BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Trade Deadline: Carmelo Anthony

17.02.2017 || 10:31 Uhr von:
Vor sechs Jahren schnürten die New York Knicks ein großes Paket, um Carmelo Anthony in den Big Apple zu holen. Wird er jetzt verschenkt?

Weder die Golden State Warriors noch die Cleveland Cavaliers bestimmen derzeit die Schlagzeilen in der NBA. Stattdessen sind es die New York Knicks. Grund hierfür ist jedoch nicht die Leistung auf dem Parkett. Denn sportlich ist von der Euphorie nach dem vielversprechenden Saisonstart kaum etwas geblieben. Folgt im Big Apple nun der Rebuild? Und was bedeutet dies für die Zukunft von Carmelo Anthony?

Ausgangssituation der New York Knicks

In der Offseason 2016 stand Phil Jackson vor einer schwierigen Entscheidung. Legt er die Zukunft der Knicks in die Hände seines lettischen Hoffnungsträgers oder stellt er Anthony ein erfahrenes Team zur Seite, dass 2017 um die Playoffteilnahme spielt. Mit den Neuzugängen Joakim Noah, Derrick Rose und Courtney Lee entschieden sich die Verantwortlichen gegen einen Rebuild. Die Zukunft wurde jedoch nicht geopfert. Im Gegensatz zu vielen seinen Vorgängern opferte Jackson zwar finanzielle Flexibilität, aber keine zukünftigen Draftpicks.

Dies ermöglicht es den Knicks, die Strategie im Saisonverlauf zu ändern. Denn der derzeitige Plan ist gescheitert. Mit dem Auftreten auf und abseits des Spielfeldes wird New York im Sommer 2017 keine namenhafte Free Agents nach Manhattan locken. Die Zukunft heißt Kristaps Porzingis. Gemeinsam mit Guillermo Hernangomez und den zukünftigen Picks ist der 21-Jährige die größte Chance der Knicks, das kathastrophale Auftreten des bisherigen Jahrhunderts vergessen zu machen. Einen Weg, den Phil Jackson wohl ohne den langjährigen Star gehen will.

Warum Carmelo Anthony traden?

Der President of Basketball Operations wird wie kein anderer mit dem System der Triangle Offense in Verbindung gebracht. Angeblich will der elfmalige Meisterschaftstrainer diese Offensive gegen alle Widerstände etablieren. Zumindest vermitteln dies die New Yorker Medien.

Als der ehemalige General Manager Jerry Krause Phil Jackson im Jahr 1989 zum Head Coach der Bulls ernannte, lag der Schwerpunkt nicht im Angriff. Chicago wählte seinen neuen Trainer aufgrund dessen Fokusierung auf das andere Ende des Courts. Jackson sollte die Verteidigung stabilisieren. Der Angriff hatte vorerst keine Priorität.

Fehlende Defense bemängelt der Erfolgscoach auch in seinen knapp zwei Jahren als Verantwortlicher der Knicks. Grundlage seiner neuen Philosophie sollte nicht die Triangle, sondern eine stabile Verteidigung sein. Spieler, Trainer und das Front Office haben diese Vorgabe bisher nicht umsetzten können. Mit Noah und Lee kamen zwar angesehene Verteidiger, das Team wirkt jedoch vollkommen ungeordnet. Grund hierfür sind auch die beiden Topverdiener der Knicks.

Derrick Rose und Carmelo Anthony sind jedoch nicht nur ein Störfaktor in der Defense. Auch offensiv sind beide trotz guter Statistiken nicht über jeden Zweifel erhaben. Auch hier ist die Kritik nicht an die fehlende Kompatibilität mit der Triangle gekoppelt. Phil Jackson besteht nicht auf dieses Angriffssystem, will jedoch mehr Ballbewegung sehen. Anthony und Rose sorgen aber häufig dafür, dass die Offense stagniert.

