwortet der Freshman von Florida State jedoch mit Wesley Matthews von den Dallas Mavericks. Dabei ist der Swingman der Mavs nun wahrlich kein „Highlight-Player“. Der Absolvent der Marquette Universität überzeugt eher mit anderen Qualitäten – Defense und seinem Sprungwurf.

Eine konstante Verbindung des Namens Malik Beasley mit der Bezeichnung „NBA-First Round-Draftpick“ wurde dabei erst im Laufe der Saison festgestellt – als die beiden stark aufspielenden Freshmen der Seminoles, Beasley und Dwayne Bacon, ihre guten Leistungen aus den ersten College-Partien über die Saison hinweg auf einem ähnlich konstant hohem Niveau halten konnten. Der 19-jährige Beasley überzeugte vor allem durch seinen sehr reifen Jumpshot und vorbildlichen Einsatz.

Offense

‚Ray Allen-like‘ sieht dabei – wenn seine Füße sortiert sind – jeder Wurf von Beasley gleich aus. In dem folgenden Video ist schön zu beobachten, wie Beasley, während er denn Ball fordert, anfängt, seine Füße zu sortieren. Als der Ball gepasst wird, geht der Freshman wie aus dem Lehrbuch mit einem One-Two-Step in den Wurf, fängt den Ball, ‚dippt‘ ihn kurz (dippen beschreibt die kurze Abwärtsbewegung des Balles nach dem Fangen, sie gibt dem Werfer mehr Kontrolle) und geht danach flüssig und kerzengerade zum Sprungwurf hoch. Sogar Nowitzkis grimmiger Wurfcoach, Holger Geschwinder, würde diesen Wurf anerkennend abnicken.

„B-Eazy“ hat dabei auch den ‚hop‘ drauf. Dabei sieht es fast schon maschinell-perfektionistisch aus, wenn der Jungspund mit dem Fangen des Balles einen kurzen Sprung tätigt, um seine Füße wie aus dem Basketball-Lehrbuch perfekt zu sortieren. Ist das Spielgerät in seinen Händen, folgt wieder der kurze ‚dip‘ und der Ball geht auf Reisen.

Hier folgt Floridas Nummer 5 schön dem Play, erscheint genau richtig im Sichtfeld von Mitspieler Bojanovsky, als das Doppel-Team kommt, sodass der Center den komplett freien Beasley in der Ecke bedient. Wieder ein „hop-step“, wieder nichts als Nylon. Für freie Räume bewies der Freshman immer wieder einen guten Riecher.

Zwar ist sein Ballhanding noch nicht sehr ausgereift und das Kreieren für seine Mitspieler fällt dem Freshman (1,5 APG, 25% USG) schwer. Wenn die Verteidigung bei dem Closeout jedoch zu stürmisch den Wurf verhindern will, explodiert der Freshman regelrecht zum Korb. In diesen Fällen – sowie im Transition-Spiel – kommt ihm zugute, dass er es vorzieht, von einem Bein abzuspringen. Nach einem Dribbling und zwei langen Schritten steigt Beasley hoch, und die Fotografen freuen sich auf ihr nächstes Poster… So wie hier gegen Dukes Super-Freshman Brandon Ingram:

Ein großer Unterschied, der bei dem Scouting von Beasley und dem ebenfalls von mir beobachteten Jaylen Brown von California aufgefallen ist, war, dass Floridas Erstsemester seine Limits kennt und nicht so viele Fehlpässe fabriziert. Er sieht gut den offenen Mann auf dem Perimeter und hätte mindestens doppelt so viele Assists, wenn der „Extra-Pass“ mitzählen würde.

Nun stellt sich die Frage: Malik Beasley hat einen sehr ansehnlichen Sprungwurf, produziert relativ wenige Ballverluste (11,5 TOV%), weiß auch nach einem Dribbling sauber zum Pull-up hochzugehen, ist sehr athletisch und kann insgesamt sehr gute Prozente im Scoring aufweißen (TS: 58%). Was sind seine Schwächen?

In der Offense von Coach Leonard Hamilton war B-Eazy nicht der Typ Spieler, der für andere kreiert. Zwar spielten die Seminoles allgemein nicht allzu viele Assists (Nummer 144 der NCAA), Beasleys Rolle im Fastbreak, die Spuren zu besetzen und hart zum Korb zu ziehen, oder im Set-Play (häufig in der Ecke des Feldes) auf einen offenen Wurf zu warten, halfen seinen moderaten Assist-Werten dabei nicht. Dass Beasley unter dem Strich eine negative Assists-Turnover-Ratio zustande gebracht hat (1,5:1,7), darf durchaus als eine rote Flagge verstanden werden.

