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Der Trade von Blake Griffin: mögen die Spiele beginnen

31.01.2018 || 10:44 Uhr von:
Wenige Monate nach der Vertragsverlängerung traden die Clippers Blake Griffin nach Detroit. Ist der Big Man der Heilsbringer der Pistons, oder eröffnet dieser Deal Los Angeles ungeahnte Möglichkeiten?

Zehn Tage vor der Trade Deadline eröffnet ein Blockbuster-Trade das diesjährige Wechselkarussell. Blake Griffin, der im Sommer einen Fünfjahresvertrag über 173 Millionen Dollar bei den Los Angeles Clippers unterschrieben hatte, wird gemeinsam mit Willie Reed und Brice Johnson nach Detroit geschickt. Im Gegenzug erhält Los Angeles Tobias Harris, Avery Bradley, Boban Marjanovic, den Top-vier geschützen 2018er Erstrunden-Draft-Pick sowie einen Zweitrunden-Pick 2019. Besitzt Detroit nun einen Franchise-Spieler? Was erhofft sich Los Angeles von diesem Tausch? Ist in den kommenden Tagen von den Beteiligten noch mehr zu erwarten? Und wer ist der aktuelle Gewinner dieses Trades?

Was erhofft sich Detroit?

Nach einem verheißungsvollen Saisonstart ging es für die Pistons zuletzt steil bergab. Ohne ihren verletzten Point Guard Reggie Jackson steht das Team aus der Motor City derzeit hinter den Playoff-Rängen. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Detroit fehlt es schlichtweg an Playmaking. Ish Smith besitzt kein Starterpotenzial, Langston Galloway ist ein Combo-Guard ohne die nötigen Spielmacherqualitäten, und auch der Flügel kann dieses Defizit nicht kompensieren.

Sinnbildlich hierfür steht Avery Bradley. Die Nummer 22 spielt die schwächste Saison seit Jahren, da seine offensive Rolle viel zu groß ist. Der Shooting Guard sollte weder für sich noch für andere permanent Würfe kreieren müssen. Beides geschah ohne Jackson jedoch viel zu häufig. Seine Usage-Rate sowie die Anzahl der Abschlüsse je 36 Minuten sind daher Karrierehöchstwerte. Bradleys Offensiv-Rating sowie seine True-Shooting-Quote gingen dafür dramatisch zurück und liegen weit unter dem Ligadurchschnitt. Den Pistons fehlt es demnach an Spielern, die gute Rollenspieler à la Bradley vernünftig einsetzten können.

Neben den sportlichen Problemen bleibt die Franchise auch in geschäftlicher Hinsicht hinter den Erwartungen zurück. Vor allem die Auslastung der neuen Spielstätte im Stadtzentrum ist desaströs. Hier fehlt Detroit neben den Erfolgen auch das individuelle Aushängeschild. Der getätigte Trade soll beide Defizite beheben.

Vorteile des Deals

Gesund gehört Blake Griffin zu den besten Offensivspielern der Liga. Dies konnte er beispielsweise in den Playoffs 2015 beweisen, als der Big Man sowohl mit als auch ohne Chris Paul überzeugt hat – der Point Guard fehlte verletzungsbedingt in den ersten Spielen gegen Houston. Dank seiner überdurchschnittlichen Qualitäten als Passer ist Griffin ebenfalls in der Lage, einen Angriff zu leiten. Dazu verbessert er seinen Distanzwurf stetig, der bei schwindender Athletik eine wichtige Waffe bleibt. Griffin besitzt alle Basketball-Skills, um die erste Option in der Offense der Pistons zu werden. Davon werden auch seine neuen Mitspieler profitieren.

Besonders interessant wird auch die Rolle abseits des Courts sein. Auch ohne die zahlreichen Power-Dunks früherer Jahre kann der Forward das neue Gesicht der Franchise werden. Bei gegnerischen Fans ist Griffin zwar eher unbeliebt; sein Spielstil und seine Persönlichkeit – er tritt gelegentlich auch als Kabarettist auf – lassen sich bei ansprechendem Erfolg gut vermarkten. Dennoch geht Stan Van Gundy ein immenses Risiko ein.

Nachteile des Deals

Bereits am Tag seines Vertragsabschlusses spekulierte die Medienwelt darüber, ob und wie lange Griffin ein positives „Asset“ sei. Der Hauptgrund ist sein wiederkehrendes Verletzungspech. Seit 2014 bestritt Griffin keine 70 Saisonspiele in einem Jahr. Aber auch sportlich ist dieser Maximalvertrag kritisch zu betrachten. In den beiden letzten Vertragsjahren verdient der erste Draft-Pick des Jahres 2009 jeweils knapp 37 bzw. 39 Millionen Dollar. Trotz seines Skill-Sets ist dies dann mit schwindender Athletik kaum zu rechtfertigen.

Außerdem ist Griffin für die moderne NBA ein einseitiger Spieler. Heutzutage suchen Teams nach Akteuren, die auf verschiedenen Positionen einsetzbar sind und defensiv switchen können. Griffin ist gerade in der Verteidigung ein reiner Vierer, der den Ring nicht beschützen kann.

