BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Dejounte Murray: Seattles Finest 2.0?

10.06.2016 || 11:10 Uhr von:
Dejounte Murray kam schon früh mit der NBA und ihrem Glamour in Kontakt. Meldet sich der talentierte Combo-Guard deshalb vielleicht ein Jahr zu früh für die Draft an?

Name: Dejounte Murray
Position: Flügelspieler/Ballhandler
Alter: 19
College: Washington Huskies
Größe: 1,98 m
Gewicht: 77 kg
Armspannweite: 2,11 m

„Baby Jamal Crawford“, so wird Dejounte Murray in seiner Heimatstadt Seattle genannt. Wieso ? Das wird dem Kenner beider Spielstile sofort bewusst: Beide sind schlaksige, knapp zwei Meter große Flügelspieler, die aus dem Dribbling nicht gehalten werden können. Sie haben den „Ball on a string“, den Ball am Faden. Denn was ihre Gegenspieler auch unternehmen, Murray oder Crawford den Ball zu klauen ist scheinbar unmöglich. Dabei tanzen sie durch die Verteidigungen, wie Ballettänzer. Drehungen, Körpertäuschungen, dank der unendlichen Arme unheimliche Platzgewinne beim Crossover, mit einer scheinbaren Einfachheit zerstören die beiden Spieler aus dem Nordwesten der USA Verteidiger um Verteidiger.

Doch unabhängig von ihrem ähnlichen Spiel mit dem Basketball verbinden Crawford und Murray einige Gemeinsamkeiten. Crawford, der noch vor dem Millenium die Rainer Beach High School in Washington verließ, nahm Murray bereits 2011 unter seine Fittiche, als dieser an seine Almer Mater wechselte. “Sein Spiel war einfach ‘smooth’. Er lässt alles sehr einfach aussehen und hat einen großartigen Fokus. Das ist es, was ihn von den anderen unterscheidet. Es ist bei allen Dingen schwierig, beständig zu sein, aber er ist beständig fokussiert und das ist besonders.” Washingtons Nummer 5 selbst beschreibt den fast doppelt so alten Crawford oft als großen Bruder. Während dies in NBA-Kreisen häufig eine Floskel für eine gute Freundschaft ist, sind die beiden Seattle Natives tatsächlich wie eine Familie. Denn bei seiner Entscheidung, sich für die Draft zu entscheiden und sogar einen Agenten anzuheuern (der Name Rich Paul sollte dem einen oder anderen geläufig sein, unter anderem als Vertreter eines gewissen LeBron James), sprach der 19-Jährige vor allem mit seinen Onkeln – und Jamal Crawford. „Diese drei waren definitiv die wichtigsten Menschen, die Teil an meiner Entscheidung (sich für die Draft anzumelden) hatten.”

Schon im jungen Alter hat der “Baby Boi” dabei relativ viel mit dem NBA-Alltag zu tun. Bei Jamal Crawfords Junggesellenabschied, dem legendären Mitternachts-All-Star-Spiels der Seattle ‘Pro Am’-Sommerliga, sorgte Murray für Furore und spielte an der Seite von Chris Paul, Spencer Hawes und anderen gestandenen NBA-Profis gegen Junggesellen und Profis wie Tony Wroten. Der Basketball-Lifestyle-Kanal ‘Ballislife’ schnitt ein Mixtape zusammen, mit dem der Hype um den Freshman begann. Doch ist dieser Hype berechtigt? Hierfür werfen wir einen Blick auf Murrays ‘Game’:

Offense

Auf die Frage von ESPN, was er denn auf dem Parkett am besten könne, antwortete Murray: “Ich denke ich kann zum Korb ziehen, wann immer ich will.”

Seine Universtität wählte der 19-Jährige dabei genau richtig: Die Washington Huskies hatten landesweit das wohl höchste Tempo, mit extrem vielen Penetrationen pro Spiel.
Der Freshman liebt das ‘transition game’. Wenn er selbst den defensiven Rebound bekommt, schaltet er direkt in den Angriffsmodus um und probiert möglichst schnell, den Ball nach vorne zu bringen. Landet der Rebound und Outlet-Pass nicht bei Murray, schaltet dieser exzellent um und weiß die Spuren zu besetzen. Häufig ist er trotzdem der Empfänger des Spielgeräts und attackiert aus vollem Lauf den Korb. Dabei zieht er vorzugsweise über seine rechte Hand. In-and-out-Dribblings, Hesitation-Dribblings – Dejountes Ball- und Körpertäuschungen sind in der Rückwärtsbewegung schwer aufzuhalten. Wird die rechte Seite dabei zu stark zu gemacht, kommt der blitzschnelle Handwechsel auf die linke Hand, mit der auch hochprozentig abgeschlossen werden kann.

