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Jaylen Brown: der Überathlet

16.02.2016 || 14:28 Uhr von:
Auch wenn die Freshman-Saison von Jaylen Brown bisher ernüchternd verläuft, ist der Flügelspieler ohne Frage ein klarer Lottery-Pick. Das Draft-Profil zum Golden Bear.

Name: Jaylen Brown
College: California Golden Bears
Erfahrung: Freshman
Position: Flügelspieler
Geburtsdatum: 24.10.1996
Größe: 2,01 Meter
Gewicht: 102 Kilogramm
Armspannweite: 2,11 Meter

Jaylen Brown, geboren in Marietta, Georgia, spielt seine erste Saison in der NCAA an der Westküste bei den California Golden Bears, an der renommierten Berkeley Universität. Der Freshman galt als einer der besten Rekruten des Jahrgangs 2015 und komplettiert mit Ivan Rabb die beste „Recruiting Class“, die in den letzten Jahren an der renommierten Hochschule zu bewundern war.

Bei dem mittlerweile klassischen Vergleich mit einem NBA-Spieler würde der Rookie der Detroit Pistons, Stanley Johnson, wohl am passendsten auf Jaylen Brown und dessen Spielstil zutreffen. Beide sind um die 2,01 Meter groß und gelten als sehr bullige und körperbetonte Spieler. Während Johnson jedoch ein etwas größeres Skill-Set besitzt und vor allem mit seiner Übersicht und einem immer besser werdenden Wurf in der High School überzeugte, ist Brown – ja, wirklich – noch athletischer.

Zudem ist die Wheeler High School, mit der Brown 2015 Meister im Bundestaat Georgia wurde, ein sehr sehr kleines Programm – im Gegensatz zu Johnsons Schule, dem Power House Mater Dei. Jedoch wussten sowohl Brown als auch Johnson mit ihrer überragenden Athletik auf der High School zu überzeugen und traten als absolute Führungsspieler hervor. Beide gewannen in ihrem letzten Jahr die jeweilige State Championship und wurden zum McDonalds All American Game in Chicago sowie dem Jordan Brand Classic in Brooklyn eingeladen.

Bei den Golden Bears stößt Brown zu den bereits etablierten Spielern um Senior-Point-Guard Tyrone Wallace sowie den Flügelspielern Jabari Bird und Jordan Mathews. Zusammen mit Top-Ten-Rekrut Ivan Rabb kämpfen die Golden Bears, allen Startschwierigkeiten zum Trotz, um eine gute Platzierung in der Pacific-12 (Pac-12). Hierbei folgten auf haarsträubende Niederlagen wie gegen Oregon State überzeugende Siege wie etwa gegen die Wildkatzen aus Arizona.

Offensive

Jaylen Brown ist ein Monster-Athlet. Dabei darf der Vielflieger jedoch nicht nur auf seine Athletik reduziert werden. Im Angriff und in der Verteidigung sind seine physischen Veranlagungen jedoch seine größte Stärke.

Als Bruiser in dem Sinne sehr physisch agierend, wirft Brown seinen Körper Angriff für Angriff vornehmlich zum Korb. Einmal am Ring angekommen, ist Brown mit einer Trefferquote von 74 Prozent sehr sicher beim Abschluss. Bei einem Blick auf die Advanced Stats ist besonders auffällig, dass nur knapp 16 Prozent seiner erfolgreichen Korbabschlüsse in direkter Korbnähe assistiert werden. Brown kreiert sehr viel aus dem Dribbling heraus. Obwohl er mit beiden Händen einen soften Touch unter dem Korb besitzt, zieht der Freshman vorzugsweise nach einer Körpertäuschung und einem Hesitation-Dribbling über die rechte Seite zum Korb. Sieht er eine Lücke im Drive über die linke Seite, nutzt er diese jedoch eiskalt aus.

Dabei kommt ihm seine überlegene Athletik sowie die Fähigkeit, mit beiden Händen abzuschließen, zu Gute. Vor allem nach einem Defensiv-Rebound initiiert Brown häufig selbst den Fastbreak und präsentiert sich in der Transition als effektiver Scorer. Im folgenden Video beweist Brown seine Beidhändigkeit und Athletik, indem er mit einem Monster-Dunk, abgesprungen vom „falschen“ Bein und mit der linken Hand, vollstreckt. Denkt hier noch jemand an LeBron James?

