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Ivan Rabb: Californication

11.03.2016 || 15:18 Uhr von:
Mit seinen 19 Jahren ist Ivan Rabb der jüngste Spieler im Roster der California Golden Bears. basketball.de nimmt den Big Man genauer unter die Lupe.

Name: Ivan Rabb
Position: Big Man
College: California
Größe: 2,11 m
Gewicht: 100 kg
Alter: 19
Armspannweite: 2,15 m

Ivan Rabb ist seiner Heimat treu geblieben. Der in Californien groß gewordene Centerspieler verbringt nach seiner überaus erfolgreichen Zeit an der Bishop O’Dowd Highschool auch seine College Zeit in Californien. Bei den California Golden Bears an der renommierten Berkeley University ist er der zweite Top 10 Rekrut (neben Flügelspieler Jaylen Brown). Der letztjährige State-Champion findet außerdem mit Junior-Flügel Jabari Bird einen weiteren „California Native“ in den Rängen der Golden Bears, die sich zudem aus AAU Zeiten bei den Oakland Soldiers kennen.

Liebhaber des anständigen Post-Spiels werden es lieben, Rabb zu zugucken. Denn unter dem Korb gibt es selten Talente, die in seinem Alter das Spiel unter dem Korb so facettenreich beherrschen. Und dies obwohl Rabb zu High-School Zeiten auch mit seiner überaus ordentlichen Athletik zu überzeugen wusste. Der jüngste Spieler im Roster der Golden Bears kann im NBA Vergleich als Mischung zwischen Jahlil Okafor und Myles Turner durchgehen. So ähnelt sein Spiel am offensiven Brett eher dem des ehemaligen Dukies, sein Körperbau ähnelt allerdings Myles Turner von den Indiana Pacers. Im Gegensatz zu Okafor strahlt Rabb zudem mehr Gefahr aus der Mitteldistanz aus und könnte in Zukunft als Pick and Pop Spieler eine gute Rolle in der NBA finden. Dazu jedoch im Artikel mehr.

Offense

Fundamentals: Rabb hat eine sehr gute Fußarbeit. Dies zeigt sich vor allem im Post-Up. Körpertäuschung, Finten mit den Füßen, die Arbeit mit dem Sternschritt, das Drehen über beide Schultern – Ivan bringt das komplette Paket im Spiel mit dem „Back to the Basket“. Hierbei hilft ihm sein beidhändiger Abschluss im Post.

Rabb sieht hier das Doppelteam durch Utah’s Centerhoffnung Jakob Poeltl kommen, liest die Situation und schließt stark, mit Körperkontakt gegen den „7-Footer“ ab.


Hat da jemand bei Al Jefferson Privatunterricht genommen? Schöne Wurftäuschung und Fußarbeit vom Big-Men. Für einen Rechtshänder nimmt Ivan auffällig viele Abschlüsse mit der linken Hand, was ihn schwer auszurechnen macht. Dabei lässt sich keine schwache Hand bei ihm ausmachen. Seine True Shooting Quote von 66,7% ist ein sehr guter Wert. Auf dem High- oder auch Lowpost beherrscht Rabb zudem das Spiel mit dem Gesicht zum Korb. Vor allem gegen physisch stärkere Gegenspieler, ist sich der Freshman seiner Beweglichkeitsvorteile bewusst und schließt immer sicherer auch von weiter außen per Jump-Shot ab. Seine 47% Trefferquote bei versuchten Mitteldistanzwürfen ist der Spitzenwert im Team. Diese Kombination aus einem soliden Wurf bis hin zur Mitteldistanz und dem beidhändigen Spiel unter dem Korb, geparrt mit exzellenter Fußarbeit, bereitet vielen Verteidigungen Kopfzerbrechen. Dabei bewegt sich der bald 19-Jährige sehr gut Abseits des Balles, findet die Lücken der Defense und ist häufig unter dem Korb anspielbar.