Dabei ist Washingtons Nummer 5 ein wahrer Highlight-Spieler. Denn auch die Mitspieler weiß er in Szene zu setzen:

Dennoch können sich auch gegnerische Fans bei Auswärtsspielen auf Murrays Auftritt freuen, denn für jeden spektakulären Pass produziert Murray gefühlt einen Ballverlust. Nur 1,33 Assists spielt er pro Turnover. Dabei war er auf dem sechsten Rang der Pac-12-Conference in Assists, jedoch auch auf dem ersten bei den Ballverlusten. Kein guter Wert.

Ob im Fast-Break oder im Setplay – Coach Romar überließ seinem Freshman viel Verantwortung. Murray spielte die sechstmeisten Minuten der Pac-12. Nach den ersten neun Spielen verbuchte er sogar 35,4 pro Spiel, nie weniger als 30, zweimal sogar mehr als 40 Minuten. Seine Usage-Rate von knapp 26% ist für einen Erstsemester extrem hoch. Nur Cal’s Freshman Jaylen Brown verbuchte in der Pac-12 einen höheren Wert als Freshman; lediglich fünf Spieler in der gesamten Conference wurden häufiger im Angriff genutzt.

Im Setplay offenbaren sich jedoch Murrays Schwachstellen: vor allem sein Wurf und seine Wurfauswahl. Während er beim Zug zum Korb variantenreich, mit Floatern, Runnern, Layups etc. abschließen kann, waren seine Drives nicht häufig von Erfolg gekrönt. Wenn die Hilfe kommt, sinken Murrays Quoten in den Keller. Murray ist körperlich zu schwach, um gut mit dem Kontakt zu finishen:

Zwar helfen ihm seine langen Arme beim Abschluss; seine True Shooting Quote von 48,5% ist unter allen Draft-Prospects jedoch kaum zu unterbieten. Immerhin verbesserte sich seine Dreierquote beständig. Lag sie vor den Conference-Spielen bei unterirdischen 26%, kletterte sie in der Pac-12-Saison immerhin auf 35,6%.

Trotz dieser Verbesserung liegt Murrays Stärke ganz offensichtlich bei dem Zug zum Korb, auf den er auch in der NBA bauen wird. Mit seiner Mischung aus Schnelligkeit, den langen Gliedmaßen und dem „Ball on a string“ könnte er es zudem einige Male in die Top 10 schaffen.

Defense

Was man Dejounte Murray nicht absprechen kann, ist sein Einsatz. Dies ist auch in der Defense der Fall. Für einen guten Perimeter-Defender hat Murray alle Anlagen sowie eine regelrechte Pferdelunge. Denn er sprintet nicht nur wie Speedy Gonzales in die Offense, sondern gibt auch das defensive Play nicht auf:

Mit seiner Schnelligkeit, einem guten Instinkt und langen Armen gelingt Murray hier gegen Gonzaga der Chase-Down Steal.

Gute Instinkte zeigt Murray auch bei der Deny Verteidigung:

Wenn Murray konzentriert ist, stellt er die Passwege gut zu und kommt zu vielen Steals (1,8; Rang 2. Pac-12).

Gegen physisch stärkere Gegenspieler hat Murray hingegen seine Schwierigkeiten, trotz des einen oder anderen Highlight-Blocks:

Hier sieht man schön, womit Murray zu kämpfen hat: San Diego States Senior Winston Shephard kommt mehr oder weniger problemlos zum Korb. Dank seiner langen Arme kann Murray den Wurf erschweren, dies ist jedoch nicht immer der Fall.

Katastrophal sind jedoch seine gelegentlichen Komplett-Aussetzer:

Im Pick-and-Roll (wobei Washington dies als Team schlecht verteidigt) verliert Murray hier seinen Gegenspieler komplett aus den Augen. Das Resultat: Zwei Freiwürfe.

Im oberen Video verteidigt Washington als Team extrem schlecht, es kommt keine Hilfe, trotzdem hat Gonzagas Nummer 23 wieder komplett freie Bahn zum Korb und wird nur vom Ring gestoppt.

