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Trade Deadline: Free Boogie!!!

21.02.2017 || 09:46 Uhr von:
Die Sacramento Kings traden ihren Franchise-Spieler nach New Orleans. Trotz des überschaubaren Gegenwertes war dieser Deal alternativlos. basketball.de erklärt warum.

New Orleans ist mit Abstand der kleinste Markt der NBA. Doch in der Nacht von Sonntag auf Montag waren alle Augen auf die Stadt in Louisiana gerichtet. Highlight war jedoch nicht das All-Star Game. Auch die 52 Punkte des Local Heros Anthony Davis inklusive der MVP-Trophäe gerieten wenig später in den Hintergrund. Denn die New Orleans Pelicans ertradeten sich am Rande des All-Star Games für Buddy Hield, Tyreke Evans, Langston Galloway sowie einen Erst- und Zweitrundenpick den besten Offensivcenter der Liga – gepaart mit Omri Casspi.

Nachdem Mitte Dezember das neue CBA eine vorzeitige Vertragsverlängerung von DeMarcus Cousins im Sommer 2017 erlaubte, stande der Wechsel der Nummer 15 eigentlich nicht mehr zur Diskussion. Kein geringerer als Besitzter Vivek Ranadivé galt als großer Fürsprecher von Boogie. Nachdem dieser vor wenigen Tagen seine Bereitschaft zu einer Vertragsverlängerung öffentlich bestätigte, schien der langjährigen Zusammenarbeit nichts mehr im Wege zu stehen. Bis Adrian Wojnarowski die Bombe platzen ließ!

[Analyse: der Cousins-Trade aus Sicht der Pelicans]

Ausgangssituation Sacramento Kings

Seit 2006 warten die Fans der Kings mittlerweile auf die nächste Playoffqualifikation. Nur die Minnesota Timberwolves müssen länger auf einen Postseason-Auftritt warten. Der Zwang, mit aller Macht unter die Top-acht der Western Conference zu kommen, war dem General Manager in den letzten Jahren deutlich anzumerken. Vlade Divac opferte einen ungeschützten Draftpick und vereinbarte zwei Pickwechsel, um 2015 ausreichend Platz unter dem Salary Cap zu besitzen. Der neue Verantwortliche im Front Office wollte seine erste Offseason nutzen, um DeMarcus Cousins ein konkurrenzfähiges Team auf den Leib zu schneidern. Die Wunschkandidaten kehrten Sacramento jedoch den Rücken.

Gleiches ereignete sich im Sommer 2016. Angeblich war Wade Baldwin IV der höchst gehandelte Rookie, der bei den Kings vorspielen wollte. Wer? Genau. Dabei hatte Sacramento eine achte Draftposition anzubieten. Nachdem zuletzt jedoch unzählige Rookies in Sacramento gescheitert sind, gilt die Franchise nicht gerade als das Wunschziel der NBA-Neulinge.

Auch die Free Agency verlief nicht erfolgreicher. Mit Matt Barnes konnten die Kings den Heimvorteil bei einem Veteranen nutzen, doch Arron Afflalo, Anthony Tolliver, Ty Lawson oder Garrett Temple standen nicht weit oben auf der Wunschliste der 29 anderen Teams. Bevor DeMarcus Cousins‘ potenzielle Vertragsverlängerung 2018 in Kraft getreten wäre, hätte Sacramento nun lediglich eine Offseason, um die derzeit günstigen Konditionen des Centers zu nutzen. Warum sollte der kommende Sommer jedoch besser laufen als die vorherigen?

