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Buddy Hield: der Stephen Curry der NCAA

03.06.2016 || 09:45 Uhr von:
Buddy Hield war der beste Distanzschütze im College-Basketball und wurde zum Spieler des Jahres in der NCAA gekürt. Dank seiner starken Leistungen als Senior steht der 22-Jährige bei den NBA-Scouts hoch im Kurs.

Steckbrief

Name: Chavano „Buddy“ Hield
Position: Flügelspieler
College: Oklahoma Sooners
Alter: 22 (17.12.93)
Größe: 1,93 m
Gewicht: 97 kg
Armspannweite: 2,05 m

Buddy Hield gehörte in seiner vierten College-Saison zu den besten Spielern der NCAA. Eigentlich wollte der Sooners-Guard bereits nach seinem Junior-Jahr in die NBA wechseln. Trotz der Auszeichnung zum Spieler des Jahres der Big-12-Conference konnte er sich aber nicht sicher sein, in der ersten Draft-Runde ausgewählt zu werden. Daher entschied sich der von den Bahamas stammende Hield dafür, ein weiteres Jahr in Oklahoma zu spielen. Nach überzeugenden Leistungen in dieser Saison – insbesondere der eindrucksvollen 46-Punkte-Vorstellung gegen die Kansas Jayhawks sowie seinen famosen Auftritten im NCAA-Tournament – kann er sich dessen nun sicher sein.

Offense

Hield war in der abgelaufenen Saison der Scharfschütze im College-Basketball. Der Senior hat über die Jahre immer weiter an seinem Wurf gearbeitet, den er nun extrem konstant trifft. Während Hields Dreierquote in seiner Freshman-Saison noch bei 23,8 Prozent lag, traf er in seinem Senior-Year seine durchschnittlich 8,7 Distanzwürfe pro Spiel mit einer traumwandlerischen Sicherheit von 45,7 Prozent. Mit 147 verwandelten Dreiern führte der 22-Jährige die NCAA-Liste in dieser Kategorie zum Saisonende mit deutlichem Vorsprung an.

Auch wenn Hield aus dem Catch-and-Shoot am besten trifft, ist er ebenso in der Lage, aus dem Dribbling oder per Step-back-Jumper hochprozentig abzuschließen. Zumeist wird er von seinen Mitspielern in Szene gesetzt (67,8 % der Dreier geht ein Assist voraus), jedoch zeigt er sich auch das eine oder andere Mal als Ballhandler im Pick-and-Roll, wo er häufig seinen Gegenspieler abschüttelt und zum freien Pull-up-Dreier ansetzt. Da Hield in diesen Situationen sehr gefährlich ist, kann es sich sein Gegenspieler nicht erlauben, Abstand zu lassen und unter den Block zu gehen.
Hield verfügt über einen leicht aussehenden und flüssigen, wenn auch sonderbaren Sprungwurf mit schnellem Release, den er sich in den unzähligen Stunden in der Halle angeeignet hat. So braucht er nur wenig Freiraum für seine Würfe – und das, obwohl er den Wurf in eher tiefer Position loslässt. In den folgenden Video-Sequenzen ist zu sehen, wie Hield sowohl aus dem Catch-and-Shoot, als auch aus dem Dribbling trifft.

 

 

 

Zu den großen Stärken von Buddy Hield gehört auch das Spiel in Transition. Nach eigenen Defensiv-Rebounds oder Steals rennt er stets den Fastbreak, um entweder zum Dreier hochzugehen, zum Korb zu ziehen oder einen freien Mitspieler zu bedienen. Ebenso gerne sprintet er abseits des Balls zu seinen Lieblings-Spots, unter anderem der linken Ecke (siehe nächstes Video), um dort den Ball zu erhalten und sofort von Downtown abzudrücken. Tatsächlich entstehen etwa 7 seiner 25,0 Punkte pro Spiel und mehr als 20 Prozent seiner verwandelten Dreier in Transition.

 

 

Mit einer True Shooting Percentage von 66,5 und einer effektiven Feldwurfquote von 62,3 Prozent gehört Hield zu den effizientesten Schützen, die im College-Basketball in den letzten Jahren bewundert werden konnten. Und wenn wir an dieser Stelle etwas pathetischer werden möchten, dann kann noch angefügt werden, dass Kumpel Hield der effizienteste Volume-Shooter der letzten zehn Jahre ist. Weder Stephen Curry, J.J. Redick, Doug McDermott oder Damian Lillard konnten eine bessere True Shooting Prozentzahl aufweisen (mindestens 15 FGA pro Spiel).

