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Barthel und Ohlbrecht in Orlando

12.07.2014 || 18:48 Uhr von:
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Aus deutscher Sicht musste man in Orlando auf einen Auftritt Niels Giffeys vergeblich warten. Mit Danilo Barthel und Tim Ohlbrecht sammelten aber zwei Big Men einige Minuten. CROSSOVER hat einen genauen Blick auf die beiden geworfen.

Die Summer League ist in erster Linie eine Liga der Guards. Bei Kadern, in denen nur wenige Spieler bereits einen garantierten NBA-Vertrag besitzen, wollen sich die Akteure beweisen und sich in Szene setzen. Und dies ist natürlicher einfacher, je öfter man den Ball in den Händen hält. Für Big Men sind Low-Post-Aktionen deshalb Mangelware – sie müssen meistens über andere Dinge versuchen, sich auf das Radar von Coaches und Scouts zu spielen.

In Orlando waren mit Tim Ohlbrecht und Danilo Barthel auch zwei deutsche Big Men am Start – mit unterschiedlichen Herangehensweisen: Während Ohlbrecht nach zuletzt zwei Jahren in der D-League wieder auf einen NBA-Kaderplatz hofft, geht es für Barthel bei seinem ersten Auftritt in den USA hauptsächlich darum, seinen Erfahrungsschatz zu erweitern. Umso erfreulicher, dass er bisher einen durchaus positiven Eindruck hinterlassen konnte.

Danilo Barthel (Fraport Skyliners, Summer League: Miami Heat)

MpG FG% 3FG% FT% RpG ApG SpG BpG TpG PpG
16,8 31,6 9,1 75,0 4,5 1,0 0,5 1,0 2,0 4,8

Dies liegt unter anderem daran, dass sich Barthel bei den Miami Heat als athletischer Big Man einfügen konnte, der schnell auf den Beinen ist. Der 22-Jährige lief in Orlando als Power Forward auf und konnte sowohl bei der Transition in die Offensive, wie auch in die Defensive mit seiner Schnelligkeit überzeugen. Meist war er früher als seine Gegenspieler auf der anderen Seite des Parketts. Seine Schnelligkeit konnte der Jungspund in Diensten der Fraport Skyliners aber auch im Halbfeldangriff ausspielen: Mit einem schnellen ersten Schritt schaffte es Barthel häufig, an seinem Verteidiger vorbeizuziehen, wenn er den Drive wählte. Barthel stand offensiv meist am Flügel und startete kaum eine Low-Post-Bewegung mit dem Rücken zum Korb.

Mit der Positionierung am Flügel nahm Barthel auch einige Dreier, wobei er sich hierbei noch nicht mit der NBA-Reichweite zurechtfinden konnte. Im letzten Spiel gegen die Oklahoma City Thunder verfehlte er jeden seiner sechs Distanzwürfe – meist waren dies auch ganz offene Würfe. Jedoch war Barthel hierbei auch gar nicht so sehr auf den eigenen Wurf bedacht. Am Flügel präsentierte sich der Forward geduldig, ließ den Ball laufen und zeigte auch eine gute Übersicht.

Geduld wusste Barthel auch bei den angesprochenen Drives zu beweisen, als er nach dem Zug zum Korb ab und an mit Fakes aufwarten konnte und sich somit hochprozentige Wurfchancen erspielte. Dies zeigte Barthel beispielsweise im ersten Viertel gegen die Brooklyn Nets – seiner vielleicht besten Phase in der Summer League. Auf jenem Hesitation-Drive folgte ein Running-Hookshot, bei dem Co-Kommentator Kendall Gill an Magic Johnson erinnert wurde, ehe Barthel nach einem Drive aus dem Pick-and-Roll und einem Foul hart zu Boden ging – doch an der Linie „ein gutes Händchen“ bewies. Auf der Gegenseite zog er gegen Donte Greene noch das Offensiv-Foul.

Fouls sind in der Summer League kein Thema, da ein Spieler nicht ausfoulen kann. Hier kassierte Barthel einige Pfiffe, die in erster Linie auf die Umstellung vom europäischen auf den NBA-Stil zurückzuführen sind. Dasselbe gilt auch für ein paar Ballverluste nach Schrittfehlern.

Auch wenn Barthel in der Defensive immer wieder Fouls nach der Rotation einsammelte, überzeugte er als Verteidiger beim gegnerischen Pick-and-Roll. Immer wieder konnte er stark beim gegnerischen Aufbauspieler aushelfen und in das „Blitz“-Defensivsystem, das man von den Miami Heat kennt, schlüpfen. Auf der Gegenseite stellte Barthel solide Blocks samt breiter Beinstellung. Beim Ausboxen hätte Barthel ab und an seine Gegenspieler besser aufnehmen können; auch durch seine Athletik machte er aber einen guten Job an den Brettern. Wenn Barthel in der Defensive doch einmal im Low-Post stand, wurde er dort von seinen Gegenspieler oftmals geschlagen. Dies ist auch eine Sache der Erfahrung und der geringeren Körpermasse.

Barthels Wurfquoten mögen nicht überzeugen können, jedoch sollte man diese in der Summer League nicht überbewerten – vor allem nicht bei Big Men. Alles in allem machte Barthel einen guten Job, zeigte sich mit sehr viel Einsatz, schien sich schnell an das Spiel in der Summer League samt Rauf- und Runterlaufen zu gewöhnen und konnte auch immerhin den sechsten Pick des diesjährigen Drafts ordentlich abräumen. Als Belohnung gab es eine Begegnung als Starter – und nun die Reise nach Las Vegas, wo die Summer League seit gestern aufgeschlagen ist.