Das Kreieren des eigenen Wurfes und Abschlussoptionen für seine Teamkameraden ist die große Lücke, welche im Spiel des Malik Beasley klafft. Isolationen und das Pick-and-Roll als Ballhandler machen nur elf Prozent der offensiven Aktionen des Florida State Flügels aus. Wenn der Verteidiger aus dem Close-Out heraus nicht geschlagen werden kann, strahlt Beasley weniger Gefahr aus als ein schlafender Hundewelpe. Resultierend daraus, wird der Ball von ihm häufig weiter gepasst.

Der Abschluss mit der linken Hand sowie das Dribbling mit derselben werden weitestgehend vermieden. Im folgenden Clip sieht man, wie Beasley probiert, den Korb zu attackieren, das Dribbling jedoch nicht aggressiv genug ansetzt und zu hoch dribbelt. Die Folge ist ein Wurf ohne Kontrolle, der das Ziel verfehlt:

So schön sein Jump-Shot auch ist: Beasley ist in der Offensive stark auf seine Mitspieler angewiesen (92% aller Dreipunktwürfe ging ein Assist voraus). Mangelndes Ballhanding dahingestellt, kann Beasley unzureichende Kreativität im Eins-gegen-Eins sowie dem Pick-and-Roll attestiert werden.

 

Defense

„In der Defense kann ich beide Positionen (Anm. d. Red.: Aufbau und Flügelspieler) verteidigen“, behauptete Florida States Freshman während der NBA-Draft Combine. Spieler, die mehrere Positionen gut verteidigen können, sind bei den NBA-Head-Coaches beliebter als Donuts bei Homer Simpson. Hört sich traumhaft an? Ist allerdings (noch) nicht so.

Zuerst muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass Beasley stets bemüht ist, und immer und zu jedem Zeitpunkt probiert, das Spiel zu gewinnen. Während der Niederlage gegen UNC am 4. Januar 2016 liegt FSU mit 16 Punkten bei 30 Sekunden verbleibender Spielzeit zurück. Eine aussichtslose Situation und dennoch ist Floridas Nummer 5 der letzte Spieler, der aufgibt. Knapp eine Minute vorher war es ebenfalls der Freshman, der seine Teamkameraden zusammenruft und im Huddle motivierende Worte findet.

In der Eins-gegen-Eins-Defense wirkt Beasley sehr bemüht. Wenn es die Aufgabe gab, über das ganze Feld zu verteidigen, bekam er stets den Auftrag, den gegnerischen Ballhandler zu verteidigen oder in der Zonenpresse als Spitze zu fungieren. Dabei ließ er sich selten überlaufen, konnte den ballführenden Spieler jedoch auch nur schwach unter Druck setzen.

Zwar probierte er häufig, viel Druck auf sein Matchup auszuüben, wenn dieser ihn jedoch tatsächlich testete, wurde Beasley zu oft geschlagen. Bei der Verteidigung des direkten Weges zum Korb gab der Seminoles-Guard häufig nach…

…oder probierte den Ball zu stealen, kam außer Position und war auf die Hilfe seiner Mitspieler angewiesen.

 

 

Die größten Probleme offenbarten sich bei dem Seminoles-Guard jedoch in den Closeouts. Bei der Bewegung zu dem Werfer hin wurde Beasley zu häufig einfach überlaufen.

In dem folgenden Video-Ausschnitt liegt der Fokus auf der Nummer 32 von Mississippi State. Beasley (#5) will den Wurf mit einem klassischen Close-Out verteidigen. Doch anstatt vor dem Gegenspieler immer mehr kleinere Schritte zu machen, um so schneller auf die Bewegungen des Gegners reagieren zu können, macht Beasley zwei kleine Sprünge. Bei dem zweiten Sprung wird er einfach zur Baseline geschlagen. Das Resultat: freier Nahdistanzwurf für Mississippi State.