Was gegen einen Trade von Cousins sprach

Trotz der schwierigen Ausgangslage stellte Divac vor wenigen Tagen klar, dass ein Wechsel von Boogie nicht zur Diskussion stehe. Dies hatte verschiedene Gründe. Zum einen war der 26-Jährige das Aushängeschild der Franchise. Nach dem Umzug ins neue 557 Millionen teure Golden 1 Center ist der wirtschaftliche Aspekt in Sacramento ebenso wichtig wie der sportliche. Um möglichst viele Dauerkarten zu verkaufen, hatte der Playoffeinzug für die Kings einen deutlich höheren Stellenwert als viele Fans vermuten. Denn Ranadivé ist nicht Paul Allen, Steve Ballmer oder Mikhail Prokhorov, die notfalls hohe Millionenverluste verschmerzen können. Der Besitzer der Kings ist lediglich Mehrheitseigner der Franchise. Damit muss er die Interessen der anderen Eigner berücksichtigen, die eine Beteiligung an einem Basketballteam eventuell eher als Geldanlage und nicht als Hobby betrachten. Außerdem hat die Stadt Sacramento unzählige Millionen an Steuergelder in den Bau der neuen Arena gesteckt. Ganz ohne Einfluss wird auch dies nicht sein. Ein Rebuild war daher vom wirtschaftlichen Aspekt schwer zu vermitteln.

Erschwerend kommt die Picksituation hinzu. Bereits in diesem Draft kann Philadelphia den Draftpick mit dem der Kings tauschen. Doch es kommt noch schlimmer: 2019 geht der Pick gar ungeschützt zu den 76ers. Dies ist nicht die beste Ausgangssituation, um einen Neuaufbau zu beginnen.

Außerdem gehört der fünfte Pick des Jahres 2010 zu den talentiertesten Spielern der Liga. Diese Kombination aus Power, Beweglichkeit, Passingskills und Distanzwurf ist in der Geschichte der Liga wohl einmalig. Cousins könnte der beste Spieler der Liga sein. Ohne Not darf ein solches Talent niemals getradet werden – wäre da nicht das Problem zwischen seinen Ohren!

Warum er dennoch getradet wurde

Bisher überwog die Meinung, dass die Kings einen Trade vom potenziellen Gegenwert abhängig machen sollten. In einem kürzlich veröffentlichten Podcast stellte David Locke jedoch eine entscheidende Frage:

Vertraut wirklich jemand darauf, dass sich DeMarcus Cousins in Sacramento ändern wird?

Dies haben die Kalifornier am 20. Februar mit NEIN beantwortet! Unzählige Male zeigte sich der Center reumütig und versprach Besserung. Sein Verhalten auf und abseits des Courts hat sich jedoch kaum verändert. Boogie beschwert sich weiterhin ständig über die Schiedsrichter und vergisst dabei häufig, dass er am defensiven Ende gebraucht wird. Das ermöglicht dem Gegner immer wieder Überzahlgelegenheiten. Einen persönlichen Rekord stellte der Center kürzlich auch bei den technischen Fouls auf, nachdem er gegen die Chicago Bulls für zwei Undiszipliniertheiten in einem Spiel bestraft wurde. In seiner siebenjährigen NBA-Karriere erreichte er nie zuvor die Marke von 16 technischen Fouls – die eine automatische Sperre zufolge hatte – zu diesem frühen Saisonzeitpunkt. Seit der Saison 2005/06 gelang es ligaweit keinem Spieler, diese schneller zu erreichen. Damals handelte es sich um Dwight Howard.

Berüchtigt ist Cousins auch für sein Auftreten in der Kabine. Reporter berichten immer wieder darüber, dass Teamkollegen sich über sein Verhalten beschweren. Gerade die Rookies, die zu Karrierebeginn viele Fehler begehen, sollen oft Mittelpunkt der Kritik sein. Zach Lowe berichtete beispielsweise kürzlich, dass der Center Nik Stauskas zerstört habe.

https://youtu.be/URdDaxGoXC8

Dass die Nummer 15 seinen Frust nicht unter Kontrolle hat, musste im vergangenen Dezember auch Beatwriter Andy Furillo miterleben. Nachdem er in einem Artikel über einen Zwischenfall der Cousins-Brüder Jaleel und DeMarcus in einer Kneipe bei Tampa berichtete, wurde er in der Kabine von Boogie bedroht – vor laufender Kamera. Obwohl dies für den eh schon ramponierten Ruf des Centers eine Katastrophe darstellte, konnte er seine Emotionen nicht bändigen.