Dies ist durchaus bemerkenswert, da der Sooners-Guard viele schwere Würfe nimmt. Seine Wurfauswahl ist trotz aller Fortschritte in den letzten Jahren weiterhin verbesserungswürdig. So nimmt Hield viele wilde Dreier aus dem Dribbling oder Würfe aus zum Teil großer Entfernung, was seine Trefferquote verringert. Wer es positiv sehen möchte, der kann aber auch an dieser Stelle eine weitere Parallele zu Chefkoch Curry ziehen und die weite Shooting-Range des Sooners als einen Pluspunkt ausmachen.

Auch beim Drive versucht der Bahamer sein Glück zu oft zu erzwingen. In der Zone hat er häufig Probleme, sich durchzusetzen und am Ring abzuschließen. Seine Rückkehr an die Universität von Oklahoma lässt sich auch damit begründen, dass Hield an seiner Entscheidungsfindung arbeiten wollte.

 

 

Beim Kreieren für seine Mitspieler ließ sich bei Buddy Hield diese Saison eine positive Entwicklung feststellen, obwohl er auch in diesem Bereich noch Potenzial hat. Zum jetzigen Zeitpunkt gelingt es ihm immer noch zu selten, trotz seiner Wurfstärke seine Mitspieler in Szene zu setzen (AST%: 12,7). Es ist festzustellen, dass seine Übersicht begrenzt ist und es ihm etwas an Spielverständnis fehlt. Letzteres zeigt sich auch im Pick-and-Roll, wo Hield die für ihn gestellten Screens teilweise nicht richtig nutzt, weil er entweder zu früh oder zu spät zum Drive ansetzt. Auch deswegen dürfte seine zukünftige Rolle in der NBA auf die des Off-Guards und Spot-Up-Schützen begrenzt sein. Trotz der Fortschritte als Ballhandler ist er von seiner Spielanlage her ein reiner Shooter.

Zudem muss der 22-Jährige weiter an der Reduzierung seiner Ballverluste arbeiten, die entweder aus schlechter Ballkontrolle oder Offensiv-Fouls resultierten (14,0 TOV%).

 

 

Defense

In der Defensive sind Hields Leistungen noch deutlich unkonstanter als im Angriff. Ist der Shooting Guard voll fokussiert, zeigt er, dass er ein sehr guter Perimeter-Verteidiger sein kann. Mit einer Armspannweite von 2,05 Metern und einem muskulösen, 97 Kilogramm schweren Körper bringt er gute physische Voraussetzungen mit, auch wenn er für seine Position ein bisschen zu klein ist.

Mit seiner Schnelligkeit und seinen langen Armen kann er im Eins-gegen-Eins so gut wie jeden Gegenspieler auf College-Niveau vor sich halten und zahlreiche Pässe abfälschen. In einigen Situationen sind bei Hield jedoch Konzentrationsschwächen festzustellen. Oft schaut er bloß dem Ball hinterher und verliert seine Gegenspieler aus den Augen. Zu häufig lässt er diese in seinem Rücken entwischen. Mit viel Einsatz ist er zwar oft in der Lage, diese Momente der Unaufmerksamkeit noch zu korrigieren, auf NBA-Ebene darf er sich diese Aussetzer allerdings nicht erlauben. Auch im Pick-and-Roll tut sich Hield teilweise schwer. So bleibt er trotz seiner Kraft und Schnelligkeit das eine oder andere Mal am Block hängen und hat auch bei Off-Screens der Gegner Probleme, um Blöcke herum zu kommen. Oklahoma reagierte darauf, indem Head Coach Lon Kruger sein Team sehr häufig switchen ließ.
Die folgende Szene demonstriert sowohl Hields Stärken als auch Schwächen. Zunächst sinkt er in die Zone ab und hat lediglich Augen für den Ball anstatt seinen Gegenspieler. Anschließend kämpft er sich aber sehr gut durch den Block, um dann mit seinen langen Armen den Wurf des Gegners zu erschweren.

 

 

Gut schlägt sich Hield auch beim Defensiv-Rebounding. So fängt er 4,5 Abpraller am eigenen Brett, was für einen etwas zu klein geratenen Shooting Guard beachtlich ist.

Spielstil

Buddy Hield war ganz klar der Fixpunkt im Angriff von Oklahoma. Auch wenn der Flügelspieler nur gelegentlich den Ballvortrag übernahm, war er in die meisten Offensiv-Aktionen involviert (USG%: 30,2) und nahm zudem die mit Abstand meisten Würfe in seinem Team (16,2 FGA). Meistens agierte er am Perimeter, was sich daran zeigt, dass 53,6 Prozent seiner Abschlüsse aus Dreiern bestanden; entweder als Spot-up-Schütze, nach Isolations oder Blöcken, die für ihn auf der Weakside gestellt wurden.