 

Wie kommt es also dazu, dass der sonst bescheiden wirkende Beasley behauptet, er könne mehrere Positionen verteidigen? Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass er von Coach Hamilton in der Defensive häufig mit größeren Aufgaben beauftragt wurde und vor allem in der Team-Defense viel richtig macht. Dabei ist das Rebounding sein Steckenpferd. Als relativ leichter und nicht besonders langer Flügelspieler sind 5,3 Rebounds pro Spiel durchaus ansehnlich. Rein statistisch ein Indiz dafür, dass der Guard hart arbeitet. Auch bei den „Hustle-Plays“ führt der Guard seine Mitspieler an. Kaum ein Spieler der Seminoles hechtete häufiger nach einem Ball als „B-Eazy“.

Bei Defensivrotationen war Beasley zwar kein Musterschüler, seine stetige Aufmerksamkeit brachte seinem Team jedoch einige Steals…

… auch wenn er hin und wieder übereifrig agierte:

 

Spielstil

Malik Beasley hat sein College genau richtig ausgewählt. Florida State spielte letztes Jahr ein hohes Tempo, lief viele Fastbreaks und kreierte durch das viele Dribble-Drives offene Würfe am Fließband. Spieler wie Dwayne Bacon, Xavier Rahtan-Mayes und Boris Bojanovski zogen im Angriff viel Aufmerksamkeit auf sich, wodurch Beasley zu vielen offenen Würfen kam.

Das Pick and Roll, stagnierendes Eins-gegen-Eins und das Kreieren für andere Spieler sind nicht die Welt des Malik Beasley. Der 19-Jährige ist im Angriff auf seine Mitspieler angewiesen, um effizient zu sein. Der Grund hierfür ist mangelnde Kreativität sowie ein nicht sonderlich weit ausgeprägtes Ballhanding.

In der Verteidigung mimt er den Kettenhund. Nach dem Motto: Köter, die bellen, beißen nicht, trifft der Freshman bei der on-ball-Defense aus taktischer Sicht noch zu viele falsche Entscheidungen. Am effektivsten war Beasley, wenn der Ball die Hand des Werfers verlassen hat: bei dem defensiven Rebound. Seine schwache Verteidigungsleistung am Mann kommt dabei jedoch von seiner Undiszipliniertheit. Zumindest der Einsatz stimmt.

Fazit

Der 19-Jährige hat noch viel Arbeit vor sich, um in der NBA mitspielen zu können. Er gilt als hart arbeitender Freshman ohne Allüren und muss (nachdem sein Ermüdungsbruch im Bein auskuriert ist) diszipliniert trainieren, um sich das Vertrauen seines zukünftigen Trainers zu erarbeiten.

Immerhin besitzt der Jungspund einen Wurf, der nur noch wenig Feintuning benötigt sowie eine Athletik, mit der er sich in der NBA nicht zu verstecken braucht. Sein Vergleich mit Wesley Matthews ist in zwei bis drei Jahren durchaus angebracht, sollte er seine defensiven Patzer abstellen und seine Reichweite ausbauen. Ein NBA-Team, das von seinem Rookie nicht zu viel in den ersten Saison verlangt, kann bei dem 1,96 Meter großen Flügelspieler zugreifen. Wobei ihm neben einigen Kurzeinsätzen in der besten Liga der Welt auch genügend Spielzeit in der D-League gut tun würde. Vor allem Teams mit einem akuten Mangel an Shootern würden sich über das Spacing freuen, welches Beasley durch seinen guten Wurf liefern kann.

Trotz einer überschaubaren Länge und Armspannweite besitzt Beasley das Potential, ein guter Overall-Defender zu werden.

Prognostizierte Draft-Range

Mitte-Ende der ersten Runde. Im Basketball.de Mockdraft an Nummer 26 zu den Philadelphia 76ers.

Trivia

Während das Profisportler-Elternteil in der NBA nichts besonderes mehr ist, kann Malik Beasley mit anderen berühmten Eltern auftrumpfen. Seine Eltern sowie sein Großvater spielen in mehreren Filmen kleine und größere Rollen. Dabei ist der Name ‚Beasley‘ sogar im Abspann von Hollywood-Blockbustern wie Last Vegas (Maliks Vater spielt hier einen Türsteher) sowie in ‚The Purge 2‘ zu finden, in dem sein Großvater mitspielt. Der bescheidene Malik Beasley könnte sich auch vorstellen, neben der NBA-Karriere hier und da zu schauspielern. „Ich würde gerne auch während meiner Basketball-Karriere schauspielern. Ich möchte Werbungen und verschiedene andere Sachen ausprobieren.“, so Beasley gegenüber FSUNews.

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