Auch beim Fit mit Andre Drummond und Reggie Jackson gibt es noch Fragezeichen. Bereits in Los Angeles gab es Zweifel, ob Power Forward Griffin die ideale Ergänzung zu Point Guard Chris Paul und Center DeAndre Jordan ist. Paul war sehr balldominant und nahm Griffin daher einige seiner Stärken. Jordan versperrte trotz seines überragenden „Vertical Spacings“ die Zone. Die beiden Pendants der Pistons haben einen vergleichbaren Spielstil. Sie sind dazu noch schwächer als Griffins ehemalige Mitspieler bei den Clippers. Dazu ist der Flügel in Detroit extrem dünn besetzt. Dessen Shooting ist sehr wichtig, wenn das Big-Men-Duo erfolgreich sein soll.

What`s Next

Wer einen Blick auf die Depth Chart wirft, wird feststellen, dass Detroit ein Missverhältnis zwischen Bigs und Flügelspielern im Kader besitzt. Eine Korrektur in den nächsten Tagen wäre hier wünschenswert. Die Möglichkeiten sind jedoch begrenzt. Die meisten Teams würden ebenfalls ihre großen Jungs gerne gegen spielbare Wings tauschen. Ohne Assets ist dies jedoch kaum realisierbar. Hierin ist Van Gundy nach dem Trade des Erstrunden-Picks limitiert. Die wertvollsten Talente im Kader sind ebenfalls Flügelspieler. Ist Detroit nicht bereit, einen weiteren Pick zu investieren, werden in den kommenden Tagen keine bahnbrechenden Veränderungen möglich sein.

Was erhofft sich Los Angeles?

Im Gegensatz zu ihrem Tauschpartner ist die sportliche Situation der Clippers schwerer zu analysieren. Mit DeAndre Jordan, Lou Williams und Neuzugang Avery Bradley stehen Gerüchten zufolge mindestens drei Spieler auf dem Trademarkt. Es ist noch vollkommen offen, in welche Richtung das Team von Besitzer Steve Ballmer gehen möchte. Klar ist jedoch, dass die Clippers ihre Flexibilität erhöhten.

Letzten Juni befürchteten viele Beobachter, dass die Franchise langfristig mit Chris Paul und Blake Griffin verlängern würde. Sportlich wäre dies kurzfristig weiterhin ein schlagkräftiges Duo gewesen. Die zwei alternden Stars hätten jedoch mit dem horrenden Gehalt den Salary Cap der Clippers jahrlang blockiert. Beide ohne Gegenwert ziehen zu lassen, war jedoch auch keine sinnvolle Alternative.

Retool statt Stillstand

Innerhalb weniger Monate gelang es den Verantwortlichen der Clippers, mit Trades der zwei werdenden Free Agents eine Ansammlung guter Rollenspieler – mit Lou Williams und Tobias Harris sogar Borderline-All-Stars – mit flexiblen Verträgen sowie Draft-Picks zu erhalten. Dies ermöglicht der Franchise zahlreiche Optionen.

Eine Möglichkeit wäre der radikale Neuaufbau über den Draft. Mit den eigenen Picks, dem der Pistons und dem potenziellen Gegenwert aller wertvollen Spieler, besäße Los Angeles ein gutes Fundament für solch eine Strategie. Berichten zufolge ist der Besitzer jedoch zu ehrgeizig, um diese Option ohne Not zu wählen. Und derzeit besitzt Ballmer eine vernünftige Alternative.

Die Clippers verfügen zwar über keinen Franchise-Spieler, sie sind aber weiterhin ein starkes Team. Selbst ohne Griffin spielten sie erfolgreichen Basketball und blieben in Reichweite der Playoffs. Bradley ist ein Upgrade zu Starter Tyrone Wallace, und auch Harris passt besser ins Konzept als die Nummer 32. Denn mit Danilo Gallinari ist der Neuzugang des Sommers nach längerer Verletzungspause zurück. Der Italiener ist defensiv keine Dauerlösung auf der Drei. Die Addition von Harris ermöglicht es Doc Rivers, seine Combo-Forwards je nach Matchup flexibler einzusetzten. Deshalb ist ein Folgetrade nur bei einem entsprechend lukrativen Angebot sinnvoll.

Die Franchise ist an keinem reinen Tanking-Move interessiert, sondern will mittelfristig besser werden. Denn der wichtigste Aspekt des Trades ist die Position in den kommenden beiden Offseasons.

Die Los Angeles Clippers sind in beiden Jahren in der Lage, massig Cap-Space zu generieren. Abgesehen von Danilo Gallinari laufen alle Verträge in den kommenden beiden Offseasons aus. Damit besitzt Steve Ballmer erstmals die Möglichkeit, sein Verkaufstalent sowie den Standort im Ringen um die besten Free Agents einzusetzten. Der Zeitpunkt für solch eine Strategie ist ideal, da viele überteuerten Verträge des Jahres 2016 erst 2020 wieder auslaufen. Die Konkurrenz um die vertragsfreien Spieler hält sich bis dahin in Grenzen.

And the Winner is …

… die Los Angeles Clippers. Blake Griffin ist gesund zwar mit Abstand der beste Spieler des Trades. Beide Teams waren/sind mit ihm jedoch kein Topteam in der jeweiligen Conference. Im Vergleich zum Verletzungsrisiko und dem Vertragsvolumen hat Detroit einen sehr hohen Preis bezahlt. Die Gefahr, dass Blake Griffin auch in Zukunft vermehrt im Anzug auf der Bank sitzen wird, ist groß. Doch war dieser Trade bereits der Höhepunkt oder erst der Anfang der Deadline-Phase?

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