Beispielhaft hierfür steht das Spiel inklusive zweifacher Verlängerung gegen die Atlanta Hawks. Nach 45 Punkten und unzähligen schweren Würfen wurde die Nummer 7 trotz der Niederlage von vielen Anhängern in New York gefeiert. Seine Leistung in diesem Spiel war auch hervorragend. Ein heißer Anthony darf jeden Abschluss nehmen, sei er noch so schwer. Das Problem: solche Würfe nimmt er in dieser Häufigkeit ebenfalls, wenn es nicht läuft. In unzähligen Partien hat er so seiner Franchise den Sieg gekostet. Wenn Anthony im Schlussviertel eingewechselt wird, fragt sich der Fan immer: „Holt er den Knicks nun den Sieg oder ballert er sie aus dem Spiel?“. Bei aller genannten Kritik, der Altstar ist weiterhin ein begnadeter Basketballspieler. Aber ist die derzeitige Situation in New York für ihn die richtige?

Aufgrund der Kombination aus schwacher Defense und Iso-Plays scheint Phil Jackson nun eine Entscheidung gegen den Verbleib von Melo getroffen zu haben. Anders sind die zuletzt veröffentlichen Berichte kaum zu deuten. Dank der No-Trade-Klausel hat jedoch Carmelo Anthony, nicht Phil Jackson, das letzte Wort in dieser Schlammschlacht.

Tradekandidaten

Dank des Capanstieges ist das Preis-Leistungs-Verhältnis des Vertrag von Anthony derzeit kein Problem. Eigentlich müsste New York in einem Trade noch einige Assetts zurückbekommen. Die No-Trade-Klausel erschwert dieses jedoch. Angeblich will der Forward nur einem Trade zu den Los Angeles Clippers sowie den Cleveland Cavaliers zustimmen. Boston war zeitweise ebenfalls im Gespräch, doch Danny Ainge hat Gerüchten zufolge kein Interesse an dem dritten Pick des Jahres 2003. Mit diesem kleinen Kreis an Tradekandidaten sinkt der Wert von Melo gewaltig. Denn beide Contender haben Schwierigkeiten, einen solchen Tausch ohne sportliche Rückschritte finanziell zu stämmen. Dazu besitzten beide zukünftig nur eine limitierte Anzahl an Draftpicks. Ist unter diesem Umstand ein Deal überhaupt realistisch?

Cleveland Cavaliers

Lange Zeit wurde über einen Trade gegen Kevin Love spekuliert. Der Power Forward der Cavs mag zwar der bessere Spieler sein, das volle Vertrauen von LeBron James fehlte ihm in den vergangenen Jahren jedoch häufig. Dazu ist sein Nutzen gerade in dem zu erwartenden Finalmatchup gegen Golden State fraglich. Die gute Saison der Nummer 0 macht solch einen Trade jedoch sehr unwahrscheinlich – zumindest ohne weitere Zugaben der Knicks. Laut den Verantwortlichen ist ein solcher Tausch deshalb vom Tisch. Einzig die diagnostizierte Knieverletzung inklusive einer sechswöchigen Pause könnte dies ändern. Dazu müßten die Cavaliers aber daran zweifeln, dass Kevin Love fit durch die Playoffs kommt.

Ist damit der Trade für Carmelo Anthony ausgeschlossen? Vermutlich! Theoretisch beständen natürlich auch ohne Kevin Love eine Trademöglichkeit für Melo. Ein Paket um Iman Shumpert, Channing Frye und Richard Jefferson würde captechnisch reichen. Und bei der Mangel an Alternativen könnte dies mit einem späteren geschützten Draftpick sogar ausreichend sein. Doch wie soll eine Rotation mit James, Love und Anthony aussehen? Kommt einer von der Bank? Ist dies der Frontcourt? Oder lässt Tyronn Lue die Nummer 23 auf der Eins auslaufen? Dazu ist der Verlust von Shumpert nur zu verkraften, wenn J.R. Smith zu den Playoffs in guter Verfassung zurückkommt. Schwer vorstellbar, dass der Titelverteidiger bei so vielen offenen Fragen dieses Risiko eingehen wird.