Einmal in Fahrt, sucht Brown den Kontakt mit dem Gegenspieler, um zu einem besseren Abschluss zu kommen. Durch seine Kraft und seinem Drang zum Korb hat ihm der Verteidiger aus Richmond nichts entgegenzusetzen.

Wenn Brown einmal in Fahrt gekommen ist, kann er im Eins-gegen-Eins von keinem Spieler auf dem NCAA-Niveau gehalten werden. Hierfür ist er schlicht und ergreifend zu kräftig, schnell und zielstrebig.

Nichtsdestotrotz ist der junge Highflyer (noch) ein „Prospect“. Er wird die NCAA nicht als fertiger Spieler wie Damian Lillard verlassen. Dies zeigt sich vor allem in der Offensive. Hierzu muss gesagt werden: Der 19-Jährige hat Skills. Sein Dribbling und sein beidhändiger Abschluss am Korb beweisen, dass der Freshman nicht komplett roh ist. Um allerdings „Well Done“ zu werden, muss er an verschiedenen Baustellen arbeiten.

Hierbei ist vor allem sein Wurf zu nennen. Eine Feldwurfquote von 22 Prozent aus der Mitteldistanz und 26 Prozent von der Dreipunktlinie sind keine guten Werte. Der Lichtblick: Brown hat ein Gefühl für den Ball. Sein Wurf ist jedoch noch sehr inkonstant in der Durchführung.

Seine schlechten Quoten außerhalb der Zone sowie eine Freiwurfquote von knapp 66 Prozent lassen ihn zum zweitbesten Scorer der Golden Bears mit einer True-Shooting-Quote von 54 Prozent sowie einer effektiven Feldwurfquote von 49 Prozent werden. Für einen Flügelspieler mit knapp mehr als zehn Abschlüssen pro Spiel ein schlimmer Wert.

Zudem fehlt Brown im Angriff häufig die Übersicht. Zu oft geht der 19-Jährige mit dem Kopf durch die Wand und rennt sich in mehreren Angreifern fest.

„Schön“ kann in dem Video-Ausschnitt beobachtet werden, wie Brown durch das Doppeln panisch zum Korb zieht, von vier Gegenspielern gestoppt und mit dem Offensiv-Foul bestraft wird. Zwar besetzen seine Mitspieler die freien Räume unzureichend, zumindest Jordan Mathews (#24) steht jedoch frei in der Ecke und überzeugt mit einer Dreierquote von 44,7 Prozent.

Seine Assist-Turnover-Ratio von 0,5:1 ist zusammen mit Freshman-Buddy Ivan Rabb der schlechtste Wert im gesamten Team. Mit seinen physischen Tools sollte er die Offense der Bears konstanter und effizienter beleben. Seine Entscheidungsfindung ist jedoch zum Haare raufen. So wird Brown, was die Advanced Stats belegen, sehr häufig isoliert und im Eins-gegen-Eins rangelassen. Für das Pick-and-Roll fehlt im schlichtweg der Basketball-IQ.

Wenn die Bears eine freie Offense spielen, wirkt der Freshman häufig wie auf verlorenen Posten. Cuts zum Korb oder das Suchen von freien Räumen sind nicht seine Stärke. Es kann immer öfters beobachtet werden, wie Brown auf der ballfernen Seite an der Dreielinie stillsteht.

Defensive

In der Defense überzeugt Brown mit einem Rundum-Sorglos-Paket. Dabei macht er on- und off-ball nur wenig falsch.

Brown hilft seiner Mannschaft von der Helpside aus sehr gut. Hier beweist er meist ein gutes Timing sowie eine gute Übersicht, wann er wie viel helfen muss. In der Rotation passiert ihm selten der klassische „James Harden“ oder „Otto-Pilot Porter“ – er hat seinen Gegenspieler stets im Blick.

Zudem ist er sehr variabel einsetzbar. Durch seine große Statur, gepaart mit schnellen Füßen, kann Brown von der Zwei bis Vier – von schnellen Guards bis kräftigen Flügelspielern – jede Position gut verteidigen. Dabei fällt ihm häufig die Rolle des Stoppers vom besten gegnerischen Flügelspieler zu.
So kam es nicht selten vor, dass Pick-and-Rolls in denen der Bären-Neuling involviert war, geswitcht wurden.

