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Jakob Pöltl: der Ösi-Exportschlager

05.02.2016 || 16:38 Uhr von:
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Jakob Pöltl ist auf dem besten Weg, im kommenden NBA-Draft rekrutiert und damit zum ersten Österreicher der NBA-Geschichte zu werden. Der Utah-Center unter der Lupe.

Steckbrief

Name: Jakob Pöltl
Position: Big Man
College: Utah
Alter: 20
Größe: 2,13 m
Gewicht: 112 kg
Armspannweite: 2,16 m

Jakob Pöltl hat eine überzeugende Freshman-Saison hinter sich und wäre vermutlich schon vergangenes Jahr Mitte der ersten Draft-Runde von einem NBA-Team selektiert worden. Dennoch hat sich der Big Man im letzten April gegen eine Anmeldung zum Draft 2015 und für ein zweites Jahr an der Universität von Utah entschieden, um weiter an seinen Fähigkeiten zu arbeiten. Nicht bei vielen Spielern in der Vergangenheit hat sich diese Entscheidung positiv auf die Draftchancen ausgewirkt, im Falle Pöltl scheint sie sich jedoch voll auszuzahlen. Der 20-Jährige hat in den ersten Monaten der laufenden Saison nicht nur seine in der Vorsaison gezeigten Qualitäten bestätigt, sondern auch an einigen Schwächen gearbeitet bzw. diese sogar abgestellt.

Offense

Pöltls Fähigkeiten in der Verteidigung waren schon letzte Saison über jeden Zweifel erhaben, während sein Offensiv-Spiel noch recht roh war. Viele NBA-Scouts dürften daher gespannt gewesen sein, wie die Entwicklung des jungen Österreichers im Angriff voranschreitet. Zur Halbzeit der NCAA-Saison 15/16 darf resümiert werden, dass der Big Man seine Fähigkeiten erkennbar verbessert und an Vielseitigkeit im Angriff gewonnen hat, auch wenn sein Arsenal an Post-Moves weiterhin ausbaufähig ist. Am häufigsten bringt der Österreicher den Hook-Shot an, den er auch sicher beherrscht. Über einen Sprungwurf oder Fadeaway verfügt der Big Man allerdings (noch) nicht. Bei seinen seltenen Würfen aus der Mitteldistanz zeigt er aber recht viel versprechende Ansätze (41,9% bei Zwei-Punkt-Sprungwürfen). Insgesamt ist das Spiel mit dem Gesicht zum Korb dennoch etwas, woran Pöltl in den nächsten Jahren noch arbeiten muss. Zudem ist anzumerken, dass er die meisten Abschlüsse mit rechts nimmt. Diese Limitierung ist ebenfalls eine Sache, die der Big Man beheben muss. Dennoch agiert der Center auf College-Niveau sehr effizient (64,3 FG%). Dabei nimmt der 20-Jährige seine Abschlüsse zu 85,2 Prozent in unmittelbarer Korbnähe. Zudem geht nur etwas mehr als der Hälfte seiner Treffer unter dem Korb ein Assist voraus, was zeigt, dass Pöltl nicht nur auf Anspiele aus dem Pick-and-Roll angewiesen ist, sondern sich seinen eigenen Wurf im Low-Post erarbeiten kann.

Jakob Pöltl besitzt darüber hinaus auch die Fähigkeit, den Ball auf den Boden zu setzen und gegnerische Center aus dem Dribbling heraus zu attackieren. Dabei zeigt er gute Koordination und ordentliches Ballhandling, zieht in manchen Fällen sogar von der „Birne“ zum Korb. Im folgenden Video demonstriert Pöltl dies, indem er vom High-Post zum Korb geht und dort abschließt.

 
Dank seiner Athletik und guten Koordination ist Pöltl auch ein guter Abroller im Pick-and-Roll. Er stellt gute Blöcke und macht es dem Verteidiger des ballführenden Spielers aufgrund seines großen Körpers schwer, an ihm vorbeizukommen. Eine weitere Angriffsoption für Pöltl ist das „slippen“ eines Ball-Screens.

 
Auf dem Weg zum Korb ist er dank seiner guten Hände stark darin, den Ball zu fangen und mit beiden Händen abzuschließen.

So verwandelt er 68,2 Prozent seiner Würfe am Ring. Dank dieser Athletik und Mobilität ist Pöltl auch in der Transition Offense sehr stark. In der nächsten Szene ist zu sehen, wie Pöltl zunächst den Drive des Gegenspielers erfolgreich verteidigt und anschließend den Fastbreak läuft.