Rabb liest die Defense perfekt, weiß wo seine Gegenspieler stehen und über welche Schulter er sich drehen muss um effektiv zu punkten). Für einen Post-Player hat Rabb ein erstaunlich gutes Ballhanding. Er kann die Guards beim Ballvortrag unterstützen, oder den Break selbst einleiten.


Hier duelliert sich Rabb im offenen Feld mit dem vermeintlichen First Pick Ben Simmons – noch zu High School Zeiten.

Offensives Rebounding: Seine Fußarbeit hilft ihm auch beim Rebounding. Vor allem am offensiven Brett beweist er immer wieder eine gute Antizipation, wo der Ball hinfällt.

Mit schnellen Füßen und agilen Körpertäuschungen kommt er, trotz seines geringen Gewichts, häufig zu offensiven Rebounds und Putbacks. Bei dem offensiven Reboundrating und der Gesamtzahl an Rebounds am offensiven Brett belegt der 2,11 Meter-Mann den vierten Rang… in der gesamten Pac-12! Am Defensiven Brett orientiert sich Rabb zuerst zu seinem Mitspieler, wobei er einige Schwächen beim Box-Out hat. Seine guten Instinkte und ein schneller Absprung helfen ihm dennoch den Rebound zu sichern – auch aus der „zweiten Reihe“. Trotz der körperlichen Defizite belegt Rabb laut sports-reference.com einen überraschend starken sechsten Rang in der Pacific-12 Konferenz. Bei beiden Statistiken ist er übrigens der beste Freshman seiner Conference.

Transition: Rabb schaltet schnell um. Für einen knapp 2,11 Meter großen Spieler hat er einen eigenartigen Laufstil (sehr kurze Schritte), läuft den Break dennoch gut in seiner Spur mit. Unter dem Brett angekommen, setzt er seinen Körper geschickt ein und bindet seinen (häufig kleineren) Gegenspieler, um einen einfachen Korb erzielen zu können, wie sehr schön im Video zu sehen ist:

Dabei ist er gefühlt immer im richtigen Winkel zu seinem Passgeber, sodass er nur schwer, und wenn dann mit Foul gestoppt werden kann.

Körperliche Voraussetzungen: Rabb besitzt lange Arme und ist relativ beweglich. Seine Sprungkraft kommt zwar nicht in „Deandre Jordan“ Sphären, mit einem schnellen „Second Jump“ und gutem Timing sammelt er dennoch viele Put-Backs und Blocks.

Rabb ist jedoch sehr leicht für seine Größe. Gegen physisch stärkere Gegenspieler hatte er Probleme in fast allen Facetten des Spiels. Im Post Up wurde er teilweise bis an die 3er Linie heraus geschoben.

Decision Making: Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Teilweise beweist Rabb eine gute Entscheidungsfähigkeit, spielt den Pass gut aus dem Low-Post, dann wiederum spielt er katastrophale Pässe, um den Schnellangriff einzuleiten.

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Defense

Ivan Rabb kann ein guter Verteidiger werden. Seine Fundamentals, vor allem in der Defense, versprechen gute Voraussetzungen für die Zukunft. Denn durch seine langen Arme schafft es der Freshman auch bei größerem direkten Abstand zu seinen Gegenspieler einen Wurf schwer zu machen. Dies ist in der modernen Pick and Roll Verteidigung ein enormer Vorteil.

Sein gutes Timing lässt der 19-Jährige auch immer wieder bei Blocks aufblitzen, wenn er aus der zweiten Reihe, oder von der Helpside aus gegenerische Würfe beeinflusst. Auffällig ist außerdem das senkrechte Springen in die Luft, um keinen Körperkontakt zu initiieren und dennoch Würfe zu blocken. Wenn Rabb also fokussiert ist, kann er trotz seiner physischen Schwäche mit einem hohen IQ und passendem Timing ein guter Team-Defender sein.