Tim Ohlbrecht (ohne Team, Summer League: Detroit Pistons)

MpG FG% 3FG% FT% RpG ApG SpG BpG TpG PpG
19,3 87,5 55,6 4,0 0,3 0,0 0,0 1,5 4,8

Bisher wird man sich bei Ohlbrechts Vorstellungen in der Summer League vermutlich an diesen Dunk von Nick Johnson erinnern. Dabei konnte der deutsche Center in eben jener Partie gegen die Houston Rockts aber am stärksten von sich aufmerksam machen – was die Offensive betrifft. Bekam der 25-Jährige in seinen darauffolgenden drei Summer-League-Partien kaum die Gelegenheit, sich im Low-Post in Szene zu setzen, konnte er gegen die Rockets hierbei immerhin dreimal erfolgreich abschließen: Ohlbrecht bewies bei seinen Feldtreffern eine gute Fußarbeit und ein gutes Stellungsspiel, postete seine Gegenspieler zwar nicht auf, aber verwandelte nach aufgenommenem Körperkontakt sicher: Seine beiden Korbleger (einmal trotz Foul) und sein Running-Hakenwurf traf der Deutsche.

Ansonsten war in der Offensive wenig von Ohlbrecht zu sehen. Dass er auch aus der Mitteldistanz agieren kann, durfte Ohlbrecht nicht unter Beweis stellen. Der 2,08-Meter-Mann war der einzige Big Man Detroits, der wirklich in der Zone arbeitete. So kamen seine anderen Zähler auch durch Tip-Ins nach einem Offensiv-Rebound oder nach Durchsteckern von ziehenden Guards zustande.

Und so bestand das Spiel Ohlbrechts hauptsächlich aus den Aspekten Blockstellen, das Parkett rauf- und runterlaufen und in der Verteidigung rotieren und ausboxen. Hier konnte man dem Big Man anmerken, dass er durchaus als Veteran in einer Summer League anzusehen ist. Ohlbrecht kommunizierte, rotierte defensiv im Low-Post gut und war auf sein Stellungsspiel bedacht. Weiter draußen am Flügel war er aber nicht so schnell auf seinen Beinen und bei manchen Closeouts zu langsam.

Ohlbrecht wird aber auch wissen, in welcher Form er sich auszeichnen muss. Im Interview mit David Hein sagte der Center, er müsse durch Verteidigung sowie Rebounding überzeugen und sich als guter Rollenspieler und Teamkollege präsentieren, der einfach in ein bestimmtes System passe.

Bei den Detroit Pistons wird mit Stan Van Gundy ein Head Coach antreten, der gerne mit vier Schützen und einem defensiv-orientierten Big Man, der den eigenen Korb beschützen kann, aufläuft. Ohlbrecht wird mit seinen Vorstellungen in Orlando voraussichtlich niemanden überrascht haben – Scouts und Coaches wissen nicht nur nach seinen beiden Jahren in der D-League, was für ein Spielertyp Ohlbrecht ist. Insofern kann man nach seinen vier Begegnungen weder von verbesserten, noch verringerten Chancen bezüglich eines NBA-Kaderplatzes sprechen.

Wenn, dann aber eher Letzteres: Im Vergleich gibt es einfach zu viele Big Men, die athletischer und flexibler einsetzbar sind als Ohlbrecht. Zudem hätte es dem Big Man sicherlich gut getan, zu zeigen, an welchen Aspekten in der Offensive er gefeilt hat. Vielleicht kann er dies nun bei den Denver Nuggets unter Beweis stellen. Ein Team, das zumindest in der NBA gerne auf das traditionelle Big-Men-Duo setzt.

Vorläufiger Spielplan der Teams mit deutschen Akteuren

Dennis Schröder (Atlanta Hawks)
Sa, 12.7., 22:30 Uhr: Atlanta gegen Washington
Mo, 14.7., 0:30 Uhr: Atlanta gegen D-League Select Team
Di, 15.7., 22 Uhr: Portland gegen Atlanta

Elias Harris (Phoenix Suns)
So, 13.7., 2 Uhr: Phoenix gegen Golden State
Mo, 14.7., 4 Uhr: Milwaukee gegen Phoenix
Mi, 16.7., 2 Uhr: Philadelphia gegen Phoenix

Tim Ohlbrecht (Denver Nuggets)
So, 13.7., 0 Uhr: Toronto gegen Denver
Mo, 14.7., 2 Uhr: Chicago gegen Denver
Mi, 16.7., 2:30 Uhr: Utah gegen Denver

Niels Giffey (Utah Jazz)
So, 13.7., 4:30 Uhr: Utah gegen Philadelphia
Di, 15.7., 4:30 Uhr: Utah gegen Milwaukee
Mi, 16.7., 2:30 Uhr: Utah gegen Denver

Daniel Theis (Washington Wizards)
Sa, 12.7., 22:30 Uhr: Atlanta gegen Washington
Mo, 14.7., 4:30 Uhr: Washington gegen Minnesota
Mi, 16.7., 0:30 Uhr: Miami gegen Washington

Danilo Barthel (Miami Heat)
So, 13.7., 4 Uhr: Houston gegen Miami
Di, 15.7., 2:30 Uhr: Miami gegen L.A. Clippers
Mi, 16.7., 0:30 Uhr: Miami gegen Washington

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