 
Mit die größten Fortschritte hat Pöltl im Kreieren für andere gemacht. Es gelingt ihm mittlerweile deutlich besser, Drucksituationen (unter anderem beim Double-Team im Low-Post) auch mit dem Rücken zum Korb zu lösen, was sich an der Entwicklung seiner Assist- (AST% von 6,6 auf 16,1) und Turnover-Rate (TOV% von 18,2 auf 13,3) im Vergleich zur Vorsaison ablesen lässt. Seine Zahl an Ballverlusten pro Spiel ist zwar leicht gestiegen, dies ist im Kontext seiner größeren Rolle im Angriff sowie seiner höheren Spielzeit jedoch zu relativieren. Doch nicht nur aus dem Low-Post gelingt es dem Center, seine Mitspieler in Szene zu setzen. In einigen Situationen agiert Pöltl auch aus dem High-Post heraus, von wo er Richtung Korb cuttende Teamkollegen bedient. Anhand der folgenden beiden Szenen lässt sich Pöltls sehr gute Übersicht erkennen.

 

 
Ebenfalls signifikant sind Pöltls Verbesserungen an der Freiwurflinie, wo er seine Trefferquote innerhalb eines Jahres um 25 Prozent erhöht hat (FT% von 44,4 auf 69,4). Dies ist besonders wichtig, da er in der laufenden Saison 7,3 Freiwürfe zieht. Pöltl ist von seinen Gegenspielern kaum zu stoppen, wenn er einmal am Korb den Ball hat (FTA/FGA: 76,2%).

Defense

In der Verteidigung liegen – trotz aller Verbesserungen im Angriffspiel – weiterhin die größten Stärken von Pöltl. Vor allem unter dem Korb ist der Österreicher eine Macht – und das, obwohl er nicht zu den explosivsten Spielern und Shot-Blockern gehört. Zwar legt der Big Man 1,6 Blocks pro Spiel auf, allerdings verändert Pöltl in dieser Saison „nur“ 5,5 Prozent der gegnerischen Zwei-Punkt-Versuche, während er auf dem Feld steht. Zum Vergleich: in der Vorsaison lag dieser Wert bei 8,6 Prozent. Eine Erklärung für diese Entwicklung ist der Abgang von Delon Wright. Ohne die starke Perimeter-Defense des Guards muss Pöltl nun eine noch größere Verantwortung in der Defense schultern und mehr Löcher stopfen. Alles in allem ist jener durch seine Statur dennoch ein großes Hindernis für gegnerische Angriffe in Korbnähe. Hinzu kommt, dass der Big Man Situationen sehr gut liest, wenn seine Help-Defense erforderlich ist.

Auch das Pick-and-Roll verteidigt Pöltl sehr gut. Er beherrscht das „Hedge and Recover“ ausgezeichnet, was für einen Spieler seiner Statur auf College-Ebene ungewöhnlich ist. Möglich wird dies durch Pöltls Wendigkeit. Larry Krystkowiak, Head Coach der Utah Utes, nutzt dies, um ihn ab und zu nach Ball-Screens sogar komplett switchen zu lassen, vor allem wenn es darum geht, weniger athletische Gegenspieler oder nicht so starke Ballhandler zu übernehmen, wie im folgenden Clip zu sehen ist. In diesen Situationen schafft es der 20-jährige Pivot zumindest kurzzeitig, den kleineren und schnelleren Kontrahenten vor sich zu halten. An der Dreierlinie reicht die Flinkheit und Armspannweite des Sophomors jedoch nicht aus, um die Würfe von Schützen zu erschweren.

 
In Anbetracht dessen, dass Pöltl auch Drives verteidigt, ist es beeindruckend, dass der Österreicher nur 2,4 Fouls pro Partie begeht und selten in Foulprobleme gerät. Auch in diesem Aspekt des Spiels hat sich der Wiener deutlich gesteigert.

Beim Rebounding macht Pöltl ebenfalls einen guten Job. Vor allem das Defensiv-Rebounding ist eine große Stärke des Big Man (23,5 DREB%). Er weiß, wo er sich beim Fangen von Abprallern am eigenen Brett zu positionieren hat und lässt sich, wenn er einmal seine Position eingenommen hat, von seinen Gegenspielern kaum noch wegschieben. Zudem ist er sehr gut beim Ausboxen. Allerdings hat Pöltl auch einen Größenvorteil, da er eher selten auf gegnerische Center trifft, die in Sachen Länge mit dem Seven-Footer mithalten können.