Zu sehen ist, wie Brown mit dem anderen Flügelspieler den Gegenspieler bei einem Hand-off tauscht. Durch seine athletischen Fähigkeiten schafft er es, obwohl er unter dem Block hindurch geht, den Wurf mit seiner Länge zu stören. Wegen seiner massiven Struktur spielt California häufig mit Brown im Low-Post. Hierbei verteidigt er vom Aufbau- über den Flügelspieler bis hin zum (kleineren) Center vier Positionen effektiv.

Darüber hinaus könnte auf hohem Niveau seine Verteidigung bei indirekten Blöcken kritisiert werden.

Hier kommt es ab und zu vor, dass Brown vor allem bei guten Werfern zu häufig unter dem Block durchgeht und somit einen guten Wurf ermöglicht. Auf dem Niveau der NCAA ist dies ein absoulutes No-Go, da es dem Werfer die nötige Zeit gibt, um einen guten Wurf loszuwerden.

Dass Jaylen Brown unerfahren ist, wird auch daran deutlich, dass Head Coach Martin häufig gezwungenermaßen auf Brown verzichten muss, weil dieser mit mehreren Fouls belastet ist. Bei der ersten Saisonniederlage gegen San Diego State war Brown nach 16 Minuten ausgefoult. Im Overtime-Thriller gegen Wyoming durfte Brown den Sieg seinen Bären nur von der Bank aus beobachten. Auch bei der zweiten Saisonniederlage gegen Richmond war Brown Foul-belastet, lieferte mit 27 Punkten dennoch eine ordentliche Partie ab.

Fazit/ Aussicht

Im Großen und Ganzen wird in den ersten Monaten deutlich, wieso Jaylen Brown von ESPN an der vierten Position der „Recruting Class 2015“ (hinter Simmons, Labissiere und Ingram) stand. Seine Athletik findet man in der NCAA selten vor. Bei der Hypothese „Jaylen Brown ist der athletischste Freshman der NCAA“ würden nur weniger Kritiker aufkommen. Jedoch ruht sich Brown nicht auf seinen körperlichen Talenten aus, sondern arbeitet auf dem Feld extrem hart.

Somit ist Brown aktuell einer der unangenehmsten Gegenspieler auf College-Ebene, da er mit seiner harten Spielweise an beiden Enden des Spielfeldes seine Gegenspieler permanent fordert.

Jaylen Brown besitzt viel „Upside“. Wenn er einen zuverlässigen Wurf entwickelt, kann er es auch in der NBA zum All-Star schaffen. Dennoch ist er den Vorschusslorbeeren nicht ganz gerecht geworden. Beim NBA-Draft 2016 sollte er hinter seiner Flügel-Konkurrenz Simmons und Ingram stehen.

Der Tipp von basketball.de: Jaylen Brown wird zwischen dem vierten und zehnten Pick von Adam Silver aufgerufen werden; er ist mindestens ein sicherer Lottery-Pick. Denn in der NBA als wichtiger Rollenspieler zu bestehen, ist für einen Spieler mit seiner Einstellung zum Spiel sowie dieser unmenschlichen Athletik durchaus möglich. Für Teams, die ihren deklarierten Franchise-Spieler besitzen und Brown die nötige Zeit geben wollen – und können -, um sich weiter zu entwickeln, ist er die richtige Wahl. Dabei wird Brown von der ersten Minute an einen Impact auf sein Team, zumindest als Energizer und Verteidiger à la Justise Winslow, haben.

Trotzdem verläuft die Freshman-Saison von Brown eher ernüchternd. Denn obwohl er an seiner High School das wohl größte Talent seit Shareef Abdur-Rahim gewesen ist, hat er nicht den Einfluss auf das College-Spiel, den sich die Bären von ihm erhofft hatten. Dies ist wohl der größte Unterschied zu Pistons-Rookie Stanley Johnson, der bei seiner Station in Arizona zum Führungsspieler gereift ist. Bei den California Golden Bears hat für die basketball.de-Redaktion Ivan Rabb den positiveren Einfluss auf das Spiel der Bears, der zuletzt die Utah Utes um Star-Center Jakob Poeltl dominierte – beides Mitglieder im basektball.de-Mock-Draft.

Jaylen Brown: der Überathlet
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