Zudem nutzt Hield jede Fastbreak-Gelegenheit. Penetration und das Spiel in Korbnähe spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Zwar ziehte er immerhin 5,4 Freiwürfe pro Spiel, allerdings machten die Feldwürfe am Ring nur ein Drittel seiner Abschlüsse aus. Hield ist ein sehr teamdienlicher Spieler, auch wenn sich dies nicht in den Statistiken ausdrückt. So spielte er während seiner College-Karriere im Durchschnitt nur 1,9 Assists, während er sich 2,2 Turnover pro Begegnung leistete.

Fazit

Sollte es eine Franchise in der NBA geben, der allein Shooting vom Flügel zum Glück fehlt, MUSS sich diese in der kommenden Draft für Buddy Hield entscheiden. Dennoch wäre es falsch, den 22-Jährigen nur auf diese Fähigkeit zu reduzieren. Innerhalb der letzten zwölf Monate hat Hield neben seinem Distanzwurf vor allem an seinem Ballhandling und seiner Wurfauswahl gearbeitet, was sich in der vergangenen Spielzeit auszahlte. Mittlerweile kann der Guard seine Gegenspieler auch über seine schwächere Hand attackieren. Hield spielte eine überragende Saison, was er aber nicht nur seinem Talent, sondern vor allem harter Arbeit zu verdanken hat. Seine ganzen Anstrengungen gelten schließlich einem ultimativen Traum, der NBA.

Prognostizierte Draft-Range: Top-7

Wenn es nur nach Leistung ginge, wäre Buddy Hield ein sicherer Top-3-Pick in der kommenden NBA-Draft. Allerdings legen viele Scouts mehr Wert auf das Entwicklungspotenzial eines Spielers als auf seine Produktion. Hield hat in dieser Hinsicht Nachteile gegenüber jüngeren Talenten. Andererseits haben in der jüngeren Vergangenheit viele Spieler, die vier Jahre am College gespielt haben, bewiesen, dass sie sich noch deutlich verbessern können, wie zum Beispiel Draymond Green oder C.J. McCollum. Daher sollte der Guard definitiv in der Top-Ten selektiert werden. Hield bringt alle physischen Voraussetzungen mit, ein überdurchschnittlicher bis guter NBA-Verteidiger zu werden. Allerdings muss er daran arbeiten, mehr Offense aus dem Dribbling für sich und andere zu kreieren sowie sein Ballhandling und seine Entscheidungsfindung verbessern. Doch selbst, wenn er in diesen Bereichen stagnieren sollte, wird er mit dem Potenzial eines guten On-Ball-Verteidigers sowie seinen Fähigkeiten als Distanzschütze wertvoll für NBA-Teams sein. Die größere Entfernung der Dreierlinie im Vergleich zur NCAA dürfte dabei kein Problem für Hield sein, der bereits bewiesen hat, aus sehr großer Distanz treffen zu können.

Wie Green und McCollum ist auch Hield zuzutrauen, sich in den kommenden Jahren noch deutlich zu steigern. Hield gehört schließlich zu den fleißigsten Spielern im College-Basketball. Er ist wahrhaft eine „Gym rat“ und teamintern stets als Erster und Letzter in der Halle und im Kraftraum. Er hat eine extrem positive Arbeitseinstellung und feilt permanent an seinem Spiel. Seine Entwicklung zeigt sich daran, dass er in seiner Freshman-Saison noch ein Bankspieler mit unausgereifter Wurftechnik war, während er nun ein Top-Schütze und Star eines Top-Teams der NCAA ist. Zudem besitzt Hield einen unbändigen Siegeswillen und spielt mit viel Einsatz und Energie.

Was NBA-Scouts an dem Flügelspieler ebenfalls schätzen dürften, ist sein Charakter. Hield ist ein „Locker-Room-Guy“, der für gute Stimmung im Team sorgt und somit einen positiven Einfluss auf die Teamchemie nimmt. Gleichzeitig ist er jemand, der auf dem Court viel kommuniziert und über ein hohes Selbstbewusstsein verfügt. In wichtigen Phasen scheut er sich nicht, Verantwortung zu übernehmen, was er mit zahlreichen starken Leistungen in der Crunchtime bewies.

Trivia

Obwohl er nur selten verwendet wird, lautet Hields Vorname nicht „Buddy“, sondern „Chavano“; Ersterer ist dagegen lediglich ein Spitzname. Entstanden ist jener durch eine Freundin von Hields Mutter, die der Meinung war, dass Hield als kleiner Junge wie „Bud Bundy“ aussah, einer Figur aus der US-amerikanischen TV-Serie „Eine schrecklich nette Familie“ (Originaltitel: „Married… with Children“). Daraufhin wollte die Familie ihn „Bud“ nennen. Eine weitere Freundin machte Hields Mutter aber darauf aufmerksam, dass ein Drogendealer in der Nachbarschaft so heiße und man den Jungen nicht nach diesem benennen dürfe. So wurde Hield stattdessen „Buddy“ genannt.

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