Spielstil

Nach dem Abgang von Delon Wright ist Jakob Pöltl in seinem zweiten Jahr in Salt Lake City der Fixpunkt der Utes-Offense. Seine Usage-Rate ist, wie zu erwarten gewesen war, von 21,2 auf 27,1 Prozent gestiegen. In den meisten Angriffen stellt Pöltl einen Block an der Dreierlinie, um anschließend in den Low-Post abzusinken und dort auf Zuspiele zu warten. Bekommt er dort den Ball, schließt er entweder selbst ab oder sucht den freien Mitspieler, wenn ein weiterer Gegenspieler bei ihm aushilft. Der Österreicher verfügt für einen Spieler seiner Größe über eine enorme Schnellig- und Beweglichkeit, weshalb er auch aus dem Pick-and-Roll effizient scoren kann und zudem den Fastbreak läuft. Auf der anderen Seite des Feldes gehört er mit seiner Länge, Agilität und Stärke zu den besten Reboundern und Ringbeschützern in der NCAA.

Fazit

Jakob Pöltl ist mit seinen Qualitäten als Ringbeschützer sowie seiner Mobilität, Athletik und guten Fußarbeit einer der besten Spieler im College-Basketball. Zudem ist er in der Lage, unter dem Korb trotz limitierter Post-Bewegungen hochprozentig abzuschließen. Mit einem PER von 32,8 gehört er zu den zehn effektivsten Spielern in der NCAA Divison I.

Zudem ist er ein Spieler, der zielstrebig an seinem Spiel arbeitet. Dies zeigt sich an seinen Verbesserungen an der Freiwurflinie, im Passspiel sowie in Sachen Foulproblematik. Die Entscheidung, ein weiteres Jahr am College zu bleiben, anstatt in die NBA zu wechseln, ist ein Beleg dafür, dass für Pöltl die basketballerische Ausbildung absoluten Vorrang hat. Mit diesen spielerischen und charakterlichen Eigenschaften ist für Pöltl eine lange und erfolgreiche Profi-Karriere vorprogrammiert.

Prognostizierte Draft-Range: Top-7

An den defensiven Fähigkeiten von Jakob Pöltl besteht kein Zweifel, außer dass es ihm auf NBA-Niveau trotz seiner Mobilität schwerer fallen dürfte, Guards vor sich zu halten. Als Rebounder und Ringbeschützer gepaart mit Athletik und Beweglichkeit dürfte er seine Rolle in der NBA finden. Die Frage ist vielmehr, wie hoch auf dieser Ebene sein offensiver Einfluss sein kann. Er muss physisch noch weiter zulegen, wo er allerdings beständig dran arbeitet (laut Trainer Krystkowiak hat Pöltl über den Sommer 30 Pfund an Masse zugelegt). Daher dürften die NBA-Scouts vor allem seine offensiven Fähigkeiten unter die Lupe nehmen, wo er ebenfalls Fortschritte gemacht hat.

Pöltl hat genug Kraft und Härte, um sich eine tiefe Position gegen so gut wie jeden Gegner auf College-Niveau zu verschaffen. Er ist in der Lage, kleinere oder weniger athletische Verteidiger bei offenen Layups zu schlagen, jedoch zum Teil limitiert, wenn er gegen Leute spielt, die eine vergleichbare Größe und Kraft haben. In diesen Szenen fällt es Pöltl schwer, gute Würfe zu bekommen. Seine Fußarbeit ist nicht mehr so flüssig, wenn physisch gegen ihn verteidigt wird.

Pöltl wird sich mehr Post-Moves aneignen müssen, um in der NBA ein offensiver Faktor zu sein, da er dort nicht wie im College Gegenspieler mit seiner überlegenen Physis überpowern kann. Auch nach Pick-and-Roll-Aktionen wird Pöltl das Punkten vermutlich in der NBA nicht mehr so leicht fallen, da er nicht über die Explosivität verfügt, um gegen eine gestaffelte Defense über dem Korb ein Ziel für Lobpässe zu sein.

Trivia

Interessant ist die Tatsache, dass Jakob Pöltl mit 64,3 Prozent die beste Feldwurfquote aller Spieler in der Pac-12-Conference hat, aber in den neun Spielen gegen Teams aus der Conference lediglich 54,1 Prozent seiner Würfe trifft. Gerade in der ersten Januar-Hälfte gegen bessere Teams wie Oregon und Colorado war der Pivot offensiv kaum ein Faktor. In den folgenden Spielen steigerte sich Pöltl aber wieder deutlich.

Anmerkung der Redaktion: Alle Statistiken sind auf dem Stand vom 5. Februar 2016

Jakob Pöltl: der Ösi-Exportschlager
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PistolPete7
PistolPete7 5. Februar 2016 um 19:40 Uhr

ein interessanter Spieler und für mich auch ein Darkhorse bei der Vergabe der ersten fünf Draftplätze

MJGreenwood
MJGreenwood 10. Februar 2016 um 15:28 Uhr

Darkhorse wahrscheinlich auch der Tatsache geschuldet Europäer zu sein 😛

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