Los Angeles Clippers

Sollte Carmelo Anthony nach der Deadline ein neues Trikot tragen, ist das der Clippers wohl am wahrscheinlichsten. Trotz zahlreicher Trades, die Los Angeles viele Erstrundenpicks kostete, konnte Doc Rivers sein Team bisher nicht in die Conference Finals führen. Auch die auslaufenden Verträge von Chris Paul, Blake Griffin und J.J. Redick erhöhen den Druck auf das Front Office. Heißt: Die Clippers sollten verzweifelt genug sein, um einen Trade für Melo zu forcieren. Doch welche Möglichkeiten hat der General Manager?

Eine Aufllösung der Big Three hat Rivers ebenso ausgeschlossen wie sein Amtskollege David Griffin in Cleveland. Dies gilt nicht für J.J. Redick. Doch eigentlich sollte der Shooting Guard ebenfalls tabu sein. Anthony mag der bessere Spieler sein, doch Redick ist der bessere Fit. Im Umfeld der Clippers wird bereits ohne die Verpflichtung des Knicks-Forwards darüber diskutiert, die Minuten von Chris Paul und Blake Griffin zu verteilen. Denn beide sind effektiver mit dem Ball in der Hand. Dies bevorzugt auch Anthony. Deshalb bezeichnete Phil Jackson die Nummer 7 auch als Ballstopper. Dazu ist er defensiv und als Schütze schwächer als Redick.

Ohne die vier besten Spieler der Clippers sowie der eingeschränkten Picksituation – Los Angeles kann frühestens den Pick des Jahres 2021 traden – ist ein realistisches Tradeszenario schwer vorstellbar. Sollte das gehandelte Paket um Austin Rivers, Jamal Crawford und Wesley Johnson tatsächlich ausreichen, um Carmelo Anthony an die Pazifikküste zu holen, wären die Differenzen zwischen dem einstigen Hoffnungsträger der Knicks und der Franchise weitaus größer als gedacht. Denn solch ein Move brächte weder einen nennenswerten Gegenwert noch Capspace. Ohne einen schlecht geschützten Draftpick – diese könnten bei der Altersstruktur der Clippers in einigen Jahren sehr wertvoll sein – sollte dies nicht zu Diskussion stehen. Da Doc Rivers mit zukünftigen Assets bisher nicht geizte, könnte dieses Puzzlestück den Deal am Ende doch ermöglichen.

Fazit

Alle Indizien sprechen dafür, dass New York sich von dem dreifachen Olympiasieger trennen will. Offen ist noch, ob dies um jeden Preis vor der Deadline geschehen soll. Ohne ein lukratives Angebot wäre es eine sinnvolle Option bis zur Offseason zu warten. Bis dahin können sich divers Dinge ändern. Sollte Kevin Love in einem Finals-Rematch mit den Golden State Warriors sich als Fremdkörper erweisen, könnte dessen Trade im Sommer erneut ein Thema werden. Gehen die Celtics bei der Jagd nach Gordon Hayward & Co. leer aus, wäre Danny Ainge eventuell aufgeschlossener gegenüber eines Anthony-Trade. Oder findet sich gar ein weiteres Team, das Chris Paul per Free Agency und Melo per Trade holen kann? Solche Szenarien sind zwar unwahrscheinlich, in der Offseason jedoch leichter umzusetzten.

„It is what it is,“ Anthony told reporters Thursday. „Regardless of what happens when we win, it’s us. When we lose, it’s me.“

Der Abgang von Carmelo Anthony hätte aber auch abseits des sportlichen Bereiches weitreichende Folgen für die Franchise. Zuletzt beschwerte er sich in einem Interview darüber, dass er der Sündenbock für die Medien sei. Dies ist die übliche Last, die ein Star in diesem Markt schultern muss. Ein Abgang von Melo hätte die Folge, dass Kristaps Porzingis nicht nur sportlich im Rampenlicht stände. Bisher ist der Lette mit dem Druck hervorragend umgegangen. Ohne einen Carmelo Anthony wäre der Druck auf den 21-Jährigen aber noch ungleich größer.

Trade Deadline: Carmelo Anthony
4 (80%) 3 votes
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2017 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.