Ist dies wirklich der Leader, der die geschundene Franchise aus dem Loch rausholen sollte? Wäre das Front Office tatsächlich in der Lage gewesen, dem All-Star die Mitspieler an die Seite zu stellen, die den Frust des Verlierens in Vergessenheit geraten ließen? Nach den Vorkommnissen der vergangenen Jahre ist dies kaum zu glauben. Inwiefern sollte eine langfristige Vertragsverlängerung – inkusive Gehaltsverdoppelung – dem Team sportlich helfen? Deshalb führte trotz des neuen CBA san einem Cousins-Trade kein Weg vorbei – vollkommen unabhänig vom Gegenwert.

Position of Strength

Bei Tradeverhandlungen ist in der NBA nicht nur die sportliche Qualität der „Tauschware“ entscheidend. Die Verhandlungsposition bestimmt ebenfalls den Preis. Bisher agierte Vlade Divac zumeist aus einer Position der Schwäche. Jeder Amtskollege und Agent kannte die Marschrichtung der Kings. Das führte dazu, dass die Verantwortlichen sowohl für Salary Dumps als auch Free-Agent-Verpflichtungen überbezahlen mussten.

Die langjährige Weigerung des Besitzers brachte die Franchise auch bei Boogie Cousins in eine schlechte Position. Als die Verantwortlichen begannen, ihren Franchise-Player ligaweit anzubieten, war allen Konkurrenten klar, dass die Kings nicht bereit waren, dem Big Man einen Vertrag über 210 Millionen Dollar zu offerieren. Zur Deadline 2016 wäre die Ausgangslage eine deutlich bessere gewesen.

Deshalb ist der Gegenwert für einen Spieler seines Formats sehr gering. Berichten zufolge waren unzählige General Manager nicht bereit, den potenziellen Unruhestifter in ihre Franchise zu holen. Die Boston Celtics waren angeblich nicht einmal bereit, einen Asset zu opfern. Wichtigster Baustein des Trades könnte deshalb der eigene Draftpick sein. Den besitzen derzeit die Chicago Bulls, er ist jedoch Top-Ten geschützt. Der zu erwartende Absturz sollte diesen sichern. In einem solch tiefen Draft wie 2017 könnte der neue Hoffnungsträger trotz potenziellen Picktauschs mit den 76ers Ende Juni zu den Kings stoßen.

Fazit

Nach der Trennung muss DeMarcus Cousins der Basketballwelt beweisen, dass das Umfeld in Sacramento sein bisheriges Verhalten negativ beeinflusste. New Orleans ist ein gutes Umfeld, um sich zu rehabilitieren. Denn Anthony Davis steht bei dieser Franchise im Mittelpunkt des Interesses. DeMarcus Cousins ist lediglich der Co-Star. Dazu ist das mediale Interesse an den Pelicans im Gegensatz zu Märkten à la Los Angeles oder New York verhältnismäßig gering. Einziges Manko: eine Teamkultur, die beispielsweise die Memphis Grizzlies, San Antonio Spurs oder Miami Heat besitzen, fehlt in Louisiana. Daran müssen die Verantwortlichen arbeiten. Denn im Gegensatz zu den Sacramento Kings besitzen die Pelicans keine 210 Millionen Gründe, die einen DeMarcus Cousins 2018 auch ohne sportlichen Erfolg zum Bleiben bewegen könnten.

basketball.de-Redakteur Louis Richter sprach in New Orleans kurze Zeit nach dem Trade mit Kings-Insider Manny Vieites:

Musik: The Passion Hifi – Concept VIP (CC BY 3.0)

Trade Deadline: Free Boogie!!!
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