Bei beiden Videos ist auffällig, dass Murray mit dem gestellten Block das Verteidigen scheinbar aufgibt, es kann nicht beobachtet werden, dass er entweder über den Block geht um den Wurf zu erschweren, oder unter dem Block hindurch taucht, um den Drive zu verhindern.

Abseits des Balles probiert Murray sehr aktiv zu sein. Er will viel helfen, geht regelmäßig zum defensiven Rebound und zeigt ein großes Engagement. Dennoch ist seine Defense in diesem Aspekt ausbaufähig. In der Hilfe muss Murray konsequenter zulangen. Big Men wie Sabonis oder Wiltjer von Gonzaga bestraften das halbherzige Doppeln entweder mit einer Konter-Bewegung oder dem Pass zu Murrays Gegenspieler. Erfahrene NBA- Teams werden den künftigen Rookie hier noch stärker bestrafen.

Dazu verliert Murray häufig seinen Gegenspieler aus den Augen:

Als Rookie darf sich Murray so etwas nicht erlauben. Denn ein einfacher Backdoor-Cut hat allzu häufig eine Auswechslung zur Konsequenz.

Washingtons Nummer 5 zeigt am defensiven Ende des Feldes durchaus Potential und vor allem Willen. Zweiteres wird von Scouts mit Gefallen aufgenommen werden. Dennoch muss sein – von Crawford gepriesener – Fokus hier häufiger präsent sein. Denn einfache Fehler lassen viele Coaches der NBA ihren Rookies nicht durchgehen. Mit etwas mehr Masse und Erfahrung kann aus Murray jedoch ein solider Defender werden.

Spielstil

Ein NBA-Verantwortlicher beschreibt Murray wie folgt: “Er ist ein Kombo-Guard […] Er kann immer, auf jedem Weg zum Ring kommen. (Er) hat einen schnellen ersten Schritt. Er ist generell schnell und atheltisch.” Dieser erste Schritt, dazu lange Beine und unendliche Arme stellten viele NCAA-Verteidiger vor unlösbare Probleme, vor allem im offenen Feld. „Baby Boy“ spielt, genau wie die Huskies, ein schnelles Spiel. Je früher der Abschluss, desto besser. Dabei kann der Freshman als Spielgestalter auftreten. Sein Motto hierbei: Wenn ich score, schaffe ich Räume für die anderen, also; Scoring first, passing second. Dabei wirft Murray nicht häufig, er ist sich bewusst, dass er beim Zug zum Korb schwer zu stoppen ist.
Interessant zu beobachten wird es sein, wie Murray mit einem langsameren Tempo und einer geringeren Rolle im Team auskommt, denn wie oben erwähnt, hatte er eine sehr hohe USG% Rate. Jedoch besitzt Murray einen guten „Motor“ und wird in seinen Minuten hart arbeiten und ein möglichst unangenehmer Gegenspieler auf beiden Enden des Feldes sein.

Fazit

„Baby Boy“ hat Potential. Das steht außer Frage. Seine Entscheidung, einen Agenten zu beschäftigen, schockierte jedoch viele. Denn NBA-ready ist Dejounte Murray noch nicht. Viele Minuten zu spielen, hätte ihm ein weiteres Jahr sehr gut getan. Nach dem Abgang von Andrew Andrews hätte der Freshman seine Rolle erweitern können und gemeinsam mit talentierten Spielern wie Markelle Fultz einen guten Auftritt mit Washington hinlegen können. Momentan fehlt es Murray an einer guten Physis sowie an Spielverständnis auf beiden Enden des Feldes. Sein unkonstanter Distanzwurf wäre eine weitere Baustelle, an der er in der kommenden Saison hätte arbeiten können.

Teams mit Geduld und dem passenden System können mit Murray am Ende der ersten Runde einer schwachen Draft jedoch nichts falsch machen. Denn das Talent und die Länge für einen guten two way-Player hat er, außerdem muss man ihm zusprechen, dass er eine gute Arbeitseinstellung und definitiv Bock auf Basketball hat.

Best Case: Jamal Crawford, den ein oder anderen Sixth Man of the year award.

Worst Case: Tony Wroten, zu früh vom College, ohne Wurf, trotz athletischer Voraussetzungen „nur“ hinterer Rotationsspieler bei den Knicks.

Prognostizierte Draft-Range

Späte erste Runde, Beginn der zweiten. Pick 20-40

Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2016 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.