Jedoch fehlt dieser Fokus (zu) häufig. Auf 40 Minuten hochgerechnet foult der Post-Spieler mit 4,6 Fouls zu häufig. So musste er, wie Freshman-Buddy Jaylen Brown, schon einige (wichtige) Spiele in der „Crunch-Time“ von der Bank verfolgen. Dies ist bei Rabb doppelt problematisch, da seine Big-Men Kollegen kaum Faktoren am offensiven Brett sind (Rooks: 2,7 PPG, Okoroh 1,1 PPG). Dabei macht Rabb häufig alles richtig – bis er bei einem sehr schwierigen Wurf doch noch einmal probiert den Ball zu blocken und so viele Fouls provoziert, die nicht hätten sein müssen.

Etwas, was Rabb in der Offensive gut macht, in der Defense jedoch regelmäßig verschläft, ist das Umschalten in die Verteidigung. In der Rückwärtsbewegung wirkte er langsamer als auf dem Weg ans offensive Brett. Die Folge: Anspiele seiner Gegenspieler tief in der Zone oder das direkte Alley-Oop Zuspiel.

Auch verlor er am defensiven Brett gegen physisch stärkere Center (z.B. Arizonas Tarzewski) häufig das Duell um den Rebound. Und dies obwohl er das Box Out gut angefangen hat. Wenn nun in der NBA Spieler wie Andre Drummond oder Demarcous Cousins unter dem Korb auf ihn warten, ist mehr Muskelmasse angesagt. Sonst wird Bully-Ball gespielt.

Seine häufig angepriesenen Instinkte machen hier zwar vieles Wett und sind maßgeblich für seine guten Reboundquoten verantwortlich, ein paar Pfunde mehr auf dem Rücken würden dem Spieler mit der Trikotnummer eins nicht nur am Strand von Californien gut stehen.

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Ausblick

Es wird deutlich: Ivan Rabb muss über den Sommer im Kraftraum einziehen. Noch ist sein Köper nicht NBA-ready. Ganz im Gegensatz zu seinem Skillset. Doch auch hier gibt es Baustellen:

Eine 74% Freiwurfquote, sowie seine guten Werte aus der Mitteldistanz sind zwar gute Quoten, dass Pick & Pop hat er jedoch (noch) nicht für sich entdeckt. Dafür scheint es, als habe er noch nicht das Vertrauen ala Chris Bosh in seinen Wurf. Wenn Rabb es jedoch schafft, seine Range bis zur NBA Dreierlinie auszubauen, sollte er auch auf dem „Next-Level“ einen großen Impact haben – werden Pick & Pop Spieler in der heutigen Zeit doch immer gefragter. Rabb konnte sich überraschend gut in der besten College-Liga der Welt akklimatisieren. Wie NCAA-Chefredakteur Torben Adelhardt in der neusten Ausgabe des monatlichen NCAA Podcasts ‚Akademische Stunde’ zurecht bemerkte, steigt Rabb’s Draft-Wert rasant an. Er ist vom PER effektiver als Jaylen Brown, besitzt zudem mehr Win-Shares bei einer weit geringeren Usage-Rate als Brown. Was Ivan Rabb jedoch auszeichnet sind seine wahnsinnig guten Instinkte. Diese sind bei einem fast ‚7-Footer’ unheimlich wertvoll. Zudem kursieren die Gerüchte, dass der California-Native noch nicht ausgewachsen ist. Instinkte kann man nicht beibringen. Und solange er kein Foul-Trouble hat, kann Rabb, auch ohne viel im Angriff genutzt zu werden, seinem Team sehr helfen. Es macht unheimlich viel Spaß, Ivan Rabb bei seinem Spiel zuzugucken. Er ist eine Art Spielertyp, der als Gegenspieler die Pest, als Mitspieler jedoch Gold wert ist. Wenn der erst 19-Jährige noch mehr an Muskelmasse gewinnt und über den Sommer an einem schnelleren Wurf arbeitet, ist in einer relativ schwachen Draft, eine Top 10 Platzierung nicht sehr unrealistisch. Dabei wäre er bei fast jedem NBA Team für zumindest ein paar Minuten eine Verstärkung, besitzt er doch zudem eine gute Arbeitseinstellung und stellt den Teamgedanken in den Vordergrund.

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